Star oder Staren, Dirk van

Star oder Staren, Dirk van, wird gewöhnlich ein Kupferstecher genannt, dessen Namen unsers Wissens bisher kein Dokument mehr bezeugt. Dass der Künstler Star (Sterne) heisse, schliesst man aus dem Sternchen, welches auf seinen Blättern zwischen den Buch- staben D. V. steht; allein diese Annahme bedarf noch ebenso sehr des Beweises, als die derjenigen, welche diesen sogenannten kleinen Meister DV. Dirk Verster oder Versterre nennen. Im Holländischen ist die Orthographie Star und Ster zulässig ist. Wir kennen indessen einen Kunstverleger Johannes Star, der um gelebt hat, so dass wenigstens die Gewissheit bleibt, dass im 10

Von den Lebensumständen dieses Künstlers ist so wenig be- kannt geworden, dass man nur nach den Jahrzahlen auf seinen Stichen schliessen kann: er habe bis 1544 gelebt. Die Zahl seiner Blätter, worunter mehrere Radirungen, ist sehr klein; allein was er in der Kunst leistete, ist durchaus vortrefflich. Seine Stiche sind mit vieler Gewandheit und Leichtigkeit behandelt, ohne nach- lässig zu seyn; vielmehr machen sie eine angenehme Wirkung. Er war zugleich ein trefflicher Zeichner, und wodurch er uns be- sonders wichtig wird, ist, dass wir in seinen Werken den eigen- thümlichen niederländischen Styl, ohne fremde Einwirkung, in seiner Reife und schönsten Ausbildung erblicken. Dirks Gestal- ten sind edel und kräftig, ohne dass sie etwas der italienischen Abstammung zu verdanken haben, und in die menschlichen Züge wusste er einen so herzinnigen Ausdruck zu legen, dass sie ohne Regelmässigkeit eine rührende oder ergreifende, von der Seele ausgehende Schönheit bekommen. Als Beweis hierzu dienen Adam und Eva und der kleine Kain, eine seiner frühesten Arbeiten (1522), und sein heil. Bernhard, der ehrfurchtsvoll am Thron der Ma- donna kniet. D. van Staren wusste sich bis zum Erhabenen auf- zuschwingen; man sehe seinen Christus, der auf dem Meere wan- delt und seine Sündfluth, eines seiner letzten Werke. Aber auch für die komische Seite des Lebens blieb sein Sinn empfänglich, ohne zur Gemeinheit herabzusinken. Er entwarf solche Gegen- stände mit leichter Radirnadel. Ein solches Blatt ist jenes mit dem betrunkenen Trommelschläger. Mit D. van Staren schwindet aus der niederländischen Schule der ihr in früherer Zeit eingehauchte Geist, und macht einem Streben Raum, welches auf einem Abwege die Kupferstecherkunst endlich zu einer Höhe der Technik führte, auf welcher wir sie allerdings bewundern müssen, wenn wir auch bloss die künstlerische Ausbildung an sich nicht für das Höchste anerkennen möchten. So beurtheilt G. v. Quandt in seinem Grund- risse der Geschichte der Kupferstecherkunst diesen Künstler, und jeder, der die Werke desselben betrachtet, wird ihm beistimmen.

Bartsch P. gr. VIII. p. 206 ff. beschreibt 10 Blätter dieses Mei- sters, die von 1522—44 datirt sind. Die folgenden Blätter sind nach Bartsch beschrieben, bis auf wenige Einschaltungen. Der ältere Füssly behauptet, der Meister mit dem Stern (le Maitre de V'etoile) habe auch ein Holz geschnitten. Diese Angabe scheint nicht richtig zu seyn.

  1. Eva und der kleine Cain. Sie sitzt und zeigt ihm einen Apfel, welchen sie mit der Linken emporhält. Rechts steht der Baum, links unten 1522, in der Mitte das Mono- gramm E I O d rechts AG. 19 (19 August). H. 2 Z. 1 L., Br. 1 Z. 6 L.

  2. Die Sündfluth, figurenreiche Composition. Auf der einen Seite zieht ein Greis das Weib bei den Armen aus den Wellen und ein anderer Mann hettet sich zu Pferd. Auf der ande-

Star oder Staren, Dirk van.

Auf der vorliegenden Seite sieht man einen Mann mit seinem Weibe, welches ein Kind trägt. Im Ganzen sind es 70 Figuren, 6 Pferde und andere Thiere. Im Grunde sieht man die Arche. Am Steine steht 1544 und D*V, H. 14Z. 6L., Br. 10 Z. 5 L. Dies ist das Hauptblatt des Meisters. In der Durand'- schen Auction galt es 300 Frs, in der Hohwiesner'schen Ver- steigerung 1819 27 fl. 15 kr., und seitdem ist der Preis ge- stiegen, 3) Jesus, im Profil am Ufer des Sees stehend, beruft den Pe- trus und Andreas zum Apostelamt. Die beiden Fischer breiten in ihrem Kahne das Netz zum Fischen aus. Diese Handlung geht links gegen den Grund hin vor. Anderwärts finden wir diese Darstellung als den wunderbaren Fischzug bezeichnet, und da Bartsch nur von Einem Monogramm spricht, so könnte man glauben, es sei von zwei Blättern die Rede. Der genannte Schriftsteller sagt nämlich, das Monogramm des Meisters stehe in der Mitte unten über einem Steine, und an letzterem lese man: 1523, MEY. 30. Das Zeichen wiederholt sich aber auch am Schiffe, H. 5 Z. 6L., Br. 4 Z. 2 L. Bartsch hatte ein beschnittenes Exemplar vor sich. 4) St. Peter auf den Wellen, wie ihm Christus, links des Blat- tes, die Hand reicht. An dem Kahne, aus welchem Petrus stieg, ist das Zeichen, und rechts oben steht: 1525, JES. 50. H. 5 Z. 8 L., Br. 4 Z. 11 L. Bei Weigel 4 Thl.

  1. Christus vom Teufel versucht. Der Heiland steht links und blickt nach dem Versucher, welcher Steine verwandelt sehen will. Unten steht: 1525 D* V. APRIL. 11. H. 4Z. 2L., Br. 2 Z. 10 L. Hohwiesner'sche Auction 9 fl., von Stengel'sche Auction 13 fl. 48 kr.

  2. Christus bei der Samariterin am Brunnen, ersterer links, Letztere rechts. In der Mitte unten am Steine ist das Zei- chen, und in der Mitte oben die Jahrzahl 1523. H. 4 Z., Br. 2 Z. 11 L.

  3. Die heil. Jungfrau und St. Anna, Maria sitzt rechts mit dem Kinde auf dem Boden, welches die Hände nach der Frucht ausstreckt, die ihm Anna reicht. Den Grund bildet ein Zimmer. Das Zeichen ist in der Mitte unten, links: 1522, rechts: D.C (Deocembris) 31. H. 2Z.09 L, Br. 1 Z.10 L.

  4. St. Bernhard in Verehrung vor der heil. Jungfrau. Sie sitzt links mit dem Kinde auf dem Schoosse. Durch den Portikus im Grunde sieht man auf eine Landschaft. Rechts unten am Steine ist das Zeichen, und in der Mitte oben liest man: 1524 OCT. 3. H. 6 Z. 4L., Br. 4 Z. 6 L.

  5. St. Lucas, mit dem Ochsen zu seinen Füssen, malt die heil. Jungfrau, welche rechts vorn mit dem Kinde auf dem Schoosse sitzt. Am Stuhle links vorn ist das Zeichen, und in der Mitte unten: 1526. IN IVLI. 28. H. 6Z. 3L., Br. 4Z. 6 L.

  6. St. Elisabeth mit dem Buche rechts auf dem Boden sitzend, wie sie einem Krüppel Almosen reicht. Links vorn liegen zwei Königskronen, und den Grund bildet ein Zimmer. Links unten steht die Jahrzahl 1524, in der Mitte das Zei- chen, und rechts: NOVE. 15. H. 2 Z. 10L., Br. 1 Z. 10 L.

  7. Venus in der Muschel auf dem Meere, wie sie in der Rech-

  8. Der auf dem Fasse sitzende Faun, In der Ferne rechts sieht man einen Weinstock, und rechts vorn auf dem Boden eine Vase. Links unten steht: 1522, in der Mitte das Zeichen und rechts SEPT. 14. H. 2 Z. 7 L., Br. 1 Z. 10 L. .

Es gibt von diesem Blatte eine sehr gute anonyme Copie. H. 2 Z. 5 L., Br. 1 Z. 0 L.

  1. Der nackte Mann mit einem grossen phantastisch geformten Fisch in den Händen, wie er den rechten Fuss auf densel- ben setzt. Ueber ihm ist ein Vogel in der Luft. Unten links: 1522, in der Mitte das Zeichen, rechts A G. 16. H. 2 Z. 6 L., Br. 1 Z. 8 L.

  2. Der Goldschmied, mit einem Knie auf dem Boden, vor

dem viereckigen Steine, auf welchem er die Metallplatte .

hämmert. In einiger Entfernung nach rechts ruht der Hund, Am Steine ist das Zeichen, diese Darstellung ist radirt,

  1. Der schlafende Mann mit dem Hunde zu den Füssen in ei- ner Landschaft. Er sitzt auf dem Boden, und stützt den Kopf auf den linken Arm, Rechts vorn steht ein Korb. Un- ten links 1523: (1532?), in der Mitte das Zeichen, und rechts: OCT. 10. Radirung. H. 2 Z. 4 L.? Br. 1 Z. 8 L.

  2. Der betrunkene Tambour, wie er in den leeren Krug blickt, den er mit der Rechten in die Höhe hält. Im Grunde er- blickt man Gebäude und einen Mann mit dem Pferde am Zaume. Rechts oben steht: 15325. OCT. 8. Radirung. H. 3 Z. 5 L., Br. 2 Z. 1 L. ;

  3. Der Tambour mit einem Kinde an der Hand, nach links hinschreitend. Er trägt die Trommel auf dem Rücken, und mit der Rechten das Gewehr. Das Kind hält einen Reif, Davon bemerkt Bartsch nichts. In der Mitte oben auf dem Täfelchen: 1523, OCT. 14. und das Zeichen, Radirung. H. 3 Z. 3 L., Br. 2 Z. 4 L.

  4. Der Krieger mit der Keule und einem Wappenschilde, auf welchem zwei Balken und zwei Sterne erscheinen. Der Mann steht, und ist fast vom Rücken zu sehen. Rechts ist das Zeichen und links die Jahrzahl 1522.- Viereckig, von den entgegengesetzten Winkeln gemessen H. 2 Z. 1 L.

  5. Das nackte Weib mit dem Wappenschilde. Sie hält mit der Rechten die von der Schulter herabfallende Draperie,

und mit der anderen den rautenförmigen Schild. Links ist das Zeichen, rechts 1525. In gleichet Grösse.

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