Squarcione, Francesco, Maler, von Vasari irrig Jacopo genannt, wurde in Padua geboren, und als Sprössling einer wohlhaben- den Familie widmete er sich nur aus Neigung der Kunst.
machte frühe grosse Reisen durch Italien und Griechenland , wo er nicht nur vieles nach antiken Kunstwerken zeichnete, sondern auch ganze Werke und Fragmente antiker Kunst, oder in Abgüs- sen sich verschaffte. In die Heimath zurückgekehrt stellte er diese Sammlungen zum Behufe einer Schule auf, die er eröffnete, und worin er weniger durch eigene Arbeiten, als durch liebevollen Unterricht und Hinweisung auf die schönen Muster antiker Kunst viele, nach Ridolfi 137 Schüler, bildete. Er stellte die Antike als höchstes Muster auf und lehrte, es sei thöricht, das Schöne mit eigenen Augen in der Natur zu zeichnen, mit eigenen Kräften ihr abgewinnen zu wollen, da die größten Alten schon längst aus dem Schutze und Graus der Natur das Gediegenste aufgesammelt, sich des Darstellenswerthen bemächtiget, und uns dasselbe wie geläutertes Gold in ihren Werken zur Nachbildung vor Augen gestellt hätten. Später tadelte er aber widersinnig seine eigene Lehre und forderte plötzlich Natürlichkeit und Wirklichkeit, woher es wohl kommt, dass die von ihm erweckte Nachahmung antiker Formen sich oft in missverstandener Härte zeigt. Indessen muss man doch an- erkennen, dass diese Richtung gerade in der Nähe der venetiani- schen Meister von grosser Bedeutung war, wie sich an Mantegna deutlich zeigt, durch den er die grösste Schule der Lombardei, wie durch Marco Zoppo die bolognesische Schule ins Leben treten liess. Vasari fand den Standpunkt nicht, von welchem aus dieser, nach seiner Behauptung nicht allervorzüglichste Künstler beurtheilt werden muss, und bis in die neueste Zeit blieb von der Madonna des Squarcione bis zu den Fresken und Tafeln des Mantegna eine Lücke, die uns nöthigte, in diesem letzteren den eigentlichen Stifter der Paduaner Schule zu erkennen, nicht in Squarcione. Eine andere Anschauung der grossen Tendenz der Paduaner Schule gewannen wir neuerlich durch einen Band mit Zeichnungen von der Hand des Jacobo Bellino, des weniger bekannten Vaters von Gio und Gentile Bellini, der lange unbenutzt dalag, und jetzt durch Sig. Mantovani in Venedig der Kunstgeschichte geöffnet ist. P. E. Selvatico gab bei dieser Gelegenheit 1850 zu Padua ein eigenes Werk heraus: »Il pittore F. Squarcione, Studii storico- critici. Con 2 tav. m Durch die Zeichnungen *) des Jacopo Bellini, die dieser nach der beglaubigten Inschrift: De nano de iacobo bellino veneto 1450 in venetia, bis gegen 1430 fertigte, wird es nun klar, dass alles, was Mantegna leistete, nichts anderes enthält, als die zur Blüthe getriebenen Keime der Paduaner Schule — Keime, die Squarcione legte, die neben ihm von Jacopo Bellini pflegt, und durch beide dem Mantegna überliefert wurden, unter beiden Händen sie dann wunderbare Früchte trieben. Auch im Kunstblatte 1840 Nro. 23 wird das kunstliebende Publikum auf diesen Schatz aufmerksam gemacht, und der Berichtgeber glaubt sogar, Mantegna habe dieses Buch gekannt und studirt, da vieles in diesen Zeichnungen einen gar zu nahen Zusammenhang mit den Fresken und anderen Werken des Mantegna verräth. Ob in- dessen Bellini ein Schüler des Squarcione gewesen, oder vielmehr der Gehülfe desselben, ist nur muthmasslich zu bestimmen; gewiss aber ist, dass Mantegna dem Squarcione durch heilige Bande an- gehörte. Er nennt sich Sohn dieses Meisters, und nach ihm nannte man ihn Squarcione. Auch Bellini kann ihm direkt nützlich ge-
*) Zur Zeit, als wir den Artikel über Mantegna gearbeitet, waren diese Zeichnungen erst hervorgezogen, und daher ist nichts davon erwähnt.
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVII. 13
Von Squarcione's Werken haben sich nur sehr wenige erhal- ten. In S. Francesco grande zu Padua zierten noch im vorigen Jahrhunderte den Porticus des heiligen Franz mehrere Bilder grün in Grün, welche das Leben des Kirchenheiligen vorstellen. Nach Algarotti waren es die Mönche, welche diese Bilder entfernten, und ein kunstliebender Laienbruder entdeckte wieder einige Reste in einem nahe gelegenen Kloster, welches gegen Ende des genannten Jahrhunderts in ein Magazin umgewandelt wurde. Das am wenig- sten beschädigte Bild stellt den heil. Franz vor dem Papste auf dem Throne dar, der von vielen Cardinälen umgeben ist. Der Bibliothekar Francesconi hat das Verdienst, dass dieses Werk durch den Kupferstich vor der Vergessenheit gesichert wurde. Im Hause des Cav. Lazzara zu Padua ist ein Gemälde mit dem Namen des Künstlers, welches den heil. Hieronymus mit einigen anderen Hei- ligen in Abtheilungen darstellt. Dieses Gemälde bestellte 1449 nach dem noch vorhandenen Contrakte ein Lazzara für die Kirche S. Girolamo, aus welcher es im Verlaufe der Zeit in das Haus Laz- zara überging, aber nicht ohne Retouchen. Die Bescheinigung der Bezahlung ist von 1452. In der Sammlung Lazzara wird auch ein Madonnenbild dem Squarcione zugeschrieben. In der Gallerie Manfrin zu Venedig ist eine Madonna mit dem Namen des Künst- lers und der Jahrzahl 1442, und im Rathspallast zu Verona sieht man ein Bild der Tiburtinischen Sibylle vor dem Kaiser Augustus.
Die Gallerie zu Dresden bewahrt eine 2 F. 52 Z. hohe und 1 F, 10 Z. breite Tafel, welche den Leichnam Christi auf dem Schoosse der Maria vorstellt, und zur Seite Johannes und Magdalens, Rechts in der Ferne sieht man das Felsengrab, und die drei Kreuze auf dem Gipfel des Felsens. Links kommt St. Hieronymus aus seiner Höhle und in den Gebirgen werden Dominikaner mit dem Tode bedroht. In der Gallerie des Museums zu Berlin ist eine 4 F. 4 Z. hohe Tafel in Tempera mit Christus von Maria und Johannes betrauert und zu Grabe bestattet. In der Luft sind Ev- angelistenköpfe.
Andrea Mantegna brachte in der Capelle des heil. Christoph in S. Agostino das Bildniss dieses Meisters an. Es ist diess die wohlbeleibte Gestalt mit Schwert und Lanze in den Händen. Ge- stochen ist, ausser dem oben genannten Bilde des heil. Franz vor dem Papst und den Cardinälen, bei S. d'Agincourt ein Madonnen- bild mit dem Namen und der Jahrzahl 1442, aber viel zu klein. Selvatico gab in den Studii storico-critici zwei Blätter mit Bildern aus dem Zeichenbuche von J. Bellini, welche die Schule des Squarcione charakterisiren. Im Jahre 1474 starb der Künstler.
Zani, Materiali etc., p. 50, schreibt diesem Künstler auch ein in Kupfer gestochenes Blatt zu, und mehrere neuere Schriftsteller theilten die Meinung desselben, so dass diese gegen Vasari sind, welcher behauptet, Mantegna sei der erste Meister der venetian!- schen Schule gewesen, welcher Kunde von dem Verfahren des Maso Finiguerra gehabt hätte. Allein man weiss nicht genau, durch welche Veranlassung Mantegna auf diese Idee gekommen sei. Viel- leicht war es Mocheto, der ihn zu diesen Versuchen anreizte, des- sen Blätter theilweise älter sind, als jene von Mantegna. Mocheto kann aber nach Zanetti (Cabinet Cicognara p. 110) nur von Al
Dieses Blatt stellt nach Zani ein altes Weib mit sehr hohem Haarschopf vor, wie es in der Rechten eine mit acht Würsten behängte Pickel trägt, und mit der anderen Hand einem jungen Manne eine Schweinskeule. (Wurst) reicht. Ein anderer Mann kniet vor ihr, und scheint um gleiche Gunst zu flehen. Im Grunde sitzen zwei Figuren, die eine rechts, die andere links. Sie er- scheinen im Profil und blasen die Trompette. Diess ist der Inhalt des Blattes nach Zani's Angabe, er sagt aber ganzens, dass es neun Figuren enthalte, während er nur fünf bezeichnet. Das Ganze stellt einen Tanz von acht Figuren um das Weib mit Wür- sten vor. Der Vordergrund ist mit Blumen besetzt, und oben ist ein horizontaler Streifen, ebenfalls mit Blumen geziert. Der Rest des Grundes ist weiss. In der Mitte unten ist das oben genannte Zei- chen. H. 14 Z. 2 L., Br. 21 Z. 9 L. (Nach anderer Angabe: H. 13 Z., Br. 21 Z.)
Zani nennt nur vier Exemplare: in der Bibliothek der Nonnen von St. Justina zu Padua (jetzt in der Sammlung des Conte Laz- zara daselbst), in der grossherzoglichen Sammlung zu Florenz, auf der k. Bibliothek in Paris, und bei Michel Nitot Dufresne. Das Exemplar der Bibliothek in Paris sah Brulliot (Dict. des mo- nogr. II. Nr. 24853) und fand dieses groteske Genrebild von ganz eigenthümlichem Geschmacke. Diese Darstellung scheint überhaupt mit der antiken Richtung des Meisters sonderbar zu contrastiren.
D. Hopfer scheint bei seiner ähnlichen Darstellung B. 73 den Squarcione zum Vorbilde genommen zu haben. In den Opera Hopferiana kommt dieses Blatt Nro. 18 vor,
Squalo, Beiname von A. Mantegna. Squallona, s. Squazzella. Squazzella, Andrea, s. A. Squazzella,
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