Spranger, Bartholomäus, Maler, geb. zu Antwerpen 1546, war der Sohn eines Kaufmanns, der es ungern sah, dass der Junge lieber zeichnete, als an dem Schreibtische Ziffern machte. Endlich ging er von einem Meister zum anderen, ohne Befriedigung zu finden. Zu den letzteren gehören Jan Mynssen in Harlem, F. Mo- staert und C. van Dalen; allein auch diese genügten seinem Künstler- drang nicht, und somit folgte er dem Rathe seines Freundes Jan Van den Wyngaerde, für sich selbst zu zeichnen und mit ihm eine Reise zu unter- nehmen. Jetzt richteten diese jungen Männer ihren Weg nach Paris , wo Spranger bei einem Meister Marcus in Arbeit trat, dessen handwerksmässiges Treiben ihn aber wieder wenig förderte. Spran- ger füllte ihm alle Wände des Hauses mit Kohlenzeichnungen, was dieser zuletzt als Spott hinnahm, und dafür seinen Holländer von dannen schickte. Jetzt ging er nach Lyon , und von da aus nach Mailand , wo er endlich regelmässigen Unterricht in der Oelmalerei erhielt. Ein niederländischer Meister, den er im Hause eines Edel- mannes kennen lernte, machte ihn auch mit der Technik der Ma- lerei in Wasser- und Deckfarben bekannt, so dass er bei seiner Ankunft in Parma schon in den Werkstätten guter Meister zu- sprechen konnte. Da war es besonders B. Salviati, ein Schüler Cor- reggio's, der sich seiner annahm, und ihn mit den Regeln der ita- lienischen Schule vertraut machte. Doch auch hier dauerte sein Aufenthalt nicht lange, da er mit dem Sohne des Meisters in Streit gerieth. Jetzt suchte er das Weite und kam nach Rom, wo er anfangs bei einem gewöhnlichen Maler Zutritt fand, welchen er mit seinen Arbeiten weit übertraf. In diese Zeit gehören einige schöne Landschaften, und eine Hexensammlung im Coliseum, von C. van Mander Toverijtje genannt. Etliche dieser Bilder erhielt der damalige Erzbischof Massimi, der ihn später in sein Haus aufnahm. Endlich wurde er durch Mich. Gillen, einen Ma- ler von Doornick, dem Cardinal Farnese empfohlen, und von die- ser Zeit an beginnt sein immer steigender Ruf. Der Cardinal nahm ihn in seine Dienste, da er zur Ausschmückung des von Vignola erbauten Schlosses Caprarola geschicktere Künstler bedurfte. Spran-
ger malte da mehrere Bilder in Fresco, die so wohl gefielen, dass selbst der Papst Pius V. nach ihm verlangte, und trotz der Ver- läumdung Vasari's den Künstler beschützte. Der heilige Vater liess durch ihn 12 Zeichnungen mit Darstellungen aus der Leidensge- schichte fertigen, die, mit der Feder ausgeführt und mit Weiss erhöht, Carl van Mander in der k. Gallerie zu Wien bewunderte, aber daselbst nicht mehr vorhanden sind. Spranger malte für den Papst auch das jüngste Gericht auf eine 6 Fuss hohe Kupferplatte mit mehr als 500 Köpfen, deren grosse Zahl Vasari für überflüs- sige Arbeit erklärte, obgleich es der Künstler in 14 Monaten lie- ferte. Der Papst stellte dieses Bild im Belvedere auf, und nach dem Tod desselben wurde es am Denkmale Pius V. in St. Croce del Bosco befestiget. Nach dem Tode des heiligen Vaters malte er mehrere grosse Bilder für Kirchen Rom's, namentlich in S. Luigi de' Francesi. Da malte er eine von Engeln umgebene Ma- donna, unten St. Elisabeth, St. Anton und den Täufer Johannes, alle in Öel auf die Mauer gemalt. In S. Giovanni alla porta la- tina malte er die Geschichte des Evangelisten Johannes, und in der Kirche an der Fontana de' Trevi ist die Geburt des Johannes mit halb lebensgrossen Figuren,
Im Jahre 1575 erhielt Spranger einen Ruf an den Hof des Kaisers Maximilian II. nach Wien; diess auf Empfehlung des Gio- vanni da Bologna, welchem der Kaiser den Auftrag ertheilte, ihm ei- nen Maler und einen Bildhauer auszuwählen. Diese Wahl fiel auf Spranger und auf Hans Mont. Maximilian liess damals sein kai- serliches Lustschloss Fasanenschloss ausschmücken, aus welchem wahr- scheinlich mehrere mythologische und allegorische Darstellungen stammen, welche jetzt in der k. k. Gallerie in Wien zu sehen sind. Nach Maximilian's Tod wurde er von dessen Nachfolger, Rudolph II., einige Zeit vernachlässiget, endlich aber wandte ihm auch dieser seine Gunst zu, und berief ihn als ersten Hofmaler nach Prag. Da stand er 17 Jahre im Dienste des Kaisers, und widmete nur diesem allein seine Kunst. Rudolph verweilte oft in der Werkstatt des Mei- sters, und unterhielt sich mit dem fein gebildeten und geistreichen Manne, während dieser malte. Im Jahre 1595, am Donnerstag nach Pauli Bekehrung, wie wir aus »Quaterno del Conte Ruy Diaz, II, 10. « wissen, erhob er den Künstler in den Adelsstand unter dem Namen Spranger van den Schilde. Eine dreifache Ehrenkette schmückte schon 1588 seine Brust. Auf dem Reichstage zu Augsburg war er im Gefolge des Kaisers Rudolph. Spranger hatte in Prag ein glänzendes Leben, welches ihm die Gunst des Kaisers bereitete. Er verehelichte sich mit einer reichen Erbin, welche er, so wie alle seine Kinder überlebte. Siebenunddreissig Jahre hatte er sein Vaterland nicht mehr gesehen, als ihm endlich Rudolph erlaubte, dasselbe zu besuchen. Die Reise dahin glich einem Triumphzuge der Kunst, welchen ihm die Heimath bereitete. Die Stadt Amsterdam sandte ihm den Ehrenwein, in Harlem gaben ihm die Künstler ein Gastmahl, und die Gesellschaft »Rhetorica« führte ein Schauspiel auf, welches die Ehre der Kunst und des Mei- sters zum Gegenstande hatte. Ebenso ehrenvoll wurde er in Antwerpen aufgenommen, so wie in allen Städten, wohin ihn seine Rückreise nach Prag führte. Hier trieb er jetzt die Kunst nur noch zu seinem Vergnü- gen, und starb 1625 oder 1627, nicht 1615, wie man auch angegeben findet.
Spranger erlangte seine Ausbildung in Italien zu einer Zeit, in welcher die Aufnahme der Richtung des Michelangelo zu mani- erirter Übertreibung und zur prahlenden Handwerklichkeit ge-
gemessen sich seiner Phantasie hingab, und ohne auf die Natur
ücksicht zu nehmen in Uebertreibungen Grossartigkeit zu erstreb- en suchte, wobei ihn eine ungewöhnliche Fertigkeit unterstützte. Er nahm nie die Natur wie sie ist, sondern schuf sich selbst natur- ähnliche Formen, die aber nach dem Geschmacke der Zeit als das Höchste befunden wurden, was die Kunst zu leisten im Stande wäre. Daher der Triumph, welchen Künstler und Kunstfreunde dem Meister bereiteten. Den Irrweg, auf welchen die Kunst da- mals gerathen war, erkannte man nicht, man träumte nur von einem neuen grossartigen Umschwung, welchen dieselbe genommen hätte. Viele Bilder dieses Künstlers sind durch Kupferstiche be- kannt, welche von den besten Stechern damaliger Zeit herrühren. Wir geben hier ein Verzeichnis der vorzüglichsten Bilder des Meisters nach ihrem Inhalte classificirt. Die Staffeleibilder sind in Cabineten sehr selten, da er meistens für die Kaiser Rudolph und Maximilian arbeitete. Außer den Bildern in Oel hinterliess er auch einige Miniaturen, die besonders gerühmt wurden.
Bildnisse des Meisters.
In der k. k. Gallerie zu Wien sind zwei Bildnisse Spranger's, über halbe Lebensgrösse, in jüngeren Jahren und im hohen Alter dargestellt. Auch jenes seiner Frau ist daselbst. Ein drittes eigen- händiges Bildniss bewahrt die Tribune der florentinischen Gallerie.
Stiche: von E. Sadeler, mit seiner Frau; von Joh. Sadeler 1505; von R. Sadeler; von J. Müller, mit Dedication von Joh. van Achen 1507; von Jansonius aus Hondius' Verlag; von Polau- zani; bei Sandrart (von Waldreich gest.); bei J. de Jongh in van Man- der's Het Leven der Schilders; bei Bullart, d'Argensville, Descamps, Lavater (Physiognomik) und in der florentinischen Serie de' Ritratti von Pazzi.
Das Bildniss des Peter Breughel, gest. von E. Sadeler.
Biblische Darstellungen.
Adam und Eva unter dem Baume des Lebens sich umarmend. Gest. von Z. Dolendo.
Adam und Eva im Paradiese und ihre Versündigung, Gest. von H. Goltzius 1585. Eine kleinere Copie: In Adamo omnes mori untur. Dieselbe Composition, Kniestück im Oval.
Hagar vom Engel getröstet, gest. von J. Müller.
Der trünkene Eoth mit seinen Töchtern in einer Höhle. Gest. von J. Müller.
Das Mahl des Balhazar, gest. von H. Müller.
Judith mit dem Haupte des Holofernes, Gest. von H. Goltzius.
Herodias mit dem Haupte des Johannes, kleines Bild in Schleissheim.
Susanna von den beiden Alten überrascht, in der Gall. zu Schleissheim, ehedem in München.
Die Geburt des Johannes, in der Kirche an der Fontana de Trevi zu Rom.
Die Geburt der Maria. Oben Gott Vater und Engel, nach C. v. Mander für die Kirche bei der Fontana de Trevi gemalt. Ein Bild der Geburt der Maria hat Math. Greuther gestochen.
Die Geburt Christi. O Felix mater etc., Gest. von P. de Jode.
** Die Geburt Christi, reiche Composition, Heu mühl! — — ecce “jöcet. J. Müller sc. . . Die Anbetung der Hirten. Zeichnung im k. Cabinet zu Berlin., Die Anbetung der Hirten, Composition von 15 Figuren, "gest. von J. Müller, . '
Al. Familie mit Johannes und drei musizirenden Engeln, gest. von J. Sadeler, .
Bl. Familie, Zeichnung in. der Samml. des Prinzen de Ligne,
Hl. Familie, wo das Jesuskind eine Birne isst; Et soror et mater — —. J. C. Visscher exc., kl. fol.
Hi, Familie. Gemälde im Museum zu Darmstadt.
_ Al. Familie mıt Johannes und einem musicirenden Engel, Homo et Angelus. Gest. von L. Kilian für Sandrart, '
H. Familie mit zwei singenden Engeln. Ut sacer — - perfi- ciamus iter. J. Müller sc.
Hl. Familie mit einem singenden und einem die Laute spielen- den Engel. In der Akademie der Künste zu Wien. Gest. von L. Rilian. , ; . '
H. Familie mit drei Figuren. Gest. von H. Goltzius.
Eine solche Darstellung in halben Figuren. Gest.. von H. Goltzius, . . ‚
Maria reicht dem Kinde eine Birne, dabei Joseph, Johannes mit dem Lamme und ein die Laute spielender Engel. Gemälde
‚der Hausmann'schen Samml. in Hannover, Geset. von'.L. Kilian, und noch grösser von J. J. Thurneisser.
Maria mit dem Jesuskinde an einer Säule, gest. von H. Goltzius.
' Maria mit dem Jesuskinde auf dem Schoosse, wie es eine 1\läumo: hält. Dabei sind Joseph und. zwei Engel. Gest, von J. Müller, ; '
Die Flucht in Aegypten, Erripe praesenti — — ab alto. Gest. von J. Matham.
Die Ruhe in Aegypten, in allegorischer Einfassung. Gest. von
G. Sadeler. 2 ' a
Die Ruhe in Aegypten. Quid mortem — — potest. J. Müller sc.
Die Predigt des Täufers Johannes ‚: zwanzig Männer, Frauen und Kinder. In der Zeichnung aus Villenave's Sammlung 1842.
Die Taufe Christi. Gemälde io der Gallerie Manfrin zu Venedig.
Die Taufe Christi, gest. von J. Müller,
Die Taufe Christi, Giolius van Hoorbeck sc.
Christus im Oelgarten, Nachtstück, von C. v. Mander erwähnt,
Christus mit dem Rohre stehend. Zeichnung im k. Cabinet zu Berlin.. ' ' y Christus mit der Dornenkrone von Engeln umgeben, gest. von
‚ Müller. . '
Das Begräbniss Christi, Grabdenkmal im Kaeiserhospitale zu Wien, von v. Mander erwähnt. I ; I ‘” Der Leichnam Christi am Grabe von zwei Engeln gehalten, Gest. von H. Goltzius; copirt von C. Goltzius, und von G. B. Mazza. Andere Copien haben die Adresse: St. Formis und Jaspar Isaac. Auch eine anonyme Copie findet sich,
Christus am Kreuze, mit Magdalena am Fusse desselben, gest. von J. Müller. ‘ .
Die Leidensgeschichte, 12 Federzeichnungen auf blaues Papier und mit Weiss gehöht, oben erwähnt, zur GC. v. Mander's.Zeit ın der Gallerie zu Wien, wo sie nicht mehr vorkommen.
Die Auferstehung des Herrn, wie er nach Oben schwebet, wäh- rend die Wächter schlafen. Auf Kupfert. In der Sammlung des
Nagler's Künstler - Lex. Bd. XVII. 4Q
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je drei Marien gehen zum Grabe, Christi, gest. von E. Sa- deler. Dieselbe Darstellung von der Gegenaseite: S. Sottilius D, D. Sehr gross ist ein Blatt, von R. Guidi, copirt von Ao. Gio. ( Giovanoli ). 1
Christus erscheint der Magdalena als Gärtner. Gest. von J. Sadeler. Zani nennt auch ein Blatt von E. Sadeler, welches einige Abänderungen bietet, Christus in halber Figur. Eine gegen- seitige Darstellung ist mit J. Turpinus' Adresse versehen. Auch P. Rollos, Herz und Eli D. Bois haben dieses Bild gestochen,
Das Jüngste Gericht, sechs Fuss hoch, für Pius V. auf Kupfer gemalt, anfänglich im Belvedere zu Rom, dann am Grabmale des Papstes in St. Croce del Bosco zwischen Pavia und Alessandria,
Heilige,
St. Lukas die Madonna malend, gest. von R. Sadeler.
Die Marter des Evangelisten Johannes, mit Figuren etwas unter Lebensgrösse, in S. Gio. alla porta Latina zu Rom:
Johannes der Täufer zwischen Petrus und Paulus sitzend. Gest.
von A. Wierix.
Die Heiligen Elisabeth, Johannes und Anton, oben Maria und Engel. Für die Kirche des hl. Ludwig von Frankreich in Rom gemalt, wie C. v. Mander angibt. Gest. von C. de Passe,
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