Spinello, Parri di

Spinello, Parri di, Mater, der Sohn des Spinello Aretino, ist uns durch Vasari näher bekannt, als viele andere Künstler seiner Zeit, da er dessen Leben beschreibt, deutsche Ausgabe von Schorn II

  1. S. 137. Parri war Schüler seines Vaters, bis ihn Lorenzo Ghiberti in Florenz aufnahm, wo er aber mit der Ciselierkunst sich beschäftigen musste. Er ciselirte mit anderen die Thüren von S. Giovanni in Florenz, bei welcher Gelegenheit er den Masolino da Panicale kennen lernte, dessen Zeichnungsmethode ihm so wohl gefiel, dass er ihn in manchen Dingen nachahmte. Spinello hat aber in der Proportion und im Farbenauftrag etwas Eigentümli- ches, worauf Vasari namentlich aufmerksam macht. Er zeichnete seine Figuren schlanter und grösser, als irgend ein Maler vor ihm. Wenn diese gewöhnlich im Verhältnisse zehn Köpfe gaben, machte er sie elf, bisweilen zwölf Köpfe hoch, ohne dass sie dess- wegen ein ungeschicktes Ansehen hatten; denn, sagt Vasari, sie sind zierlich und immer nach der rechten oder linken Seite gene- gen, wodurch sie nach Parri's Meinung mehr Bravour erhalten sollten. Auch war er der erste, welcher es unterliess, die Fleisch- farben mit grüner Erde zu untermalen, und dann mit Roth und Blau in der Art der Aquatinta darüber zu gehen, wie Giotto und die andern alten Meister gethan hatten. Parri bediente sich da- gegen, wie Vasari bemerkt, beim Untermalen sowohl, als beim Übermalen immer körperlicher Farben und setzte sie mit vieler Sorgfalt auf, wo es ihm am besten schien: Licht auf den höch- sten Punkten, Mitteltinten an den Seiten, und Schatten neben die Umrisse. Durch dieses Verfahren erhielten seine Werke mehr Leichtigkeit und die Frescomalereien mehr Dauer, denn nachdem

Nach dem Tode des Vaters kehrte Parri Spinello nach seiner Vaterstadt Arezzo zurück, und da malte er ausser vielen andern Bildern im alten Dome mehrere Madonnen in Fresco, so wie die Geschichte des Einsiedlers Tomasuolo, der in einem Spiegel die Passion Christi schauen wollte. Von allen diesen Werken existirt nichts mehr, da der Dom 1561 zu Grunde ging. Dann malte er in einer Capelle der Spitalkirche S. Cristofero den Gekreuzigten von weinenden Engeln umgeben, unten die Mutter ohnmächtig in den Armen der Frauen, und die Heiligen Jakob und Christoph, alles in Fresco. Ueber der Thüre der Kirche malte er eine Pietas, Auch diese Malereien sind zu Grunde gegangen. Nur das Bild des Hochaltares ist noch vorhanden, und vielleicht von Parri. Es hat die Unterschrift: Hoc opus factum fuit anno Domini MCCCCXLIV, die IV. mensis Decembris. Auch Spinelli's Bilder, welche er in S. Bernardo ausführte, sind zu Grunde gegangen. Er malte da in einer Capelle die Dreieinigkeit, und in einer anderen die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, und andere Darstellungen. Vor- handen ist noch die Madonna der Capelle St. Maria delle Grazie, zu welcher Parri auch das Modell geliefert hatte. Er malte die Madonna auf Begehren des heil. Bernardin, wie sie die Arme aus- breitend mit ihrem Mantel das Volk von Arezzo schirmt. Es ist diess eines der wunderthätigen Bilder, und heut zu Tage auf dem Hauptaltar zu sehen. Dann malte er auch die Apotheose des heil Bernardin in einer Capelle des alten Doms, die beim Abbruch desselben erhalten wurde. Man sieht da den Heiligen von En- geln umgeben, und ihm zur Seite die halben Figuren der Geduld und Armuth, so wie über ihm jene der Keuschheit. Zu seinen Füssen liegen Bischofsmützen und Cardinalshüte, und darunter malte er die Stadt Arezzo. Ausserhalb des Domes malte er in einer kleinen Capelle die Maria mit dem verkündenden Engel in Fresco, ein unter dem Namen »Maesta» bekanntes, und jetzt sehr beschädig- tes Bild. In der Höhe der Wölbung sind in jedem Winkel zwei Engel, die verschiedene Instrumente spielen, an den Wänden sieht man vier Heilige, und am mannigfaltigsten spricht sich nach Va- sari der Geist des Künstlers in zwei Bildern auf den Pfeilern des Eingangsbogens aus. Auf dem einen sieht man eine schöne Cha- ritas mit drei Kindern, auf dem andern die Figur des Glaubens mit Kelch und Kreuz, wie sie eine Schale über das Haupt des Kindes giesst. Diese Gestalten sind nach Vasari die besten, wel- che Parri je gemalt hat. Auch im Chor der Augustiner Mönche und in S. Giusto malte Parri Bilder in Fresco, die aber alle zu Grunde gegangen sind, so wie jene einer Capelle der Dechanei, die schon zu Vasari's Zeit durch Nässe gelitten hatten. Was Spi- nello in S. Francesco und in S. Domenico gemalt, und Vasari noch sah, scheint ebenfalls fast verschwunden zu seyn. Von der Verkündigung, die Vasari noch an der Mauer des Domes sah, ist nur noch ein Engel zu sehen. Erhalten ist die Tafel im Audienz- saale der Bruderschaft von St. Maria della Misericordia, welche die Madonna vorstellt, wie sie mit ihrem Mantel das Volk von Arezzo beschützt, ein auch für das Costüm interessantes Bild. Die Vorsteher der genannten Bruderschaft liessen auch noch eine zweite Madonna von ihm in Tempera malen, ebenfalls als Schutzherrin der Arejliner, mit St. Laurentinus und Pergentinus, während au

dem ersteren Gemälde St. Gregor und Donatus erscheinen. Dieses Bild wird alle Jahre von der Bruderschaft in Prozession herumge- tragen. Auf der Predella sieht man in kleinen Figuren die Mar- ter dieser Heiligen, welche nach Vasari als ein Wunder erscheint. Die Marter der heil. Catharina, die drei Ellen hohe Maria Mag- dalena in der Kirche von Muriello, beide in Fresco gemalt, sind zu Grunde gegangen, erhalten ist aber das grosse Crucifix und vier Heilige in der Nicolaus-Capelle bei S. Domenico. Da sieht man an dem Bogen auch noch zwei andere Bilder: St. Nicolaus, wie er den Mädchen die goldenen Äpfel zuwirft, und die Befrei- ung zweier zum Tode Verurtheilten durch denselben Heiligen. Während der Arbeit in dieser Capelle wurde Parri meuchlerisch angefallen, was ihm solchen Schrecken verursachte, dass er, wie Vasari behauptet, von dieser Zeit an alle Figuren nach einer Seite gebogen und mit dem Ausdrucke des Schreckens malte. In der- genannten Capelle ist auch ein Bild, welches er in Folge böser Zahnsage und giftigen Neides malte. Er stellte Zungen und Flam- men dar, wie Teufel das Feuer schüren, während Christus oben die Verfolger verflucht. Auf einer anderen Seite steht: »Lingua dolosa.« Dann erwähnt Vasari auch noch einer Zeichnung, welche in Form eines Frieses Darstellungen aus dem Leben des heil. Do- natus enthält. Parri schenkte sie seiner Schwester, die vortrefflich stickte. Vasari selbst besass mehrere Federzeichnungen von ihm. Dann behauptet dieser Schriftsteller, dass Marco da Monte Pul- ciano im Kreuzgang von S. Bernardo zu Arezzo das Bildniss die- ses Meisters angebracht habe, während Bottari bemerkt, dass unter den Köpfen jenes Gemäldes keiner dem Holzschnitte vor dem Le- ben dieses Meisters bei Vasari gleiche. Auch Bottari gibt das Bild- niss Parri's.

Vasari lässt diesen Meister 56 Jahre alt werden. Seine Ge- beine ruhen in der Gruft von S. Agostino zu Arezzo neben jenen des Vaters.

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