Spilimbergo, Irene di

Spilimbergo, Irene di, Malerin , stammte aus einer altadeligen und berühmten Familie aus Friaul , und wurde 1540 zu Udine ge- boren, nicht 1541, wie Atanagi angibt, indem ihr Vater Adriano den 12. September 1541 starb und noch eine jüngere Tochter, Namens Isabella, hinterließ. Irene wurde in Venedig von ihrem mütterlichen Oheim Gio. Paolo de Ponte erzogen, wo Tizian sie in der Malerei unterrichtete, und in kurzer Zeit ein bewunderungs- würdiges Talent entwickelte. Tizian staunte über ihre Versuche,

es sind aber nur wenige Bilder von ihr vorhanden. Lanzi sagt, dass drei ihrer Gemälde durch Erbschaft an das Haus Gradinig gekommen seyen, ohne sie näher zu bezeichnen. Diese Bilder sind jetzt im Besitz des Grafen Fabio di Maniago zu Udine und

stellen die Flucht in Ägypten , Noahs Einzug in die Arche und ein figurenreiches Bild der Sintfluth dar. Sie sind gut gezeichnet und kräftig colorirt, würdig eines vorgeschrittenen Künstlers, nicht einer Dame, die nur wenige Monate die Malerei geübt hatte. Lanzi bringt nach den Antichita Picene, Fermo 1796, Tur. XXVI. p. 217 auch die Nachricht, dass die Familie Claudi zu Montalboddo bei Sinigaglia ein Bacchanale von ihrer Hand besitze; allein Ma- niago suchte vergebens darnach. Die genannten drei kleinen Bil- der sind wahrscheinlich die einzigen, welche sich von der Hand

der Irene finden. Kopien nach Tizian scheinen sie nicht zu seyn. Maniago sah in Udine zwei Bilder des 15. Jahrhunderts, die von ähnlicher Composition sind, und das Bild der Flucht in Ägypten scheint einem Kupferstiche der flämischen Schule entnommen zu seyn. Die beiden anderen sind mit dem Namen der Künstlerin bezeichnet.

Diese Künstlerin starb 1550 im neunzehnten Jahre, nicht 1507 wie Ticozzi behauptet. Tizian hat das Bildniss derselben gemalt, Kniestück an eine Säule gelehnt, mit dem Lorbeerkranze in der

Hand. An der Basis steht: Si fata tulissent. Aliprandi hat es zur die Storia delle belle arti Friulane dal Conte F. di Maniago. II. Udine 1823 gestochen. Man glaubt, T. Tasso habe an dieses Bild eines seiner Sonette gerichtet: Qui leggieri pensier etc. In der Venezianer Ausgabe der Werke Tasso's von 1636 VI. c. 500 ist aber die Angabe, dass diese Verse an ein Madonnenbild gerichtet seyen. Die vornehmsten italienischen Dichter beklagten den trüben Tod der Irene di Spilimbergo in Gedichten. Atanagi hat sie so gesammelt und unter folgendem Titel heraus gegeben: Rime dei diversi — — in morte della — signora Irene. Venezia 1561. Irene's Elogio kommt auch in folgendem Werke vor: Delle orazioni funerarie scritte da diversi uomini illustri. In Venezia 1584.

Johann Spilberg, welchen Sandrart 1628 in Ungarn geboren wer- den lässt, und der von anderen ebenfalls Spilberg oder Spilherger

genannt wird, öfters durch Verwechslung mit Joh. Spilberger aus

München. Indessen scheint sich dieser Ungar selbst zuweilen Spilberger genannt zu haben; denn auf einem Blatte von M. Kü- sell, welches das Bildniss des Kaisers Leopold I. in einem von allegorischen Figuren getragenen Kranze vorstellt, liest man am Schlusse der Dedication: Joan Spilberger Cassoviensis Nob. Un- garus. Dieser adelige Ungar vollendete seine Studien in Italien, anscheinlich um 1660 in Venedig, wo sich in der Sammlung des Priors de Ligne eine getuschte historische Zeichnung von ihm findet (Bartsch p. 154), welche mit J. Spilberger Hung. f. Venel. 1660 bezeichnet ist. Später malte er einige Altarbilder für Kirchen in Oesterreich, hielt sich auch einige Zeit in München auf, und liess sich dann in Augsburg nieder. In München erhielt er 1663 vom Churfürsten den Auftrag, das grosse Schiff auf dem Starnberger See, welches den Namen: Bucentaur trug, mit Malereien zu ver- zieren. An der Decke der Kajüte malte er die Entführung der Orithia durch Boreas, und an der Aussenseite stellte er einen Tanz von Sirenen, Najaden und Tritonen dar. Dieses Schiff ist aber schon seit vielen Jahren ausser Gebrauch und seines Schmuckes beraubt. In der evangelischen Kreuzkirche zu Augsburg sieht man von seiner Hand die Predigt des hl. Petrus am Pfingstfeste, und bei St. Emmeran in Regensburg den Tod des hl. Benedikt. Spillenberger lebte einige Jahre in Augsburg, und zwar wenig- Auträge; er malte meistens Bildnisse, wodurch er seine Exis- stenz nur dürftig sicherte. Uebrigens malte er auch einige Stuf- leibilder. Zwei solcher Bilder befinden sich in der Gallerie zu Pommersfelden: Susanna im Bade und die Finding Musis, ersteres bezeichnet: J. Spiellenberger 1672. Um diese Zeit erhielt der Künstler einen Ruf nach Wien, wo er als besoldeter Hofmaler ein besseres Los fand. Er malte das Bildniss des Kaisers Leopold I., welches Müsell gestochen hat, und dann noch viele Altarbilder. In der St. Stephanskirche (Frauenchor) ist die Himmelfahrt Mariä von 1672, in St. Augustin die Geburt Christi, in der Kirche Zur hl. Maria Rotonda die Anbetung der Hirten und die Marter der hl. Catharina, in St. Ursula die Marter dieser Heiligen, die un- bedeckte Empfängniss und die Communion des hl. Stanislaus. In der Abteikirche zu Göttweih sieht man die Dreieinigkeit 1672, den reichen Fischzug 1675 und Petrus und Johannes von demsel- ben Jahre. Im Dome zu Brunn ist das Hochaltarblatt mit St. Peter und Paul sein Werk. Im Jahre 1679 floh der Künstler vor der Pest aus Wien, wurde aber in einem Contumazhaus in Ober- Oesterreich davon befallen und starb mit seiner ganzen Familie. Ph. Kilian stach 1673 das Bildniss dieses Meisters, halbe Figur in ovaler Einfassung, gr. fol.

G. Winckler stach nach ihm für den Verlag von D. Herz in Augsburg die Ausgiessung des hl. Geistes, reiche Composition. J. G. Schwab in Wien stach ebenfalls ein grosses Blatt, welches Nar- cissus an der Quelle vorstellt. M. Küsell in Augsburg stach ausser dem genannten Bildnisse des Kaisers Leopold nach ihm allego- rische Darstellungen der Tugenden und der Elemente.

Dann haben wir von Spillenberger auch einige radirte Blätter, die geistreich behandelt sind und sehr selten vorkommen. Er be- zeichnete sie mit dem Monogramm I S Hung. f. (Hungarlis fecit), mit dem abgekürzten und mit dem vollen Namen. Mit dem Laud-

  1. Vertumnus und Pomona sitzend in einem reichen Garten mit Springbrunnen zur Linken. Oben schießt Amor einen Pfeil ab. Rechts unten J. Spil. Hvg. f. Dieses seltene Blatt ist von eigenthümlicher Behandlung, aber sehr geistreich. H. 7 Z. 6 L., Br. 9 Z. 10 L.

Im Cabinet Winckler war neben dem Originale auch ein sehr schöner Contre-Druck. Weigel werthet dieses Blatt auf 2 Thl. 8 gr.

  1. Lucretia mit dem Dolche sterbend im Sessel, von ihrem Vater, ihrem Gemahl und von Brutus umgeben. Mit dem Monogramm des Malers, fol.

Dieses Blatt wird im Winckler'schen Cataloge unserm Meister zugeschrieben, ausserdem fanden wir es nicht er- wähnt. Nur Füssly hat Nachricht von einer sich selbst ent- leibenden Lucretia, mit der Schrift: J. Spilb. inv. et pinx, und M. Spilb. Er nennt dieses Blatt hart und ohne Reiz, ins Schwarze fallend. Das Format soll Quart seyn, und somit ist wohl von einer Cupie die Rede.

  1. Herkules sich selbst verbrennend, in Wolken Vulkan, ohne Namen des Meisters. Von einer solchen Darstellung erhielt Füssly Kunde. Das Blatt befindet sich in der Kupferstich- sammlung zu Dresden, wie Füssly bemerkt. Ausserdem fan- den wir es nirgends angezeigt.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_jE1QmVcKYywC/