Speeth, Peter

Speeth, Peter, Zeichner und Architekt , geb. zu Mannheim 1772, war der Sohn eines Hofmusikus, der durch die Verlegung der pfalz- bayerischen Regierung unter Carl Theodor nach München kam, wo Peter den Elementarunterricht erhielt. Im Jahre 1784 begab er sich zu einem mütterlichen Oheim, Namens Georg Weber, nach Frankfurt am Main , dem als Baumeister die Ausführung des vom churpfälzischen Baudirektor Pigage entworfenen Gebäudes des H. von Schweizer auf der Zeile daselbst übertragen wurde, wobei der junge Speeth seine praktische Laufbahn betrat. Sein Talent ent- wickelte sich schnell, und fand in der Baukunst, für die er ge- boren war, sich auch bald heimisch. Es wurde ihm daher im zwanzigsten Jahre der Bau des Schmidt'schen Hauses in derselben Strasse übertragen, den er zur Bewunderung seiner Umgebung führte. Nach der Herstellung dieses Gebäudes erhielt er den Auf- trag, den Plan zu dem neu aufzuführenden Nonnenkloster zu Engel- thal bei Frankfurt zu verfertigen, allein die bald darauf eingetre- tene Sekularisation der Klöster setzte diesem Unternehmen ein Ziel, und alle seine Zeichnungen lagen unbenützt da, denen nur der allgemeine Beifall blieb. Hierauf begab er sich nach Heidel- berg, wo er jetzt mit seinen Freunden Strütt und G. Primavesi mehrere Jahre verlebte, und mit grossem Eifer künstlerischen Stu- dien sich hingab. Während dieser Zeit radirte er auch mehrere Blätter und führte andere in Aquatinta aus. Primavesi gab damals seine Ansichten des Heidelberger Schlosses heraus, wozu Speeth fünf Zeichnungen lieferte, die mit grosser Schönheit in Sepia aus- geführt sind. Auch mehrere architektonische Entwürfe rühren aus jener Zeit. Einige lieferte er für das Baumgärtnerische Ideenma- gazin. Sein Plan zu einem Badehause, welches auf Kosten der Re- gierung in Schwalbach gebaut werden sollte, erhielt den Preis; der Bau unterblieb aber wieder. Auch sein Entwurf zu einem all- gemeinen Todtendenkmale, wozu ein ungarischer Edelman eine Concurrenz ausschrieb, wurde als preiswürdig erkannt. Dieses Mo- nument sollte ästhetisches Erinnerungsmittel an unsere Sterblich- keit und bessere Zukunft seyn. Den Preis musste Speeth mit dem Historienmaler Kalliauer theilen, da dessen Entwurf jenem unsers Künstlers gleichachtet wurde.

Durch den k. Hofgarten-Intendanten Skell ermuntert, suchte endlich Speeth um die Stelle eines Architekten am Hofe des Für- sten von Leiningen nach, und verlebte als solcher einige Jahre in Amorbach, während welcher Zeit er Pläne zu mehreren Gebäuden entwarf. Der Fürstin von Leiningen, der Mutter der regierenden Königin von England, ertheilte er auch Unterricht im Zeichnen. Hierauf kam er durch Empfehlung an den Hof des Grossherzogs Ferdinand von Würzburg, der diesen seinen Landbaumeister so

schr schätzte, dass er noch lange nach der Uebernahme seiner italienischen Erbstaaten von Florenz aus ihn mit mehreren architectonischen Aufträgen beehrte. Unter der großherzoglichen Regierung zu Würzburg war es ihm vergönnt, mehrere bedeutende Entwürfe auszuführen. Dahin gehört ausser den Privatgebäuden und einigen Kirchen auf dem Lande, der Restauration des Schuedithurmes, des Capitelhauses und der Thorwache an der Zellerstrasse, das neue Zuchthaus, ein imposantes Gebäude, dessen Meister Schardt in seiner Beschreibung von Würzburg irrig Philipp Speeth nennt. Den Bau konnte aber Speeth nicht vollenden, da durch die inzwischen eingetretene Uebergabe des Großherzogthums an die Krone Bayerns auf Veranlassung des General-Commissärs Baron von Lerchenfeld seine Dienstenthebung und Versetzung in den Ruhestand erfolgt ist, wodurch seiner praktischen Wirksamkeit im Staate mit einem Schlage Einhalt gethan wurde. Der thätige Mann unterzog sich jetzt nur noch der architektonischen Bildung junger Leute, und machte mehrere Entwürfe zu Privatgebäuden. Er concurrirte auch zum Baue der projectirten Donaubrücke bei Nussdorf oberhalb Wien, die aber nicht zur Ausführung kam. Im Jahre 1826 wurde er endlich durch den Grafen Kotschubei dem Kaiser von Russland und dem Grafen von Woronzow empfohlen, durch dessen Vermittlung er zur Funktion eines besarabischen Provincial-Architekten berufen wurde, als welcher er den Bau der neuen Metropolitankirche in Kischenew leitete, an dessen Vollendung ihn aber 1831 der Tod hinderte.

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