Speckter, Erwin

Speckter , Erwin, Maler, wurde zu Hamburg geboren, und äusserte schon in früher Jugend eine entschiedene Anlage zur Kunst. Er lieferte schon als Knabe Zeichnungen, die ein reites Ta- lent beurkundeten, welches dann in München unter Cornelius' Leitung zur schönsten Blüthe sich entfaltete. In die Heimath zurück gekehrt verlebte er nur kurze Zeit in Hamburg, und gab sich 1824 nach Italien , um durch Fortsetzung seiner Studien in Rom die Erwartungen seiner Mitbürger, dass er zu einem aus- gezeichneten Künstler seines Faches reifen werde, zu rechtfertigen. Eines seiner früheren Gemälde stellt Christus und die Samariterin am Brunnen dar, ein Werk, welches dem Künstler eine hohe Stelle in der Kunstwelt einräumte. Der Heiland ist eine Gestalt voll Hoheit und Milde, und in der Haltung des Weibes ist so viel Leben und Wahrheit, und zugleich solche Anmuth, dass der Be- schauer sich unwiderstehlich angezogen fühlt. Auch die Köpfe der Apostel sind meisterhaft und voll charakteristischen Ausdrucks. Ein späteres Gemälde Speckter's, welches er in Rom ausführte, stellt den schlafenden Simson dar, wie ihn Dalila der Haare beraubt. Dieses Bild besitzt alle geistigen Vorzüge des Meisters, ist auch ausgezeichnet durch fleißige Durchbildung des Nackten, durch grosse Klarheit der Färbung und durch die glückliche, der romantischen Schule verwandte Behandlung des landschaftlichen Hintergrundes. Ein solches Gemälde ist in der Sammlung des Freiherrn von Rumohr, und in anderen Sammlungen findet man Landschaften mit Staffage, die ebenfalls sehr geistreich behandelt sind. Die Gemälde dieses Meisters sind nicht zahlreich, da er 1835 in jungen Jahren starb. Er war voll echter Begeisterung der Kunst, entbeherte aber die Blüthe der Gesundheit. Allein was an Gemäl- den und Zeichnungen von ihm vorhanden, ist von grossem künst- lerischen Werthe. Darunter sind einige Compositionen in Ara- beskentorn, die ausserordentlich lieblich und geistreich zu nennen sind. Er war auch in architektonischer Malerei ausgezeichnet. Der berühmte Architekt Chateauneuf bediente sich öfters der Kunst dieses Meisters bei seinen Bauten. Ritschel zeichnete 1824 in Rom das Bildniss Speckter's, welches in der bekannten Portraitsammlung des Professors und Malers Vogel von Vogelstein sich befindet. Dann haben wir noch ein anderes Denkmal von diesem Künstler, welches von grossem Interesse ist. Es sind diess die Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien. Aus den nachgelassenen Papieren von Er- win Speckter. 2 B. Leipzig 1846.

Dann ist Speckter auch durch lithographirte Blätter bekannt.

  1. Geistliche Lieder von M. Luther und Möller, nebst deren Melodien mit Randbildern aus der biblischen Geschichte, 4 Blätter von J. C. Milde lithographirt 1828, fol.

  2. Biblische Compositionen des neuen Testaments, besonders aus dem Leben Jesu, in Arabeskenform. Sehr nett lithogra- phirt, mit dem Monogramme Speckter's und der Jahrzahl

  3. Das berühmte Altargemälde Hemling's in der Greveraden- kapelle im Dome zu Lübeck, 2 Heite mit lithographirten Blättern von E. und O. Speckter und C. J. Milde, Ham- burg 1825, gr. fol.

Lithographien,

  1. Bildniss des Malers Julius Oldach, der 1830 starb, kl. fol.

  2. Johann Michael Speckter, nach eigener Zeichnung 1838, fol.

  3. Ein weibliches Bildniss, nach eigener Zeichnung, kl. fol.

  4. Otto Runge, Maler, für dessen hinterlassene Schriften li- thographirt, 8.

  5. Der Einzug Christi in Jerusalem, nach dem berühmten Ge- mälde Overbeck's in der Marienkirche zu Lübeck. Ein Hauptwerk der Lithographie, mit einem eigenen Erklärungs- blatte 1833, s. gr. roy. qu. fol.

  6. Christus am Oelberge, nach dem Gemälde von F. Overbeck im Bethsaale des Frauenhauses zu Hamburg. Für den Hamburgischen Kunstverein 1842. Roy. fol.

  7. Das Altargemälde (angeblich von Hemling) in der Grevera- denkapelle zu Lübeck, in Lithographien herausgegeben von C. J. Milde und E. und O. Speckter. 12 und 24. Heft, jedes zu 6 Blättern, gr. fol. Hamburg 1825. Mehr ist von diesem höchst interessanten Werke nicht erschienen. Von O. Speckter sind 4 Blätter nach Theilen des Haupt- bildes in der Grösse der Originale, dann zwei Blätter im Umriss der Figuren, der Flügelbilder und des Ganzen,

  8. Die Hamburger Kunstausstellung im Jahre 1837. Mit lith. Blättern von O. Speckter. Hamburg 1837, fol.

  9. Kynelekomachie. Der Hunde-Fuchsenstreit, herausgege- ben von C. Fr. v. Rumohr, mit 6 geistreich auf Stein radir- ten Blättern, mit Thieren in Landschaften. Lübeck 1833, 8.

  10. Fünfzig Fabeln für Kinder. In Bildern gezeichnet von O. Speckter. Nebst einem ernsten Anhange. Die Bilder sind auf Steine radirt, die Arabesken in Runge's und Neu- beter's Manier und farbig gedruckt. Von diesem Fabelwerke erschien 1833 die zweite Auflage, 8.

  11. Cinquante Fables pour les enfants, trad. de l'allemand de Mr. Hey, ornee de 50 gravures sur bois de Mr. Gubitz d'après Speckter. Hambourg 1840, 8.

  12. Noch fünfzig Fabeln für Kinder (von W. Hey) in Bildern

gezeichnet von O. Speckter. Nebst einem ernsten An- hange. Hamburg 1837, 8. 13) Häschen und die Küchlein von A. G. Eberhard, Mit 10

  1. Ein Heft mit 7 malerischen Ansichten der alten Schulgebäude in Hamburg, mit Figuren, kl. fol.
  2. Sieben Ansichten von Helgoland auf einem Bogen, gr. fol.

Radirungen.

  1. Rückkehr von der Äuße; für das Album deutscher Künstler, 4tes Heft. Düsseldorf, Buddeus., Trefflich radirtes Blatt. u. fol.

  2. Bächzerbrochene Ringlein, von J. v. Eichendorff. Für die bei Buddeus in Düsseldorf erschienenen deutschen Dichtun- gen mit Randzeichnungen deutscher Künstler, 1er Band. Düs- seldorf 1844, gr. 4.

  3. Das Märchen vom gestiefelten Kater, in den Bearbeitungen von Straparola, Basile, Perrault und L. Tieck, Mit 12 Ra- dirungen von O. Speckter. Leipzig 1843, 4.

  4. Einige kleine Radirungen aus der früheren Zeit des Meisters.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_jE1QmVcKYywC/