Spada, Leonello

Spada, Leonello, Maler, geb. zu Bologna 1576, diente in seiner Jugend den Carracci als Farbenreiber, versuchte sich aber aus eigenem Antriebe im Zeichnen und wurde zuletzt ihr Schüler. Später nahm er bei Baglioni und bei Dentorne Unterricht, stand dann gesellenweise dem Guido Reni und dem Tiarini zur Seite, bis ihn endlich der Spott Guido's nach Rom trieb, wo er jetzt durch Mich. Angelo da Carravaggio dergestalt hingerissen wurde, dass er die Werke desselben ausschliesslich zum Vorbilde nahm, wofür ihn seine Feinde mit dem Titel eines Affen des Caravaggio be- ehrten. Dieser Affe übertraf aber viele Meister der Zeit, indem er mit der würdigeren Auffassung der Carracci die Kraft und Wahr- heit eines Caravaggio zu vereinigen wusste, und an Wärme des Colorits selbst diesen übertraf. Auch Tiarini steht ihm in dieser

Spada begleitete seinen Meister Caravaggio nach Malta , da eine gewisse Verwandtschaft des Charakters beide zu Freunden ge- macht hatte. Er gründete da den Ruf eines tüchtigen Meisters, den seine Bizzarrie und seine Schwänke nicht verdunkelten. Er war von den Rittern wohl gelitten, und mit dem Zeugnisse trefflich geleisteter Dienste, so wie mit voller Börse kehrte er in die Hei- math zurück. Der Herzog Ranuccio von Parma ernannte ihn zum Hofmaler , als welcher er aber mit Stolz auf die übrigen Künstler herab sah, so dass er selbst viele seiner Freunde in Feinde ver- wandelte. Er heirathete ein adeliges und reiches Fräulein, pochte auf seinen Verdienst und auf das Vermögen seiner Frau, machte ein grosses Haus, vernachlässigte die Kunst, und gerieth nach dem Tode seines Herzogs in Noth, aus welcher ihn seine handwerks- mässigen Arbeiten nicht mehr retten konnten. Im Jahre 1622 machte der Tod dem Elende dieses früher so ausgezeichneten Mei- sters ein Ende. An einem Pilaster der Cathedrale zu Parma sieht man die einfache Grabschrift desselben. Wer gerne Anekdoten aus seinem Leben liest, den befriediget Malvasia in seiner Felsina pittrice. Bologna 16078:

Es finden sich auch noch mehrere treffliche Gemälde von der Hand dieses Meisters. In S. Sepolcro zu Parma ist ein Bild der hl. Catharina, welches unvollendet blieb, aber zu den besten Wer- ken Spada's gehört. Bei den Carmelitern rühmt man ein Bild des hl. Hieronymus. Im Chore der Capuzinerkirche daselbst sind zwei Bilder aus der Legende des hl. Felix, Wunder des Heiligen dar- stellend. Im Chore der prächtigen Steccata sieht man einen Chri- stus an der Säule, und auch im Benediktiner Collegio zu Parma sind neben anderen auch Proben seiner Kunst zu finden. Die Malereien, womit er das herzogliche Theater zierte, galten als Werke ersten Ranges.

In S. Domenico zu Bologna ist eines der Meisterwerke des Künstlers, welches den Kirchenheiligen vorstellt, wie er die ketze- rischen Bücher verbrennt, und in S. Michele in Bosco sieht man ein zweites Hauptbild Spada's, worin er ein Wunder des hl. Do- minicus zur Anschauung bringt. Er verjagt die Teufel, die bei dieser Gelegenheit einen Mönch mit sich nehmen, ihn aber wieder vom Klosterdache herabfallen lassen. Unten sieht ein Steinhauer dem Vorfalle mit solcher Aufmerksamkeit zu, dass davon das Bild unter dem Namen des Steinhauers von L. Spada bekannt wurde. Im zweiten Hofe des Palastes Malvezzi-Bonfioli zu Bologna sind Darstellungen aus Tasso's befreitem Jerusalem von L. Spada, L. Moassari, F. Brizzi u. a. in Fresco gemalt. In der Gallerie daselbst ist die Enthauptung des Johannes, nach Lanzi das beste dieser oft wie- derholten Bilder, welches ein Lieblingsthema des Meisters war. In der Pinakothek zu Bologna ist jetzt jenes Gemälde aus dem Colle- gio Montalto, welches den hohen Priester Melchisedech vorstellt, wie er dem Abraham Brod und Wein reicht. Auch Loth und Soldaten erscheinen in diesem Gemälde, lauter lebensvolle Gestal- ten und darunter auch der Maler.

In der Kirche der Madonna zu Reggio hinterliess er Bilder in Oel und Fresco, und wetteiferte dabei mit Tiarani. Auch in Modena sah man einst mehrere schöne Gemälde von Spada. In der Gallerie war früher die im Louvre befindliche Enthauptung des hl. Christoph und der verlorne Sohn, sowie die Susanna von den Alten überrascht. Jetzt bewahrt die Gallerie noch ein Bild der hl. Jungfrau in der Glorie von Engeln. Ueberdies findet man auch noch in italienischen Privatsammlungen Bilder von Spada, heilige Familien und geistliche Darstellungen, meist halbe Figu- ren in Caravaggio's und Guercino's Weise. Auch ausdrucksvolle Köpfe finden sich.

Im Pariser Museum ist von ihm die Enthauptung des hl. Christoph, mit dem von einem L gekreuzten Degen (spada). Die- ses aus der Gallerie von Modena stammende Bild ist in einem hellen, klaren, und doch warmen Ton meisterlich gemalt. Ein zweites Gemälde mit dem verlorne Sohne, der die Verzeihung seines Vaters erhält, erkennt man in Charakteren und Formen das Studium des Guercino und in der klaren, tiefen goldigen Färbung, welche mit dem dunklen Grunde eine grosse Wirkung macht, die Schule des Caravaggio. Auch dieses Bild kommt aus Modena. Ein drittes Bild stellt vier junge Leute vor, die sich zum Concerte anschicken, in Auffassung, wie in der leuchtenden Färbung in der Art des Caravaggio, nur nach dem edieren Naturell Spada's die Köpfe feiner und liebenswürdiger im Ausdruck. Diese Bilder wür- diget Dr. Waagen in seinem Werke über Kunst und Künstler in

Paris. Zur Zeit Napoleon's sah man daselbst auch ein grosses Altarblatt, welches die Entzückung des hl. Franz vorstellt, und ein zweites Bild stellte Joseph und Potiphar's Frau in lebensgrossen Figuren dar. Landon beschreibt diese Bilder in seinen Annalen, und vindicirt noch zwei andere dem Spada, welche sonst als Do- minichino galten, nämlich Aeneas mit seinem Vater Anchises, und das oben genannte Concert.

Auch in etlichen englischen Sammlungen sind Bilder von Spada. So sieht man in Staffordhouse ein männliches Bildniss, nach Wa- sagen durch den glühenden Goldton des Fleisches und die sehr dunklen Schatten ein gewaltiges Effectstück. In Corshamhouse ist David mit dem Haupt des Goliath, ein fleissig und warm colorirtes Bild.

In der Gallerie zu Dresden sind drei Gemälde von Spada: Christus mit der Dornenkrone und mit zur Geisslung entblösstem Rücken, David mit dem Schwerte des Goliath, und Cupido mit einem Leoparden am Bande,

Die k. Gallerie zu Schleissheim bewahrt ein Gemälde mit lebensgrossen Figuren: mehrere Arbeitsleute am Bau beschäftigt, oder der Bau von Troja.

Stiche nach Bildern des L. Spada.

Das Bildniss des Künstlers, mit jenem des Gio. Capugnano, der oft der Gegenstand von Spada's Witz war, gest. von P. A. Pazzi, für die florentinische Serie de'ritratti. Spada's Portrait allein bei Malvasia II. 102.

Joseph und Potiphar's Weib, rad. von Chataigner und vollendet von Dennel, 4. Dasselbe Bild geradirt von Couche, 4. Im Um- riss bei Landon.

Der verlorne Sohn, das Bild im Louvre, rad. von L. Villain und vollendet von Romanet, 8. Dasselbe Gemälde geradirt von

Die hl. Jungfrau lesend vom Kinde umfasst, Mater. S. Nati fata requirens, gest. von J. G. Müller, kl. fol.

Die Enthauptung des hl. Christoph, radirt von Chataigner und vollendet von Dennel, kl. fol. Im Umriss bei Landon und bei Reveil.

St. Dominicus verbrennt die ketzerischen Bücher, gest. von J. M. Mitelli für die Icones Bonon. pictorum, gr. fol.; dann von J. Wagner, gr. fol.

St. Benedikt befreit einen Geistlichen seines Ordens aus den Händen des Teufels, gest. von J. M. Giovannini, fol.

Dieses Blatt gehört zu einer Folge von 24 Darstellungen aus dem Leben des hl. Benedikt, welche L. Carracci und seine Schüler zu S. Michele in Bosco gemalt hatten: Il claustro di S. Michele in Bosco.

St. Franz in Entzückung, im Umriss bei Landon.

Die Ermordung eines Senator, Skizze, von Mulinari gesto- chen, qu. 4.

Aeneas rettet seinen Vater aus den Flammen von Troja, im Umriss bei Landon.

Das Concert, im Museum des Louvre, gest. von Morel, dann im Umriss bei Landon.

Der Schrecken, Kopf aus dem Bilde des Baues von Troja (in Schleissheim?) von le Mire für Gault-de St. Germain, Les pas- sions et de leur expression.

Dann findet sich ein schön radirtes Blättchen, welches von Spada selbst herrühren könnte. Es enthält die halbe Figur einer Madonna, wie sie dem vor ihr liegenden Kinde die Brust reicht, 12.

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