Soufflot, Jacques Germain, Architekt , einer der grössten Künst- ler, welche Frankreich im 18. Jahrhunderte zählte, wurde zu Irancy bei Auxerre geboren, und von seinem Vater, einem Par-
Durch die verschiedenen Bauten, welche Soufflot in Lyon ausführte, bahnte sich sein Genie den Weg nach Paris , wo ihm schon 1750 die Akademie die Thore geöffnet hatte. In diesem Jahre begab er sich mit dem Baudirektor Marquis de Marigny zum zwei- ten Male nach Italien und dehnte jetzt die Reise auch nach Sici- lien aus, wo er die Ruinen von Paestum zeichnete. *) Dieser Künst- ler machte überhaupt viele Studien nach den Denkmälern des classischen Alterthums, und suchte dieselben dann in den eigenen Werken geltend zu machen, was für die Erweckung eines besseren Geschmacks der Architektur in Frankreich von grosser Wichtig- keit war. Er suchte den Formen der römischen Baukunst allge- meinen Eingang zu verschaffen, verfuhr aber bei der Anwendung derselben mit einer zu grossen Nüchternheit, welche selbst an sei- nem Hauptwerke, dem Pantheon in Paris, besonders an der Cuppel hervortritt. Die Ursache der Erbauung dieses prachtvollen Tem- pels soll eine Krankheit Ludwig XV. gewesen seyn, wenn nicht die Hinfälligkeit der alten und unansehnlichen Kirche der Stadt-
*) Diese Reise machte auch Cochin mit, und beschrieb sie in 3 Bänden, ein Werk voll scharfsinniger, aber auch nicht ohne flüchtige und irrige Bemerkungen.
Patronin St. Genevieve den König zum Baue einer neuen, prächtigeren bewogen hat. Mehrere Architekten legten Pläne vor, unter denen jener Soufflot's vorgezogen wurde. Die Grundform ist das griechische Kreuz mit vier gleichen Armen, und die vier Schiffe sind in der Mitte durch den Eintrag einer grossen Cuppel verbunden. Unter diese Cuppel sollte der Reliquienkasten der hl. Genovefa als Mittelpunkt der Verehrung dienen, und der Hochaltar sich im Hintergrunde des Chores erheben, der für die Congregation de St. Genevieve eine geräumige Stelle bieten musste, wovon sich die Anordnung des griechischen Kreuzes erklärt. Indessen muss zugestanden werden, dass der Charakter dieses Gebäudes mehr einem grossen öffentlichen Versammlungshause, als einem dem Cultus geweihten Dome entspricht. Abgesehen aber von dem Eindruck, welchen ein heiliges Gebäude hervorbringen muss, und von den einzelnen Mängeln in der Construction, so zeigt sich bei Betrachtung des Grund- und Aufrisses das Talent des Meisters immerhin von einer bewunderungswürdigen Seite. Die Cuppel, in welcher Soufflot selbst die St. Paulus Kirche in London überbot, ist das erste Werk dieser Art, welches man mit drei concentrischen Gewölben von gehauenen Steinen bis zu dieser Höhe zu führen wagte. Das Peristyl in corinthischer Ordnung mit 60 F. hohen Säulen bildet eine imposante, und in ihrer Art die bedeutendste Masse der neueren Zeit. Die Verbindung der Säulen durch Architrave aus Gewölbesteinen, die durch Eisenstäbe in ihrer horizontalen Lage erhalten werden, waren zur Zeit, als das Projekt erfunden wurde, eine gewagte Sache. Er fand auch wegen der Construction seines Domes heftige Widersprüche, namentlich die Anordnung der vier dreieckigen Pfeiler von mäßiger Dicke, welche die Stützen der Cuppel bilden sollten, und als zu schwach befunden wurden. Soufflot fand in dem Tadel seines Werkes die tiefste Kränkung und bald darauf raubte ihm ein Siechthum das Leben. Er hinterliess das Werk unvollendet, der Architekt Rondelet führte es aber glücklich zu Ende, wie wir im Artikel desselben benachrichtigt haben. Die Länge des Gebäudes beträgt mit Umgriff des Peristyls 340 Fuss, und eben so hoch ist die Cuppel mit der Laterne. Die äussere Breite hat 250 F. Im Jahre 1701 wurde die Kirche St. Genevieve durch Beschluss der Nationalversammlung unter dem Namen Pantheon zum Grabtempel der ausgezeichnetsten Männer Frankreichs erklärt, Ludwig XVII. gab aber das Gebäude wieder dem Cultus zurück, bis die Juliusrevolution wieder ein Pantheon restituirte, und statt der kirchlichen Dedication durch die wiederholte Inschrift im Frontispiz: Aux grands hommes la patrie reconnaissante, den Zweck des Gebäudes aussprach.
Mit dem Plane der St. Genovevakirche verband Soufflot das Projekt eines grossen Platzes, und die eine Hälfte desselben erhielt bereits vor der Vollendung durch die Erbauung der nach den Zeichnungen des Meisters aufgeführten Rechtsschule ihre Ausführung. Soufflot verzichtete dabei auf jede Belohnung, der Verwaltungsrath sicherte ihm aber durch einen feierlichen Beschluss das Privilegium des unentgeldlichen Besuches der Facultät für alle seine Nachkommen zu. Uebrigens fertigte er auch einige Zeichnungen zu Privat-Hotels, worunter jenes des Herzogs von Lauzun gehört, worin er den Palladio zum Vorbilde nahm. Ein Werk von Geschmack und Pracht ist die von ihm erbaute grosse Sakristei und die Schatzkammer von Notre-Dame. Von weniger Interesse ist das kleine Wasserschloss an der Ecke der Strassen St.
Mehrere seiner Plane und Entwürfe wurden in Kupfer gesto- chen. C. N. Cochin hat sein Bildniss gezeichnet, und L. Carsel- bes 1757 gestochen.
Recueil de plusieurs parties d'architecture, par G. M. Dumont. 230 Blätter fol.
Vue et perspective de l'exterieur de l'eglise de St. Genevieve,
dédie aux Mänes de l'Architecte Soufflot, par Dumont, fol.
Der Plan dieser Kirche, in 4 Blättern, ist auch von Desboeufs, und in 6 Blättern von C. Bellicard vorhanden. In der Voyage pittoresque de la France kommt er ebenfalls vor. Im Cabinet Paig- gnon Dijonval waren bis 1810 die Originalzeichnungen. Jetzt be- wahrt sie die k. Sammlung.
Plan et Elévation de la facc ade de l'Hötel-Dieu ä Lyon , par F. Blondel.
Plans et plusieurs augmentations, amplifications et embellisse- ments de la ville de Lyon,
Edifices dans le Jardin du Marquis de Menars, 4 Blätter,
Palladium, avec deux parties du chäteau de la rue de l'Arbre sec, 3 Blätter,
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