Sonderland, Johann Baptist

Sonderland, Johann Baptist, Maler und Radierer , wurde 1804 zu Düsseldorf geboren, und an der Akademie daselbst unter Scha- dow's Leitung zum Künstler herangebildet, als welcher er schon seit mehreren Jahren ausgezeichneten Ruf geniesst. Sonderland malt Genrebilder , die sich durch geschmackvolle Wahl der Stoffe empfehlen, und im meisterhafter Durchführung nie ihren Eindruck verfehlen. Sie sind immer naiv und geistreich, mit Laune aufgefasst, ofters durch einen an Humoristische streifenden Reichthum der Erfindung ungemein ansprechend. Zu den frühesten Bildern, wel- che ein entschiedenes Talent des Künstlers beurkundeten, gehört der wilde Jäger nach Bürger's Ballade, 1830 vollendet, und 1838 wieder behandelt. Auf dieses Gemälde folgten viele andere, in welchen Sonderland immer grösseres Interesse erregte. Wir nen- nen darunter das gestörte Stelldichein 1834, und als Arbeiten von 1835 den die Zeche machenden Wirth, und den Fischmarkt, eines der gelungensten unter seinen früheren, heiteren Bildern, Der Verkäufer fasst lachend die Magd am Kinne. Seine rheinische Fähre zeichnete sich dagegen 1836 wieder vor vielen früheren Bildern durch gründliche Ausführung, und durch heitere Stimmung aus. Im Jahre 1837 erhielten zwei Bilder: der Abschied des Krieg- ers von Gattin und Kind, und die Heimkehr desselben zu Gattin und Kindern, allgemeinen Beifall. Diese beiden Bilder erhielt Hr. Schönfeld in Düsseldorf , und zwei Wiederholungen kamen nach Russland . Ein folgendes Bild ist unter dem Namen der Passagiere bekannt, eine höchst drollige Scene, da ein dicker Pächter und ein hagerer Gentleman der Post nacheilen. Dieses Bild hat der Künst- ler zweimal wiederholt. Die Humpelmänner lieferte den Stoff dazu. Aus derselben Zeit stammt auch sein kleiner Schuhmacher und der kleine Bote, welcher 1838 neben einer Scene des wilden Jägers nach Bürger, und den zwei Mädchen am Putztische auf der Berliner Kunstausstellung zu sehen war.

Mittlerweile beschäftigte sich der Künstler auch mit Zeichnun- gen für Almanache und mit Radirungen, wozu neben anderen

Sonderland, Johann Baptist. die deutschen Dichter reichen Stoff lieferten, dessen sich Sonder- land mit unerschöpflicher Laune bemächtigte. Diese Blätter geben in einem weiten Kreise Zeugniss von dem ausgezeichneten Talente des Meisters in Auffassung humoristischer Scenen, in welchen er lebendig vor den Blick führt, was der Dichter nur andeutet, so dass wir hier Gedicht und Bild zugleich haben. Die unerschöpf- liche Lebendigkeit seiner Phantasie ist zu bewundern, da er um humoristische Gestaltungen, Bewegungen, Aktionen, selbst in den abentheuerlichsten Dingen nie verlegen ist. Nirgends spricht sich das Uebermaass seiner Produktionskraft sprechender aus, als in seinen Radirungen. Zehn Hefte mit 40 Blättern bildete bis 1844 die reiche Folge. Von den Oelbildern sprach 1840 besonders ein kleineres an, ein Mädchen vorstellend, welches den Schuh anzieht. Im Jahre 1842 malte er das schöne, durch eine Liebesintrigue be- sonders bedeutende Bild der Schnitter auf dem Heimwege. Ein anderes Gemälde dieser Zeit ist unter dem Namen der beiden Nebenbuhler bekannt, wovon der eine als schmucker Tirolerbube, der andere als verdriesslicher Stallknecht erscheint, und zwischen beiden die volle, schnippige Münchnerkellnerin. Neuer als dieses Bild sind die Kosaken bei einem Gelehrten, die ländliche Toilette, der ungestüme Liebhaber, Gemälde von 1844 u. s. w. Ueberdies fertigte der Künstler auch mehrere Zeichnungen zum Stiche. So stach A. Hoffmann nach seiner Zeichnung die Hussitenpredigt von Lessing. Auch für die deutschen Sagen, Frankfurt 1840 ff., lieferte er Zeichnungen, die von X. Steifensand gestochen sind.

An diese Werke reihen wir die Nachbildungen von fremden Künstlern, welche neben den Original-Radirungen und eigenhändi- gen Lithographien dieses Meisters von grossem Interesse sind. Sie sind auch in grossem Formate.

Der kleine Schuhmacher, lith. von A. Dankworth, und von Meyer, fol.

Das gestörte Stell' Dich ein, lith. von J. Fay.

Der versäumte Eilwagen, lith. von demselben.

Die Rheinische Fähre, lith. von A. Dircks.

Die Hirschjagd, lith. von H. Hartmann.

Der scherzende Jäger, und der überraschte Liebhaber, lith. von demselben.

Der verliebte Jäger, lith. von Mittag.

Die Ruhe nach der Jagd, lith. von G. Daniel,

Eigenhändige Radirungen des Meisters,

  1. Bilder und Randzeichnungen zu deutschen Dichtungen, er- funden und radirt von J. B. Sonderland. Düsseldorf 1838 — 44, zehn Hefte mit 40 Blättern nebst Text, gr. qu. fol.

Dieses unvergleichlichen Werkes haben wir schon oben erwähnt. Es bildet 2 Bände, jeder zu 20 Blättern in fünf Heften. Auf dem Titel des zweiten Bandes hat sich der Künst- ler in seiner Werkstatt vorgestellt, und in den Arabesken umher sind Scenen seiner Radirarbeit. Es gibt Abdrücke auf weisses und auf chinesisches Papier, das Heft zu 2 und 4 Thl. im Subscriptionspreis.

  1. Das Käferlied, Radirung zum Gedichte von Reinick für die Lieder eines Malers (Reinick's), Düsseldorf 1838, gr. 4.

  2. Parabel v. F. Rückert.

  3. Fliegendes Blatt. Diese beiden Blätter radirte er für die Lieder und Bilder 27 Bände der deutschen Dichtungen mit Randzeichnungen deut-

  4. Der Zigeunerzug aus W. Scott's Guy-Mannering, lebendige, an Charaktere reiche Composition und eine der vollendet- sten Radirungen des Meisters. Im vierten Hefte des Albums deutscher Künstler in Original-Radirungen. Düsseldorf, J. Buddeus 1839 ff., qu. fol.

  5. Erinnerungen an Friedrich Wilhelm König von Preussen, 1840, hoch fol.

  6. Zweihundert Hyperbein auf Herrn Wahl's ungeheure Nase, In erbauliche hochdeutsche Reime gebracht von Friedrich Hophthalmos. Mit 5 Stahlstichen, gez. und rad. von Son- derland. St. Gallen 1841, roy. 8.

Lithographien dieses Meisters.

  1. Die Grablegung, nach E. Deger's Bild aus der Sammlung Dumont-Schauberg in Cöln, für das Düsseldorfer Kunstver- einsheft, qu. fol.

  2. Die Charitas von W. Schadow, für dasselbe Werk, fol.

  3. Der Bärentanz, für das Düsseldorfer Kunstvereinsheft fol.

  4. Der wilde Jäger nach Bürger, für dasselbe Heft.

  5. Die Wahrsagerin, für dasselbe Werk.

  6. Das gestörte Stell dich ein, 1834 lithographirt, fol.

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