Solis, Nicolaus

Solis, Nicolaus, Kupferstecher , wahrscheinlich der Bruder des Vir- gil Solis, ist nach seinen Lebensverhältnissen unbekannt, und selbst sein Hauptwerk wurde von einigen einem anderen Meister (Nic. Schinagel) beigelegt. Es ist dies die Darstellung der prachtvollen Hochzeitfeierlichkeiten bei Gelegenheit der Vermählung des Herzogs Wilhelm V. mit der Prinzessin Renata von Lothringen, welche am 22. Februar 1568 in München vollzogen wurde. Solis wurde zur Herstellung des genannten Werkes eigens nach München berufen, wahrscheinlich von Nürnberg , und als Mann in der Kraft der Jahre, so dass er mit dem Monogrammisten N S., der in Druck- werken, welche um 1528 in Würtemberg erschienen, als Form- schneider sich kund gibt, kaum eine Person seyn kann, obgleich das Zeichen jenem unsers N. Solis ähnelt. Wenn aber je ein N. Solis darunter zu verstehen ist, wie Brulliot glaubt, so dürfte es ein älterer Künstler seyn. Bartsch kennt diesen Meister nach seinem Namen nicht, er setzt ihn (P. gr. IX. 231) nur unter die unbekannten Monogrammisten, und schreibt ihm eine unvollstän- dige Folge von Soldaten zu.

Das Todesjahr dieses Meisters ist ebenfalls unbekannt. Man weiss auch nicht, wie lange er in München geblieben ist. Im Jahre 1570 wurde ihm daselbst vom Magistrate für gelieferte Arbeit die Summe von 204 Gulden ausbezahlt. Darunter ist wahrscheinlich

das genannte Prachtwerk zu verstehen. Vom Jahre 1501 ist seine Copie der kleinen Passion nach A. Dürer.

  1. Das Bildniss des Dr. Theophrastus Paracelsus. Unten das Zeichen NS. H. und Br. 1 Z. 11 L. Dieses Blatt legt Brulliot dem N. Solis bei,

2). Maria und Joseph das auf einem Tische liegende Jesuskind anbetend. Mit dem Monogramm N S. in einem Schildchen. H. 5 Z.4L., Br., 3 Z. 4 L.

Auch dieses Blatt legt Brulliot dem N. Solis bei,

3 — 22) Die Leidensgeschichte des Herrn, Copie der kleinen Passion von A. Dürer, in einem Buche unter dem Titel:

Passio | Vnsers lie|ben Herrn Jhesu | Christi, aus den vier | Euangelisten ge |zogen | Anno 1571.

Solis copirte wahrscheinlich nur die Darstellungen der Leidensgeschichte, und die Blätter, welche nicht darauf Be- zug haben, liess er weg. Sie sind von der Seite des Originals genommen, und mit dem Monogramme des Copisten be- zeichnet. H.4 Z. 2 L., Br.3Z.2L.

  1. Christus am Oelberge, von der Originalseite. Unten auf

dem Täfelchen N. S. H. 4 Z. 3 L., Br. 3 Z. 3 L.

  1. Der Heiland zu Annas geschleppt. Unten links N. S. In gleicher Grösse.

  2. Die Verspottung im Hause des Caiphas, Unten links N. S.

  3. Christus vor Pilatus. An der Stute N. S,

  4. Christus vor Herodes, mit N. S. bezeichnet,

  5. Die Geißlung. Unten in der Mitte N. S,

  6. Die Dornenkrönung. Unten N. S.

  7. Die Ausstellung Christi. Unten in der Mitte N., S.

  8. Die Händewaschung des Pilatus, von der Gegenseite. Mit N. S,

  9. Der Heiland ans Kreuz geheftet. Unten rechts N. S,

  10. Die Kreuzigung Christi. Am Steine N. S,

  11. Die Kreuzabnehmung. Links unten N. S,

  12. Der Leichnam Christi am Fusse des Kreuzes. Unten in. der Mitte N. S,

  13. Die Grablegung. Unten links N. S.

  14. Die Auferstehung. Auf dem Zettelchen rechts N., S.

  15. Christus als Gärtner erscheint der Magdalena, Auf dem Zettelchen links N. S.

  16. Christus zu Emaus, Links unten auf dem Zettelchen N. S.

  17. Der ungläubige Thomas. Oben rechts N. S,

  18. Das jüngste Gericht. Unten auf der Tafel N. S.

23—37) Die Feierlichkeiten bei der Vermählung des Herzogs Wilhelm V. mit der Prinzessin Renata, im Style des J. Amman oder des B. Jenichen radirt. Dieses seltene Werk hat folgenden Titel *): »Kurtze doch gegründte Beschreibung des Durchl. Hoch- gebornen Fürsten vnd Herren Wilhelm, Pfaltzgraven bei Rhein, Herzog inn Obern vnd Niedern Baiern etc, vnd der Durchl. Hochgebornen Fürstin, Frewlein Renata, geborne Herzogin zu Lothringen gehalten Hochzeitlichen Ehren-Festes. Gedruckt in der fürstlichen Hauptstadt Mün- chen, bey Adam Berg, gr. fol.

Der Verfasser des Textes ist Hans Wagner, herzoglicher Diener und Canzlei-Verwandter. Die Zahl der Blätter mit reichen Darstellungen beläuft sich auf 15, die schwarz und auch prächtig colorirt vorkommen, Lipowsky schreibt im Nachtrag zum bayerischen Künstler-Lexicon die Bilder irrig dem Virgil Solis zu. H. 12 Z. 10 L., Br. 21 Z. 5 L.

  1. Ordnung und Pracht, mit welcher der fürstlichen Braut Renata von Lothringen nach Dachau entgegen geritten und dieselbe dort empfangen wurde. Diess ist das grösste Blatt des Werkes, 4 Fuss lang. Die folgenden sind von der oben angezeigten Ausdehnung.

  2. Das nach diesem Empfang in der Kirche zu U. L. F. abgehaltene Te Deum, welchem alle bayerischen und frem- den Fürstenpersonen beiwohnten.

  3. Die in besagter Kirche den 22. Februar 1568 gehaltene Trauung.

Über diese Vermählungs-Feyerlichkeiten s. besonders die interessante Schrift des F. Würthmann: Die Vermählungs- Feier des Herzogs Wilhelm V., aus dem Italienischen von M. Trojano. München 1842, 8.

  1. Vorstellung des Saales, worin das hochzeitliche Mahl ge- halten wurde.
  2. Der Ehrentanz der Fürstlichen Personen auf dem Stadt-Mün- chen-Tanzhaus (dem großen Rathhaussaale).
  3. Das Ringelrennen auf dem Schrannenplatze zu München.
  4. Die Mummerei im fürstlichen Saale.
  5. Das Fuss-Turnier auf dem Schrannenplatze zu München.
  6. Das Rennen über die Planken oder Palen auf diesem Platze.
  7. Das Kübelgestech auf diesem Platze.
  8. Das Fuss-Turnier in der neuen Veste auf kleinen, gemach- ten Pferden.
  9. Das Frei-Turnier auf dem Schrannenplatze zu München.
  10. Das Scharfrennen und Kröndl-Gestech auf diesem Platze.
  11. Ein ernstliches Kröndl-Gestech. Apparate vorgestellt. Mit diesen 12 Blättern darf man nicht die Festlichkeiten bei der Vermählung des Herzogs Wilhelm von der Pfalz mit der Markgräfin von Baden zu Düsseldorf 1585 ver- wechseln. Es sind diess 12 numerirte Blätter, enthaltend die Einholung, das Turnier, das Feuerwerk etc. Diese interessante Folge im Geschmacke von R.B. Jenichen oder N. Solis hat unter jedem Blatte deutsche Verse, qu. fol.

38 — 42) Eine Folge von Soldaten, wovon Bartsch P. gr. IX. 231 drei Blätter erwähnt, die Nummern 2, 3, 4. Sie sind in Zeichnung und Aetzung unbedeutend, aber selten.

  1. Ein altdeutscher Offizier mit Beinharnisch, wie er mit der Rechten das auf der Schulter ruhende Schwert hält. Un- ten steht: „Ein Reichen solt ich han etc." Oben rechts das Monogramm. H. 2 Z. 11 L., Br. 2 Z.

  2. Ein Hellebardier: „Ich bin ein Feldwebel etc." Mit dem Monogramm. H. 3 Z. 3 L., Br. 2 Z.

  3. Ein Tambour: „Wenn ich mein Drummel etc." Mit dem Monogramm. H. 3 Z. 3 L., Br. 2 Z.

  4. Ein Pfeifer: „Ein Pfeifer bin ich etc." Mit dem Monogramm.

  5. Ein Hellebardier mit dem Speer in der Rechten und die Linke auf die Hüfte gestützt. Unten links das Zeichen.

Diese Folge ist mit den genannten Blättern wahrschein- lich nicht complet. Das folgende Blatt gehört kaum dazu, da dieses mit dem Grabstichel ausgeführt ist.

  1. Ein deutscher Soldat mit dem Espadon, wie er in einer Halle die Linke auf einen von dem geflügelten Drachen ge- haltenen Wappenschild stützt. Unten links ist ein Mono- gramm, welches jenem des N. Solis ähnelt, und oben steht die Jahrzahl 1568. H. 2 Z. 1 L., Br. 2 Z. 11 L.