Einleitung

Dem vorliegenden Bande hätte ich eine grössere Bogenzahl gewünscht, um endlich der übermässigen Forderung des Buch- staben S. Grenzen zu setzen; allein es muss ihm auch der folgende Band noch ein Paar Bogen zum Opfer bringen. Ist aber die Herrschaft dieses Mächtigen überwunden, dann geht es schnell dem Ziele zu, welches mein Freund und Verleger, E. A. Fleischmann, leider nicht mehr erreicht sah, da ihn vor wenigen Wochen der Tod dahin raffte. Er war ein für alles Schöne und Gute begeisterter Ehrenmann, dessen Andenken mir heilig ist. Der Tod hat mir indessen nur den Freund geraubt, das Unternehmen ist vor ihm gesichert. Die auf rechter Basis stehende Verlagshandlung wird in derselben Weise dem Werke Vorschub leisten, und somit möge mir Gott das Leben schenken, um es zu Ende zu führen, dieses weit aus- gedehnte Künstler-Pantheon, in welches ich schon Tausende eingeführt habe. Möge man es mir nur vergeben, wenn das Denkmal zuweilen der Grösse der Kunst nicht entspricht, oder — was noch ärger wäre — wenn der Griffel zum Werkzeuge des Irrthums sich gestaltet hätte. Und wahrlich, es war mir oft schwer, im Labyrinthe den sicheren Faden zum Ausgang zu finden!

Auf den Inhalt dieses Bandes gehe ich nicht ein, überlasse dies einer competenteren Beurtheilung. Die Mühe machte ich mir wenigstens nicht leichter, und somit glaube ich meinen

breitung dieses Werkes kann wohl zu einigen Gunsten desselben sprechen. Dass im Verlaufe des schon mehrere Jahre dauernden Druckes Vieles hinzukommen musste, was nament- lich in den ersten Bänden der Kunstfreund ungern vermisst, liegt in der Natur der Sache; es wird aber der Mangel durch Supplemente ersetzt, welche einem Werke, das nicht abge- schlossen werden kann, notwendiger Weise folgen müssen.

München, im November 1847.

Dr. G. G. Nagler.

des A. M. del Sole, geb. 1650, sollte sich in seiner Jugend den Studien widmen, machte aber unter Leitung seines Vaters auch grosse Fortschritte im Zeichnen, so dass er zuletzt die Kunst vor- zog. M. Canuti ertheilte ihm Unterricht in der Malerei, bis er Pasinelli's Schule besuchte, in welcher er bald den ersten Platz be- hauptete. Er malte auch mehrere Bilder in der Weise dieses Mei- sters, und ging oft nach Venedig, um sich noch mehr zu erkräftigen. Allein Lanzi sagt, dass er nie zu jener Stufe von Schönheit und Anmuth sich erheben konnte, welche dieser Meister seinen Bildern zu verleihen wusste. Doch erscheint auch del Sole sehr zierlich, wie in den Haaren und Fittichen seiner Engelchen, und auch die Nebenwerke: Schleier, Armbänder, Kränze und Waffen- zeug, stellte er sehr schön dar. Mehr noch als Pasinelli war er für ernsthafte Darstellungen geeignet. Er beobachtete das Co- stüm richtiger, componirte mit Ueberlegung, malte Architektur und Landschaft besser als derselbe. In Landschaften leistete er besonders Gutes. Zu den schönsten Bildern dieser Art zählt Lanzi drei Landschaften im Hause Zappi zu Imola, welche Abend, Nacht und Morgenröthe darstellen, mit angenehmen landschaft- lichen Partien. Andere Gemälde sind auf den Lichteffekt berech- net, besonders die himmlischen Erscheinungen, wie in seinem Bilde des hl. Petrus von Alcantara in S. Angelo zu Mailand. Dann voll- endete er auch fleissiger als Pasinelli, war überhaupt in der Ausfüh- rung sehr sorgsam, da er nur Vollkommenes liefern wollte. Es fehlte ihm aber nicht an Handfertigkeit, und als er für die Familie Giusti in Verona einige Darstellungen aus der Heiligen- und Göt- tergeschichte zu malen hatte, zeigte er in einem Gemälde mit Bac- chus und Ariadne, dass er gleich anderen Malern, die ihn der Lang- samkeit bezüchtigten, in acht Tagen etwas zu Stande bringen konnte. Kenner hielten dieses Bild für vortrefflich, er aber strich es wieder aus, da er nur seine technische Fertigkeit zeigen, aber nicht seiner Genauigkeit Eintrag thun wollte. Das Hauptwerk des Künstlers ist ein Frescogemälde in S. Biagio zu Bologna, wozu er lange brauchte. Auch im Palaste Grandemaria zu Parma ist ein grosses Plafondbild von ihm in Fresco gemalt, und ein zweites Werk dieser Art führte er im Palaste Manzini zu Lucca aus. Beim ersteren war Aldro- brandini, beim zweiten A. Chiarini sein Gehilfe. Die Werke seiner letzteren Zeit erinnern an Guido Reni, und diese erwarben ihm den Namen des »Moderno Guido,« obgleich er jenen Meister nicht ganz glücklich nachgeahmt hatte. Er wollte aber einmal zeigen, dass er sich in jede Manier fügen könnte, und als Probe malte er auch in der Weise des L. Carracci, je-

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XVIII. 1

— anderseits den Mann von Bildung in ihm achtete. Seine Werk-

statt war daher fleißig besucht, da seine Werke und seine Samm-

lungen anzogen. Überdies war er auch ein Mann von edlem

Charakter. Im Jahre 1710 wurde er bei den Capuzinern zu Bo- logna begraben. Sein Bildniss ist in der Tribune zu Florenz, und

für das Museo fiorentino IV. 85 gestochen. Auch die Accademia

gugentina zu Bologna I. 288 fügte es bei, so wie d'Argensville

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Baccioli hat eine heil. Familie nach ihm gestochen. A. Bis- sel stach nach ihm ein grosses Blatt, welches einen jungen sit- zenden Mann mit dem Becher vorstellt, im Gespräche mit einem Greise, gr. fol.

G. G. del Sole hat auch in Kupfer radirt. Bartsch P. gr. XIX. 1 329 #. beschreibt drei Blätter, die eben so gut gezeichnet, als leicht und geistreich behandelt sind. Gori schreibt ihm noch an- dere Blätter zu, wie die Bildnisse für die Felsina pittrice, wo sie aber nicht vorkommen. Ferner einen St. Franz vor dem Satrapen von Japan, nach L. Pasinelli; welchen Bartsch übergeht, aber wahrscheinlich nur, weil er das Blatt nicht sah. Füssly sagt, dass ihm anderwärts 12 Blätter nach Parmeggiano beigelegt werden, und Einiges nach eigener Erfindung. Über diese Blätter können wir keine näheren Aufschlüsse geben.

  1. Der Neid, ein nach links schreitendes Weib, auf welches vor einer Wolke her der Blitz fährt. Es hat Schlangen in den Händen, und das flatternde Gewand ist um die Hüften von einer Schlange zusammen gehalten. Ein ähnliches Thier ist bei dem Buche, auf welches das Weib den Fuss setzt. Rechts unten steht: Joseph Sole scul. Links sind einige Schrift- zeichen, aus welchen Bartsch G. N. Zani oder Zamni del. herausfindet. H. 6 Z. 4 L., Br. 4 Z. 7 L. |

Zwei grosse Engel in der Luft sich umarmend, der eine mit

einem Lilienstengel in der Linken. Sie sind von anderen

kleinen Engel umgeben, alle den Blick nach unten richtend.

Plafondbild nach L Pasinelli, auf welchen sich unten in der

Mitte die Buchstaben L. P, I. beziehen. Ohne Namen del