Solario, Andrea de, genannt del Gobbo, Maler von Mailand , war Schüler des Leonardo da Vinci, und wird als solcher öfters mit Andrea Salai oder Salaino verwechselt. Später trat er unter Leitung des Gaudenzio Ferrari, und wusste, wie Kugler (Hand- buch S. 707) sagt, die Eigenthümlichkeiten dieses Meisters aufs Liebenswürdigste mit der durch Leonardo vorgebildeten zarteren Gefühlsweise zu verbinden. Auch Vasari achtete die Verdienste des Andrea Milanese, wie er ihn im Leben des Correggio nennt. Er rühmt ihn als Coloristen und überhaupt als trefflichen Maler, der von Liebe zur Kunst beseelt war. Die Lebensgrenzen dieses Meisters sind nicht genau bestimmt, man weiss nur, dass er um in seiner Blüthe war.
Eines der Hauptwerke dieses Meisters ist die Himmelfahrt Mariä in der neuen Sakristei der Carthause zu Pavia , ein Bild, in welchem der Künstler mit ungemeinem Fleisse alle Vorzüge vereinigte. In der Gallerie zu Neapel wird ein Bild der Himmel- fahrt Mariä dem Andrea de Salerno zugeschrieben, welches wahr- scheinlich von Andrea de Solario herrührt,
Im Museum des Louvre sind interessante Bilder von ihm. Eines derselben, Maria dem auf einem Kissen liegenden Kinde in einer Landschaft die Brust reichend, ist mit »Andreas de Solario fec.« bezeichnet, und nach Waagen (K. u. K. III. S. 455) besonders charakteristisch für die Eigenthümlichkeit der Lombardischen Schule. Nur in den lieblichen Köpfen, in dem zarten Modell der Formen findet sich hier ein Anklang des Leonardo. In dem sehr hellen Gesammtton, den blühenden, heiteren, durchsichtigen Farben, in dem fließenden verschmolzenen Vortrag erkennt man dagegen den treuen Schüler des Gaudenzio aus dessen mittleren Epoche. Ein zweites Gemälde stellt die Salome vor, wie sie vom Henker in einer Schüssel das Haupt des Täufers erhält, und das feine zarte Gesicht von dem Gegenstande abwendet. Der Ton ist hell und klar und die Behandlung zart. Dieses Bild wurde anfangs dem Leonardo da Vinci zugeschrieben, später von Ludwig XIV. als ein Andrea Solario gekauft, und seither immer als solcher angegeben. Erst im Kunstblatt 1841 Nro. 22 erhob sich eine Stimme dagegen, welche dieses Bild als ein ausgezeichnetes Werk des Bernardino Luini erklärt, und zwar nach der edlen Auffassung, nach der meister- lichen Behandlung der Form, nach der freien, gediegenen, und von der übermäßigen, unsäglichen und oft ins Kleinliche gehenden Ausführung des Solario durchaus verschiedenen Malerei, und nach dem milden, liebenswürdigen Gefühl, welches in den feinen Ge- sichtszügen athmet, besonders aber nach der warmen, klaren und tief gesättigten, weder bei Leonardo noch bei Solario vorkommen- den Färbung. Auch Luini war in gewisser Beziehung von Leo- nardo abhängig, und namentlich ist dessen Einfluss in dem wun- derschönen Gesichte der Salome unverkennbar.
In der Gallerie Aguado, welche 1843 in Paris versteigert wurde, war eine Madonna, welche jener im Museum des Louvre ähnelt, aber im Cataloge als Andrea Salaino angegeben ist.
Im Museum zu Berlin ist ein mit Dornen gekrönter Christus, wie er das Kreuz tragend den Blick auf den Beschauer befest.
In der Baron von Speck-Sternburg'schen Sammlung zu Berlin ist der mit Dornen gekrönte Christus mit dem Rohre in halber Figur, von Boulanger unter dem Namen von Anton Solari gesto- chen, als Gegenstück der Schmerzensmutter, fol. M. Sorello hat dieses Blatt copirt.
Es sind auch noch andere Werke dieses Meisters gestochen worden. Maria, wie sie dem auf einem Kissen liegenden Kinde die Brust reicht, dass Bild im Pariser Museum, radirt in G. Huret's Manier, Quesnel exc. 8.
Derselbe Gegenstand, mit Rafael's Namen bezeichnet, gest. von Vangelisti, fol.
Dasselbe Bild. J. de Meulemester sc. an 12 de la Republique fr. Zart vollendetes Blatt, fol.
Landon, Annales II. 91. gibt dieses Bild im Umrisse,
Das ähnliche Gemälde in der Gallerie der Eremitage, in Labens- ky's Gallerie de l'Eremitage im Umriss gestochen, 4.
Der kreuztragende Christus, nach dem Gemälde der Gallerie in Berlin, lith, von C. Wildt, für das Galleriewerk, gr. fol.
Die Enthauptung des Johannes im Museum des Louvre, in Landon's Annales X. 11. im Umrisse gestochen.
Die Büste der Salome aus diesem Gemälde hat Massol gesto- chen, s. gr. fol.
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