So, Johann Baptist

So, Johann Baptist, Maler, war der Sohn eines Corporal aus

Volfach im Fürstenbergischen, und erregte schon als Knabe durch seine Arbeiten Aufsehen. Dem Fürsten von Fürstenberg empfoh- len, fand er Gelegenheit auf der hohen Carls Schule in Stuttgart sein Talent weiter auszubilden; allein als einige Zöglinge, wie Koch, aus dem Institute entflohen, wurde auch er als des Com-

jlotestheilhaftig aus dem Institute verwiesen, und nach Donau - Oschingen gebracht. Hier malte Seele mehrere Portraite, bis er zu Anfang unser Jahrhunderts wieder nach Stuttgart ging, wo er jetzt vielseitige Aufträge erhielt, und besonders Bildnisse und militäri- sche Genrestücke malte, bis er vom damaligen Churfürsten,

nachherigen König Friedrich von Würtemberg, der an Seele's Ge-

mälden grosses Gefallen fand, zum Hofmaler , und zum Gallerie- Direktor ernannt wurde. Er ertheilte ihm auch den Civilverdienst- Orden der würtemberg'schen Krone, Seine eheliche Verbindung mit der Tochter des Tänzers Kösel war aber für ihn und seine Kunst von grossem Nachtheil, Er starb 1814 ganz unerwartet am Schlagflusse, kaum 42 Jahre alt. Seine Wittwe und seine Kinder sind durch schlechte Aufführung tief heruntergekommen und spur- los verschwunden.

Seele malte das Bildniss des Königs Friedrich von Würtem- berg, jenes des Grossherzogs von Baden, so wie Portraite anderer fürstlichen Familien und hohen Herrschaften. Ausser den beiden genannten Bildnissen wurden besonders jene des französischen

Gesandten Otto und seiner Tochter gerühmt, beide auf einem Gemälde gruppirt. Dann unternahm Seele auch einige Reisen; so hielt er sich einige Zeit in München auf, wo er ebenfalls mehrere Bildnisse malte. Seine meisten Werke bestehen aber in Schlacht- stücken, die sich durch lebendige Darstellung und durch scharfe Auffassung des Nationellen auszeichnen. Nur die Pferde sind manch- mal etwas plump. In der Residenz zu Stuttgart ist ein ganzer Saal mit Bildern von ihm, welche lauter militärische Scenen, besonders Heldenthaten der Würtemberg'schen Truppen in den Feldzügen 1806 und 1808 vorstellen, und einen Künstler von bedeuten- dem Talente beurkunden. Eines seiner letzten Werke stellt das Fest- jagen dar, welches der König 1812 bei Babenhausen veranstaltet hatte. Dieses 14 Schuh breite Gemälde wurde ausserordentlich ge- rühmt, als ein Werk, welches die kühne Genialität seines Urhebers verkündet, und die gerechte Bewunderung der Nachwelt erregen werde, indem man hier den Figuren-, Thier- und Landschafts- maler in gleicher Vorzüglichkeit erblicke. Der im Vorgrunde des Gemäldes in kühner Verkürzung dargestellte Eberkopf wurde ge-

Dann malte Seele auch historische Darstellungen. Darunter rühmte man vornehmlich ein grosses Altarbild, welches Christus am Kreuze vorstellt, und ein grosses Gemälde mit der Traumdeu- tung Josephs. Im Jahre 1807 gewann er mit einer Zeichnung, wel- che die schmähliche Abweisung des Christes nach Ilias Vers 1000 vorstellt, den durch das Morgenblatt ausgesetzten Preis. An jenem Concurse nahmen acht Künstler Theil. Rühmliche Anerkennung fand auch ein grosses Gemälde mit Orestes und Pylades in lebens- grossen Figuren, für den König ausgelührt. Auch ein Bild des Ganymed, und einige Cabinetsstücke mit Scenen aus Balladen von Bürger und Göthe fanden Beifall.

Mehrere seiner Werke sind in Nachbildungen bekannt, die jedoch jedenfalls einen Künstler von Talent und Energie kundgeben, dessen Bilder theilweise selbst für die Geschichte seiner Zeit von Interesse sind.

Stiche nach Werken dieses Meisters.

Bildniss des Königs Friedrich von Würtemberg, Oval in alle- gorischer Einfassung, gest. von G. Rist, gr. fol.

Jenes des Bildhauers und Professors Scheffauer, gest. von Bit- ter, für den Frauenholz'schen Verlag, fol. Bildniss des Grossherzogs von Baden, gest. von A. Karcher, fol.

Ein österreichischer Vorposten beim Mondscheine, in der Ferne ein Piquet um Feuer, gr. Imp. fol.

Ei französischen Vorposten in Oberschwaben, das Gegenstück zum Obigen, beide von Kunz radirt, in schwarzen und farbigen Abdrücken vorhanden.

Spielende Franzosen; französische Chasseurs auf dem Spazier- gange vor einer Festung, gr. Imp. fol.

Spielende Oesterreicher; ein österreich. Cavallerie - Piquet lie- gend und sitzend beim Cartenspiel; beide Blätter nach Seele's Go- mälden von Kanz in Aquatinta gestochen.

Es gibt auch colorirte Abdrücke.

Le Rendez vous; ein französischer Soldat mit zwei Pferden, wie er mit zwei Mädchen sich unterhält, gr. fol.

Le Rencontre par hasard; ein österreich. Dragoner, der einen Krankenwagen begleitet, und unter einem Zelte einen Chevaux- Jäger mit Weib und Kind trifft, gr. fol.

Diese beiden Blätter hat Schlotterbek radirt. Es gibt schwarze und farbige Abdrücke.

Retour du fouragement des Autrichiens. Oesterreichische Dra- goner den Berg hinaufreitend, Nachstück, gr. fol.

Appel d'Avancement dans la bataille. Ein französischer Trom- peter, welcher zum Vorrücken bläst, im Grunde die Schlacht, gr. fol.

Diese beiden Blätter hat J. Weber geätzt. Es gibt schwarze und colorirte Abdrücke,

Die Bekanntschaft am Brunnen. Oesterreichische Husaren, wel- che Pferde tränken, und mit den Mädchen am Brunnen scherzen, fol.

Die Bekanntschaft auf dem Wege. Ein französischer Drago- ner, welcher auf sein Pferd gestützt mit Mädchen spricht, fol.

Diese beiden Blätter hat Schlotterbeck in Aquatinta geätzt. Es gibt colorirte Abdrücke.

Französische Soldaten aus der Revolutionszeit im Quartier mit einem schlanken Mädchen, gr. 8.

Oesterreichische Chevauxlegers und ungarische Husaren mit einer dicken Dirne, gr. 8.

Diese beiden, sehr seltenen Blätter sind von Morace punktirt.

Das k. würtembergische Militär unter König Friedrich, in ma- lerisch geordneten Gruppen, nach den Zeichnungen von Seele von L. Ebner in Aquatinta gestochen und colorirt. 12 Blätter, gr. imp. fol.

Eigenhändige Radirungen.' Seele hat selbst einige Blätter radirt, die zu seiner Zeit mei- stens colorirt vorkamen, jetzt aber selten zu finden sind. Er ist auch einer der früheren würtembergischen Künstler, die sich in

der Lithographie versuchten, mit deren Verfahren er in München bekannt wurde.

  1. Ein Invalide auf einem Steine im Felde sitzend, wie er sein Stückchen Brod verzehrt. Imp. gr. fol.

  2. Ein abgelebtes Cavalleriepferd, das Gegenstück zum obi- gen Blatte, und beide radirt, in schwarzen und farbigen Abdrücken.

  3. Das entschlossene Mädchen, (beim Baden von einem Chaseur ergriffen, wie sich dasselbe auf dessen Pferd schwingt),

Von diesem radirten Blatte gibt es schwarze und colo- rirte Abdrücke.

  1. La Retirade des Frangais, eine Carrikatur auf jenen Rück- zug, geistreich radirtes Blatt, gr. qu. fol.

  2. Der letzte Auftritt aus Wallensteins Lager von Schiller, für die Prachtausgabe des Schiller'schen Reiterliedes auf Stein gezeichnet 1808, gr. 8.

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