Smirke, Robert, Zeichner und Architekt , einer der berühmtesten
englischen Künstler seines Faches, und Mitglied der Akademie in London. Mit ausgezeichnetem Talente begabt, fand er schon in jungen Jahren grosse Anerkennung, namentlich durch seine archi- tektonischen Zeichnungen nach vorhandenen Gebäuden, und nach an- tiken Denkmälern aus der Zeit der Römer in England . Abbildun- gen solcher Ruinen und einiger ausgegrabenen Mosaikböden wur- den nach Smirke's Zeichnungen gestochen, unter dem Titel: Re- liquiae Romanae etc. 24 Blätter in fol., die theils colorirt sind. Auch ein Werk über Civilbaukunst bereitete Smirke schon frühe vor, welches dann unter dem Titel »Specimens of continental ar- chitecture« in 4 Bänden erschien. Mittlerweile fertigte der Künst- ler auch mehrere grosse Zeichnungen zum Andenken an wichtige Zeitereignisse, wo er genaue Portraitähnlichkeit erzielte. Zu den frühesten Arbeiten dieser Art gehört die von Earlom gestochene Darstellung der 1709 erfolgten Musterung der Freiwilligen im Hyde- park, mit einer Menge von Figuren und Köpfen, da bei dieser Szene halb London versammelt war. Dabei sind nicht nur die vornehmsten Offiziere, sondern selbst viele der zahllosen Zuschauer Portrait. Dieses 25 Z. hohe und 30 Z. breite Blatt erschien bei J. Boydell, und wurde auch fein colorirt ausgegeben. Dann sind noch vier andere grosse Blätter nach seinen Zeichnungen gesto- chen worden, und zwar unter folgenden Titeln:
Commemoration of the XIV. th. February MDCCXCVII. Mit
21 Portraiten, gest. von J. Parker.
Commemoration of the XI. th. October MDCCXCVII. Mit 18 Portraiten, gest. von G. Noble und J. Parker.
Victory of the Nile, Mit 15 Bildnissen , von W. Bromley, J. Landseer und Lenney gestochen.
Um diese Zeit übte der Künstler auch die Malerei, und es scheint, dass er damals der Architektur entsagen wollte. Allein nach einiger Zeit griff er dieselbe wieder mit erneuter Liebe auf und unternahm zur weiteren Ausbildung weitläufige Reisen nach Italien, Sicilien, Griechenland und Deutschland, welche er 1805 vollendete. Er machte bei dieser Gelegenheit die interessantesten Studien, besonders in Italien und Griechenland. Er zeichnete da viele antike Denkmäler. Der von Iktinos erbaute Tempel zu Bassä bei Phigalia in Arkadien war Gegenstand seines besondern Stu- diums, über welchen aber Stackelberg (Apollotempel Taf. 1—5) und Donaldson (Antiq. of Athens, Supplem. 1. pl. 1—10) später Erschöpfendes gaben.
Von seinen Kunstreisen zurückgekehrt fand Smirke in London einen würdigen Kreis zur Ausübung seiner Kunst, die er auf ein- fache, reine Prinzipien zurückführte, so dass Smirke in England zur Verbreitung eines besseren Geschmackes in der Architektur ein bleibendes Verdienst sich erwarb. Zu seinen früheren Bauten gehört das Coventgarden Theater, welches er 1808 vollendete. Sein Werk ist auch der Penitentiary, mit dessen Bau der Künstler 1810 beschäftigt war. Mittlerweile war Smirke auch mit verschie- denen Zeichnungen beschäftigt, deren einige die Restauration an- tiker Gebäude zum Gegenstande haben. So machte er sich an die Herstellung der Villa Laurentina nach der Beschreibung des Plinius, die bekanntlich für den Architekten sehr unklar ist, und woran mehrere frühere Künstler scheiterten. Smirke erhielt 1820 mit den Zeichnungen die goldene Medaille. Im Jahre 1825 baute er das schöne Union Club-house Charing Cross, ein im Style überein- stimmendes Werk. Er componirte da nach der classischen Weise der Griechen, und wusste diejenigen Theile, die der Zweck des neuen Gebäudes erforderte, dem Ganzen analog zu schaffen. In dieser Hinsicht wich er beim Bau des General - Postamt - Gebäudes wesentlich ab, indem er die Fenster in Bögen wölben liess, was mit den anderen, griechischen Vorbildern nachgeahmten Theilen nicht harmonirt. Im Ganzen ist diess aber ein Gebäude, in welchem antike Einfachheit mit den aus modernen Bedürfnissen entsprin- genden Einrichtungen vereiniget ist. Besonders grossartig ist die Façade mit ihren drei Säulenhallen. Den mittleren Raum im In- neren nimmt ebenfalls eine Halle ein, vor welcher ein Porticus steht. Von dem Baue dieses Palastes zog der Künstler 1836 6000 Pt. St. Sein Werk ist auch das neue Antiken-Museum, wo die Elgin'schen Marmore aufgestellt sind. Es ist ebenfalls im griechi- schen Style erbaut und eine der Zierden Londons. Im Jahre 1839 war der Bau vollendet.
Dann baute Smirke auch mehreres im altenglischen Style, wie das prachtvolle Lowther Castle in Westmoreland, dem Landsitze des Grafen von Lonsdale. Es ist diess eines der schönsten und grössten Gebäude im strengen Style der Castelle. Zwei Abbil- dungen davon findet man in J. Neale's Views of Seats of Noblemen.
Dann fertigte Smirke auch eine Zeichnung zum berühmten Schilde des Herzogs von Wellington, welcher aber nach jener des
Von Keeran haben wir nach Smirke's Zeichnung ein grosses Mezzotinto Blatt, unter dem Titel: The house of Lords, as resto- red after the fire 1834. His Majesty reading the speech.
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