Slodtz, Rene Michel

Slodtz, Rene Michel, Bildhauer, der Bruder des obigen Künst-

lers, genannt Michel Angelo, gewann schon als Jüngling von zwanzig Jahren den zweiten Preis der k. Akademie zu Paris , und begab sich dann als k. Pensionär nach Rom, wo er 18 Jahre ver- weilte, und viele Werke ausführte. In der St. Peterskirche ist von ihm die Statue des hl. Bruno, der die bischöfliche Würde ausschlägt, eines der schönsten späteren Werke der Kirche. In S. Giovanni de' Fiorentini ist von ihm das Grabmahl des Marchese Capponi, mit dem ausdrucksvollen Bilde des Entschlafenen und einem ruhen- den Lämme auf dem Buche, welches den sanften Charakter und die Liebe zu den Wissenschaften des Marchese bezeichnen soll. Das Schönste an diesem Monumente ist aber die Statue der trauer- nden weiblichen Gestalt. In St. Ludwig der Franzosen ist das Grabmal Vleughel's mit einem Basrelief sein Werk, und auch das Mausoleum zweier Bischöfe in der Cathedrale zu Vienne führte er in Rom aus, und stellte die Prälaten sich die Hände reichend dar. M. de Fontenay spricht auch von einem Grabmale des Car- dinals von Auvergne, welches in Vienne errichtet wurde. Dann fertigte Slodtz in Rom auch eine Copie der berühmten Statue des Heilandes von Michelangelo in St. Maria della Minerva, welche nach Choisy kam.

Um 1747 kehrte der Künstler nach Frankreich zurück, wo er nicht mehr so viele plastische Arbeiten liefern konnte, wie in Ita- lien. Er musste häufig Zeichnungen zu Decorationen bei Fest- lichkeiten, Leichengeprängen, Taufceremonien u. s. w. liefern, wo- bei ihm auch seine Brüder behülflich waren. In St. Sulpice ist von ihm das Grabmal des Pfarrers Languet mit dem Bildnisse des- selben, ein zu seiner Zeit sehr bewundertes Werk. Die Haupt- figur ist jene des verstorbenen Abbé in Begleitung der Unsterb-

lichkeit. An diesem Grabmale bediente er sich farbiger Marmor- arten, nach dem Beispiele Bernini's, was dem Plebs besonders

fiel. In der Halle von St. Sulpice sind auch Basreliefs von ihm, nach d'Argensville II. 3603. Meisterstücke der Grazie und des

guten Geschmacks. Dieser Schriftsteller rühmt den Künstler im Allgemeinen, und sucht die Hauptverdienste desselben vornehmlich darin, dass er die edle Naturwahrheit in den Formen der Alten mit der verführerischen Grazie eines Bernini vereinigt habe; ein offenbarer Widerspruch — Bernini und die Antike! Dann glaubt d'Argensville auch, dass ihn kein Künstler in der Kunst der Ge- wandung übertroffen habe, und er nennt ihn einen trefflichen Zeichner, ohne Anspruch auf Reinheit und Correktheit der Formen nachahmen zu können. Er meint, dass selbst seine Unrichtigkeiten etwas Gefälliges hätten. Welch ein patriotisch gesinnter Kunst- richter ist nicht d'Argensville bei der Beurtheilung dieses manie- rirten Nachahmers des Bernini, der auch die missverstandene Groß- heit eines Michel Angelo zur Schau tragen wollte. Den Beinamen des Michel Angelo gaben ihn schon früher der Vater und die Brü- der, und zuletzt blieb er ihm aus Gewohnheit.

Mitglied der französischen Akademie war Slodtz nicht. Man wollte ihn zwar 1742 derselben einverleiben, und ein kleines Mo- dell der Statue der Freundschaft sollte als Receptiunstück dienen. Allein die Verhandlung zog sich ohne Erfolg hin. Erst einige Jahre nach seinem Tode stellte le Moine der Akademie ein von ihm gefertigtes Modell vor, welches den vom Siege errungenen Frieden vorstellt, was die Veranlassung gab, dass der Künstler nach seinem Tode der Akademie associirt wurde. Von 1755 an ge- noss aber Slodtz einen königlichen Jahrgehalt von 600 Lvs., der dann auf 800 Lvs. stieg. Nach dem 1758 erfolgten Tod seines Bruders Paul Ambros erhielt er die Stelle eines k. Cabinetszeich- ners mit 1200 Lvs. Gehalt. Im Jahre 1764 starb der Künstler, in einem Alter von 50 Jahren. C. N. Cochin zeichnete sein Bildniss, und L. Cars hat es 1750 gestochen.

C. Gallimard radirte die oben genannte Statue des hl. Bruno. Das Grabmal des Pfarrers von St. Sulpice ist ebenfalls durch einen Stich bekannt, Wille stach Köpfe von alten Männern nach ihm.

Die beiden Cochin stachen im Auftrage Ludwig XV. nach sei- nen Zeichnungen Festlichkeiten, unter dem Titel: Pompes funebres et differentes fêtes données au sujet de quelques époques dans la famille royale, 12 Bl. mit Titel, qu. fol. Dann haben wir noch 8 an- dere Blätter nach seinen und seiner Brüder Zeichnungen: Fête publique donnée par la ville de Paris pour le mariage du Dauphin 1747; Die Blätter sind von Flipart, Benoit, Tardieu, le Mire, Vaugondin u. a. Ein einzeln vorkommendes Blatt von Flipart: Allegorie sur le mariage de Louis XV. et de la princesse Marie Les- zinska de Pologne, könnte zu dem genannten Werke gehören. Auch die Büste Ludwig XV. hat Flipart gestochen.

Von Slodtz selbst radirt ist folgendes seltenes Blatt. Studium von sechs Köpfen und Figuren, 4.

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