Sirani, Elisabetta

Sirani, Elisabetta, Malerin , die Tochter des obigen Meisters und Schülerin desselben, galt als ein Wunder ihrer Zeit, so wie ihr auch die Nachwelt hohes Lob zollte, einem Mädchen, dass nur 27 Jahre alt wurde, und an Gründlichkeit viele gleichzeitige Mei- ster übertraf. Sie besass ein reiches Talent, welches bei unermü- deter Übung den grössten Aufgaben gewachsen war. Sie hielt sich an G. Reni, in dessen mittlerer Periode, wo er viel Schönes leistet hatte. In der Carthause zu Bologna ist von ihr das grösste Bild, welches je ein Frauenzimmer gemalt haben dürfte, ein 30 Palmen hohes Gemälde der Taufe Christi. Auch in anderen Kir- chen und in Privathäusern Bologna's waren früher mehrere Ge- mälde von ihr, deren jetzt in der Pinakothek daselbst zu sehen sind. Da ist das ausgezeichnet schöne, durch den Ausdruck der Frömmigkeit bewunderungswürdige Bild des heil. Anton von Padua, der kniend dem Jesuskinde die Füsse küsst. Simone Tassoni liess es 1662 für seine Capelle in S. Leonardo malen. Aus St. Maria nuova stammt eine gekrönte Maria mit dem Kinde in den Armen. Der heilige Philippus Neri in Verehrung der heil. Jungfrau mit dem Kinde, nach einem Bilde von Guido Reni, war ehedem in la Madonna della Galliera, und zwei kleine Gemälde stammen aus der Carthause: eine heil. Familie und das Christkind auf der Weltkugel mit dem Oelzweige. Dann ist in der Pinakothek zu Bologna auch das durch eine Radirung der Künstlerin bekannte herrliche Gemälde, welches die trauernde Madonna mit einer Dor- nenkrone auf dem Schosse vorstellt, wie sie die Passionswerkzeuge des göttlichen Sohnes betrachtet. Sirani malte dieses Bild 1657 für einen P. Ettore Ghislieri, einem Priester von la Madonna della Galliera, wo man es früher in der Sakristei sah. Elisabetta Sirani malte mehrere Madonnen, Christkinder und Magdalenen, deren man in den Palästen Zampieri, Zambeccari und Caprara zu Bologna sah, in den Gallerien Corsini und Bolognetti zu Rom sah. Auch

Auch in auswärtigen Gallerien findet man etliche Werke von dieser Künstlerin. In der Pinakothek zu München ist der Genius der Vergänglichkeit, ganze stehende Figur. In der Gallerie des Belvedere zu Wien ist ein Gemälde der Martha, wie sie ihre am Putztische sitzende Schwester der Eitelkeit wegen anklagt. Das Museum zu Paris bewahrte zur Zeit Napoleon's eine auf dem Bette ruhenden, kleinen Liebesgott, ein liebliches Bild, welches Landon Annales IV. 17 im Umrisse gibt. Dieses Gemälde ist nicht mehr im Louvre. Dann finden sich auch Zeichnungen von ihrer Hand, meist a la Sanguine und getuscht,

Elisabetta Sirani hat während ihres kurzen Lebens viel geleistet. Sie starb an Gift 1665, in einem Alter von 27 Jahren. Malvasia II. 462 ff. beschreibt mit rührenden Worten das Leben dieser durch Schönheit und Seelenreinheit ausgezeichneten Künstlerin, die nach kaum zehnjährigem Wirken wahrscheinlich ein Opfer des fluchwürdigsten Kunstneides wurde, kaum entfaltet zur vollblühenden Rose, um deren Verlust ganz Bologna trauerte. Malvasia erzählt von ihrer Liebenswürdigkeit und von ihren Tugenden des stillen Lebens. Sie pflegte mit unendlicher Liebe ihren durch die Gicht gelähmten Vater, und was sie mit der Kunst gewann theilte sie mit den Eltern und den Schwestern. Selbst die Geschenke, welche sie von hohen Beförderern der Kunst als Preis ihres Talentes erhielt, gab sie dem Vater, dass er sie zu seiner Erheiterung verwende. Und wenn sie die längste Zeit des Tages an ihren grösseren Gemälden gearbeitet hatte, so malte sie noch heim- lich kleine Bilder auf Kupfer, um damit bei häuslichen Vorfällen der Mutter eine Freude und Unterstützung zu verschaffen. Be- scheidenheit und Anspruchlosigkeit war die zweite schöne Blume im Kranze häuslicher Tugenden. Von der Natur mit Schönheit begabt, mit dem reichsten Talente für Malerei und Saitenspiel aus- gerüstet, ein Wesen von edelstem Gefühl und von feinster Bildung, lieb sie still im Kreise der ihrigen, und schien nicht zu wissen, wie ausgezeichnet sie vor vielen sei. Ihr Leben war ihrer Kunst und ihrer Familie geweiht, jedes andere Vergnügen war ihr fremd. Nur den Liedern der Dichter hörte sie zu, von denen besonders Bianchini ihr in treuer Freundschaft zugethan war, und manches ihrer Werke besang. Dann trug sie auch hohe Ehrfurcht für das Heilige in ihrer Brust, und daher athmen ihre religiösen Bilder tiefe Frömmigkeit. Sie kannte keine andere Liebe als die zu Gott und den Ihrigen. Das liebliche Bild des Amor war nur der Gegenstand ihres anmuthigen Spieles, die Gewalt der sinnlichen Liebe kannte ihre reine Seele nicht. Ihre Gebeine ruhen in S. Domenico neben jenen des Guido Reni, den sie als Kind lieben und verehren ge- lernt, und der ihr Vorbild bis zum Tode blieb. In der Capelle Guidotti liest man mit Rührung die von Picinardi verfertigte lateini- sche Grabschrift. Malvasia hat auch eine eigens gedruckte Lei- chenrede aufgenommen: Il penello lagrimato, orazione funebre del Sig. G. Luigi Picinardi con alcune poesie in morte della Signora Elisabetta Sirani. Bologna 1665.

_ Das oben erwähnte Bild des hl. Anton von Padua hat G. M. Mitelli für die Sammlung: Bononiensiun Pictorum Icones, gesto-

Sirani, Elisabetta.

chen. J. Cantersani stach das Bild der hl. Anna mit Maria. Eine andere hl. Familie ist aus C. Royers Verlag. L. Loli radirte eine Maria mit dem Kinde, Bartolozzi stach ein schlafendes Jesuskind in Punktirmanier, und Bossi zwei ringende Liebesgötter in Tusch- manier. Eine sehr schöne und seltene Radirung von C. G. Ca- stelli stellt die Charitas mit drei Kindern vor. R. Delaunay stach ein kleines Blatt mit dem schlafenden Liebesgott. Von White haben wir ein Bild des Cupido, der die Waffen des Mars ver- brennt, und Forster stach den unter einem Zeite schlafenden Amor. Ohne Bezeichnung ist ein landschaftliches Blatt mit einem Kinde, welches nach einem Schmetterling hascht. Molinari imitierte eine Handzeichnung, wie der Henker der Herodias das Haupt des Jo- hannes reicht. Auch Lorenzo Loli hat nach ihr gestochen,

Bei Malvasia II. 452 ist das Bildniss dieser Künstlerin ge-

Wir haben von dieser Künstlerin einige radirte Blätter, die äußerst geistreich behandelt sind. Kein Verzeichniss derselben gibt Bartsch im Catalogue raisonné des estampes gravées & à l'eau-forte sur G. Reni et de celles de ses disciples. Vienne 1795 p. 82 ff. Bartsch Werk hat Bartsch im Peintre-graveur XVIII p. 277 & ganz umgearbeitet, und auch das Verzeichniss der Blätter der Elisabeth Sirani ist im P. gr. XIX, 151 & neu revidirt. Bartsch beschreibt deren zehn.

  1. Die hl. Jungfrau in halber Figur mit den gekreuzten Hin- den, und den Kopf mit einer Aureole umgeben, welche weiss erscheint. Ausserdem ist der Grund mit horizontalen Linien bedeckt. Das Licht kommt von rechts her. Dieses Blatt ist ohne Namen, und nach Bartsch wahrscheinlich von E. Sirani. H. 4 Z. 2 L., Br. 3 Z., 5 L.

  2. Die hl. Jungfrau in halber Figur, fast en face, etwas nach rechts gerichtet. Sie kreuzt die Hände über die Brust und hat den Kopf mit einem Stücke ihres Mantels bedeckt. Dieses Blatt hat Sirani für Malvasia radirt, nach einem Bilde in Lebensgrösse. H. 4 Z. 7 L. (nicht 2 L. nach Bartsch), Br. 3 Z. 11 L.

Dieses sehr geistreiche Blatt kommt selten vor.

  1. Die hl. Jungfrau mit dem schlafenden Kinde auf dem Schoosse, halbe Figur. Links steht der kleine Johannes, und im Grunde rechts liest Joseph in einem Buche. Diese Dar- stellung erscheint in einem Oval. Rechts unten ist ein Name ausgekratzt, so dass das Blatt ohne Bezeichnung vorkommt. Bartsch hält es sicher für Arbeit der E. Sirani, und eignet die Composition dem J. A. Sirani zu. Durchmesser der Höhe 6 Z. 2 L., Br. 5 Z. 2 L.

Im zweiten Drucke mit der Schrift: Guido Reni inv. 1Pc.

  1. Die Ruhe in Aegypten. Maria sitzt rechts am Fusse eines Baumes mit dem Kinde auf dem Schoosse. Neben ihr steht eine Wiege, und im Grunde nach links sieht man Joseph unter einer Palme sitzen, während in der Luft drei Cheru- bim schweben. Rechts unten steht: Siranus In. Der Name der Elisabeth Sirani ist ausgekratzt, und man sieht nur noch die Spuren. H. 6 Z., Br. 9 Z. 5 L.

Bei Weigel 1 Thl. 8 gr.

  1. Die Ruhe in Aegypten. Maria sitzt links unter einer Palme und reicht dem Kinde auf dem Schoosse die Brust. Etwas

  2. Die hl. Jungfrau (Kniestück) mit dem Kinde in den Armen, wie diese den einen Fuss auf ein Kissen, den anderen auf den Schooss der Mutter stützt. Es reicht nach der Bandrolle, welche ihm links Johannes bringt. Im Grunde rechts be- merkt man die Bettstelle mit einem Vorhang. Diese Dar- stellung erscheint in einem Rund von 7 Z. 7 L. Durch- messer. Im unteren Rande steht: Opus hoc a divino Ra-

phaele pictum et a Fr. Bonaventura Bisio oblinitum — —

lisabetha: Sirani sic incisum exposuit. Das Originalge- mälde ist aus der Herzog von Mantua. H, 8 Z. 9 i., gr. 722.7L

  1. Die trauernde Maria, mit der Dornenkrone auf dem Schoosse sitzend, nach dem berühmten Bilde in der Pinakothek zu Bologna. Sie stützt den Kopf auf den linken Arm, im Schmerz über das Leiden des göttlichen Sohnes. Rechts kniet ein Engel, der mit Thränen die Leidenswerkzeuge betrachtet, die vor ihm auf dem Boden liegen. Im Grunde

links steht ein Engel in Anbetung des Kreuzes, welches zwei schwebende Engel tragen. Im unteren Rande steht: Al. Pre. Hetore Ghiselieri Sacerdote della Con. di S. Filippo Neri — Elisabetta Sirani F, d. d. 1657.

Diess ist das Hauptwerk der Künstlerin, welches für ein Mädchen von neunzehn Jahren in Zeichnung und Behand- lung der Nadel bewunderungswürdig ist. H. 9 Z. 7 L. mit

%. Weigel werthet dieses Blatt auf 2 Thl. 12 gr.

  1. Die hl. Familie. Maria sitzt im Profil in Mitte des Blattes auf dem Bette mit dem säugenden Kinde in dem linken Arme, während sie mit der Rechten dem Johannes eine Kirsche reicht. Im Grunde nach rechts sitzt Elisabeth und links arbeitet Joseph. Rechts unten steht: Siranus In. Da- neben bemerkt man Spuren von Elisabeth's Namen. B. 9

Z. 10 L: mit 1 Z. 2 L. Rand, Br. 8 Z. Die ersten Abdrücke sind vor dem Namen des Sirani.

Ein zweiter bei Weigel 2 Thl.

  1. Die Enthauptung des hl. Johannes. Links steht der Henker mit dem Haupte des Täufers, dessen Leichnam ausgestreckt zu seinen Füssen liegt. Neben dem Scharfrichter steht ein junger Mensch mit der Schüssel, und rechts sieht man die

Erodiade mit zwei Frauen. Links unten steht: Elisabetta Sirani F. 1657. Im Rande: All. Ill.re Ercole Fabri Priore Dignis- simo _ della Veneranda Compagnia di S, Gio. Battista detto de' Fiorentini. Gio. Batta Paganelle DDD. .H. 6 Z. 11 L. mit 8 L. Rand, Br. 5 Z. 2 L.

  1. St. Eustach (Hubertus) auf den Knieen vor dem Hirsch, der das Crucifix zwischen den Geweihen trägt. Diesen sieht man rechts auf einem Felsen mit Gesträuchen. Vom Hunde sicht- t man nur den Kopf. Im Grunde ist Landschaft, und links bemerkt man den Kopf des Pferdes. Im Unterrande steht: All'a Ill. ma Pron.a La Sig.ra Ottauia Affarosi Parisetti. — Elisabetha Sirani J. F.

Diess ist eines der schönsten Blätter der Meisterin, nur

Es gibt von diesem Blatte eine sehr gute Copie, oder wie an- dere glauben, ebenfalls Original, so dass das Blatt als Wieder- holung zu betrachten wäre. Man bemerkt rechts vorn auf dem Boden einen Stein, an welchem die Spuren des Namens: Elisa- betta Sirani f. 1735, erscheinen. Es gibt also wahrscheinich Ab- drücke mit der jetzigen Schrift, welche später weggekratzt wurde.

Im Aretin'schen Cataloge erwähnt Brulliot eine Copie des Blat- tes der Sirani von Fr. Mucci.

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