Sing, Johann Caspar

Sing, Johann Caspar, Maler, wurde zu Braunau geboren, wo sein Vater Michael den Ruf eines geschickten Goldschmids hatte. Auch der Sohn sollte der Kunst desselben sich widmen und vor allem Zeichnen lernen, was dem jungen Sing nach damaligem Begriffe so vollkommen gelang, dass man es für Pflicht hielt, ihn Maler werden zu lassen. Wie ihn hierin unterwiesen habe ist uns unbekannt, nur so viel wissen wir aus den Akten der Münch- ner Malerzunft, dass er 1658 in München um Aufnahme als Bürger und Meister nachgesucht habe. Lipowsky behauptet zwar, angeb- lich nach einer Angabe im Buche der Zunft in München, der Künstler habe 1650 daselbst sein Probestück gemacht, allein wir lassen dies hingestellt seyn, da uns aus den Zunftpapieren nur bekannt ist, dass Sing sich an die Führer um Aufnahme ge- wendet habe. Der Bescheid fiel günstig dahin aus, dass man ihm willfahren wolle, weil er bereits an einigen Höfen fürstlicher Hof- maler gewesen. Als Probestück trug man ihm auf, ein grosses Altarblatt mit der Himmelfahrt Mariä zu malen. Von dieser Zeit an erscheint Sing als Mitglied der Malerzunft in München , und zuletzt wurde er auch churfürstlich bayerischer Hofmaler, als wel- cher er 1729 starb.

Sing hat viele Kirchenbilder hinterlassen, da fast jedes Kloster oder Domkapitel bei ihm Bestellungen machte. Er galt für einen ausgezeichneten Maler seiner Zeit, der in Composition und Fär- bung gleiche Kraft entwickelte. Sing strebte nach Originalität, und suchte diese in einer gewissen manierirten Kraftäusserung, wodurch seine Figuren theatralisch erscheinen. Charakter und Wahrheit des Ausdrucks ist nur selten bei ihm zu finden. Seine Gestalten affek- tieren Grossheit ohne Adel und Würde. Sing hatte keine Ahnung von dem grossen Verfall, in welchem sich damals die Kunst be- fand. In einer besseren Zeit hätte er sicher Vorzügliches geleistet. In der St. Georgenkirche zu Amberg, in der Pfarrkirche und im Dom zu Eichstätt, in der Abteikirche zu Kempten, in der Abtei- kirche zu Schussenried, in St. Martin zu Landshut; bei St. Veit und bei den Capuzinern zu Straubing, in der Stifts- und Jesuiten- kirche zu Alten-Oetting, im Dom zu Passau, in der Carmeliter-

In der Pinakothek zu München ist kein Werk von diesem Künst- ler, da jene, welche ehedem in der Gallerie aufbewahrt waren, jetzt in Schleissheim sind. Da sieht man Sophonisbe, wie sie den Gift- becher empfängt, und den Evangelisten Johannes, halbe Figuren in Lebensgrösse. In den Kirchen zu München ist unsers Wissens kein Bild von Singer. Lipowski will wissen, er habe für diese Stadt nichts gemalt, weil er nicht Hofmaler geworden ist. Allein Singer war wirklich Hofmaler, so wie And. Wolf. Er hinterliess ein be- deutendes Vermögen, welches seine Erben und die Wohlthätig- keitsanstalten der Stadt theilten. Die Summe von 2000 Gulden er- hielten die Franziskaner zu Seelamessen.

Nach ihm gestochen kennen wir folgende Blätter:

  1. Die hl. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoosse sitzend. Gasparus Sing del. et pinx. Bartholomäus Kilian sculp. gr. fol.

  2. Ein Ex Voto-Bild: Jesus, Maria, Franciscus Seraphicus, Antonius de Padua et Angelus Custos me ab omni malo liberent et custodiant etc. Von Kilian gestochen, gr. fol.

Singendonck, D. J. wird der Verfertiger eines schönen radirten Blattes nach C. Dujardin genannt, der sein Monogramm und die Jahrzahl 1815 darauf setzte. Dieses Blatt stellt ein mit den Vor- derfüssen knieendes Kalb nach rechts gewendet vor. H. 3 Z. 1 L., Br. 3 Z. 2 L. Dies ist vielleicht der Kunstfreund Singendonck zu Utrecht, der eine bedeutende Sammlung besass.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_LMQ-AAAAcAAJ