Simmler, Friedrich, Historien- und Landschaftsmaler , wurde 1801 zu Geisenheim im Rheingau geboren, wo sein Vater die Stelle eines Herzoglich - Nassau'schen Rathes bekleidete. Ursprünglich dem Kaufmannsstande gewidmet, gelang es ihm nach dreijährigem Kampfe frei zu werden vom Wechseltisch, und endlich mit Ein- willigung seines würdigen Vaters ausschliesslich seiner angebor- nen Neigung zu leben. Schon während seines Aufenthaltes in Mainz Nebenstunde zum eifrigsten Studium seiner Kunst benutzend, hatte er sich so innig mit den Elementen des Zeichnens und Ma- lens befreundet, dass er nun mit dem grössten Nutzen die Kunst- akademien in Wien und München besuchen konnte. Nach einigen Jahren kehrte er in die Heimath zurück. In dieser Zeit entstand ein grosses Oelgemälde, Bingen darstellend, mit den belebten Krah- nen, im Hintergrund die Ruine Ehrenfels, Dieses Bild ist im Besitz des Herzog von Nassau, Vor der zweiten Abreise Simmler's nach Wien und Italien entstanden noch zwei Bilder, die zur Kunstausstellung nach Mainz kamen und in den Mainzer Blättern die rühmlichste Wür- digung erhielten. Das eine ist eine Rheinlandschaft mit der Kirche von Butenheim, und mit Staffage von Rind- und Wollenvieh, das den Treiber einen Waldbach durchwaten will. Dieses Bild, sagt Müller in den Mainzer Blättern, ist von sehr guter Ausführung, besonders des Vorgrundes, der Bäume und des Viehes, welches Letztere einem Potter oder Berghem zugeschrieben werden dürfte, wenn wir es nicht der Natur selbst zuschreiben müssten, von wel- cher es eine getreue Abschrift ist. Auch diese Landschaft (2 Fuss breit, 1 F. 6 Zoll hoch) ist in Privathände übergegangen. Das andere Bild, auf Holz, (1 Fuss 9 Zoll breit und 1 F. 4 Zoll hoch) mag eben so gut ein historisches Stück als eine Landschaft heißen. Die Staffage dieses Gemäldes hat der Maler aus Göthe's Götz von Berlichingen gewählt, und zwar den Augenblick, wo Götz dem Mönch die linke Hand reicht, sagend: und wenn du der Kaiser wärst, du müsstest mit dieser vorlieb nehmen. Ein hüb- scher Knabe hält seinen kräftigen Schimmel am Zaum. Das Ganze sieht vor einer Schenke vor, wo man noch mehrere geharnischte Männer erblickt. Der eine zu Pferd thut den Valettrunk, und schon steht der dicke Wirth bereit, den geleerten Krug wieder
mit einem vollen zu vertauschen. Diese Gruppe ist meisterhaft behandelt und der Ausdruck auf dem rothen aufgedunsenen Gesicht des Wirthes von einer Wahrheit und Treue, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Auch an der Hausthür ist eine interessante Ne- bengruppe: ein Kriegsmann, dem schönen Wirthsmädchen und einem ehrwürdigen Graubart Valet sagend. Der nach Götz und dem Mönch hinschauende Jüngling im dunklen Mantel und Baret, ist das Bild des Malers selbst.
Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Wien, wo Simmler mehrere Portraits mit Beifall malte, und unter freundlicher Anlei- tung der trefflichen Künstler S. v. Perger und Russ die alten Mei- ster Rembrandt, Tizian, van Dyk etc. mit besonderm Eifer studirte, begab er sich nach Italien. Unter mehreren Gemälden, die er vor seiner Abreise dahin im Frühjahr 1827 nach Hause schickte, zeichnet sich vorzüglich eine grosse Composition aus, die wieder landschaftlich und historisch zugleich ist. Das Bild ist ungefähr 3 Fuss breit und 2 Fuss hoch und stellt eine großartige Gebirgs- landschaft dar, mit der Scene aus dem Freischütz, wo Caspar fin- ster vor sich hinbrütenden Max das Trinklied vorsingt. Aus tiefem Schatten beugt sich das teuflische Antlitz Samuels flüsternd an das Ohr des unglücklichen Jägers. Das ganze Bild ist poetisch gedacht und brav ausgeführt, das Colorit schön und wahr, und der gewitterschwere Himmel mit Meisterhand dargestellt.
Im Frühjahr 1827 ging Simmler durch Tirol, Krain, Kärnthen nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel. Ueber hundert histo- rische und landschaftliche Studien aus den schönsten Gegenden jener Länder waren die Ausbeute seiner Reisen. Diese italieni- schen Bilder umweht ein Hauch glühender Begeisterung, aber seine rheinischen Landschaften tragen den treuesten Charakter deutschen Himmels und deutscher Erde; sie haben einen Zauber, den jedes fühlen und verstehen kann, weil der frische Lebenshauch darüber hinwehet, den wir athmen. Eines von Simmlers Bildern, nach sei- ner Rückkehr aus Italien gemalt, ist eine hohe Waldgegend mit einer lieblichen Fernsicht auf den Rhein. Nebelberge begrenzen ihn, einige Dörfer ruhen an seinen Ufern und an einer Land- spitze dümmern zwei Segel auf. Auch hier ist die Luft wieder voll Bewegung, natürlich und schön verschmolzen mit der Ferne. Auf dem Vordergrund zeigt sich Rind- und Wollenvieh, was dem Künst- ler wieder vorzüglich gelungen ist.
Unter mehreren Portraiten, die Simmler in jener Zeit gemalt, zeichnen sich, das überaus ähnliche des Grafen von Ingelheim, in reicher Husarenuniform, und des Dichters Kaufmann in Kreuz- nach besonders aus. Für den englisch - hannoverschen Staatsminister von Bremer malte er 1829 sieben höchst gelungene Familienportraits und eine Landschaft. Und so folgte ein Wes auf das andere, besonders ausgezeichnete Viehstücke, die in maler- scher Anordnung und in vollkommener Naturwahrheit ihres Gle- ichen suchen. Die Scenerie entnahm er später gewöhnlich dem hei- matlichen Boden. Der Ruf des Künstlers ist seit Jahren gesichert, denn seine Bilder gehören zu den Zierden ihrer Art. Er führte dieselben theils in Geisenheim oder Rüdesheim, theils in Dell- dorf aus, wo Simmler Mitglied der Akademie ist. Eines seiner neuesten Werke (1846) ist eine grosse Landschaft mit Viehherde, an welcher auch ein anderer berühmter Künstler Theil hat, näm- lich Achenbach. Letzterer malte die Landschaft und Simmler die Herde. A. Dircks hat nach ihm einen Pferdefug lithographirt u. s. w.
- Landschaft mit Stier, Kuh und Schaf, 1833 radirt, gr. qu. 8. Es gibt auch reine Aezdrücke.
- Landschaft mit drei Kühen, ein radirtes Blatt, qu. 8.
- Thierstudien, nach der Natur auf Stein gezeichnet und litho- graphirt. Cöln 1835 #. Drei Hefte mit 12 Blättern, fol.
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