Silvius oder Sylvius, Anton

Silvius oder Sylvius, Anton, auch Sylvius Antonianus genannt. Formschneider, wurde nach Malpe 1520 zu Antwerpen geboren. Sicher ist, dass daselbst von 1550 — 1573 in der berühmten Plan- tin'schen Druckerei mehrere mit Holzschnitten illustrierte Bücher erschienen, die von einem Monogrammisten A S., worunter man den Ant. Silvius versteht, herrühren, aber keineswegs von dem

gelehrten Cardinal Sylvius Antonianus. Diese Bücher gewannen dadurch bedeutendes Interesse, indem die Blätter dieses Meisters volle Beachtung verdienen. Dieser Silvius dürfte mit seinem Familiennamen Osche oder Busch geheissen haben, so dass er sich in Silvius latinisirte, wie diess in jener Zeit oft vorkommt. Dass der unter dem Namen A. Silvius bekannte Formschneider Silvius geheissen habe und nicht Antonianus, könnte auch der Umstand wahrscheinlicher machen, dass in den Emblemen von Sambucus von das S allein vorkommt. Über den Formschnei- der A S der Plantinianischen Offizin genaue Nachrichten zu erhal- ten, wird wohl kaum möglich seyn, da Plantin's Papiere zu Grunde gegangen sind.

  1. Cavallero determinado, por Oliv. de la Marcha, Amberes, J. Steeltjens, 1553, 8. Dieses Werk enthält 20 Blätter, welche zu den besten des Meisters gehören. Es ist dem Kaiser Carl V. dedicirt.

  2. De Dodendantz, durch alle Stende und Geslechte der Menschen, darin er herkunft unnd ende etc. Sampt der heilsamen Arztey der Seelen D. Urbani Regii (herausgege- ben von Caspar Scheit), MDLVIHI, 8. Die guten Holzschnitte sind Copien nach H. Holbein, von dem Monogrammisten A S., der Silvius genannt wird.

  3. Der Todten-Dantz, durch alle Stende unnd geschlecht der Menschen, darinnen jr herkommen und ende, Nichttigkeit und sterblichkeit als in eim Spiegel zu beschawen etc. (her- ausgegeben von Caspar Scheit). — Seelen Arzney etc. Durch D. Urbanum Regium 1560.

Die Holzschnitte dieses sehr seltenen Todtentanzes sind nach Weigel (Cat. Nro 8714) vergrösserte und veränderte Copien, mehr Nachahmungen der berühmten Holbein'schen, und zwar von dem genannten Monogrammisten A S. Sie sind von dem folgenden Werke zu unterscheiden.

  1. De Doodt vermaskert met des weerelts ydelheyd afghedaert door Geraereerdt van Wolschatens. Antwerpen 1554. Blätter werden auf dem Titel als jene Holbein's nachgebildet sie sind aber Copien von A. Sallaert.

Diese Cölner Nachschnitte erschienen auch in späteren Ausgaben, und noch 1605 in Antwerpen.

  1. Emblemata cum aliquot hymnis antiqui operis Iuannis Sam- buci Tirnaviensis Panonii. Antwerpiae, Plantin, 1564. 12- Dieses Werk enthält 165 Blätter, ohne das Bildniss des Dichters. Es erschien 1560 und 1570 in neuen Auflagen, ohne Randverzierungen. Hier kommt einmal p. 16 ein blos- ses S vor, was wohl Silvius bedeutet.

  2. Einige Blätter in der Katholisch Bibel etc. Durch J. Die- tenberger. Köln, Quentel's Erben 1571, fol. Unter den vielen Holzschnitten sind einige mit dem be- kannten Monogramm, welches man auf Silvius deutet.

  3. Centum fabulae ex antiquis autoribus delectae et a Gabriele Faerno Cremonensi carminibus explicatae. Antwerpiae, Plan- tin, 1567 und 1573, 16.

Hier erscheint der Monogrammist A S. 60 mal.

  1. Die Titelvignette zu: Les divers propos memorables des nobles et illustres hommes de la Chrestiente, par G. Corrozet, Antv., Plantin, 1557. x

Dieselbe Vignette ist auch in Corrozet's Antiquitez, chro- niques etc. Paris 1599.

  1. Das Titelblatt von: The works of Sir Thomas More Knyght. London 1557, fol.

  2. Caroli Clusii Atreb. Rariorum aliquot stirpium per Hispa- nias observatarum Historia etc. Mit vielen Holzschnitten. Antwerpiae, Plantin, 1576. 8.

In späterer Ausgabe: Antv., ex officina Plan. apud J. Moretum 1601, fol.

  1. Clusii rariorum plantarum historia. Mit Holzschnitten, Ant- werpiae, ex officina Plant. apud J. Moretum 1601, fol.

  2. Historia frumentorum leguminum, palustrium et aquatilium herbarum, quae eo pertinent. Remb. Dodonaeo — auctore, Anverpiae, Plantin 1570, 8.

  3. Florum et coronarium adoraroriumque nonnullarum herbarum historia. Remb. Dodonaeo auct. Antverpiae 1579, 8.

  4. Purgantium aliarumque eo facientium — — herbarum histo- riae libri IV. Remb. Dodonaeo — auctore. Accessit appen- dix var. et rariss. nonnullarum stirpium etce. Mit einer Menge schöner Holzschnitte. Antverpiae, Plantin 1574, 8.

  5. Aromatum et simplicium aliquot medicamentorum apud In- dos nascentium historia: primum quidem lusit. ling. con- scripta a D. Garcia ab Horto, deinde lat. sermone in epito- men contracta et iconibus ad vivum expr. et illust. a Carlo Clusio. 3 edit. Mit vielen Holzschnitten. Antverp., Plan- tin 1579, 8.

  6. Cruydt-Boeck Remb. Dodonaei, volghens syne laetste ver- beteringhe — — , meest ghetrocken uyt de schrilten van Carulus Clusius. "Nu wederum van nieuws overboogen ende

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVI. 27

verbessert. T Antw. inde Plant. Druckerye van Balt. More- tus 1644, gr. fol. Die Menge schöner Holzschnitte sind dieselben, die in den Oktavausgaben der Dodonäischen Kräuter- und Frucht- bücher vorkommen. Sie sind meist 53 Z. hoch und 34 Z. breit. Die vielen Blätter, welche der berühmte Buchdrucker Moretus nachfertigen liess, sind von Ch. Jegher., 1557 oder Sylvius, Balthasar gezeichnet und gestochen, stammt vielleicht aus der Familie des obigen Künstlers, und scheint noch etwas älter zu seyn. Es finden sich Blätter von ihm, die theils mit B. S. Fecit, B. S. FE, oder Bal. Syl. fecit, theils mit seinem Namen versehen sind, so dass man mit ihm weniger im Zweifel ist, als mit Anton Silvius. Er blühte um 1555 — 1558, wie aus den folgenden, von Zani erwähnten Blättern erhellt. Ein Künstler dieses Namens soll auch nach Carl van Mander Dorf- fest, Tabagien u. A. gestochen haben. Wenn dieses richtig ist, so muss man darunter einen jüngeren Meister erkennen, ver- muthlich einen Bosche, der auch als Verleger von Blättern nach C. v. Mander erscheint, wie auf dem Blatte mit Tobias, der vom Vater Abschied nimmt. Dieser Bosche könnte sich nach damaliger Weise in Silvius latinisirt haben,

  1. Die Diener Abraham's treffen die Rebecca am Brunnen, Composition von 12 Männern, 2 Frauen und 3 Kamelen. Nach L. Lombardus, in zwei Platten: Baltha. Syl. fecit 1558. Hans Liefrinckii excudebat cum gratia et Priuilegio P. AN. 6., gr. qu. fol.
  2. Noah mit seiner Familie opfert nach dem Auszuge aus der Arche. Franciscus Florus Antverpianus Inventor 1555. Bal- thasar Silvius Fecit et Excudebat. Imp. qu. fol. Die zweiten Abdrücke haben nach dem Excudebat: Cum Gratia Et Privilegio P. An. 4.; Dies ist das Gegenstück zur erhöhten Schlange in der Wüste, von Piet. Mirycinis gestochen.
  3. Der trunkenе Noah mit seinen Töchtern. Baltas Silvius Fecit 1555. Zani sagt, dieses Blatt sei nach der Erfindung des Silvius gestochen, scheint es aber nicht selbst gesehen zu haben, da er das Maass nicht angibt.
  4. Zwei Blätter mit Bauernszenen, nach B. Bos, qu. fol. Zwei solche Blätter waren in der Sammlung des Grafen von Fries. Im Cataloge wird B. Bos als der Zeichner oder Maler genannt. Dieser B. Bos könnte unser B. Silvius seyn, so dass er sich aus Bos oder Bosche latinisirte, Silvia, Maria, hatte zu Anfang unsers Jahrhunderts den Ruf einer geschickten Miniaturmalerin. Silvius nennen einige den oben erwähnten Anton Silvius, wie es scheint nach Malpi, der vermuthlich Silvius statt Silvyus las, wenn je ein Meister dieses Namens gelebt hat. Simanowitz, Frau von: Kunstliebhaberin, malte das Bildniss Schiller's, als dieser noch in der Kraft der Jahre war, wie er im Sessel sitzt. Heinrich Schmidt in Weimar hat dieses Bildniss 1807 gestochen, und Rahn stach es für die Ausgabe der sämmt-

Diese F. v. Simanowitz ist die ‚schon erwähnte Cunigunde Sophia Ludovica Reichenbach.,

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_LMQ-AAAAcAAJ