Signorelli, der Sohn des Ridio di Ventura, wurde nach Va- sari *) 1430 zu Cortona geboren und von Piero del Borgo S,
*) Eine ausführlichere Biographie dieses Meisters gibt Dom. ' Maria Manni, die in der Mailänder Sammlung der Varj opuscoli I. 20. abgedruckt ist. Vasari beschreibt II. 2. S. 427 der deutschen Ausgabe von Schorn das Leben desselben, die uns hier zu Grunde liegt. - c
Signorilli, Luca. Sero'lero (P. della Francesca) unterrichtet, wobei nach 'Manni und della Valle (lett. San. III, 44. 50.) auch Matteo da Siena nicht ohne Einfluss blieb, von welchem Luca in Borga San Sepolcro eine Arbeit gesehen haben könnte. Er arbeitete aber mit Piero in Arezzo , wo ihn Lazaro Vasari, sein Oheim mütterlicher Seits in das Haus aufnahm, und schon damals konnte man seine Werke von jenen des Meisters nicht unterscheiden. Allein alle Werke, welche Vasari in Arezzo von ihm nennt, sind zu Grunde gegangen und verschwunden, wie die Fresken von in der Capelle der h1. Barbara, die Fahne der Brüderschaft der hl. Barbara, die Pas- sionsfahne in St. Trinitäa, die Tafel mit St. Nicolaus von Tolentino in der Kirche des hl. Augustin, die zwei Engel in Fresco in der Capelle des Sakraments daselbst, die Gedächtnisstafel des Dr. Ac- colti mit seinem Bildnisse und jenen seiner Familie, welche im
vorigen Jahrhunderte aus der Capelle in S. Francesco verschwun- den war,
In S. Spirito zu Urbino ist noch gegenwärtig eine Kirchen- fahne, welche auf der einen Seite die Kreuzigung, auf der anderen die Ausgiessung des hl. Geistes vorstellt, jetzt zwei getrennte Bil- der. Der Künstler erhielt dafür 12 Gulden.
Auch in Perugia waren nach Vasari viele Bilder von ihm, er nennt aber uur eines, welches noch vorhanden ist, nämlich die Madonna mit St. Onuphrius, Herkulanus, dem Täufer, St. Stephan und einem schönen, die Laute spielenden Engel. Es trägt die Dedications-Inschrift des Bischofs Jacopo Vanucci da Cortona und das Jahrzahl 1481.
Von den Bildern, welche Vasari in Volterra, zu Citta di Ca- stello und in Cortona erwähnt, sind ebenfalls noch einige vorhan- den. In S. Francesco der ersteren Stadt, in der ehemaligen Bru- derschaft del S. S. Nome di Gesu, ist ein Frescobild, welches die Beschneidung des Herrn vorstellt, ein bewundertes Gemälde, wel- ches aber schon zu Vasari's Zeit durch Feuchtigkeit gelitten hatte, Sodoma hat es desswegen übermalt. Das Temperabild in St. Ago- stino daselbst, welches auf der Staffel in kleinen Figuren Bege- benheiten aus dem Leiden Christi vorstellte, und für ungemein schön gehalten wurde, ist verschwunden. Dagegen sieht man im Dome zu Volterra, in der Capelle S. Carlo, noch eine Verkündig- ung von ihm, und im Fremdenhospiz S. Andrea ausserhalb der Porta Selci ein Crucifix mit vier 159iligen von unserm Meister., In S. Francesco zu Citta di Castello sah Vasari eine Geburt Christi, die aber bei der französischen Invasion geraubt wurde. Der von Vasari in S. Dominico erwähnte hl. Sebastian ist noch über dem Altare der Capella Brozzi (Bourbon del Monte); Der Ritter Giac. Mancini daselbst besitzt ein dem Vasari unbekanntes Bild der Ge- burt Christi aus S. Agostino, und eine andere Tafel, die ehemals auf dem Gute Montone bei Citta di Castello sich befand. Sie stellt die Madonna mit dem Kinde, dann die Heiligen Hieronymus, Nicolaus von Bari, Sebastian und eine Märterin vor. Sie trägt die Dedications-Schrift eines französischen Arztes M. Aloysius Physicus ex Gallia und seiner Gattin, samt des Künstlers Namen und dem Datum MDXV. Diess Bild ist auch bei Mariotti er- wähnt. In St. Margherita zu Cortona erwähnt Vasari einen toden Christus als eines der besten Werke Signorelli's. Jetzt sicht man es in Chore der Cathedrale zu Cortona, mit der Inschrift: Lucas Aegidii Signorelli Cortonensis MDII. Von den drei Tafeln, welche Vasari in der Jesuitenkirche zu Cortona sah, sind noch zwei daselbst: eine Geburt Christi mit Scenen aus dem Leben der
Engeln und sechs Propheten. Das dritte Gemälde, jetzt im Chor des Doms daselbst, stellt das Abendmahl auf eigenthümliche Weise dar, indem die Apostel von dem Heilande die Hostie knieend empfangen, und Judas die seine in den Geldbeutel steckt. In der Lunette oberhalb dieses Bildes ist die Madonna zwischen St. Jo- seph und Onuphrius. In der Dekanei, dann bischöflichen Kirche zu Cortona, hinterliess Signorelli mehrere Werke. Auf die Tafel des Hauptaltares malte er die Himmelfahrt Mariä, in der Capelle des Sakraments mehrere lebensgroße Propheten und um das Tabernakel mehrere Engel, welche ein Zelt tragen, mit St. Hieronymus und St. Thomas von Aquin. Zu den von Stagio Sassoli ausgeführten Glasmalereien des Hauptfensters dieser Kirche fertigte er die Cartons. Manni nennt diese Bilder in der bischöflichen Kirche ebenfalls, und fügt noch andere bei, wie eine Beschneidung Christi in einer kleinen Kirche auf dem Marktplatz in Cortona, in der bischöflichen Kirche einen St. Thomas, der die Finger in Christi Wunde legt, eine doppelt bemalte Kirchenfahne in S. Nicolo, mit dem toten Christus auf der einen, und der Madonna mit den Apostelfürsten auf der anderen Seite, und in St. Trinita die Dreieinigkeit mit Maria, dem Erzengel und den Heiligen Athanasius und Augustinus.
In Castiglione Aretino schreibt ihm Vasari über der Capelle des Sakraments einen toten Christus mit den Marien zu, welchen della Valle für ein späteres Werk erklärt. In S. Francisco zu Lucigno verzierte er die Flügelthüren eines Schrankes, in welchem ein Corallenbaum verwahrt wird, auf dessen Höhe sich ein Kreuz befindet, und in S. Agostino zu Siena malte er ein Bild mit eini- gen Heiligen, in deren Mitte St. Christoph erhoben gearbeitet ist.
Diese Tafel ist nicht mehr vorhanden, und die Bilder in einem Zimmer des Palastes des Pandolfo Petrucci daselbst, deren Vasari im Leben des Genga erwähnt, sind zu Grunde gegangen. Della Valle setzt sie um 1470, vor den Arbeiten in der Sistina. Das erste stellte die Geschichte des Midas vor, an dessen Thron sich eine griechische Inschrift befand, die mit dem Namen des Malers schloss: AOTKA2Z O0 KOPITIOXT EITIEI. Das zweite war ein Bacchanal mit vielen schönen Figuren, und das dritte enthielt den Tod des Orpheus, beide mit dem Namen bezeichnet. Die übrigen Bilder: die Enthaltsamkeit des Scipio und der Raub der Helena, waren von Genga, welchem della Valle auch die obigen zuschrei- ben möchte.
Von Siena aus begab sich Signorelli nach Florenz, um die vorhandenen Kunstwerke zu studiren. Hier malte er für Lorenzo de Medici einige nackte Göttergestalten, die nach Vasari sehr ge- lobmt wurden, aber nicht mehr vorhanden sind. Ferner malte er für den Herzog ein Bild der Madonna mit zwei kleinen Prophe- ten in grüner Erde, welches sich zu Vasari's Zeit in der Villa Castello befand, jetzt im östlichen Corridor der Gallerie zu Flo- renz aufbewahrt wird. Der Künstler schenkte diese beiden Bilder dem Herzoge, der sich aber nie an Freigebigkeit übertreffen liess. Neben dem letzteren Gemälde sieht man jetzt auch ein sehr schönes Madonnenbild in runder Einfassung, ehedem im Audienzsaale des Magistrats der Guelfen.
Nach diesen Gemälden in Florenz nennt Vasari jene, welche Signorelli im Kloster von Monte Oliveto zu Chiusuri im Gebiete von Siena ausführte, dabei ist aber nicht anzunehmen, dass sie der Zeit nach auf jene folgen. Della Valle, der sie unter die
Mittlerweile könnte sich Signorelli auch wieder in Cortona aufgehalten haben, denn Vasari sagt, er habe von da aus einige Arbeiten nach Monte Pulciano, Fojano und nach anderen Orten des Valdichiana geschickt. Von den Bildern nach Monte Pulciano nennt er keines, in der florentinischen Gallerie ist aber eine Pre- della mit der Verkündigung, Anbetung der Hirten und Anbetung der Könige, welche aus der Kirche St. Lucia derselben Stadt stammt. In dieser Stadt malte er das Bild seines Sohnes, der getötet wurde. Er stellte ihn seiner schönen Gestalt wegen entkleidet dar, mit grösster Seelenstärke, ohne eine Thräne zu vergiessen. Dieses Bild findet sich nicht mehr.
- In Orvieto vollendete Signorelli den von Angelico da Fiesole begebenen Bildercyclus der Capelle der Madonna des Doms. Er malte da das Weltgericht, nach Vasari mit sellamer und wun-
derlicher Erfindung, denn er brachte Engel- und Teufelsgestalten, Zerstörung, Erdbeben, Feuer, Wunder des Antichrists und viele
andere ähnliche Dinge, nackende Gestalten, Verkürzungen und eine Menge schöner Figuren an. Hiedurch, sagt Vasari, erweckte er die Geister Aller, die nach ihm kamen, so dass die Schwierig- keiten dieser Darstellungsweise ihnen leicht wurden, und Vasari meint auch, es sei gar nicht zu wundern, dass es Michel Angelo im- merdar hochpries, noch dass er bei seinem »göttlichen Weltge- richt« in der Sixtina die Erfindungen dieses Meisters zum Theil benutzte, bei Zeichnung der Engel und Dämonen, der Einteilung der Himmel u. s. w. Luca stellte in diesem Werke viele seiner Freunde und sich selbst nach dem Leben dar, wie den Ni- colo, Paolo und Vitellozzo Vitelli (nach Memmi der Feldhaupt- mann Marchese von S. Angelo, Herzog von Gravina), den Gio. Paolo und Orazio Baglioni und A. Signorelli hatte sich da über- haupt viele Hinweise auf das Leben erlaubt. So brachte er sogar eine ausschweifende Frau zu oberst über den Verdammten an, wie sie ein Teufel durch die Luft führt, wodurch er ihre Besserung bewirkt haben soll. Die Zeit, in welcher diese Male- reien begonnen und vollendet wurden, bestimmt Vasari nicht. Er sagt: im Leben des Fra Angelico nur, dieser habe am Gewölbe
der Madonna-Capelle »einige Propheten zu malen begonnen, wel- che hernachmals Luca von Cortona vollendet. Näheres wissen wir
aus Della Valle's Storia del Duomo di Orvieto, Roma 1791. Nach diesem Schriftsteller hatte Angelico das Werk schon 1447 begon- nen. Der Contract über die Fortsetzung dieser Arbeit durch L. Signorelli ist vom 5. April 1500. Er erhielt dafür 200 Ducaten, jeden zu 12 Carlini. Am 10. April 1500 war das Gewölbe zu so
grosser Zufriedenheit der Orvietaner beendigt, dass ihm nun auch die Wände der Capelle um 600 Ducaten, samt zwei Maass Wein und zwei Viertel Korn für jeden Monat und freier Wohnung
verdingt wurden. Della Valle behauptet, diese grosse Arbeit sei schon 1501 vollendet gewesen, was unmöglich scheint. Sie enthält die Geschichte des Antichrists, die Auferweckung der Todten, die Hölle und das Paradies, worin er überall sowohl in der phan-
artig bewegten, durch treffliche Verkürzungen in neuer Weise sich darstellenden Figuren als der nächste Vorgänger des Michel An- gelo; erscheint.
Vor seiner Abreise nach Rom vollendete Signorelli die von P. della Francesca und Dom. Veneziano begonnenen Malereien in der Sakristei von St. Maria zu Loreto. Da sah man die Evange- listen, die vier Kirchenlehrer und andere Heilige, im Auftrage des Papstes Sixtus in Fresco gemalt. Diese Bilder gingen alle zu Grunde. Später malte Pomarancio die Decke. Der genannte Papst berief den Künstler auch nach Rom, um im Wetteifer mit anderen Malern in der Sixtina zu malen. Vasari sagt, der Künstler habe da zwei Bilder ausgeführt, die als die besten anerkannt wurden, und nennt das Testament Mosis an die Israeliten und den Tod des Propheten. Diese beiden Darstellungen machen ein Bild aus, und das zweite, von Vasari übergangene Gemälde stellt die Bege- benhieten des Moses auf der Reise nach Ägypten mit seiner Frau Zipora vor. Über den Wert dieser Gemälde stimmt man jetzt der älteren Ansicht nicht bei. In der neuesten Beschreibung Roms von Bunsen etc. T. 474 heißt es, diese beiden Gemälde ließen den vornehmlich in den Malereien des Doms zu Orvieto sich offen- barenden Charakter dieses Künstlers keineswegs erkennen. Mannı vermutet, Signorelli habe diese Arbeiten in der Sixtina 1484 be- endigt, weil ein Document vom 10. Jan. 1485 vorhanden ist, wo- durch er sich verpflichtet, eine Capelle in St. Agatha zu Spoleto zu malen, was jedoch unterblieb. Im Leben des Bart. della Gatta nennt Vasari diesen als Gehülfen Signorelli's in der genannten Capelle.
Nach Vollendung der Werke in der Sixtina beschränkt Vasari Signorelli's Thätigkeit anscheinlich nur noch auf wenige in Cortona und Arezzo zugebrachten Jahre, wo der Meister nur noch zu sei- nem Vergnügen arbeitete, weil er nicht ruhig bleiben konnte. In diese Zeit setzt Vasari eine Tafel für die Nonnen von St. Marg- herita zu Arezzo, wo man sie noch im vorigen Jahrhundert über dem Hauptaltare sah. Ein zweites Bild malte er für die Brüder- schaft des hl. Hieronymus, auf welchem er den Dr. Niccolo Ga- murini vor der Madonna knieend vorstellte, wie ihn sein Schutz- patron empfiehlt. Auch die Heiligen Donatus' und Stephanus, tiefer unten die nackte Gestalt des hl. Hieronymus, den König David mit der Harfe und zwei Propheten sieht man auf dem Ge- mälde, Die Aretiner trugen es auf den Schultern nach Arezzo, wo man es noch wohlerhalten in St. Croce sieht. Signorelli be- gleitete das Bild selbst dahin, und wohnte im Hause der Vasari, wo Giorgio als Knabe den alten Maler noch sah, und von ihm angeeifert wurde, zeichnen zu lernen, überhaupt mehrere Eigen- tümlichkeiten aus jener Zeit bewahrte. Nachdem das Bild aufgerichtet war, begab sich Luca nach Cortona zurück, wo der Künstler von jeher als Edelmann behandelt wurde, da er ein glänzendes Leben führte, von vortrefflichen Sitten, offen und liebevoll war, besonders auch gegen seine Schüler, unter welchen Tommaso Bernabei und Tommaso d'Arcangelo Zaccagna zu den besten gehören. Sein letztes Werk begann er im Landhause des Cardinals Passerini bei Cortona, welches Giov. Battista Caporali gebaut und Maso Papa- celli und Tommaso Bernabei mit Gemälden verziert hatten. Sig- norelli malte da, bereits alt und krank, in der Capelle die Taufe Christi, starb aber noch vor Vollendung des Werkes, im Jahre 1521.
In Gallerien, namentlich im Auslande, sind die Werke dieses Meisters nicht häufig zu finden. In der Gallerie zu Florenz (Stanza
Im Palazzo Spada zu Rom ist eine Pieta.
Im k. Museum zu Berlin sind zwei treffliche Altarflügel, wozu das Mittelbild fehlt. Auf dem rechten steht St. Clara und Magda- lena mit dem knieenden St. Hieronymus, auf dem linken sieht man die Heiligen Augustinus und Catharina mit dem knieenden Antonius. Im Grunde ist Landschaft, und das Ganze in Tempera gemalt. In der k. k. Gallerie zu Wien ist eine Geburt Christi, wo Maria, Joseph und ein Hirte das Kind anbeten. Um die Hütte stehen Ruinen von prächtigen Säulen. Dieses Bild ist von Holz auf Leinwand übertragen.
In der Gallerie des Louvre zu Paris ist eine Geburt der Maria, eines seiner zu dunkel gehaltenen Bilder.
Einige Werke dieses Meisters sind auch im Stiche bekannt. Das Abendmahl des Herrn im Dome zu Cortona ist von Vasellini für M. Lastri's Etruria Pittrice gestochen. Die folgenden Stiche gehören in die Storia del duomo d'Orvieto: der Antichrist, gest. von L. Cunego; das Weltgericht, gest. von A. Marchetti; die Auferstehung der Todten, gest. von G. B. Leonetti; die Hölle, gest. von demselben; das Paradies, gest. von A. Marchetti und P. Morelli. Das Blatt des letzteren enthält oben die Glorie der Engel, jenes des ersteren die Engelsgruppen aus der Glorie des anderen Theils.
— Signorelli, Antonio, Maler, der Sohn des berühmten Luca, er- langte keinen großen Ruf. —
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