Sigalon, Xavier

Sigalon, Xavier, Maler, wurde 1700 zu Uzes (Gard) von armen Eltern geboren, und somit musste er sich anfangs mit Ausmalen von Dorfkirchen nähren, was ihm aber kaum das Nothdürftige eintrug. Er bewarb sich daher um die Stelle eines Comis bei der Mairie in Nismes, und da er nebenher auch Maître d'études in einer Pensionsanstalt war, so kam er endlich durch Entbehrungen und Ersparnisse so weit, dass er in Paris seine weitere artistische Ausbildung verfolgen konnte. Er arbeitete zuerst bei Souchon, dann im Atelier Guérin's, wo er sechs Wochen blieb, und das erste Bild, welches er auf dem Salon ausstellte, die Courtisane, welche einem jungen Menschen einen Brief zusteckt, fesselte sogleich die öffent- liche Aufmerksamkeit. Dieses Bild ging durch Ankauf der Re- gierung in die Gallerie des Luxemboung über. Im Jahre 1824 brachte Sigalon das Bild der Locusta zur Ausstellung, welches lange und heiße Debatten zwischen den damaligen Classikern und Roman- tikern veranlasste und mit unerhörtem Lob und Tadel überschüttet wurde. Locusta ist in dem Momente dargestellt, wie sie das Gift an einem Sklaven probirt, während Nero zusieht, dessen blut- gierige ruhige Haltung einen frappanten Gegensatz zur Giftmische- rin bildet, deren Physiognomie eine rafinirte Grausamkeit verräth,

Die Ausführung war von derselben Energie, und Kraft der Er- findung und Colorit stellten diese Locusta auf gleiche Stufe mit der Medusa Géricault's, welche bei ihrem Erscheinen dieselben leidenschaftlich lobenden und tadelnden Critiker erfuhr. Hr. Lafitte kaufte Sigalon's Bild für 6000 Fr., aber Mme. Lafitte fand die Giftmischerin zu grässlich und schickte das Bild zurück mit dem Auftrage eine Liebesscene zu malen.

Später malte Sigalon seine Athalia, welche die königlichen Prinzen ermorden lässt, eine grosse energische Composition, welche dieselben Eigenschaften, wie sein voriges Bild verrieth, und auch dieselben Lobsprüche und Vorwürfe erhielt. Mr. Cailleux, der Secretary des Museums des Louvre, sprach ihm gar alle Ei- genthümlichkeit ab, und bitter gekränkt bot Sigalon das Gemälde um einen Spottpreis feil, ohne einen Käufer zu finden. Jetzt zwang ihn Noth und Hunger zur Portraitmalerei. Aus dieser Zeit stam- men das Portrait des H. Schölcher und die schönen Zeichnungen lebensgrosser Figuren, welche der Künstler auf einer öffentlichen Auktion für 40 Fr. einem Schauspieler zuschlagen liess, welchem 1837 ein Kunsthändler 4000 Fr. bot.

Nach der Juliusrevolution erhielt Sigalon von der neuen Re- gierung mehrere Bestellungen. Auf ihrem Auftrage malte er einen I. Hieronymus, der die Posaune zum Weltgerichte hört, eine Kreuzigung und den Täufer Johannes; allein der Erfolg war wie- der nicht glänzend, und so gerieth der arme Künstler bald in das tiefste Elend. Er war genöthiget nach Nismes zurück zukehren, wo er durch Zeichnungsunterricht sein späres Auskommen

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