Siena, Segna da

Siena, Segna da, s. Segna. Siena, Simone da, s. S. Martini und Memmi.

Ugolino da, Maler, ist einer der berühmtesten Meister des 14. Jahrhunderts, den Übergang von der älteren Richtung des Duccio zur neueren des Simone di Martino bezeichnend. Über ihn gibt Vasari im Leben des Stefano von Florenz Nachricht (deutsche Ausg. I, 100), aber ohne urkundliche Belege beizubrin- gen. Er scheint ihn zum Schüler Cimabues machen zu wollen, wenn er sagt, dass Ugolino lieber in der Manier desselben, als in jener des Giotto gemalt habe, welchen er indessen nicht zum Meister haben konnte. Baldinucci will den Guido da Siena als solchen erkennen, und in den Lett. Senese II, 201. wird Ugo- lino als Duccios Schüler erklärt. Unter seinen Werken erwähnt Vasari zuerst des großen Altarbildes, welches in St. Croce zu Flo- renz sich befand, und dann im Dormitorium des angrenzenden Klosters aufgestellt wurde, nachdem an die alte Stelle das große und prachtvolle Ciborium nach Vasaris Zeichnung gekommen war. Vasari gibt es nur kurz an, und della Valle fügt bei, dass man darauf lese: Ugolinus de Senis me pinxit. Dieser aus einer Menge einzelner Tafeln bestehende Altar wurde später zer- trümmert, und der größte Teil der Tafeln ist jetzt in der Samm- lung des Lord Ottley in London , wo sie Director Waagen sah, und selbe näher würdigte (K. u. K. I. 304). Ugolino erscheint da nach der Behauptung Waagens als ein sehr bedeutendes Mittelglied zwi- schen der strengeren byzantinischen Weise des Duccios, und der weich- eren, gefälligeren des Simone Memmi. Von der Hauptreihe, deren mittlere Tafel die Maria mit dem Kinde, die sechs anderen eben so viele Heilige, sämmtlich in halben Figuren enthielt, sind noch fünf Tafeln ganz, von der Maria nur ein Fragment vorhanden, welches durch seine Schönheit den Verlust sehr beklagen lässt. Darüber befand sich eine andere Reihe mit halben Figuren, deren nur noch drei übrig sind. Den Abschluss machten endlich sieben Spitzen von gothischer Giebelform, jede mit der halben Figur eines Heiligen geschmückt, wovon Ottley vier besitzt. Die sieben, den Hauptbildern entsprechenden Abtheilungen der Altarstaffel (Predella) sind noch sämmtlich vorhanden und enthalten Haupt- momente aus dem Leben Jesu, welche sich durch die Schönheit und das Sprächende in den Motiven sehr auszeichnen. In den männlichen Heiligen waltet die alterthümlich-byzantinische Kunst- weise vor. Die Köpfe sind von länglicher Form, die Augen gut geformt und wohl geöffnet, die Nasen lang und an den Spitzen gebogen, der Mund von feinem und scharfem Schnitt, die Körper edel, die Arme dürr, die Finger lang und mager, die Falten

er trefflichen Motive in den Gewändern sehr scharf. In den Engeln, wie in den Figuren der Predella, sind dagegen die For-

„Mein völliger, die Bewegungen freier, dramatischer und der Art und Weise des Simon Martini verwandter. Auch die Behandlung ist nicht in dem zähen, dunklen Bindemittel der Byzantiner, son- dern in der flüssigen, helleren Temperamalerei des Giotto mit Ri- gelb und Pergamentleim und vorheriger Uebermalung mit grüner Erde. Der Grund ist durchgängig golden. Unter der mittleren Abtheilung der Predella befindet sich noch ein Ansatz, worauf in gothischer Majuskelschrift die mit der Angabe von della Valle übereinstimmende Inschrift: Ugolinus de Senis me pinxit, enthalten ist.

Dann erwähnt Vasari ein Gemälde, welches lange Zeit auf dem Hauptaltare in St. Maria Novella stand, und zu seiner Zeit im Capitel daselbst aufbewahrt wurde. Den Inhalt des Gemälde gibt er nicht an; auch findet sich bisher keine Spur von einem Werke dieser Art, so dass es zu Grunde gegangen zu sein scheint. Im Capitel ist jetzt ein Bild von Taddeo Gaddi. An einem Pfeiler innerhalb des Tabernakels in Orsanmichele zu Florenz ist ein wunderthätiges Madonnenbild, welches 1348 zur Pestzeit die Augen wendete. B. v. Rumohr (Vasari I. 162 Note) findet dieses grosse Gemälde von unbeschreiblicher Anmuth, und nach seiner Ansicht muss der Verfertiger den größten Künstlern damaliger Zeit gleich gestellt werden. Er scheint aber den Ugolino nicht als solchen erkennen zu wollen, da keine Spur griechischer Manier aufzufin- den ist. Er glaubt daher, das Bild sei durchaus übermalt, etwa zur Zeit des Baues des Oratoriums. Gio. Villani Lib. VII. cap. ult. gibt das Resultat seiner Untersuchung über das Bild und die Capelle kund, und auch Baldinucci Dec. VI. Sec. II, 67. ff. stellte eine Untersuchung an.

Nach Vasari malte Ugolino eine Menge Bilder, ausser der wunder- thätigen Madonna erwähnt er aber nur noch ein einziges, einen Chri- stus am Kreuz mit Magdalena und Johannes, und mit je zwei Ordens- geistlichen zu den Seiten. Er scheint dieses Bild in der Capelle des Ridolfo de Bardi gesehen zu haben, man hat aber jetzt keine Nachricht mehr davon. Dann schreibt man ihm auch die Malereien des Reliquia- rium del Santo Corporale im Dome zu Orvieto zu. Es ist dies ein kleines Abbild der Dom-Facade von Silber, Gold und Smalte und zweit vieler Reliefs aus dem neuen Testamente. Dieses Prachtwerk ist von 1338 und danach kurz vor dem Tode des Meisters voll- endet, der ein hohes Alter erreicht hat. In der Storia del Duomo d'Orvieto sind drei solcher Darstellungen gestochen. Dann werden die alten Malereien des 14. Jahrhunderts in der Tribune da- selbst einem Ugolino di Prete Giuliano zugeschrieben. Man sieht da Gott Vater von himmlischen Mächten umgeben, Christus in der Glorie von Engeln, die Himmelfahrt, Krönung Mariä, die Propheten und Apostel etc.

Ugolino starb zu Siena 1353. Nach Vasari hatte er folgende Grabschrift:

Pictor divinus jacet hoc sub saxo Ugolinus - Cui Deus aeternam tribuat vitamque supernam.

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