Siena, Guido da

Siena , Guido da, der älteste mit Namen bekannte Meister der Sienesischen Schule, der mit Giunta Pisano an die Spitze der ita- lienischen Kunstgeschichte gestellt werden sollte, welche aber Va- sari mit dem Florentiner Cimabue beginnt. Und diess vielleicht nicht ohne Parteilichkeit, wesswegen der aretinische Maler, so wie Baldinucci, strenge getadelt wurde. Dieser Meister ist aber nicht bloss seines hohen Alterthums wegen ehrwürdig, sondern namentlich auch desswegen, weil er in einer gewissen originellen Kraft gegen die bis dahin herrschende Kunstweise ankämpfte, und dadurch das unterscheidende Element der romanischen Kunst weckte, Er erfasste die byzantinischen Typen mit einer eigenthümlichen Würde, mässigte die alten Formen durch eine dem Auge und Munde verliehene Milde, und öffnete den Born jener seelenvollen, Tiefe, aus welchem die Maler der kommenden Zeit theilweise in reicher Fülle schöpften.

Ein Werk dieses Meisters, und das erste beglaubigte Bild der Sienesischen Schule, ist eine überlebensgrosse Madonna mit dem Kinde vom Jahre 1221, wie die Unterschrift bezeugt:

Me Guido de Senis diebus depinxit amenis quem Christus lenis nullis velit ägere (angere) penis. A. 1221

Dieses Bild befindet sich jetzt über einem verlassenen Altar in der Kirche des ebenfalls verlassenen Dominikaner Klösters. Maria im faltenreichen Gewande von dunkelblauer Farbe, und den Kopf mit einem Tuche von gleicher Farbe bedeckt, sitzt auf einem tie- fen, geräumigen Thronsessel, und Engel umgeben sie. Auch Gott Vater erscheint oben auf diesem Bilde. Wir sehen hier, heisst es

im Kunstblatte 1832 Nr. 31, nicht mehr die schwarzbraune, byzan- tinische Zigeunerin oder jene in Candia und Corfu verehrte ein- gesargte Madonna; sie erinnert nur entfernt noch an diese Her- kunft und kann schon für eine unter italienischem Himmel geborne Jungfrau gelten. Mehr aber, als an barbarische-byzantinische Zeit werden wir bei diesem Bilde an die vollendeten Formen der Blüthe- zeit der klassischen griechischen Kunst erinnert, so wie dann über- haupt Siena und Pisa schon frühe mit altgriechischen Kunstwerken bekannt wurden. Besonders erkennt man in der Anordnung des Gewandes, wie sehr Guido von den byzantinischen Vorbildern ab- gewichen ist. In letzteren ist zwar ebenfalls Reichthum und Fülle des Gewandes vorhanden, allein Grazie und schöne Anordnung fehlen ganz, wenigstens in den als byzantinische Arbeit beglaubig- ten Mosaiken. In Guido's Bild lässt sich aber jede Falte genau verfolgen; in großen Wellen und Bändern fliesst das Gewand herab, so dass man die großen Körperformen, die sie bedecken, darunter erkennt. Das Kind erscheint dagegen dürftig und mager, was der Verfasser des genannten Aufsatzes dadurch erklären will, dass es die Absicht des Künstlers war, den Heiland, den Mensch gewordenen Gott in aller Dürftigkeit und Armuth darzustellen, um ihn den Menschen desto näher zu bringen. Noch mehr trifft die Zeichnung und Malerei in den die Madonna umgebenden Engeln, und in dem Bilde Gott Vaters zurück, was in dem ge- nannten Aufsatz als Folge der Schülerarbeit erklärt wird. Im Kunst- blatt 1827 Nr. 47 wird aber bewiesen, dass dieses Bild übermalt sei, namentlich in der Madonna. Auch Frhr. v. Rumohr (s. Forsch, I. 335) behauptet, dass das Bild hie und da übermalt sei. Aus der erhaltenen Arbeit ersah der genannte Schriftsteller, dass sich Guido griechischer Bindemittel gedient habe, und dass er noch immer gleich weit von der mageren Zierlichkeit der Byzan- tiner, als von der breiteren Formenbeutung des Cimabue entfernt sei. Die unverhältnissmässige Kleinheit und Magerheit des Kin- des, die widrige Verkleinerung der Engel und Gott Vaters in den oben über der Abtheilung des goldenen Feldes ausgesparten Win- keln, erinnert den genannten Kunstkenner in einer Hinsicht an byzantinische, in anderer an barbarisch - italienische Gewohnheiten, welche in diesem Bilde in einander überzugehen und gegensätzlich zu verfließen scheinen. Was die Praxis der Malerei anbelangt, stimmt der Verfasser des Aufsatzes im Kunstblatte 1832 nicht mit Hrn. v. Rumohr überein, und zwar aus dem Grunde, weil wir die griechischen Bindemittel nicht kennen; weil wenigstens Versuche zu keinem entscheidenden Ergebniss geführt hätten. Er glaubt, man dürfe in diesem dünnen Auftrage, in diesen durch- scheinenden Lasuren, die sich seit sechs hundert Jahren so rein und klar erhalten haben, dass man die farbigen Töne sehr wohl unterscheide, schwerlich die Wachsmalerei, welche das Geheim- niss der Byzantiner gewesen seyn soll, wieder finden. Nur über die für jene Zeit herrliche Gestalt der Madonna stimmen sie überein. Auch Rumohr erkennt darin deutliche Spuren von Würde und Holdseligkeit, und wenn das Bild gleich von Härten und Mängeln nicht frei ist, und nur kärgliche Spuren des tief schlum- mernden Geistes sich offenbaren, so setzt er Guido's Werk in dem Betrachte über die Gebilde seiner griechischen Vorgänger, S. d'Agincourt pl. CXVII ist eine Abbildung im Umrisse; dieser Schriftsteller irrt aber, wenn er das Gemälde für vollkommen gut halten ansieht. In der akademischen Sammlung zu Siena sind noch andere Bilder, welche dem Guido zugeschrieben werden, sie sollen aber mit der

zu München sind zwei kleine Bilder auf Goldgrund unter den Na- men dieses Meisters: der kniende Engel als himmlischer Botschaft; an Maria, und diese selbst, wie sie kniend die Botschaft emp- fängt.

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