Sibylla, Johann

Sibylla, Johann, Kupferstecher von Nürnberg , wird gewöhn- lich unter »Siebmacher« rubricirt, obgleich der Künstler sich selbst Siebmacher schreibt; freilich noch nach der älteren willkührlichen Orthographie. Er entwickelte grosse Thätigkeit, und machte sich besonders durch ein Wappenbuch bekannt, welches in mehreren Ausgaben vorliegt. Dann gab der Künstler auch noch ein anderes Werk heraus, unter dem Titel: Modellbuch in Kupfer gemacht, darinnen allerhand Art neuer Modell, von dünn, mittel und dick ausgeschnittener Arbeit, auch andern künstlichen Nehwerk zu ge-

brauchen. Nürnberg bei Michael Kuisner 1601.

Das Wappenbuch Siebmachers, welches in der ersten Ausgabe sehr . selten ist, hat den Titel: Johann Siebmachers New Wappenbuch 'V ı=— und in der Zahl über 3320 Wappen — dergleichen vor niemals ausgangen, Norimbergae 1605. Am Ende: gedruckt zu Nürnberg durch Christoff Lachner, In verlegung Johann Siebmachers, Im 1605. Jahr. Der zweite Theil: Neuem Wappenbuchs II Theil, ‚x ‚Marınnen dess H. Rom. Reichs Teutscher Nation- Wappen, an der, Zahl bei 2400 — auff Kupferstück truck verfertiget: Durch: Johann Siebmacher. Norimbergae. Sumtibus Auctoris MDC. IX. qu. d4. Die Wappen sind sehr zart radirt, und in dieser Ausgabe sehr rein gedruckt. Das Werk fand daher allgemeinen Beifall, so dass von Siebmachers Erben schon 1612 eine zweite Ausgabe veranstaltet wurde: Gedruckt zu Nürnberg durch Abraham Wagenmann etc. u. d. Der zweite Theil erschien 1610. Später erhielt der Kunst- händler Paul Fürst die Platten, welcher 1650 die dritte Auflage

vollständige, anfangs Siebmacherische, hernach Fürstliche und Helmerische, nun aber Weigelische Wappenbuch in sechs Theilen etc. Nürnberg 1734, fol. Dazu gehören von 1753 — 1806 12 Supplementhefte, die selten vorkommen.

Hans Sibmacher starb 1611 in Nürnberg, mit dem Ruf eines tüchtigen Künstlers. Er lieferte noch mehrere andere Blätter, die theilweise zu den Seltenheiten gehören. Bartsch Pl. gr. IX. p. 505 ff. nennt eine Folge von Jagden und eine andere der 12 Mo- nate, Heller gibt Zusätze zum Peintre-graveur desselben, und auch noch anderwärts kommt hie und da ein Blatt dieses Meisters vor, so dass das folgende Verzeichniss bisher das vollständigste ist. Mehrere den Chalcologen unbekannte Blätter besass Dr. Petzold, dessen Sammlung 1844 in Wien verkauft wurde. B. bedeutet demnach Bartsch, Br. Brulliot, H. Heller und P. Catalog Petzold. Die Blätter des letzteren gehören wahrscheinlich zu einem ge- schichtlichen Werke.

Sibmacher bezeichnete mehrere seiner Blätter mit dem Namen, andere mit einem Monogramm. In der Kunstkammer zu Berlin ist eine kleine längliche Elfenbeintafel, auf welcher zwei Tritonen, die um eine Nymphe kämpfen, gravirt sind. Es stehen darauf die Buchstaben HS., welche nach Kugler (Besch. der Kunstkammer, S. 255) ebenfalls auf diesen Meister zu deuten seyn dürften.

  1. (P.) Philipp Emanuel von Lothringen, Herzog von Mercoeur und Pentheuvre, in Rüstung von vorn, in ovaler Einfassung. H. 6 Z., Br. 4 Z. 0. L. —

Seltenes Blatt, im ersten Drucke vor der Nro. und vor der Retouche. *

  1. (P.) Mathias, Erzherzog von Oesterreich, im Profil nach links. H. 6 Z., Br. 4 Z. 9 L.

Sehr seltenes Blatt, im ersten Druck wie oben.

  1. (P.) Nicolaus Graf von Serin (Zriny), Commandant von Ziget. In gleicher Grösse mit den beiden vorhergehenden, und im späteren Drucke von der retouchirten Platte.

  2. (P.) Mahomed III., Sultan. Sehr seltenes Blatt, H. 6 Z., Br. 4 Z. 9 L.

Mit den Abdrücken verhält es sich, wie oben. Die spä- teren sind retouchirt und mit Nro. 45 versehen.

  1. (P. und Br. 1. Nro. 2407.) Friedrich Beham, Büste im Profil nach rechts. Links unten das Zeichen. Schönes Blatt, äus- serst leicht und geistreich radirt, aber sehr selten zu finden.

  2. (H.) Ein geflügelter Genius, nach links, mit einer Vase in den Händen, aus welcher sich fünf hohe Blumenstängel er- heben. Oben links: Nro. 1, unten im Rande links: Jo. Sibmacher fec., in der Mitte: 1506, und rechts: Hier. Bang, exc. H. 3 Z. 5 L.; Br. 2 Z. 7 L.

Gehört dieses Blatt vielleicht zu dem oben erwähnten Modellbuch und ist es Nro. 1 desselben?

  1. (P.) Die Wiedereinnahme von Gran in Ungarn nach dem

Abzuge der Türken 11. Sept. 1505. Sehr interessantes Blatt,

  1. (P.) Ein wunderbarer Fisch, den 26. Nov. 1567 gefangen, und von zwei Seiten dargestellt. Im Rande ist erklärender deutscher Text, worin auf die Einnahme von Raab in Un- tern hingewiesen ist, Sehr zart und leicht radirt, ohne Zeichen und Namen, aber unzweifelhaft von Sibmacher. Dieses sehr seltene Blatt ist 8 Z. 10 L. hoch und 10 Z. 9 L. breit.

9 — 18) (B. 1 — 10.) Eine Folge von 10 Blättern mit Jagden, von sehr guter Zeichnung und äusserst zart gestochen. H 6 Z. 3 — 4 L., Br. 11 — 14 L.

  1. Jagd auf Affen,
  2. Jagd auf Hasen,
  3. Hirschjagd.
  4. Fuchsjagd.
  5. Bärenjagd.
  6. Eberjagd.
  7. Fischerei,
  8. Entenjagd,
  9. Jagd auf Wachteln.
  10. Stierjagd. Links unten: Jo. Sibmacher facieb., in der Mitte: Norimberge, rechts: Hieron. Bange excudit 1506.
  1. Eine ähnliche Folge von Jagden in Kleinen Friesen, 12 Blätter, ohne Namen des Meisters, aber von oder nach Sib- macher, schmal qu. fol.

Sieben solcher Friese waren in der Sammlung des Gra- fen Sternberg-Manderscheid.

  1. (B. 11.) Eine Hasenjagd. Zwei Reiter und sechs Hunde verfolgen den Hasen nach links hin, wo sich ein Mann hinter dem Baume versteckt. Ohne Zeichen und Namen, aber nach Bartsch sicher von Sibmacher, H. 14 Z., Br. 5 Z. 3 L.,

21 — 32) (B. 12 — 23.) Die 12 Monate, Folge von 12 nume- rirten Blättern mit Leuten in verschiedener Beschäftigung. Auf jedem Blatte ist das Zeichen des Thierkreises und unten im Rande der Name des Monats. Auf Nro. 12 steht links im Rande: Jo. Sibmacher faciebat, rechts: Hiero. Bange excudit 1506.

  1. (P. und Br. Nro. 1235.) Der Stammbaum des Herzogs Fried- rich von Sachsen-Weimar und der Prinzessin Anna Maria, dessen Gemahlin. In der Mitte unten ist das Zeichen. H. 9 Z. 8 L., Br. 12 Z. 11 L.

Dieses Blatt ist äusserst selten.

  1. (H.) Das Pesslersche Wappen. Ueber demselben sitzen auf Zierathen und Früchten zwei Genien, welche die eine Hand auf das Knie, die andere auf den Schild stützen. Unten ist ebenfalls zu jeder Seite ein Genius, und an der Tafel- verzierung ist das Zeichen HS. H. 4 Z. 3 L., Br. 2 Z. 9 L.

  2. (H.) Das Holzschuhersche Wappen. Es ist von einem Laubgewinde umgeben, an dessen vier Seiten Früchte ange- bracht sind. Oben sitzen zu beiden Seiten zwei Genien mit offenen Büchern, wovon jeder hineinblickt. Unten sieht man unter der Tafel das Zeichen HS. H. 2 Z. 12 L., Br. 22 Z. 9 L.

einem Helme gezierten Schilde sind drei Raben, und alle-

seits sehe Figuren und vier Genien umgeben ihn. In der

Mitte unten ist das Zeichen. Ein schönes Blatt und von grosser Seltenheit. H. 4 Z. 3 L., Br. 2 Z. 11 L.

  1. (P.) Ein anderes Wappen einer Patrizier-Familie, von zwei . Thermen und vier Genien umgeben, welche verschiedene Instrumente spielen. Ein eben so schönes Blättchen und - von grosser Seltenheit. H. 4 Z. 11 L., Br 2 Z. 8 L. ;

  2. (H.) Eine Karte von Ungarn, mit dem Wappen des Landes. Im Schilde steht: Totivs Vngariae et Transylva- niae etc. Delineatio. Unten in der Mitte etwas nach rechts steht: Johann Sibmacher Norimb. faciebat et excud. H. 9 Z. 6 L., Br. 18 Z. 3 L.

  3. (H.) Eine andere Karte von Ungarn. Unten links auf einer Tafel steht: Hungaria, und das Wappen darüber. In der Mitte liest man: Johann Sibmacher Norimb. faciebat et excud. H. 9 Z. 9 L., Br. 13 Z.

Siboga s. H. Disegna. Sibrechts, Siebrechts oder Sieberechts.

Sicard, s. den folgenden Artikel.

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