Serlio, Sebastiano

Serlio, Sebastiano, Architekt von Bologna , ist einer derjenigen Künstler, welche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Lehrer und Stimmgführer galten, fand aber doch keinen Biogra- phen. Man kennt bisher noch nicht einmal sein Geburtsjahr, und aus seiner frühesten Zeit ist nur durch Lanzi, Storia etc., V. 61, bekannt, dass Serlio 1511 und 1514 zu Pesaro gelebt habe, an- scheinlich mit der Perspektivmalerei beschäftigt, weil auch andere erühmte Meister sich damit zu ihrem höheren Berufe vorbereitet hatten. Davon weiss D. d'Argensville in seinem Abrégé de la vie des plus fameux peintres etc. I, 114 ff. nichts, so wie er denn auch den Künstler erst 1518 geboren werden lässt, was sicher unrich- tig ist, da Serlio ein Schüler des B. Peruzzi war, und schon vor dem erfolgten Tod dieses Meisters in Rom umfassende Stu- dien gemacht hatte, wie dies auch Ph. de Lorme bestättiget, der zu gleicher Zeit in Rom war und 1536 zurückkehrte. Er sagt im siebenten Bande seines architektonischen Werkes, dass Serlio, ein rechtschaffener Mann und eine gute Seele, Alles was er sah ge- zeichnet, gemessen, studirt und zur Bekanntmachung vorbereitet habe. Diese Arbeiten bezogen sich damals fast alle auf die Alter- thümer Roms, und überdiess übte er sich unter Peruzzi's Anlei- tung eifrig in der architektonischen Konstruktion. Serlio hatte sich das vollste Vertrauen des Meisters erworben, und dieser setzte ihn bei seinem Tod zum Erben seiner Zeichnungen und Handschriften ein, was ihm später bei der Ausarbeitung seiner eigenen Werke von grossem Vortheile war. Die Alterthümer Roms bilden den dritten Theil seines Gesammtwerkes, der 1540 zu Venedig bei Mar- colino einzeln erschien, wie wir unten näher angeben.

Von Rom aus scheint sich Serlio nach Venedig begeben zu haben, wo frühere Schriftsteller seinen Namen an Bauwerke knü- pfen, an welchen er entweder gar keinen Antheil hat, oder höch- stens nur Reparaturen vornahm. D'Argensville macht ihn zum Er- bauer der Schule des heil. Rochus, eines der grössten und präch- tigsten Gebäude der Stadt. Allein die Scuola di S. Rocco wurde 1517 von Bartolomeo Buono u. a. erbaut, die brillant phantastische Fassade von Scarpagmino. Dann legte man ihm auch den Bau des Palastes Grimani bei, welcher unter Michele Sanmicheli's Einfluss entstanden ist. Nur an der Kirche S. Sebastiano hatte er Theil, die indessen von Sansovino begonnen wurde. In Bologna soll der Palazzo Malvezzi von ihm herrühren, was ebenfalls nicht bewiesen zu seyn scheint. Ueberhaupt ist Serlio weniger durch ausgeführte

Serlio wurde 1541 von Franz I. nach Frankreich berufen, um

die im gotischen Style construirten Theile jenes Palastes durch

andere im italienischen Style zu ersetzen. Serlio legte dem Monar-

chen einen Plan vor, wahrscheinlich gleichzeitig mit Pierre Les- cot, dessen Projekt später genehmigt wurde, da der Sage nach Serlio zu Gunsten desselben auf seinen Entwurf verzichtete. Dagegen übertrug ihm der König die Neubauten, die er am alten Schlosse in Fontainebleau vornehmen liess, wo sich von jetzt an eine ganze Kunstwelt gestaltete. Die neuen Gebäude waren von solchem Umfange, dass sie drei grosse, hinter einander liegende Höfe einschlossen *). Allein auch dieses Gebäude hat so grosse Veränderungen erlitten, dass man kaum mit einiger Gewissheit unterscheiden kann, was dem Serlio angehört. Dagegen zeugt sein architektonisches Werk, welches er in Fontainebleau vollendete, noch von seiner Thätigkeit. Einzelne Bücher erschienen schon vor seiner Uebersiedlung nach Frankreich, die seltenen Originalausga- ben aller Abtheilungen in folgender Ordnung.

I] primo (e secondo) libro d'architettura. Le I. (et II.) Livre d'architecture mise en langue frangaise par J. Martin (ital. und franz.) Paris, Barbe 1545, fol.

Il terzo libro di Seb. Serlio Bolognese, nel qual si figu- rano e descrivono le antiquita di Ruma, e le altre etc. Venezia, F. Marcolini da Forli, 1540, fol.

Dieses Buch enthält viele schöne Holzschnitte von Marcolini da Forli, welche der ältere Füssly als eigenhändige Radirungen des Meisters erklärt. Von diesen beiden Büchern erwähnt Brunet ein höchst seltenes Exemplar auf blaues Papier. Auch R. Weigel nennt ein solches mit dem Libro quarto in seinem Kunstkataloge und werthet es auf 2 Thl.

Il libro quarto. Regole generale di architettura sopra li cinque maniere degli edifici. Ven. Marcolini 1540, fol.

Ebert nennt auch eine Ausgabe von 1537 und von 1544. Von letzterem Jahre gibt es eine Ausgabe,

Il libro quinto d'architettura di Seb. Serlio. Paris, Vasco- van, 1547, fol.

Libro extraordinario (VI.). °*) Lione, G. de Tournes, 1551, fol.

Diess sind die Originalausgaben der verschiedenen Abtheilun-

*) Rosso (Maitre Roux), L. Penni und G. Bagnacavallo waren

zuerst als Maler thätig, Primaticcio fand erst unter Hein- rich II. Anerkennung.

**) Die Veranlassung zu diesem Buche soll eine schlechte Samm- lung architektonischer Ansichten gewesen seyn, die bei La- freri und Barlacchi in Rom erschienen. Serlio wollte in sei- nem Libro extraordinario der Welt etwas Besseres geben,

verdiente sich aber auch nicht ausserordentlichen Dank der- selben.

Die dritte Ausgabe ist die beste und vollständigste Ausgabe in fol. Sie hat denselben Verleger.

Libro I. (II.) della architettura. Venezia, Sessa, 1560

Libro II. Ven., Rampazetto, 1556.

Libro IV. Ven., ohne Jahr und Druckangabe.

Libro V, Ven., Sessa, 1550. Lione, Rouillio, 1560.

Libro extraordinario (VI.) Ven., Sessa 1557 oder 58 oder 67. Auch Lione, Rouillio, 1560.

Il VI libro. Architecturae liber VII. (ital. u. lat.) Ex Museo Jacobi de Strada. Francof. ad Moenum, Wechel 1575. Mit Holz- schnitten.

Auch noch andere Ausgaben dieses Werkes gibt es.

De Architectura Libri quatuor, per J. C. Saracenum, Francisci, 1579. mit Holzschn., fol.

Libro I. — VI, d'architettura, Venezia, Fr. Senese, 1566. Mit Holzschnitten, 4.

Tutte le opere d'architettura, libro I. — VII. Venezia, Fr. de Franceschi, 1584. Mit Holzschn. 4.

Dies ist die beste Quartausgabe.

Auch in Venedig sind 1619 die sieben Bücher gedruckt, mit einem Discorso von Scamozzi,

Die Ausgabe: Vicenza, Jac. de Franceschi, ohne Jahr, ist nicht gelfallig, 4.

Architettura in sei libri divisa. De architectura libri VI. (ital. u. lat.) Venezia, Combi, 1663, fol.

Auch diese Ausgabe ist nicht empfehlend.

Der II., III., IV., V., VI. boeck van Architecturen Seb., Serlii, Overgestedt weid Italiaensche in nederlandts, door Peeter Coeke van Aelst, doen ter tyt Schildere der K. Meiesteyt. (I. boeck, tract. van Geometrye. II. boeck, van Perspectyven, III. livre des Anti- quites translate en franchois, IV. Livre. Reigles gen. d'Arch. sur les cinq manieres d'edifices etc. V. boeck, van Temples.) Mit Holzschnitten. Antwerpen, Anvers, impr. par P. van Aelst; auch by Mayken verhulst weduwe; auch impr. pour P. Coeck d'Alost, par G. v. Diest 1550. 53., fol. Sehr selten;

Dann gibt es vom 4ten Buche auch eine Ausgabe mit hollän- dischem Text: Regelen van Metselryen op de vyf manieren van edificien. Amst. 1546. Mit Holzschnitten, fol.

Dieser Band kann vermutlich statt des französischen zur obigen / Ausgabe genommen werden.

Von der Architektur 5 Bücher. Aus dem Ital. und Niederländi-4 schen übersetzt. Basel, L. König, 1600. Mit Holzschn. fol.

Serlio lebte lange in Fontainebleau, endlich aber wurde sein Aufenthalt daselbst gefährdet, da nach der 1560 erfolgten Thron- besteigung Karl IX. ein Bürgerkrieg ausbrach, der das Land ver- wüstete. Der Künstler ging jetzt nach Lyon, wo schon 1551 bei G. de Tournes das Libro extraordinario (VI.) erschien, und 1560 bei Rou- ville für die dritte Auflage der Gesammtwerke ein Gleiches erfolgte, Hier gerieth Serlio in solche Dürftigkeit, dass er einen Theil sei- ner Zeichnungen an Jakob Strada verkaufen musste, die dann 1575 bei der zu Frankfurt bei Wechel veranstalteten Ausgabe des siebenten Theiles der Architektur Serlio's benutzt wurden. Nach hergestellter Ruhe begab sich Serlio wieder nach Fontainebleau zurück, und starb daselbst 1508. Keine Zeitbestimmung weicht in-

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