Sergell, Johann Tobias

Sergell, Johann Tobias, Bildhauer, wurde 1736 in Stockholm geboren und von l'Archeveque unterrichtet, der damals in Stock- holm die Reiterstatue Gustav Adolph's modellirte. Später ging er zur weiteren Ausbildung nach Paris und von da nach Rom, wo Sergell zwölf Jahre verweilte, und verschiedene Werke ausführte, die ihm den Ruf eines der vorzüglichsten Künstler erwarben. In Rom fertigte er eine gepriesene Statue des liegenden Faun in Mar- mor, der in mehr als halber Lebensgrösse erscheint. Man sieht ihn jetzt im Museum zu Stockholm, und eine Wiederholung kam nach Frankreich . Ein anderes berühmtes Werk ist sein Diomedes mit dem gerissenen Palladium in Marmor, beinahe lebensgross und ebenfalls im genannten Museum aufgestellt. In Rom modellirte er auch eine grosse Gruppe von Amor und Psyche, welche in Stock- holm für den Palast Haga in Marmor ausgeführt, für das berühm- teste Werk des Meisters gehalten wurde. Später wurde sie in der unteren Gallerie des Museums aufgestellt, wo man ausser den ge-

Sergell gehört unter die Zahl der wenigen Künstler, welche sich von dem damals herrschenden üblen Geschmacke in der Bild- nerei zum Studium der Natur und der Antike wendeten, und ver- dient daher unter den neueren Bildnern als einer der Wiederher- steller des guten Geschmackes eine ausgezeichnete Stelle. In ihm war alles vereinigt, was einen Künstler gross machen kann, doch war er nicht im Stande, sich völlig von Manier frei zu machen, in welcher sein erster Unterricht, und die Kunstweise, der Sergell vor seiner Ankunft in Rom huldigte, seinen sonst so reinen plastischen Sinn gefangen hielt. Er besass lebhafte Einbildungskraft und grosse Meisterschaft der Darstellung, welche ihn aber gerade verleitete, das edle Maass zu überschreiten. Sein Styl ist ernst, die Formen sind bestimmt und in manchen seiner Werke schön; doch gelang es ihm nicht, in seine Gestalten ein streng charakteristisch aufgefasstes Individuum vorzuführen. Deswegen findet das Kennerauge selbst in seinen besten Hervorbringungen immer nur eine meisterhaft vorgetragene akademische Figur, während andere durch die glückliche Auffassung des Ganzen und durch den mei- sterhaften Vortrag zum höchsten Lobe gestimmt werden. Und die- ses verdient Sergell auch in Anbetracht der Zeit und der Verhält- nisse, unter welchen er wirkte. Sein Talent wurde in Schweden auch allgemein anerkannt, und namentlich hatte er an König Gu- stav III. einen warmen Beschützer. Sergell liebte diesen Fürsten als seinen Freund, und empfand den unzeitigen Tod desselben so tief, dass er von der Stunde an in Schwermuth verfiel und mit der Lust zum Leben auch jene zur Kunst verlor. Wir lesen in gleichzeitigen Schriften von einer unerklärbaren Schwermuth, wel- che den Künstler befiel, und sein schönes Talent gänzlich lähmte. Die Ursache kannte man nicht. Acerbi meinte aber 1804, dieser nur aufwärts strebende Künstler habe auf der Welt weder einen festen Punkt gesucht oder gefunden, und sei deswegen dem Schick- sal oder sich selbst unterlegen. Im Jahre 1811 heiterte sich der Sinn dieses trefflichen Künstlers wieder auf, und man glaubte schon, ihn wieder vollkommen dem Vaterlande zurück gegeben zu sehen, als er 1815 starb. Sergell war erster Bildhauer des Königs, Professor der Akademie zu Stockholm, Ritter des Wasa-Ordens, Mitglied der Akademie zu Paris, Kopenhagen, Wien, und Berlin, Gothe war sein berühmtester Schüler.

Mariane d'Ehrenstroem gab 1826 einen Lebensumriss dieses Meisters in französischer Sprache heraus. J. Gilberg staffte nach ihm das Bildniss des Reisenden Bjourn-

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