Senefelder, Alois,
*) So wie Senefelder, so gab auch Gottfried Engelmann aus Mühlhausen ein Werk über die Lithographie heraus, unter dem Titel: Traité théorique et pratique de Lithographie par G. Engelmann. Von diesem Traité haben wir eine neue mit Zusätzen bereicherte Ausgabe in deutscher Sprache, zugleich das Hauptwerk über Lithographie: Das Gesammtgebiet der Lithographie, oder theoretische und praktische Anleitung zur Ausübung der Lithographie nach ihrem ganzen Umfange. Mit besonderer Rücksicht auf den Zustand und die Ergeb- nisse der deutschen Lithographie, bearbeitet und mit den nöthigen Zusätzen versehen von W. Pabst und A. Kretzsch- mar. Chemnitz 1840. 4. Die Mustersammlung ist ein wahn- zer Triumph für die Lithographie.
erhalten habe, dass man durch eine eigene, von diesem in An- wendung gebrachte Art des Ausbesserns sehr leicht lauter wahre Originale verfertigen könne. Der Druck der Platten in Kreide- manier war damals noch von besonderer Schwierigkeit, und viele Abdrücke gelangen daher nur unvollkommen. Kunicke nahm da- runter die besseren heraus, und retouchirte sie mit Pariserkreide. Einen solchen gut retouchirten Abdruck erklärte nun Senefelder als ein wahres Original.
Im Jahre 1817 kehrte Senefelder wieder nach München zurück, wo er endlich auf mehrmalige Aufforderung des General-Secretärs der Akademie der Wissenschaften, des Direktors von Schlichtegroll, sein Lehrbuch der Lithographie ausarbeitete. Er fühlte sich jetzt einer solchen Ausgabe vollkommen gewachsen, da er seit 1800 fast ununterbrochen dem Steindruck seine Aufmerksamkeit gewid- met hatte, um alle Manipulationsarten der verschiedenen Zweige auf die einfachsten und sichersten Grundsätze zurück zu führen. Über die Verbesserungen und Entdeckungen, welche er im Ver- laufe dieser Jahre gemacht hatte, gibt er in seinem Lehrbuche S. 128 Nachweisung. Vorerst bemerkt Senefelder, dass er einige von ihm früher erfundene Methoden, z. B. den Ueberdruck von Papier, auf welches mit fetter Tinte geschrieben oder gezeichnet wird, dann den Ueberdruck von neuen und alten Büchern und Kupfer- stichen, durch vielfältige Versuche zu einer grossen Vollkommen- heit gebracht habe, wodurch sich auf die leichteste Art litho- graphische Stereotypen verfertigen lassen. Ferner behauptet
Senefelder seitdem im Farbendrucke solche Fortschritte gemacht zu haben, dass er ausser den mit Farben illuminirten Bildern auch noch von Oelgemälden ganz ähnliche Abdrücke liefern könne, welchen niemand ansehe, dass sie gedruckt worden seyen, indem sie alle Eigenheiten der Oelmalerei besässen. So behauptet Sene- felder in seinem Lehrbuche von 1818, dieser Oelgemälde-Druck, welchen er 1. c. S. 366 beschreibt, ist aber verschieden von einem erst 18530 erfundenen Druck von Oelmalereien. Auch erfand Sene- felder noch vor der Publikation seines Lehrbuches eine neue Art, Bilder, Tapeten, Spielkarten und selbst Cattun mit Steinen zu drucken, wo zwei Personen in einem Tage über 1000 Abdrücke in fol. machen könnten, wenn das Bild gleich aus hundert Farben bestehen sollte. *) Von den seit dieser Zeit neuentdeckten Stein- druckmanieren hält er einige Aquatinta-Arten, dann die gespritzte Manier, die vertiefte Kreidemanier, die Verwandlung der erhabe- nen in die vertiefte Manier, und umgekehrt, den Silber- und Gold- druck, nebst der mittelst einer Maschine geschriebenen Druck-
*) Der erste, welcher den von Senefelder angegebenen Farben- druck im Grossen anwendete, ist der schon oben genannte Werkmeister der lithographischen Anstalt der k. Steuer- Cataster-Commission in München. Franz Weishaupt, ein Mann, der im Gebiete der Lithographie viele Entdeckungen machte, die noch nicht bekannt sind. Er druckte 1823 die naturhistorischen Abbildungen zum Werke über Brasilien von Spix und Martius. Weishaupt wendete auch schon da- mals den Farbendruck zu historischen Bildern an, und er ist sicher als Begründer der Lithochromie zu betrachten, die seit dieser Zeit im In- und Auslande vielfache Anwen- dung gefunden hatte. Heinrich Weishaupt, der Sohn des
Werkmeisters, besitzt ein k. Privilegium auf den Farben- druck.
chrift zu Prachtausgaben, für die vorzüglichsten. Dazu kommt noch der Tondruck *). Dann suchte Senefelder auch eine Unvollkommenheit des Stein- druckes zu verbessern, welche darin bestand, dass das Gelingen der Arbeit immer sehr von der Geschicklichkeit und dem Fleisse der Drucker lebte. Seinem Nachdenken verdankt man eine Druck- maschine, bei der das Nassmachen und Einfärben der Platte nicht unmittelbar durch Menschenhand, sondern durch den Mechanis- mus der Presse selbst geschieht. Dadurch glaubte er die Erfin- dung dem Gipfel ihrer Vollkommenheit nahe gestellt zu haben. Die Akademie der Wissenschaften in München ertheilte ihm 1817 dafür die goldene Medaille, weil bereits auch auf den Metalldruck Rücksicht genommen war. Von ungemeinem Nutzen sind auch seine Erfahrungen über die Eigenschaften und Ursachen des un- vollkommenen Präparirens der Steine, worauf seine Angaben, die- sem vollkommen abzuhelfen, wie auch die im Abdruck fehlerhaft befundenen Steine zu behandeln, zu corrigiren oder zu retouchiren, beruhen. Für die wichtigste aller seiner bis dahin gemachten Er- findungen hielt er die eines Steinsurrogats (1813), welches er un- eigenthümlich Steinpapier nannte, weil die künstliche Masse auch auf Me- tall, Holz, Stein, Leinwand, und nicht bloss auf Papier sich auf- streichen lässt. In Folge dieser Versuche und in Erinnerung an seine schon 1790 gemachten Beobachtungen über die Verwendbar- keit der Metalle kam er aber später noch auf eine wichtigere Erfin- dung, nämlich auf die unmittelbare Anwendung des chemischen Druckes auf Messing, Zinn oder Zink. Dieses Verfahren nannte er Metallographie oder Metalldruck **), welcher jedenfalls von
grösserer Wichtigkeit ist, als sein Steinpapier, und seine Anwen- dung des Steins zum Cattundruck, da bis daher ausser Bayern für die Lithographie noch keine passende Steingattung gefunden wurde. In der k. lith. Anstalt zu Berlin, an welche Senefelder durch Major von Reiche, der sich selbst praktisch übte, 1817 das litho- graphische Verfahren überliess, wird die Metallographie schon lang mit Erfolg gepflegt. Am 22. Jänner 1818 erhielt er ein k. bayerisches Privilegium auf seine verbesserte neue Druckmaschine und auf den Druck mit Metallplatten. Im folgenden Jahre unter- handelte er in dieser Angelegenheit mit der k. Österreichischen Regierung. In Wien und zu Nürnberg bestehen seit dieser Zeit Zinkdruckereien. Ueber alle genannten Erfindungen und Verbes- serungen geht Senefelder in seinem Lehrbuche näher ein, welches er endlich 1818 auf wiederholte Aufforderung des Direktors Fried, v. Schlichtegroll vollendete, nachdem dieser im Kunst- und Gewerbsblatt 1816 und 1817 zur Vertheidigung dieser vaterländischen Erfindung be- reits sich erhoben hatte. Dieses Werk erschien unter dem Titel:
*) Er machte von einem bereits gezeichneten Steine einen Ab- druck auf einen anderen Stein, hob dann in diesem die höchsten Lichter heraus, und präparirte den Stein, um diese Stellen ungefärbt zu erhalten. Hierauf wurde der Stein mit einer Tonfarbe überzogen und diese auf den Abdruck übertragen. Man bediente sich anfangs für Licht und Schatten mehrerer Platten, bis Strixner es dahin brachte, beides auf einer zu vereinigen. Jetzt dient das chinesische Papier statt des Tons. **) Auf die Ehre der Miterfindung des Metalldruckes macht Dr. Weishaupt Anspruch. Kunst- und Gewerbsblatt 1843 H. 210.
Vollständiges Lehrbuch der Steindruckerey, ent- haltend eine richtige und deutliche Anweisung zu den verschiedenen Manipulationsarten desselben in allen ihren Zweigen und Manieren, belegt mit den nöthigen Musterblättern, nebst einer vorangehen- den Geschichte dieser Kunst. Mit einer Vorrede des General-Sekretärs der k. Akademie der Wissenschaften zu München, des Direktors F. v. Schlichtegroll. München 1818, 4°.
Das Titelblatt: Sammlung von mehreren Musterblättern in verschiedenen lithographischen Kunstmanieren etc. Mün- chen 1818. In Stein gravirt von Joh. Mettenleiter,
Bildniss des Königs Maximilian Joseph von Bayern, Brust- bild im Oval. Ueberdruck eines Kupferstiches durch Sene- felder. H. 4 Z., Br. 4 Z. 2 L.
Bildniss Friedrich's des Großen, Büste im Profil nach links, von Schramm mit der Kreide gezeichnet und mit Tonplatte
gedruckt. H. 5 Z. 9 L., Br. 6 Z. 6 L.,
- Bildniss eines Knaben mit gelockten Haaren, mit Halskrause, und einer Schärpe um den Leib, halbe Figur, von Sene- felder mit der Feder gezeichnet. Oval, H. 5 Z. 7 L., Br. 4
Z. 6 L.
- Madonna mit dem Kinde auf dem Schoosse, imitirte Fe- derzeichnung des Fra Bartolomeo, in einer Einfassung von doppelten Linien, von Senefelder selbst gezeichnet. H. des Bildes 6 Z. 5 L., Br. 4 Z. 6 L. ;
Dieselbe Madonna kommt auch im Musterbuche von Senefelder vor, von Strizner gezeichnet und mit Tonplatte ge- druckt.
Brustbild einer betenden Madonna, mit über die Brust ge- kreuzten Händen nach links. In gespreizter Manier von Sene- felder auf Stein ausgeführt. Oben sind Muster des Spreitzens in 8 länglichen Zirkeln. H. 5 Z. Br., Br. 4 Z., 6
Maria mit dem Kinde auf Wolken sitzend und von Engeln verehrt. Mit Kreide auf Papier gezeichnet und überge- druckt. Electrine Stuntz inv. et fec. qu. 4.
St. Johannes der Evangelist, nach dem berühmten Stiche von F. Müller von L. Zertahelly in Stein gegraben. Rechts unten steht dessen Name, H. 8 Z. 6 L., Br. 6 Z. 4 L.
Jesus als Kind mit dem Kreuze und einer Kette auf Wol- ken sitzend, von A. Falger vertieft geätzt und mit Tonplatte gedruckt. Das Vorbild ist ein Stich von Petrini nach A. Campanella. Oval, H. 4 Z. 11 L., Br. 3 Z. 6 L.
Proben in Callot'scher Manier: 1. Christus auf Golgatha zwischen den Mördern am Kreuze, mit dem versammelten Volke; 2. ein Herr mit der Dame, links eine Alte, rechts ein Jude; 3. Landschaft mit Gebäuden, links vorn ein Kar- ree. Von A. Falger in vertiefter Manier geschnitten, Drei kleine Bilder auf einem Blatte.
Eine Gruppe von vier Albaniern, von L. Zertahelly 1818 vertieft geschnitten. H. 2 Z. 8 L., Br. 4 Z. 2 L.
Eine Zeichnung im etrurischen Geschmack, rechts unter dem Baume ein Weib, links neben ihr ein sitzender Mann. Oben steht: Der Steindruck erfunden zu München von Alois Senefelder 1766, durch ihn zur chemischen Druckerei er- hoben 1798 etc. Unten ist Senefelder's Dedication an Di- rektor F. v. Schlichtegroll. Das Ganze ist in einer Einfas-
Die Ansicht von Landeck in Tirol, links auf dem Berge das Schloss, rechts vorn ein Baum, Die Brücke führt
über den Fluss nach den Häusern. Von Clemens Senefelder
mit der Feder auf Stein gezeichnet, H. 5 Z. 8 L., Br.
7 Z. 8 L.
- Ein Baum), mit Bogen, zwei Lanzen, einem Horn und einem
Hasen an demselben hängend, unten zwei Hunde neben
dem toten Hirsche. Nachahmung eines englischen Holz-
schnittes, theils mit der Feder, theils mit der Nadel von
Falger gezeichnet. Dieselbe Darstellung erscheint auch auf
dem Blatte Nro. 3. der früheren Mustersammlung.
- Facsimile eines Blattes aus dem Turnierbuche des Herzogs
Wilhelm in Bayern, links oben das Wappen des Herzogs
rechts unten die Jahrzahl 1541. Von Theobald Senefelder
mit der Feder gezeichnet, und das Silber mit einer zweiten
Platte eingedruckt, qu. 4.
- Ueberdruck von altem und neuem Bücherdruck: Zwei sind
der Wege etc., Prefatio quotidiana etc., gr. 8.
- Facsimile einiger Zeilen aus dem ältesten mit der Jahrzahl
gedruckten Buche: Beatus vir qui non abiit etc., gr. 8,
- Plan der Gegend um München, in vertiefter Manier von
Zettahelly geschnitten, gr. 8.
19 und 20) Zwei Blätter mit den Abbildungen der Pressen, von
Senefelder, gr.-8.
Nach der Publikation dieses Lehrbuches begab sich Senefelder
nach Paris, wo jetzt dasselbe ins Französische übersetzt wurde,
Die Verleger dieses Werkes waren Treutel und Würz in Strass-
burg, welchen er den Text unentgeldlich überliess, da er in seiner
Uneigennützigkeit das Buch bereits als der Welt angehörig be-
trachtete. Nur die 20 Musterblätter, die unter seiner Leitung
gefertiget wurden, liess er sich honoriren. Die französische Ueber-
setzung hat den Titel: L'art de la lithographie etc., mit dem Bild-
nisse des Erfinders. Zu gleicher Zeit übersetzte H. von Schlichte-
groll, der Sohn des Präsidenten der Akademie, dieses Werk ins
englische, welches zu London bei Ackermann erschien, unter dem
Titel: A complete history of lithography etc., kl. 4. Die eng-
lische Society of Encouragement übermachte ihm eine grosse gol-
dene Medaille mit der Inschrift: The Inventor of Lithogra-
phy to Mr. Alois Senefelder 1810. Der König von Sach-
sen überschickte ihm einen Brillantring, und ein Gleiches der
Kaiser von Russland. Der polytechnische Verein für Bayern hatte
damals für ihn nur die silberne Medaille. Die ehrendste öffent-
liche Auszeichnung verdankt er aber dem Könige Ludwig, welcher
ihm 1827 die goldene Ehrenmedaille des Civilverdienst-Ordens der
bayerischen Krone zuerkannte.
Doch war damit den rastlosen Forschungen Senefelder's noch
kein Ende gesetzt. Man verdankt seiner letzteren Zeit noch zwei
wichtige Erfindungen, nämlich die des Mosaikdruckes und
des Abdruckes von Oelgemälden. Die erstere wurde be-
reits 1825 bekannt, er scheint aber schon vor 1818 darauf gekom-
men zu seyn, wie aus seinem Lehrbuche p. 128 zu entnehmen ist. Hier ist es die Platte selbst, welche beim jedesmaligen Abdrucke die eigens bereitete Farbenzeichnung, aus welcher sie besteht, wie-
besonders für Tapeten, illuminirte Karten, Pläne, Landschaften und naturhistorische Abbildungen. Der Abdruck von Oelmalereien, verschieden von einer früheren Erfindung, deren er im Lehrbuche S. 350 erwähnt, entstand erst nach 1830. In diesem Jahre malte Prof. Joseph Hauber in München für die Sachsische Kunsthand- lung in Berlin ein Bild, welches Senefelder in seinem 60. Lebens- jahre copirte, ohne je Zeichnen und Malen gelernt zu haben. *) Dabei kam er auf die Idee, ob man denn ein solches Gemälde nicht vervielfältigen könne? Nach langen Versuchen und Uebun- gen kam er auch endlich dahin, ein kleines Oelgemälde (sein eigenes Bildniss?), das er mit eigens bereiteten Farben auf Tuch copirt hatte, abzudrucken. Er erhielt mehrere reine und gute Abdrücke, die gefirnisst von der Oelmalerei sich nicht unterschie- den. Senefelder ist also hierin der Vorgänger des Malers Liep- mann, der mit seinem Oelbilderdruck in neuester Zeit Aufsehen erregte, und sich der Unterstützung des Königs von Preussen er- freute. **) Doch auch König Ludwig liess dem Erfinder ein Ge- schenk von 1000 Gulden zustellen.
Senefelders lithographische Arbeiten.
Ein vollständiges Verzeichniss seiner Arbeiten können wir hier nicht geben, da noch keine öffentliche Sammlung derselben veran- staltet ist, so wie denn viele auch nur dem Geschäftszweige ange- hören, die wir anderwärts nicht verzeichnen, da sie als eigentliche Kunstprodukte nicht zu betrachten sind. Die grösste Anzahl be- sitzt der Sprachlehrer Ferchl, welcher in den Besitz des Senefel- derschen Nachlasses gelangte, und noch überdies fleissig nach solchen lithographischen Arbeiten sich umsah. Die Sammlung die- ser Blätter dürfte zu seiner Zeit zur öffentlichen Aufbewahrung angekauft werden. Auch die Zeller'sche Kunsthandlung in Mün- chen besitzt viele Incunabeln der Lithographie.
Die ältesten Arbeiten dieser Art bestehen in Musikalien und Schriften von 1796 — 1798, deren Senefelder im Lehrbuche der
Lithographie nennt. Es sind diess: Duetten für zwei Flöten von Gleissner, 12 Lieder mit Begleitung des Claviers; die Zauberflöte von Danzy in Quartette arrangirt; Kirchenlieder für den chur- fürstlichen Schulfond in München; ein Lied auf den Brand zu Altenötting mit einem Vignettchen für Lentner in München; eine Symphonie von vier obligaten Stimmen mit willkührlicher Beglei- tung der anderen Instrumente von Gleissner, deren Titel 1798 be- reits in der neuen Art gedruckt ist; Vorschriften für Mädchen in deutscher Currentschrift für den Schulfondsverlag. An diese Arbei- ten reihen sich dann zahlreiche Noten- und Schriftdrucke, die Senefelder zu Offenbach für die Andrös'sche Musikalienhandlung und für das Institut des Herrn von Hartl in Wien fertigte, und ähnliche Arbeiten, die er später in München besorgte. Daran reihen sich verschiedene Schriften mit chemischer Tinte, und Gra- virungen in Stein. Von ihm ist eine Karte von Bayern 1808, mit Farben gedruckt. Drei andere Karten des alten Bayern sind in
*) Diese Copie ist im Besitze der Wittwe Senefelder's.
**) Senefelder machte kein grosses Wesen daraus, und die Nachricht im Münchner Kunst- und Gewerbsblatt 1854 V. 79 kam bei der Bekanntmachung der Liepmann'schen Erfin- dung unsers Wissens nicht in Anschlag.
B. v. Aretin's Schrift: Bayerns grösster Umfang. München 1800, lithographisch abgedruckt. Farbendrucke sind auch in dem jetzt seltenen Werke: Die römischen Denkmäler in Bayern, herausge- geben von der Akademie der Wissenschaften, mit lithographischen Abdrücken. München 1808. Die Abhandlungen der beiden ersten Hefte sind von H. von Stichaner.
An diese und ähnliche Arbeiten reihen sich die zahlreichen Versuche in den verschiedenen Kunstmanieren, die Senefelder er- funden hat. Mehrere dieser Platten zeichnete er für die Muster- blätter seines Lehrbuches der Lithographie, in welchem die Nro., 1, 4, 5, 6, 12, 16, 17, 19 und 20 von ihm herrühren. Von ande- ren Platten machte er nur wenige Probedrücke, die höchst selten vorkommen, da er gewöhnlich wieder alles vernichtete, wenn ihm die Arbeit nicht genügte.
Eine weitere Abtheilung bilden die Versuche in dem oben er- wähnten Mosaikdrucke und im Drucke von Oelgemälden. Der Oelbilder-Druck beschäftigte ihn namentlich in der letzteren Zeit, und er machte hierin viele Versuche. Diese bestanden in Land- schaften, Thieren und Portraiten. Unter letzteren ist auch das eigene Bildniß des Künstlers in kleinem Formate, wie die meisten Arbeiten desselben.
Senefelder's Erfindung gab Tausenden Verdienst und Nahrung, da sie sich vom Bedarf des gewöhnlichen Geschäftsleben bis zur höchsten vervielfältigenden Kunst erhob. Ihm selbst blieb nichts, als die Besoldung seines Königs, mit welcher er sich 1827 in den Ruhestand begeben. Doch war auch jetzt noch die Lithographie der Gegenstand seiner höchsten Aufmerksamkeit und seiner Freude, da er sie mit aller Kraft heranblühen sah als ein Monumentum aere perennius. Den 26. Februar 1834 beschloß er sein thätiges Leben. *) Zahlreiche Freunde, Verehrer und Beförderer seiner Kunst, und dann die Künstler, welche seine Erfindung pflegten, und durch großartige Leistungen sie verherrlichten, folgten ihm zum Grabe. Darunter war auch sein Sohn Heinrich, der später in München eine neue lithographische Anstalt gründete, aber nicht das Glück hatte, sie im Flore zu sehen. Er starb 1845 und hinter- ließ die Wittwe mit den Kindern in der dürftigsten Lage. Es haben sich schon mehrere Stimmen erhoben, welche zur Errich- tung eines Monuments für Alois Senefelder aufforderten, allein die vielen, denen die Noth der Armen zu Herzen gedrungen, sprachen sich für einen Unterstützungsfond für diese aus. Auch die Künstler Münchens bildeten einen Verein zu diesem Zwecke. Damit man aber anderwärts nicht einmal sage, man habe diese Familie von höherer Seite ohne Vorschub gelassen, so bemerken wir nur, dass Heinrich Senefelder auf allerhöchste Entschliessung und mit Unterstützung des Königs seine lithographische Anstalt eröffnete; allein das Unternehmen hatte keinen glücklichen Fort- gang, und die Absicht, den Namen Senefelder's auf ein lithogra-
phisches Institut vererbt zu schenken, und so auch in diesem das Erdienst des Erfinders zu ehren, wurde leider nicht erreicht.
Bildnisse Senefelder's. J. Kirchmair fertigte schon 1810 im Auftrage des Kronprinzen Ludwig von Bayern die Büste Senefelder's, und 1832 führte P.
*) Ueber seine letzten Tage, den Sektionsbericht und eine kurze Charakteristik des Meisters s. Kunst- und Gewerbs-
Schöpf eine solche aus. L. Quaglio zeichnete und lithographirte das Portrait dieses Künstlers, für die Sammlung von Original- Handzeichnungen bayerischer Künstler, München 1817 — 20. Ein anderes lithographirtes Portrait desselben ist von G. Engel- mann, mit der Unterschrift: Aloys Senefelder Bavarois Inventeur de l'art lithographique. Der Zeichner nennt sich N. H. Jacob Dr. de S. A. R. C. Pe. d'Eichstaedt. Ramboux hat das Bildniß des Erfinders der Lithographie um 1830 gemalt, mit jenem des geistlichen Rathes S. Schmid. Beide sind gleichzeitig und frappant ähnlich dargestellt, in fast lebensgroßen Brustbildern. Diese schö- nen in Tempera gemalten und mit Oelfarben lasirten Bilder sind der dargestellten Personen wegen von historischem Interesse. Ram- boux hatte Mühe beide zu malen, da diese Männer im ganzen Leben sich gegenüber standen, der eine sich beeinträchtiget, der andere sich gekränkt fühlte. Auch von Senefelder haben wir ein eigenhändiges Bildniß, in dem von ihm erfundenen Oelbildner- druck. Dieses Portrait ist klein, wie die meisten seiner Werke. Franz Hanfstängl zeichnete ihn 1834 auf Stein, kurz vor seinem Tode. Desswegen bestimmte der Herausgeber den Betrag des Bildes zur Begründung eines Monuments für Senefelder. Hofrath Hanfstängl ist einer der ausgezeichnetsten Lithographen Europae, und schon viele Jahre zum Ruhme der Lithographie thätig. Er begann seine Laufbahn unter Professor Mitterer in München, kam mit Senefelder in unmittelbare Berührung, und zeichnete dessen Bildniß zum Zeichen der Verehrung für den Erfinder der Litho- graphie,
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