Senechal, Bildhauer

Senechal, Bildhauer, war Schüler von E. Falconet und dann von J. B. Moine. Er arbeitete um 1770 in Paris . Man rühmte beson- ders ein Basrelief , welches die Jünger in Emmaus vorstellt. Von anderen Arbeiten ist nichts bekannt, nur weiss man, dass sie in Statuen und Basreliefs bestanden.

*) Der Artikel des geistlichen Rathes Schmid B. XV. S. 358 ff. enthält die Geschichte der Anfänge dieser Kunst und der fol- gende aus Senefelder's Leben die weitere Entwickelung der- selben auf dem Wege des chemischen Experimentes,

**) Seine übrigen Söhne sind Theobald, Clemens, Georg und Carl, und drei Töchter betraten die Bühne oder wurden an Schauspieler verheiratet.

***) Diese sind noch vorhanden, und im Besitze des Herrn Sprach- und Musiklehrers Ferchl, welcher die Papiere und den Kunst- nachlass des sel. A. Senefelder sich erwarb.

+) Dieses Stück erschien bei Lentner zu München im Drucke, und warf dem Dichter einen reinen Gewinn von 50 fl. ab.

+1) Das Verzeichniss derselben s. Kunst- und Gewerbsblatt, München 1854. Heft V. S. 46 ff. Da ist der Necrolog Sene- felders, von welchem wir in mehreren Punkten abweichen, namentlich in Bezug auf die von ihm gemachte Erfindung, wie dieses bereits im Artikel des Simon Schmid geschehen.

Senefelder , Alois.

stehen, und die Platte als Matrize zu gebrauchen, so wie ein weiterer Versuch, eine Columne von Buchdrucker-Lettern in eine weiche Masse einzudrucken, und diese dann wieder als Matrize zu stereotypen Tafeln anzuwenden, auf die Erfindung des später sogenannten Stereotypendruckes. Allein dieses Verfahren über- stieg seine Geldkräfte, und er sann auf einen neuen Plan. Jetzt wollte er die gewöhnliche Buchdruckerschrift verkehrt auf eine mit Ätzgrund überzogene Kupferplatte schreiben und mit Scheidewasser einätzen. Dieses gelang ihm bald zu vollkom- mener Zufriedenheit, indem er auch eine Art schwarzer Tinte er- fand, womit er die gemachten Fehler leicht verbessern konnte. Er glaubte jetzt nur mehr eine grössere Fertigkeit im Schreiben erzielen zu müssen, um seinen Zweck zu erreichen. Allein der Arme musste nach dem Abdrucke mit Schwärze in Ermangelung neuer Platten immer mehrere Stunden mit dem Abschleifen und Poliren der alten Platte hinbringen, und zuletzt nahm die Dicke derselben ab. Um mit dem Schaben und Poliren schneller zu fahren, kam er auf die Idee, Zinnplatten anzuwenden; doch auch diese Versuche fielen sehr unvollkommen aus, und somit war er seinem Ziele nicht näher gerückt.

Diesen Hergang erzählt Senefelder im Lehrbuche der Stein- druckerei bis S. 7 mit allen Einzelnheiten, und auf den folgenden Seiten spricht er sich über seine erste Anwendung des Steins zum festgesetzten Zwecke in einer Weise aus, welche glauben machen könnte, die Sache sei ihm wie von selbst und mit leichter Mühe gekommen. Er erzählt weiter, wie er nach dem Misslingen mit Zinnplatten ein eben erhandeltes schönes Stückchen sogenannter Kellheimer Platten mit seiner Wachstinte bestrichen und zu Schreibübungen gebraucht habe, was ihm Alles vollkommen ge- lungen sei, wobei er aber an den Abdruck noch nicht gedacht haben will, indem ihm der Stein der Gefahr des Zerbrechens nicht zu entgehen schien.

Alles dieses mag seinen Grund haben, um aber in der Ge- schichte dieser so wichtigen Erfindung nichts zu übergehen, was einmal, sei es auch nur als Sage bekannt war, so müssen wir hier jetzt auch eines anderen Umstandes gedenken, woron sich in München bis zur Stunde die Tradition erhalten hat. Senefelder wurde von mehreren Seiten angegangen, den Hergang der Sache bekannt zu machen, und somit schrieb er endlich in zwei auch durch Druck bekannten Briefen an Göthe und Staatsrath von Krenner nieder, was er selbst zu wiederholten Malen erzählt hatte: wie er nämlich nach so vielen getäuschten Hoffnungen und nach dem Misslingen seiner Versuche in Verzweiflung gerieben. auf dem Wege nach der Isar (in einem öffentlichen Garten) einen Stein gefunden habe, auf welchem er eine Pflanzenabbildung bemerkte, oder nach einer anderen Sage, in welchen er mit dem Messer strich, wodurch ihm auf einmal ein neuer Stern der Hoffnung auf- gegangen seyn soll, so dass er in Freude heimkehrte und schon von dem künftigen Glücke träumte. Von diesem Geschichtchen wollte Se- nefelder später nicht mehr viel wissen, und in seinem Lehrbuche der Steindruckerei überging er es ganz. *) Denn es knüpft sich

*) Engelmann (Gesammtgebiet der Lithographie. Deutsch von Pabst und Kretzschmar., Chemnitz, 1840, S. 3. weist darauf hin. Er war von dem Hergange der Sache genau unter- richtet, so wie es auch noch in München Männer gibt, die von dieser Sache nahe Kunde haben.

dar an eine frühere Behauptung, dass Senefelder durch einen Bo- taniker auf seine Erfindung gekommen sei'), worunter der ge- nannte geistliche Rath Simon Schmid zu verstehen ist, der schon viel früher botanische Abbildungen in Stein geätzt und Abdrücke davon gemacht hatte, wie wir diess B. XV. S. 365. erwähnt haben. Kurz im ersten Decennium unsers Jahrhunderts wurde dem Alois Senefelder das ausschliessliche Recht der Erfindung der Lithogra- phie nicht eingeräumt. Die Mehrzahl sprach sich für Schmid aus, weil man wohl wusste, dass dieser schon zu einer Zeit Abdrücke von Stein lieferte, als Senefelder noch auf der Schulbank sass, wie wir diess im Artikel desselben nachgewiesen haben. Senefel- der ignorirte aber dieses Factum, da er auch auf die Ehre der Erfindung der mechanischen Art des erhobenen Steindruckes An- spruch machen wollte. Allein gerade dieses gab die Veranlas- sung, dass sich zahlreiche Stimmen für Schmid erhoben, welcher seit mehreren Jahren, als Pfarrer und Decan in Miesbach, dem Schauplatze fern blieb, und seine Erfindung dem Schicksale über- lassen hatte, da er nicht Künstler war, und auf dem Wege, wel- chen er eingeschlagen, die junge Kunst nie zu der Höhe gebracht hätte, wie durch Senefelder's geniale Erfindungen geschehen ist. Senefelder stellt in seinem Lehrbuche die Versuche des Professors Schmid so hin, als habe er von der Sache nur vom Sagenhören Kunde, und behauptet (Lehrbuch S. 20) im Allgemeinen, dass weder er noch Schmid es sei, der sich sozusagen könne, der Erste gewesen zu seyn, welchem eingefallen wäre, Steine zum Abdrucken zu benutzen. Nur die Art wie, sei das Neue an der Sache.

Dass schon in viel früherer Zeit in Stein geätzt wurde, beweisen zahlreiche Kunstarbeiten *), die sich noch vorfinden, und darunter sind solche, deren platte Oberfläche zum Abdrucke ganz geeignet wäre. Es sind diess neben anderm Schrifttafeln mit Or- namenten, Wappen und Figuren, Tischplatten mit Singweisen und Noten, Figuren, Kupfer, Wappen, Arabesken u. s. w. Zwei solche Tische sieht man im k. Antiquarium zu München und im Schlosse Hohenschwangau. Sie sind aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhun- derts und geätzt. Es mögen sich auch Steine finden, die mit ver- kehrten Schriften und anderen Darstellungen unmittelbar zum Ab- drucke dienen könnten, wie wir selbst im Artikel des S. Schmid ein Steinchen im Besitze des Direktors Weiss in München er- wähnt haben, welches eine Adresse an den römischen König Fer- dinand enthält, und mit seinen verkehrt eingeschnittenen Schrift- zeichen unmittelbar zum Abdrucke gebraucht werden könnte, d. h. bei jetziger Vorrichtung, da das Steinchen sehr dünn ist. Wer kann aber daraus folgern, dass schon im 16. Jahrhunderte Stein- drücke gemacht wurden? Wer kann bestimmt nachweisen, dass in den folgenden Perioden bis auf Schmid der Stein zum Ab- drucke gebraucht wurde? Bisher ist der Beweis noch nicht geliefert. Wenn daher Senefelder sagt, dass weder er, noch Schmid sich an- massen könne, der erste gewesen zu seyn, welchem eingefallen wäre, Steine zum Abdrucke zu benutzen, so ist dadurch wohl nur so viel

gesagt, dass schon in früherer Zeit irgend Jemand auf die Idee ge- kommen seyn dürfte, dass möglicher Weise auch der Stein zum Ab- drucke gebraucht werden könne. Diese Behauptung entbehrt des

*) Morgenblatt 1807. S. 1171. **) Es gibt sogar eine gedruckte Anweisung: Kunstbuchlein, wie man archlich auf Marmelstein etc. atzen kann. Basel 18615-

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVI in

dem damals viele davon wussten, und noch gegenwärtig Steine

vorhanden sind, wie wir im Artikel desselben nachgewiesen haben, Senefelder wollte dem Professor Schmid höchstens unfruchtbare Versuche, keineswegs die Priorität eines Verfahrens einräumen, in Folge dessen ihn viele als den ersten Erfinder der eigent- lichen Lithographie erklären wollten, was freilich auf einer irrigten Ansicht der Sache beruht. In Einem Falle gibt ja selbst Senefelder dem geistlichen Rathe Schmid die Ehre der früheren Anwendung des Steins zum Abdrucke, nur will er sie, selbst bei vorliegendem Beweise, nicht geradezu anerkennen. Er sagt nämlich im Lehrbuche S. 26: »Wenn Herr Schmid seiner ersten Idee, (dass man erhabene Buchstaben auf Grabstei- nen*) mit Buchdrucker Ballen einschwärzen und ab- drucken könne), die zweite hinzufügte, dass man nämlich auch feine und daher wenig erhobene Schrit- ten und Zeichnungen durch Hülfe eines dazu zu er- denkenden Werkzeuges einschwärzen und abdru- cken könne, wenn er diess that und ausführte, früher als ich, oder wenigstens ohne vorher von meinen Ar- beiten Kenntniss zu haben, dann gebührt ihm aller- dings die Ehre, die damalige mechanische Art des er- hobenen Steindruckes entweder zuerst, oder gleich- zeitig erfunden zu haben. Dann fügt Senefelder noch bei : er wolle es ihm aufs Wort glauben, wenn er als ehr- licher Mann versichern sollte, schon vor dem Juli 1790 auf Stein gedruckt zu haben. |

Diese Äußerung hatte den würdigen Schmid tief gekränkt, und er sprach daher, wie wir aus Überzeugung wissen, in der Folge nur ungern von dieser Sache, die ihm so viel Anfechtung und Verdrüsslichkeiten verursacht hatte. Schmid konnte dem Se- nefelder auf jene Aufforderung nichts entgegnen, denn er hatte schon 1810 in einem Briefe an den damaligen Gallerie- Inspektor

Georg v. Dillis über seine Erfindung sich erklärt, und zwar im Auf-

trage des Kronprinzen Ludwig, des jetzigen kunstbegeisterten Königs").

Die Priorität in Anwendung des Steins zum Abdrucke kann dem geistlichen Rathe Schmid nicht bestritten werden, und seine Erfindung blieb auch nicht ohne Einfluss auf die folgende Verbes- serung dieses Verfahrens durch Senefelder. Dieser stand anfangs auf derselben Basis, wie Schmid, indem er Steine auf vertiefte und erhabene Art ätzte, und auf mechanischem Wege Abdrücke machte; allein Senefelders erfinderischer Geist erkannte in einer von ihm schon früher, bei Gelegenheit seiner Manipulationen auf Kupfer erfundenen Tinte (aus zwei Theilen Wachs mit einem Theile ge- wöhnlicher Seife geschmolzen, mit etwas feinem Kienruss versetzt, und in Regenwasser aufgelöst) ein unschätzbares Mittel zur Ver- vollkommnung dieser Kunst. Diese Steintinte kann als die erste Erfindung Senefelders betrachtet werden; deren Anwendung im

*) Durch solche gelangte nämlich Schmid auf die Idee, den Stein zum Abdrucke von Vorlagen für Schulen zu benutzen, wie wir im Artikel desselben gezeigt haben.

**) Dieser Brief ist im Drucke bekannt. Auch im Artikel des S. Schmid ist er abgedruckt. ;

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