Selb, Joseph

Selb, Joseph, Maler und Lithograph, wurde 1784 zu Stockach in Tirol geboren, und von seinem älteren Bruder Carl in den An- fangsgründen der Malerei unterrichtet. In seinem 15. Jahre un- ternahm er mit diesem eine Reise nach Düsseldorf , um an der Akademie sich der Historienmalerei zu widmen; allein nach zwei Jahren musste er mit dem Bruder wieder in die Heimath zurück- kehren, um ihm bei seinen Arbeiten in Kirchen hülfreiche Hand zu leisten. Nach Vollendung derselben begaben sich beide Künst- ler nach München , wo unser Meister zur weiteren Ausbildung die Akademie besuchte und glückliche Fortschritte machte, ohne jedoch zum erwünschten Resultat gelangen zu können. Nach dem 1800 erfolgten Ausbruch der Insurrektion in Tirol blieb er ohne Unter- stützung, und gelangte somit in hülflose Lage. In dieser wendete er sich an den Inspector Michael Mettenleiter, welcher ihn ermunterte, im Graviren auf Stein sich zu üben, was ihm so gut gelang, dass Selb bei der Steuerkataster-Commission in München angestellt wurde. Diese Anstalt hatte schon früh die neu

Die schonene Kunst der Lithographie für sich in Anspruch genom- men, und Selbst ist einer derjenigen Künstler , der um die Vervoll- kommnung derselben nicht geringe Verdienste sich erwarb. Die lithographische Anstalt der k. Steuerkataster-Commission, über welche auch der Erfinder dieser Kunst wachte, erlangte aus- gebreiteten Ruf, wozu Selbst nicht wenig beitrug. Seine Kenntnisse im Drucke wurden selbst vom Auslande her anerkannt. So schickte ihm noch 1824 Hr. Delpech in Paris mehrere Steine mit Dar- stellungen aus der französischen Geschichte von H. Vernet zum Drucke, da die in Paris gezogenen Exemplare nicht genügten. Selbst hatte 1816 die lithographische Anstalt des Kunsthändlers Zeltzer übernommen, und vier Jahre später vereinigte er sich mit dem Gallerie-Direktor C. v. Mannlich zur Fortsetzung der von Strixner und Piloty begonnenen Herausgabe des k. Galleriewerkes. Gleiche Thätigkeit weihte er auch dem Unternehmen der Cotta'schen artistischen Anstalt, welche die weitere Fortsetzung des ge- nannten Werkes übernahm, so wie die Herausgabe des herzog- lich leuchtenberg'schen Galleriewerkes. Im Jahre 1832 starb der Künstler.

Wir haben von Selbst mehrere lithographirte Blätter, von denen die früheren jetzt zu den Incunabeln der Lithographie gehören. Auch die späteren halten den Vergleich mit den neuesten Produk- ten dieser Kunst nicht aus. Es sind diess Bildnisse und historische Darstellungen, die theilweise mit einem Monogramme versehen sind.

  1. Ludwig Kronprinz von Bayern (jetzt regierender König), nach J. Stieler 1817, gr. fol.

  2. Therese Kronprinzessin von Bayern (Königin), das Gegen- stück, gr. fol.

  3. Philippine Sophie, Erzherzogin von Oesterreich, nach Stie- ler, gr. fol.

  4. Maria Amalia, Prinzessin und Herzogin von Sachsen, nach demselben, gr. fol.

  5. Eugen, Prinz von Leuchtenberg, stehend in ganzer Figur, nach Stieler, gr. fol.

  6. Rafael Santi von Urbino, nach dem berühmten Bilde in der Pinakothek zu München und nach Flacheneker's Zeich- nung, gr. fol.

  7. Zwei halbe Figuren von alten Männern, nach A. Brouwer, 1817, fol.

  8. Eine Ansicht von München, 1820, fol.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_LMQ-AAAAcAAJ