Seitz, Johann Baptist, Kupferstecher, wurde 1786 zu München geboren, und mit einem vielseitigen Talent begabt fühlte er sich schon in früher Jugend zu artistischen Arbeiten berufen. Sein Großvater, der Hofkupferstecher Max Emanuel, ertheilte ihm den ersten Unterricht im Zeichnen und Stechen, worin sich Seitz in kurzer Zeit mit solcher Leichtigkeit bewegte, dass er schon als Knabe von zwölf Jahren verschiedene Heiligenbilder stach. Auf Zureden des Professors R. Boos besuchte er jetzt auch die Akade- mie, um sich im Modelliren zu üben; allein die Kriegsjahre gaben für die Kunst wenig Hoffnung, und somit musste Seitz die Uhr- macherei erlernen, da er zu mechanischen Kunstarbeiten ebenfalls grosse Lust äußerte. Die Tüchtigkeit in diesem Fache bewies er nach einiger Zeit auch im Institute des berühmten Reichenbach, wo ihm die complicirtesten Arbeiten anvertraut wurden. Neben- bei übte er sich aber immer auch im Graviren und Stechen, stu- dirte Geometrie und Architektur , und in seinem Fache vollkommen gebildet fand er endlich durch A. v. Riedel im k. topographischen Bureau zu München eine geeignete Anstellung, anfangs als Dessi- nateur und dann als Kupferstecher im topographischen Fache, in welchem er ausgezeichnete Arbeiten lieferte. Seitz war in Bayern auch der erste, welcher Normalschriften für die Schulen im Stiche darstellte. Seine Musterschriften sind in ganz Deutschland be- kannt, besonders seine calligraphischen Uebersichtsblätter aller Alphabete der üblichsten europäischen Sprachen, seine Geschäfts- tafeln u. s. w., die sich durch Schönheit der Charaktere und Reinheit des Stiches, die Tafeln auch durch die geschmackvollen Ornamente auszeichnen.
Im Fache der Mechanik leistete Seitz auch in seinen letzteren Jahren noch Ausgezeichnetes. Er fertigte einige 7 — 8 Zoll hohe mechanische Figuren und ein Pferd, welche tauschend die natür- lichen Bewegungen nachahmen.
Ein Werk anderer Art, in welchem Seitz zugleich seine Kennt- nisse in der Vermessungskunst und in der Architektur beurkun- dete, ist seine topoplastische Darstellung der Stadt München, welche er im 700 theiligen Maasstabe auf einem Raume von ohnge- fähr 22 F. ins Gevierte im Auftrage des Königs Ludwig I. aus- führte. Dieses bewunderungswürdige Hochrelief gewährt einen Überblick über die ganze Stadt mit ihren Plätzen, Strassen, Kir- chen, Palästen, Instituten, Monumenten, Häusern, Thoren, Gärten, u. s. w., und stellt alle diese Bauten in genauen kleinen Modellen von Birnbaumholz dar. Nichts ist geeigneter, die prachtvollen architektonischen Kunstschöpfungen des Königs Ludwig in ihrer
/ rama bildet. Die Vollendung des Werkes wird erst 1847 erfolgen, nach sechsjähriger ununterbrochener Thätigkeit. _
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