Seinsheim, August Carl

Seinsheim, August Carl, Graf von, Königlich bayerischer Cämmerer und Reichsrath , nimmt auch unter den Künstlern eine

Im Jahre 1730 zu München geboren fand er an dem berühm- ten Georg von Dollis einen Erzieher und Jugendfreund, der seine angeborene Neigung zur Zeichenkunst nur noch mehr weckte und unterstützte. Der edle Graf widmete sich aber auch mit Eifer den vorbereitenden Studien, absolvirte 1811 an der Universität in Landshut die Jurisprudenz, und erfüllte im folgenden Jahre durch die Concurprüfung alle Bedingnisse zum Staatsdienste, welchen er aber von nun an mit der Malerei vertauschte. Er besuchte in den Jahren 1813—16 die Akademie der Künste in München , wo er sich unter Leitung des P. v. Langer in der Ölmalerei ausbil- dete, und die Kunstausstellung von 1814 wies schon einige gelun- gene Proben seines Fortschrittes auf. Im Frühjahre des J. 1816 reiste er mit seinem älteren Bruder, dem Minister Grafen Carl von Seinsheim, nach Italien , wo jetzt Roms Kunstschätze der Ge- genstand eines längeren Studiums waren, und der Aufenthalt der ausgezeichnetsten deutschen Künstler, mit denen er in freundschaft- liche Berührung kam, nicht minder Einfluss auf seine Kunstrich- tung hatte. In Rom fertigte Graf Seinsheim einen großen Carton zu einem Altarbild, welches Maria mit dem Jesuskinde in einer Glorie von Engeln und von den 14 Nothhelpfen umgeben vorstellt. Diese schöne Composition führte der Graf in Oel aus und seit sieht man sie auf dem Altare der Kirche in Grünbach, dem Gute des Grafen Carl von Seinsheim. Auch in der Frescomalerei versuchte sich unser Künstler in Rom, da in jene Zeit die Wie- dererweckung dieser Kunst in der Villa Massimi fällt. Auf der Rückreise besuchte der Graf auch Florenz, Bologna, Ferrara, Ve- nedig u. s. w., und der Besuch jeder Stadt war seiner Kunst förderlich.

Nach München zurückgekehrt malte er die Skizze zu dem genannten Altarbilde der Kirche in Grünbach, welche auf der Aus- stellung 1820 zu sehen war, neben vier anderen Bildern, wovon eines die hl. Jungfrau als Kind von Engeln umgeben, ein anderes die hl. Jungfrau mit dem Jesuskinde vorstellt. Dann arbeitete er auch an den allegorischen Transparentgemälden, welche 1824 bei der Jubelfeier des höchstseligen Königs Maximilian aufgestellt waren und in einem Prachtwerke in lithographirten Umrissen er- schienen. In demselben Jahre ernannte ihn die Akademie der Künste in München zum Ehrenmitglied. Hierauf vollendete er das Altarbild in der Pfarrkirche zu Vohburg an der Donau, wo- von die Skizze auf der Ausstellung von 1823 zu sehen war. Da- mals brachte er auch ein Paar Genrebilder vor das Publikum: eine Frau mit dem Kinde auf dem Arme in einer Landschaft, und das Bildniss eines Bauern Mädchens aus der Gegend von Starnberg. Ein späteres Gemälde stellt die Flucht nach Aegypten dar. Ne- benbei malte der Graf auch mehrere Bildnisse von Verwand- ten und Freunden. Darunter ist auch jenes des ehrwürdigen

Bischofs Joh. Michael Sailer, welches Hanfstängel lithographirt hat. Zu Kiefersfelden, in der Kapelle, wo König Otto von Grie- chenland von seinem Vaterlande Abschied nahm, ist vom Grafen Seinsheim ein schönes Altarbild, welches den hl. Otto mit St. Lud- wig und St. Theresia vorstellt, in sinniger Beziehung auf den jungen König und die königlichen Eltern, und Bildnisse der dar- gestellten hohen Personen. Graf von Seinsheim ist fortwährend

Ausser dem oben genannten von Hanfstängellithographirten Bildnisse des Bischofs Sailer haben wir von C. Theodori zwei radirte Blätter nach Zeichnungen des Grafen von Seinsheim. Sie stellen zwei Bauernmädchen in halber Figur vor, mit K. C. Bam- berg 1825. 26. bezeichnet,

Graf von Seinsheim hat selbst mehrere schöne Blätter radirt.

  1. Brustbild eines Mannes. A. S. 1800. H. 3 Z., Br. 2 Z. 8 L.
  2. Derselbe von vorn. 1813. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 6 L.
  3. Ein kniefallendes Kind. A. S. 1812. H. 4 Z. 4 L., Br. 3
  4. Eine betende Bäuerin mit zwei Kindern bei einer Märter- säule am Wege stehend. Links unten A. S. 1825. H. 6 Z. 30 L., Br. 5 Z. 4 L.
  5. Eine alte Frau im Lehnstuhl sitzend und lesend. A. S.
  1. H. 4 Z. 2 L., Br. 3 Z.
  1. Eine Madonna sitzend mit dem Kinde, dem sie eine Birne reicht. Mit dem Namen. H. 5 Z., Br. 4 Z. 1 L.
  2. Die Schafschur. Seinsheim 1815. H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 9 L.

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