Seine Freunde, und an deren Spitze sein kunstliebender Vater, erkannten dieses Verlangen in ihm, und wiesen ihn 1853 an Veit, welcher damals als Direktor des Städel'schen Instituts von Rom nach Frankfurt gekommen war. Veit hatte bekanntlich mit Cor- nelius, Overbeck und Schadow schon in und gleich nach der ei- sernen Zeit des französischen Despotismus diese Kunstrichtung in Italien neu belebt; Schadow, Veit und Overbeck waren nach- derselben bis zur Quelle aller wahren Kunst fortgegangen, hat- ten Gemüth und Herz ihr geweiht, waren, um die Kunst und die religiöse Schöpfung zu einer Wahrheit zu machen, in den Schooss der katholischen Kirche zurückgekehrt, und haben darin, von der Idee ausgehend, den Weg für die heilige Kunst gebahnt.
Diese Quelle der neu erwachten Kunst, die durch Cornelius so glänzend in München vertreten war, fand unser Sette-
"In Italien blieb Settegast vier und ein halbes Jahr, vom Herbst 1853 bis zum Frühjahr 1854, und ergab sich in Genuss und Freude den Studien der alten italienischen Bilder, dann aber auch der Natur. Bis dahin sieht man seinen Bildern den Schüler von Veit an, von jetzt an tritt er selbstständig auf, was sich besonders an einer Empfängniss Mariä, die er in Rom für die Kirche in Coblenz malte, noch mehr aber an einem Frescobilde in der Franziskaner- kirche zu Düsseldorf (Max-Pfarre), welches er noch in Rom ent-
warf, zeigt. Als jenes Bild der Maria in Coblenz ankam und aus-
gestellt wurde, schrieb ein Kunstfreund in der Rhein- und Mosel- zeitung eine kleine Würdigung desselben, aus der wir zur Bezeich- nung des Standpunktes unsers Malers folgendes hervorheben,
"Um die Empfängniss Mariä im Bilde darzustellen, erhebt
sich der Maler mit dem Adlerfluge des heiligen Johannes (12. Ka-
pitel der Offenbarung) über die Erde und den Mond, und lässt
sein Bild in den Himmelsräumen aus den Wolken, wie aus Got-
tes Hand in hellichtem Glanze himmlischer Milde, Engels-Reinheit und Sanftheit hervortreten. Sie ist wahrhaft die Morgenröthe der gütlichen Gnade, die auserwählte Braut des heiligen Geistes, die reinste Lilie, die unbefleckte Jungfrau! Die Engel, die Him- melsboten, krönen und umgeben sie als solche, Alles Licht strahlt
von ihr aus, der Mond unter ihr, der Trabant der Erde, empfängt
schon davon, die Erde liegt noch darunter in tiefem Dunkel und
erhält des göttlichen, erlösenden Schimmers nur einen Theil vom Mond, Das ist die unbefleckt empfangene Maria, es ist, die stille,
mild ergebene Magd des Herrn, die Mittlerin unsers Heils. Die
ganze Milde und Ergebenheit, welche bei der Verklärung antwor- tete: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach dei- nem Willen,« ist in dem wunderschön gesenkten Blicke und der Haltung der Hände schon angedeutet. Das ist das Bild für einen gläubigen Katholiken. Es ist aber auch ein schönes, sehr schönes Bild für alle, welche eine andere Richtung des Geistes von diesem innigen Glauben entfernt hat. Die weibliche Milde und Sanftheit
in dem Gesichte und dem Blicke der Maria, die schönen Hände
und deren Haltung, das reine und zugleich bescheidene Kleid, der herrliche Faltenwurf, die in Erhabenheit und Ehrfurcht schöne
Haltung der Engel, die, grossartige Stellung über Erde und Mond,
sowie die genaue Zeichnung in allen Theilen, wer sollte sie nicht mit Freuden sehen und anerkennen? Derjenige aber, welcher ganz
mit Kopf und Herz in Sinn und Bedeutung des Bildes eingehen
kann und die Bedeutung der heiligen Maria im Werke der Erlö- sung gläubig erwogen hat, wird mit des Malers sinnigem Gefühle ganz sympathisiren und mit aussagen können, dass das Bild in
seiner Art vollendet ist, und Coblenz aus neuerer Schule noch
Dichtes Gleiches gesehen hat.«
Diese so treffende Beurtheilung des Bildes hebt die Eigen-
thümlichkeit des Malers zwar deutlich hervor und bezeichnet auch
den hohen Standpunkt, denn er einnimmt, aber die Kreuzigung in der Franciskaner-Kirche zu Düsseldorf zeigt noch mehr seine volle Herrschaft über Stoff und Form, und reiht ihn den grossen
Meistern der neuen religiösen Schule, Overbeck, Veit und Steinle
würdig an. Die schwierige Aufgabe, die Kreuzigung auf eine Wand hinter dem Altare in kolossalem Massstabe zu malen, hat er eben so grossartig und ergreifend, als künstlerisch vollendet, gelöst. In fünf Hauptgruppen ist der Gegenstand gefasst und dar-
stellt, Die drei Kreuze in gewöhnlicher Darstellungsweise stehen oben, rechts davon eine Gruppe Frauen, links Schriftgelehrte und Soldaten, unten im Vordergrunde einige Schergen, welche um den heiligen Ruk, der daneben liegt, die Würfel werfen, und links dabei ein Jünger und Soldat mit dem Schwamm auf einer Stange. Alles ist Bewegung in diesem Bilde und spricht Theil- nahme an der grossen Handlung aus; durch jede Figur wird der Blick hinauf zum Herrn geführt. Wie die Hinneigung des einen und die Abneigung des andern Schächers, so weisen alle Figuren und Werkzeuge hinauf auf die grosse Handlung des Erlösungs- werkes. In der Gruppe zur Linken des Herrn ist der Hauptmann, wie er mit der Hand hinaufzeigend in die Worte ausbrach, »wahr- haftig dieser Mensch ist Gottes Sohn.« In der Gruppe der Frauen, die besonders zart gehalten ist, zeichnen sich die heilige Mutter und die beiden Marien aus. Der tiefste Schmerz, die gläubigste Ergebung, die reinste Weiblichkeit treten hier in voller Schönheit der Formen, der Gewandung und der Farben dem Blicke entgegen, rühren, erheben und fesseln Auge und Herz an die Hand- lung. In dem ganzen Bilde aber herrscht eine kühne und großartige Auffassung. Natur, Innigkeit, Feuer, Phantasie und originelle Kraft, durchdringen alle Formen und beherrschen das Einzelne, wie es sich zum Ganzen gestalten muss. Der demüthige, innig fromme Sinn des Malers, die ganze Pietät und Macht des Glau- bens und der Überzeugung durchdringen Alles. Sein Pinsel ist im Fresco kühn und doch zart, sein Colorit, besonders auf der Leinwand, erinnert an Perugino, Rubens und Quentin Massis, Seine ganze Darstellungsweise ist Wahrheit, und zeigt, dass er die Ideale seiner Kunst mit ganzer Seele und Hingebung erfasst, dass seine Kunst die Ehre Gottes und keinen andern Preis zum Motiv und Zielpunkt hat. Dem Vernehmen nach erhielt Settegast den ehrenvollen Auf- trag, in der Künstlerstadt Düsseldorf auch noch zwei andere Sei- tenwände jener Franziskanerkirche in Fresco zu malen. Den letzten Winter 1845 — 1846 hat er mit Studien vieler grösserer Bilder in Frankfurt zugebracht, wo er sich schon 1844 mit Doro- thea Veit, der ältesten Tochter des Malers vermählte. Und somit trat Settegast dem Künstlerverein bei, der sich daselbst um den Meister Veit versammelt hat. Nusser stach nach ihm das Bild der heil. Dorothea, für den dritten Jahrgang des Düsseldorfer Vereins zur Verbreitung religiö- ser Bilder. In dem Werke über die Kaiserbilder im Römer zu Frankfurt a. M. ist das daselbst von ihm gemalte Bildniss des Kai- sers Otto III. gestochen. 319 320 Setti, Cecchino, Maler von Modena, blühte um 1405. Er gehört zu den besten Künstlern seiner Zeit. Lanzi sagt, man kenne von ihm nur einige Altarfliesen in gutem Geschmacke, Vedriani lässt diesen Künstler um 1550 arbeiten, und beruft sich dabei auf die Chronik von Modena von Lanziotto. Dann schreibt er ihm, wie Gandellini, Kupferstiche zu, die in Schilden für Thesen und in allerlei launigen Einfällen bestehen sollen. Diese Angaben schei- nen indessen nicht alle begründet zu seyn, und namentlich dürf- ten die Stiche dem folgenden Künstler angehören. Setti, Ercole de', Maler und Kupferstecher von Modena, ein Nachkömmling des obigen Meisters, blühte um 1560 — 1580. In den Kirchen zu Modena sieht man Altarblätter von ihm, selten
Geendet man in Sammlungen Bilder von seiner Hand, so offenbart sich in seinen Werken ein geistreicher Künstler, der mehr zum Grossartigen als zum Anmuthigen sich neigt. In Stellung und Bewegung, so wie im Nackten sprechen seine Figuren ein sorg- fältiges Studium aus. In der Färbung ist er kräftig nach Floren- tiner Weise, Lorenzo Penni stach nach ihm eine Gruppe von vier Kindern, wovon das eine ein Buch hält, mit der Inschrift: Hercules Setti pinxit. Links ist ein Genius auf den Knien. Setti soll seine Werke gewöhnlich mit »Hercules Septimius« bezeichnet haben.
Dann finden sich von ihm auch radirte Blätter, die mit Her- cules Septimius oder mit HS. bezeichnet sind.
- Diana auf der Kugel. G. R. I. (G. Reni Inventor.)
H
- Verschlingene Thermen mit Architektur.
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