Schwind, Mathias

Schwind, Mathias, ein Künstler aus Bergzabern, stand um 1575 —80 zu Berlin in Thurneisser's Dienst, der sich desselben in seiner grossen Druckerei bediente. Welche Kunst er geübt habe, ist nicht gesagt, er heisst in Möhsens Beitrag zur Gesch. der Wis- senschaften S. 108 nur kurzweg ein kunstreicher Geselle,

*) Was L. Schaller zur Ausschmückung des Museums beige- tragen, s. dessen Artikel XV. S. 159.

grafen Christoph den Reichen von Baden conterfeit. In drei

Nietten über dem Dombilde malte er die Architektur von Staat und Kirche beschützt, die Mathematik mit dem Plane des Gebäu- des und der von dem Architekten (Ober-Baurath Hübsch) erfunde- nen Kette zur Gewölbekonstruktion; dann Psyche als Phantasie, den Adler mit Blumen bekränzend und spielend den Blitz des Donne- rers fassend. In zwei anderen Lunetten daneben malte der Künst- ler den Frieden als weibliche Gestalt, welche den Oelbaum pflanzt und einem Kinde (der Industrie) aus der Wiege hilft; ferners den Reichthum, welchem Erde und Meer ihre Schätze darbringen. An der Decke des Stiegenhauses sieht man eine Anzahl geflügelter Knaben mit Kränzen, nach Schwind's Zeichnungen von geich und Geck al Fresco gemalt,

Ausserdem besitzt Karlsruhe von Schwind's Hand auch im Sitzungs- saale der ersten Kammer ein Bild auf Goldgrund in encaustischer Weise ausgeführt. Neben dem von zwei Knaben getragenen Medaillons des Grossherzogs erscheinen die allegorischen Gestalten der vier Stände: des Adels, der Gelehrten, der Bürger und der Bauern. In acht runden Feldern sieht man die allegorischen Fi-

nuren der Weisheit, Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke, Tugend, Reue, des Friedens und des Reichthums.

An diese rothen Werke in Karlsruhe reihen sich dann noch einige Gemälde in Oel, sowie Cartons und Zeichnungen, die theils zur Ausführung in Oel bestimmt sind, theils anderweitige Verwendung erbhielten. Unter den letzteren Arbeiten nennen wir einen Carton, welcher ursprünglich für ein Frescogemälde in der Trinkhalle zu Baden-Baden bestimmt war. Er stellt den Rhein dar mit seinen Nebenflüssen und seinen Städten, mit grosser An- mutb und Leichtigkeit gruppirte Gestalten. Das Ganze ist in einem schönen, ernsten Style gezeichnet und trägt das Gepräge einer freien heiteren Phantasie. Der Rhein ist (als Mittelrhein) im besten Mannesalter, und sein Rauschen als der melodische Klang einer Violine gedacht, auf welcher er den Städten und Ge- staden die Weisen zu ihren Sagen spielt. Sinnreich hat der Künst- ler die Beziehungen herausgefunden, welche die Flüsse und Städte kennzeichnen. Die Flüsse bringen fast aus allen deutschen Gauen dem Vater Rhein Begrüssungen. Diesen Carton hat Schwind nicht ausgeführt,

Eines seiner letzteren Werke ist ein hohes Oelgemälde, welches eine Sage des Ritters Cuno von Falkenstein vorstellt. Dieser freite um die Tochter eines Ritters, dessen Schloss auf einem hohen Felsen stand, welcher ihm aber nur in dem Falle die Hand der Tochter zusagte, wenn er in einer Nacht eine Brücke zum Schlosse bauen würde. Bestürzt über diesen Bescheid traf er den Gnumen-

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