Schwarz, Christoph

Schwarz, Christoph, Maler, ein zu seiner Zeit und auch noch später hoch gepriesener Künstler , der sich den Namen des deut- schen Rafael erwarb, ohne etwas von der Innigkeit und Tiefe des grossen Urbinaten zu besitzen. Seine früheren Lebensverhältnis- se sind unbekannt, und auch über seinen Geburtsort und sein Ge- burtsjahr ist man nicht ganz einig. Wahrscheinlich ist er zu In- golstadt oder in der Gegend geboren, aber nicht 1550, wie man nach Lipowsky im Verzeichnisse der k. Pinakothek zu München und anderwärts angegeben findet. Noch weniger ist Schwarz ein Nie- derländer, wie C. van Mander zu meinen scheint, der seinen Chri- stoffel Swarts, Hofmaler in München, mit Jan Swart van Gronin- gen (Joh. Schwarz von Groningen) zusammenbringt. Dass nach

er gewöhnlichen Annahme Schwarz nicht 1550 geboren seyn kann, geht aus den, früheren Schriftstellern unbekannten Papieren der Münchner Malerzunft hervor, wo wir unter dem Jahre 1560 lesen, dass damals Meister Melcher (Melchior Pocksperger) den Chrı-

Schwarz, Christoph. 449

stoph gedingt habe, wobei dieser 60 Denare in die Lade ab. Schwarz müsste demnach 10 Jahre alt gewesen seyn, was kaum anzunehmen ist. Später begab sich der Künstler nach Ita- lien, wo er nach Lanzi's Behauptung in Venedig mit Emanuel Te- desco einer derjenigen Schüler Titian's gewesen seyn soll, die den Geschmack der venetianischen Schule nach Deutschland verpflanz- ten. Lanzi folgte bei dieser Angabe, wie es scheint, dem Ridolfi, welcher in den Maraviglie dell' arte etc. Venezia 1648. I. 204 sagt, Schwarz sei einer jener Nordländer, die in Venedig die weniger gute Manier mit den Vorzügen dieser Schule vertauscht haben. Al- lein es kann dies Christoph Schwarz nicht seyn, sondern Jan Swart (Joh. Schwarz) von Gröningen, der ein Zeitgenosse des Joh., Schoorel und des Emanuelo Todesco (Nic. Manuel Deutsch) war, aber nicht Christoforo Swarts, wie die Italiener unsern Meister nennen. Dass Schwarz nicht Titian's Schüler seyn konnte, bewei- set auch der Umstand, dass er erst kurz vor dem Tode Titian's seine Lehrzeit in München beendet haben konnte. Dann war ja eher Tintoretto sein Vorbild, welchen er nachzuahmen strebte, wo- bei er allerdings von der venetianischen Manier viel nach Deutsch- land brachte. Er erregte durch seinen Reichtum der Composition, durch seine frische Färbung und durch Leichtigkeit der Behand- lung Aufsehen, welche den Werken der früheren deutschen Schule gegenüber durch Neuheit gefiel. Er konnte daher nach seiner Zurückkehr in Deutschland bald Ruf erwerben, da sich auch gute Kupferstecher zur Vervielfältigung seiner Werke fanden. Der Hof in München nahm ihn bereitwillig auf, da Herzog Wil- helm V. zur Ausschmückung der von ihm erbauten Kirche der Je- suiten guter Künstler bedurfte, und der bayerische Hofmaler Schwarz war noch ein Jüngling, als man ihn den deutschen Rafael nannte. Wann er nach Italien gegangen, ist nicht bekannt, dass er 1570 in München bereits der Malerzunft einverleibt war, wissen wir aber aus einem Zunftzettel, der wahrscheinlich zum ersten Male seinen Namen enthält. Die Zunft fühlte sich in der Folge durch ihn sehr geehrt. Im Zunftbuche stand eigends bemerkt: »Christoph Schwarz ist Vatteran über alle Maler zu Deitzlandt.« Und Schwartz schrieb dazu: »Zu meiner Gedächtnuss hab ich mich Christoph Schwarz zugeschrieben.«

Ch. Schwarz hinterliess viele Werke, obgleich er nur ein Alter von Jahren erreichte, wie man gewöhnlich annimmt, was aber irrig ist, da sich Zeichnungen von 1507 finden sollen. Schwarz starb aber in diesem Jahre, denn Lipowsky fand in einem Manu- scripte des Freiherrn von Aretin, dass 1507 der Wittwe des Meit- sters, der Catharina Schwarz*), 200 Gulden für vier gemalte Stü- cke, und 100 Gulden für einen heil. Andreas ausbezahlt worden seyen. Diese Summen sind wahrscheinlich für Werke Ch. Schwar- zens ausgegeben worden, da sie für damalige Zeit sehr hoch sind. Selbst die Zeichnungen, die gewöhnlich auf weißliches Na- turpapier mit der Feder entworfen, dann ausgetuscht und aqua- rellirt sind, wurden dem Meister gut bezahlt, wie dies mit jenen

*) Diese Frau ist vielleicht die oben genannte Malerin Catha- rina Schwarz, so dass ihr die Summen für eigenhändig ge- malte Bilder ausbezahlt worden seyn könnten, wenn nicht die Preise für damalige Zeit zu hoch schienen. Der St. Andreas könnte die Kreuzigung dieses Heiligen in der Jesuitenkirche seyn.

Schwartz bildete auch Schüler. Als solchen nennt d'Argensville den Georg Besam, und Sandrart sagt, dass die Brüder Lambert, Friedrich und Joseph Suster bei Schwarz gelernt haben. Diese Angabe scheint nicht ganz richtig zu seyn, wenigstens nicht von Friedrich Suster (Sustris), welcher Maler und Hofbaumeister des Herzogs Wilhelm V. war. Ein jüngerer Künstler dieses Namens konnte noch weniger Schwarzens Schüler gewesen seyn. Wir fan- den in den Zunftpapieren nur eines einzigen Schülers von Schwarz erwähnt. Dieser nahm 1585 den Andre Khrumer, einen Stief- sohn des Meisters Hans Ostendorfer, in die Lehre. Bei dieser Ge- Jegenheit war Friedrich Sustris Zeuge. Im Jahre 15890 wurde Khru- mer von dem Handwerke losgezählt.

Gemälde dieses Meisters findet man noch in ziemlicher An- zahl. Ehedem sah man mehrere im Kloster und in der Kirche der Jesuiten zu München, und in letzterer sind noch immer einige der Hauptwerke des Meisters. Von ihm ist der Engelsturz am Hochaltare, welcher aber hier (für den grossen Raum zu klein erscheint. Allein Schwarz malte das Bild nicht für den Altar des jetzt bestehenden Chores, sondern für den früheren, an wel- chem das Gemälde fast um 20 Fuss niedriger stand als jetzt. Nach dem Einsturze des Thurmes *) wurde ein neuer Chor gebaut, und nun wurde Schwarzens Engelsturz dahin versetzt und über den Tabernakel erhoben. Der Künstler protestirte vergebens gegen die Versetzung des Bildes in den neuen Chor, indem er behauptete, er habe die Figur des Erzengels nicht nach Proportion für jenen Raum genommen. Die Anecdote in Lipowsky's künstlerischenko- nach welcher Schwarz den Herzog Wilhelm, der die Kirche in Bild vollendet sehen wollte, dadurch getäuscht hat, daß er einige Stunden ausgestopfte Füsse über das Gerüste herabhing, und nur nach Laune arbeitete, ist nicht bewiesen. Ein Künstler, der im schönsten Mannesalter starb, und so viele Werke hinter- lassen hatte, als Schwarz, muss ziemlich fleissig gewesen seyn. Ueberdies klagt ihn Lipowsky auch einer schlechten Oekonomie an, anscheinlich ohne hinreichenden Grund. In der ehemaligen Jesuitenkirche ist auch die Kreuzigung des hl. Andreas von Schwarz, wobei ihn aber der Tod überraschte, da Candido das Bild vol- endetete. Für die Hauskapelle der Herzogin Renata zeichnete und malte er die Leidensstationen, oder die 7 Fälle Christi. Die Ori- ginalzeichnungen sind in der Eremitage zu Nymphenburg. Die

Gemälde, welche Schwarz darnach ausführte, scheinen verschwun- den zu seyn. Frenzel bemerkt im Cataloge der Sammlung des Gra- fen Sternberg-Manderscheid II. S. 171, dass in Prag Gemälde dar- nach seyen. In der Aula der Jesuitenschule war eine von Schwarz gemalte Madonna, von welcher Guarinonius im Gräuel der Ver- wüstung, Ingolstadt 1610 S. 251 sagt, sie sei, »nicht nachzu- machen, wie sich viele ansehnliche Maler darum angenommen.« Dies ist wahrscheinlich das Bild der heil. Jungfrau mit dem Kinde in einer himmlischen Glorie in der k. Pinakothek zu München. 6 F. 1 Z. 3 L. hoch. Da sieht man auch ein etwas kleineres Bild der heil. Catharina, den vor einem Crucifixe knien- den heil. Hieronymus, fast lebensgross, ein kleines Bild der Kreuz- schleppung, und das Bildniss eines, schwarz gekleideten Mannes

—_m—

*) Siehe darüber Wolfgang Müller.

Schwarz, Christoph. ‚im Sessel, wie ihm das von der Mutter geführte Kind Kirschen darbietet. Auch in der Gallerie, zu Schleissheim sind nach Gemälde von ihm, so wie in den Kirchen Bayerns. Im k. Schlosse zu Nym- phenburg war 1758 ein Bild des die Madonna malenden St. Lucas, unter welchem sich Schwarz dargestellt hat. In der Klosterkirche daselbst sind die Leidensstationen aus der alten Franziskanerkirche zu München. In der Heilosterkirche zu Fürstenfeld-Bruck ist ein sehr schönes Altarbild mit St. Sebastian, vielleicht das Gemälde aus der ehemaligen St. Sebastianskirche in München. In der Me- tropolitankirche zu München ist ein Ecce Homo links am Altare unter dem Bogen von ihm, in der alten Residenzkapelle das Chor- altarblatt mit der Himmelfahrt Mariä, im Dome zu Augsburg eine Kreuzigung, in der ehemaligen Jesuitenkirche daselbst eine Maria von Engeln umgeben, und in der Fugger'schen Capelle Christus am Kreuze. In der Kirche des heil. Martin zu Landshut ist eines der vorzüglichsten Altargemälde des Meisters, welches die Kreuz- zigung Christi vorstellt. Für St. Zeno zu Ingolstadt malte er im Auftrage des Herzogs Wilhelm den Tod der Maria und ihre Him- melfahrt. In der Pfarrkirche zu Eichstädt ist ein jüngstes Gericht von Schwarz, und in der oberen Pfarrkirche zu Ingolstadt sieht man die Passion, die Propheten und einige andere Bilder von ihm. Die Frescobilder, welche er an Fagaden von Häusern in München ausführte, sind alle zu Grunde gegangen. Darunter rühmt Sand- rart besonders den Sabinerraub, der an einem Hause an der Kau- fingergasse gemalt war. Nach der Ansicht Sandrart's hat man we- der in Italien noch in Deutschland etwas Schöneres gesehen als dieses Bild. In auswärtigen Gallerien ist wenig von Schwarz zu finden. Im Belvedere zu Wien ist ein kleines Bild der Geißlung Christi. In der Gallerie zu Pommersfelden ist das höchst lebens- volle Bildniss eines im Sessel sitzenden Männes mit einem Knaben vor ihm. Ueberdiess werden ihm in Privatsammlungen Werke zu- geschrieben, an welchen er theilweise keinen Antheil hat.

In der Tribune der florentinischen Gallerie ist das Portrait des Meisters, welches G. Rossi gestochen hat. G. C. Kilian stach ebenfalls das Bildniss dieses Meisters nach einem eigenhändigen Portraite. B. Weiss hat es radirt. In Sandrart's deutscher Akade- mie J. Tab. 9, g. und bei d'Argensville, Abrége III. 15 sind eben- falls Bildnisse dieses Meisters. J. Kirchmayer fertigte die Büste Schwarzens für die bayerische Ruhmeshalle.

Stiche nach Gemälden und Zeichnungen dieses Meisters.

Herzog Wilhelm V., gest. von J. A. Zimmermann für die Se- ries imaginum ducum boiorum.

Die Geburt Christi oder Anbetung der Hirten, gest. von E. Sadeler, mit Dedication an Comiti Marco de Veritate. Das Ge- mälde befand sich um 1810 im Besitze des Spiegelfabrikanten Kircher.

Die Ruhe der heil. Familie auf der Flucht nach Aegypten, wie Maria unter dem Baume das Kind säugt. Dieses Blatt stach Joh. Sadeler mit Dedication an J. H. M. (Dr. Munzinger).

Jesus wäscht den Jüngern die Füsse, schöne Composition, von W. Kilian gestochen.

Die Geheimnisse des Leidens Christi, auch die sieben Fälle Christi genannt, 8 Blätter mit Titel: Praecipua Passionis D. N.

Die Kreuzschleppung, mit Simon von Cyrene, reiche Compo- sition, 1611 von Joh. Weiner sehr schön radirt. Ein Goldarbeiter in München hat diese Darstellung in Kupfer getrieben, und die Platte vergoldet, welche 18053 in einer Auktion zu Regensburg vor- kam. Die Zeichnung war in letzterer Zeit in der Sammlung des Direktors Spengler zu Copenhagen.

Die Kreuzschleppung, Christus unter der Last des Kreuzes zu Boden gesunken. mit sechs lateinischen Versen: Huc oculos, si qua est pietas etc, etc. Matham excud. „

Christus am Kreuze zwischen Missethätern, reiche Composi- tionen, im Vorgrunde rechts die ohnmächtige Maria, 1500 von Sadeler gestochen, und eines der Hauptblätter, R. Guidi hat eben- falls eine Kreuzigung gestochen.

Christus am Kreuze erhöht, reiche Compositionen, 1587 von E. Sadeler gestochen. Unten sind sechs lateinische Verser Ille Deus rerum coeli etc. „

Christus am Kreuze mit Maria und Johannes, gest. von J. Sadeler.

Christus am Kreuze sterbend zwischen Engeln, mit den Sym- bolen des alten und neuen Bundes, gest. von J. Gennet. Seltenes

Christus am Kreuze, unten Maria, Johannes und Magdalena, gest. von J. Gennet. Seltenes Blatt, fol.

Ecce homo, Kniestück, mit Dedication des Kupferstechers J. Sadeler an J. H. Munzinger. . .

Die leidende Maria mit dem Schwerte in der Brust; mit De- dication an Margaretha Munzinger von J. Sadeler, . . . Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf Wolken sitzend, wie dieses ihr eine Rose reicht. Joan Sadeler excud.

Maria und Anna liebkosen das zwischen ihnen stehende Kind Jesus, ein niedliches Blatt von Joh. Sadeler junior, kl. 4.

Die Krönung der hl. Jungfrau, gest. von H. Wierix.

Die büssende Magdalena, gest. von H. van der Borcht, fol.

Der Kampf des Erzengels gegen die gefallenen Engel, das reiche Bild der Jesuitenkirche in München, sehr schön radirt von Joh. Weiner, aber selten zu finden. .

Das jüngste Gericht, gest. von J. Sadeler, nach einem Ge- mälde für die Herzogin Renata ausgeführt, grosses Oval, und eines der Hauptwerke. .

V. K. Grüner hat diese Composition 1822 im Umriss ge- stochen.

Apollo und Daphne, von J. Weiper radirt,

Venus in einer Laube schlafend von dem Satyr betrachtet, Dieser ist im Begriffe den Schleier zu lüften, der die Blöße der Göttin bedeckt, gestochen von A. S. (Adamo Ghisi), kl. qu. 4.

Die Entführung der Proserpina, wie die Nymphe vergebens das Wagenrad zu hemmen sucht, gest. von J. Sadeler jun.

Die Fortuna auf einer geflügelten Kugel in einer auf dem Meere schwimmenden Muschel: Faber Quisque fortunae suae, Gestochen v. E. Sadeler, das Gegenstück zu einem Blatte nach P. Canditi, Praemium betitelt.

Römische Truppen, welche Gefangene aus einer Stadt führen, — gleiche Composition, mit dem Titel: Virtus Omnibus Rebus an- gepicht. Von L. Kilian für D. Custos Verlag gestochen.

Ein Kind in einer Landschaft sitzend, wie es sich auf dem Todtenkopf lehnt, schönes Blatt: Hodie mihi etc., von J. Sadeler. Ein Philosoph unterrichtet einen Jüngling: Huc ades etc., gest. von J. Sadeler,

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_LMQ-AAAAcAAJ