Schwanthaler, Ludwig von

Schwanthaler, Ludwig von, Bildhauer, Professor der Akademie der Künste in München, Ritter des Civil-Verdienstordens der bayerischen Krone etc., wurde 1802 zu München geboren, und früher zu den Studien bestimmt betrat er das Gymnasium seiner Vaterstadt. Allein der Genius der Kunst begleitete ihn auf diesen seinen Wegen, und nach wenigen Jahren folgte er unbedingt seinem Rufe. Es herrschte ja schon im Hause seines Vaters, des Franz Schwanthaler, ein für jene Zeit höchst bemerkenswerthes Kunststreben, so dass der Sohn bereits in jungen Jahren auf eine Bahn geleitet wurde, welche ihn später zu den höchsten Ehren führte. Seine weiteren Studien machte er auf der Akademie der Künste in München, wo schon seine frühesten Arbeiten ungewöhnliches Talent verriethen. Die ersten bedeutenderen Werke bilden einen Cyklus aus der Mythe des Prometheus und der Titanen, bis auf die Helden der Ilias, welchen er für einen Tafel- service des Königs Maximilian als Relief in Wachs behandelte, der aber nach dem 1825 erfolgten Tod des Königs Maximilian nicht mehr vollendet wurde, da eine andere Geschmacks- und Sinnesrichtung an die Stelle der alten trat. Diese Jugendarbeit des Künstlers erregte ausserordentlichen Beifall, und als daher Cornelius nach München gekommen war, um die Glyptothek aus- zuschmücken, fand er an Schwanthaler einen jungen Künstler, dem er mit vollem Vertrauen einen Theil der plastischen Arbeiten anvertrauen konnte. Diese bestehen in Reliefs aus der Götter- und Heroenmythe, die in unmittelbarem Zusammenhange mit den Malereien des P. v. Cornelius stehen, und an welche sich dann die anderen reihen, welche in den Sälen angebracht sind, die unter Leitung des Architekten L. v. Klenze ausgeschmückt wurden. Inzwischen reiste Schwanthaler nach Rom, wo ihn Thorwaldsen freundlich aufnahm; allein schon im folgenden Jahre kehrte er wieder in die Heimath zurück, da seine Gesundheitsumstände ihm zur Abreise riethen. Jetzt vollendete er die Arbeiten für die Glyptothek, welche unter Klenze's Anordnung zu Stande kamen, und übernahm auch mehrere andere Bestellungen; von allen die- sen nennen wir aber jene der Glyptothek zuerst. Man sieht da über der Eingangsthüre in einem halbrunden Relief, wie Isis, als Amme bei der Königin von Byblos dienend, den lang gesuchten Leichnam ihres Gemahls Osiris in einer Säule am Palaste des Kö- nigs Malkandros entdeckt und denselben von der Umhüllung be- freit. Über dem Hauptgemälde des Reiches des Neptun im Götter- saale ist von Schwanthaler flach modellirt die Geburt der Venus aus den Wellen, wie sie dem Meere entsteigend von Tritonen und Nereiden mit Jubel begrüsst wird, und über den Thüren sind zwei kleine Giebelgruppen in Hochrelief von ihm. Weiterhin tritt man in den trojanischen Saal, wo Schwanthaler in der Stuccoverzierung um das Rundgemälde der Hochzeit des Peleus mit der Thetis die bei der Feier anwesenden zwölf Götter in eben- so vielen kleinen Reliefs darstellte. Dann sieht man in diesem Saale auch zwei größere Reliefs dieses Meisters: über dem Bilde des Kampfes um den Leichnam des Patroklos den Kampf des Achilles mit den Flussgöttern, und über dem Fensterbogen den Kampf bei

Schwanthaler's früherem Kreise autiker Darstellung gehört auch der 150 F. lange und 3 F. 8 Z. breite Fries im Palais des Herzogs Maximilian in Bayern an, in welchem der Künstler in lebendig- ster und heiterster Weise den ganzen Mythos des Bacchus vor- stellte. An diese Arbeiten reihen sich der Zeit nach die grossen Reiterreliefs, welche in der neuen Reitschule des Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg angebracht sind,

Im Jahre 1832 begab sich Schwanthaler zum zweiten Male nach Rom, wo er jetzt gegen zwei Jahre verweilte und von Thor- waldsen wieder auf das freundlichste aufgenommen wurde. Er entzag dem vielseitigen Walente des deutschen Künstlers seinen Beifall nicht, in der allgemeinen Anerkennung desselben ist aber König Ludwig vorangeschritten, welcher ihm das reichste Feld zum Ruhme öffnete. Schwanthaler modellirte in Rom einige Gruppen zum ersten Giebelfelde der Walhalla, fertigte auch viele Zeichnungen zu den Sculpturen und encaustischen Malereien im Königsbaue zu München, dann kleine Modelle zu den Maler- statuen der k. Pinakothek, und sah überhaupt schon damals auf mannigfache Weise seine Thätigkeit in Anspruch genommen. Im Jahre 1835 ernannte ihn der König auch zum Professor an der Akademie der Künste in München, wo sich aber überdiess sein Wirkungskreis noch erweiterte, so dass er bei seiner Fruchtbarkeit des Geistes und seiner außerordentlichen Vielseitigkeit des Talen- tes Gehülfen und Schüler um sich versammeln musste, mit deren Beiwirkung er jene grosse Anzahl von Werken zu Stande brachte, die wir auf den folgenden Seiten nennen.

Schwanthaler ist unerschöpflich in der Menge, wie in der Wahrheit und Eigenthümlichkeit seiner Hervorbringungen. Sein Sinn ist im gleichen Grade ausgebildet für antike, so wie für christliche und historische Auffassung, und ein Hauptvorzug dieses Meisters ist, dass er die ritterlich romantische Sculptur in Deutsch- land wieder belebt und in einer Weise ausgeübt, die an Um- fang und Grossartigkeit ihres Gleichen nicht hat. Schwanthaler tritt in die Reihe der Heroen der neueren Plastik,

Unter den Werken reichhaltiger Composition beginnen wir mit denjenigen, welche die Räume des Königsbaues in Mün- chen einschliessen, da sie den oben genannten früheren Arbeiten des Meisters der Zeit nach am nächsten stehen. Zu diesem Pracht- baue legte der König 1826 den Grundstein und 1835 stand er voll- endet da. Für einige Zimmer des Königsbaues (des südlichen Residenzflügels) fertigte Schwanthaler Compositionen (Conturen), die als solche in Auffassung und Darstellung antiker Gegenstände einzig dastehen. Sie mussten im Farbenschmucke erscheinen; die Bilder aus Hesiod im gebundenen Style der Fresken von Tarquinit und Corneto, die anderen in einer freieren malerischen Durch- bildung, woran aber Schwanthaler keinen Antheil hat, so wie denn überhaupt mehrere Künstler zum Schmucke dieser Residenz beitrugen. Dieser Königspalast gibt Kunde über einen Theil der höchsten Leistungen der neueren deutschen Kunst, da in diesen Räumen die Plastik und die Malerei mit der Architektur in schau-

Schwanthaler, Ludwig von.

Stem Vereine stehen, und den Ruhm des königlichen Urhebers verkünden. Was L. von Klenze, J. Schnorr von Carolsfeld u. a. dazu beigetragen, haben wir an gehöriger Stelle verhandelt, und so- mit genügt es hier im Allgemeinen zu sagen, dass im Königsbaue es gegolten hat, die ausgezeichnetsten Geister zweier grossen Na- tionen zu vereinigen, und zwar mit Hülfe der Anschauungen ihres eigenen Geistes *).

In den Gemächern des Königs musste die Götter- und Heroen- welt der Griechen, wie sie uns durch Orphoun, Hesiod, Homer, Pindar, Aeschylos, Sophokles, und sie selbst, wie sie uns durch Aristophanes und Theokrit überliefert worden, geschildert, und somit ein Werk hergestellt werden, das an Reichhaltigkeit und Interesse kaum seines Gleichen haben könnte. Die Bilder aus den griechischen Dichtern sollten besonders streng aufgefasst werden, und man wandte sich desshalb an Schwanthaler, welchem die Com- positionen zu sämmtlichen griechischen Dichtern übertragen wur- den, mit Ausnahme von dreien, welche den Professoren Schnorr und Hess, und dem L. Schulz aus Wien zufielen.

Für das erste Vorzimmer des Königs componirte Schwanthaler einen Fries mit Darstellungen aus dem Argonautenzuge, wie ihn Orpheus beschreibt, äusserst lebendige Bilder, ganz im Geiste der Dichtung, welche, wenn auch nicht von Orpheus, doch eine der ältesten und schönsten des griechischen Volkes ist. Mehrere jün- gere Maler führten sie monochrom auf braunem Grunde aus, nach der Weise althellenischer Vasengemälde.

Im zweiten Vorzimmer des Königs ist nach Schwanthaler's Zeichnung die Theogonie des Hesiod in einem 120 F. langen und 3½ F. breiten Fries von Hiltensperger in einer Art darge- stellt, welche sich mit einer Färbung ohne Licht und Schatten begnügt, innerhalb welcher die Formen mit Umrissen angegeben sind. Es war hier von grösster Schwierigkeit, die ausserordent- liche Anzahl von Hauptgruppen und Episoden, menschlicher Ge- stalten und Ungeheuer, im den bedingten Raum zu bringen, ohne der Gefahr dem Auge missfälliger Ueberhäufung oder auch stellen- weiser Leere zu verfallen. Der Künstler hatte aber alles dieses auf das glücklichste vermieden. Die Gestalten dieses trefflichen Werkes sind schön, die Bewegungen edel, natürlich, aber in so hohem Grade im Sinne rein antiker Einfachheit und Würde auf- gefasst, dass man ein Werk der ältesten griechischen Zeit vor sich zu sehen glaubt, während die volle Originalität und Eigen- thümlichkeit des Einzelnen eine eben so freie als neue Erfindung bewährt. Es begegnen uns in diesem Friese unübertreflich schöne Gruppen, wenn auch ohne Reiz der Farbe und durch diese gewählte Darstellungsweise ohne feine Ausbildung des Einzelnen in Gestalt und Ausdruck, Unter diesem Friese, an den vier Wänden, sind Darstellungen aus den anderen Gedichten des Hesiod, aus dem Schilde des Herkules, und den Werken und Tagen, theils einfarbig, theils mehrfarbig, wie die Theogonie encaustisch gemalt *).

*) Von der einen Seite — in den Gemächern der Königin — mussten die poetischen Anschauungen des Walther von der Vogelweide, Wolfram's von Eschenbach, Goethe's, Schiller's, Wieland's, Tieck's etc., in den unteren Prachträumen das grosse Nationalepos der Nibelungen im Bilde gegeben werden.

**) In diesen Räumen wurden nämlich auf Veranlassung des Hrn. v. Klenze die Wachs-Harz-Farben in Anwendung gebracht,

Racht.

Im Empfangzimmer des Monarchen erblicken wir wieder Bil- der in Farben, die sämmtlich nach kleine Skizzen Schwanthaler's gemalt sind, bis auf zwei von W. Röckel, — jene an der Decke in Fresko, die an den Wänden in Encaustik. Den Stoff gaben die Tragödien des Sophokles, welchen 21 Bilder entnommen wur- den, wovon jene an der Decke die Geschichte des Oedipus und seines Stammes vorstellen, nach den Trauerspielen: König Oedipus, Oedipus auf Colonos, und Antigone,

Im Schreibzimmer des Königs sind 24 bildliche Darstellun- gen aus den Tragödien des Aeschylos nach Schwanthaler's Skiz- zen, die an der Decke al Fresco, jene an der Wand von Schilgen in encaustischer Weise gemalt. Auch diese Bilder tragen in ihrer strengen Auffassung das Gepräge der Originalität und des ächt griechischen Geistes,

Eine Aufgabe anderer Art ward ihm aber durch die Composi- tionen im Ankleidezimmer des Königs gegeben, wo es ihm ge- stattet wurde, die Strenge der Auffassung zu mildern. Für dieses Zimmer componirte Schwanthaler 27 Bilder aus den Lustspielen des Aristophanes, wo ihm ein Feld der unerschöpflichen Laune und des geistreichsten Witzes geöffnet blieb. Hier galt es nicht, die Schönheit der Form und die Höhe edler Charakteristik in der Darstellung zu entwickeln, der Künstler hat aber gezeigt, dass ächt griechische Behandlungsart der Kunst selbst den der Pnyx und der Agora in Scherz und heiterem Sinne entnommenen Bil- dern, und sogar Uebertreibungen die künstlerische Weihe ver- leihen kann. Eben so ist Hiltensperger's Behandlung in Farben ganz der Heiterkeit und dem Muthwillen des Dichters entspre- chend. Die Bilder sind nämlich theils an der gewölbten Decke al Fresco, theils an der Wand in Wachsmalerei ausgeführt.

Im zweiten Stockwerke des Königsbaues, wo sich die dem gescel- ligem Vereine gewidmeten Räume befinden, sind Reliefs von

die Bereitung und stufenweise Verbesserung dieser Blumen blieb aber anderen anheimgestellt.

Schwanthaler, die am Fries eine Reihe von Bildern aus dem My- thos der Aphrodite enthalten. Sie sind in Gyps ausgeführt, und gehören zu den vorzüglichsten Arbeiten des Meisters, Sie sind theils von ihm selbst, theils von seinen Schülern Brugger, Widn- mann und Schönlaub unter seiner Aufsicht modellirt. Die Figu- ren erscheinen weiss auf rothem Grunde, nach Art pompejapischer Reliefs, deren man im Museo borbonico zu Neapel sieht,

Davon schliessen wir das Verzeichniss der Werke v. Schwan- thaler's im Königsbau, welche in Förster's Wegweiser im Ein- zelnen beschrieben sind. An diese reihten wir jetzt jene des Saal- baues (nördlicher Residenzflügel), da sie in verwandter Auffassung zu den obigen stehen, wenn sie auch später entstanden sind. Man sieht da in einer Reihe von sechs Festgemächern des Erdgeschos- ses Darstellungen aus der Odyssee so geordnet, dass eine jede der 24 Wandseiten die Hauptmotive einer Rhapsodie enthält. Hier war Gelegenheit gegeben ein Werk griechischer Kunst und Art auszführen, so gross und bedeutend, wie nur irgend eine der Kunstunternehmungen in München. Die Arbeit war unserm Künst- ler und dem Maler Hiltensperger in der Art übertragen, dass Schwanthaler die Wahl der Compositionen und die Ausführung derselben in ziemlich vollendeten Zeichnungen *), dem Maler Hil- tensperger aber, bei stetem gemeinschaftlichen Verständnisse, die Zeichnung der Cartons in der festgesetzten starken Lebensgrösse, und die Ausführung der Wandbilder in Wachsfarben anheimfiel, Diese Bilder sind von wahrhaft homerischem Geiste durchdrungen, in ächt hellenischer Form und Gestaltung aufgefasst, aber der reichen Fülle eigener Erfindungsgabe entquollen, lebendig und wahr, und auch in der Färbung von ausserordentlicher Frische und blühender Kraft. Im Mai 1830 wurden diese Gemälde begon- nen und gegenwärtig ist die Hälfte vollendet. **)

Der genannte Saalbau enthält auch einen 266 F. langen und 4 F. 6 Z. hohen Gyps-Fries, von Schwanthaler selbst und unter dessen Leitung von seinen besten Schülern ausgeführt. Dieser Fries wurde ganz im Atelier des Meisters gearbeitet, und zuletzt verwendete dieser noch über sechs Wochen zur Retouche an Ort und Stelle. Man muss daher diese Gypsreliefs zu den Hauptwer- ken Schwanthaler's zählen. Die Darstellungen, welche hier in eigenthümlicher Pracht auf Goldgrund erscheinen, stehen in genauer Verbindung mit den Malereien des J. v. Schnorr aus dem Leben des Kaisers Friedrich Barbarossa, indem sie sich auf den Kreuz- zug desselben beziehen. Diese Reliefs gehen an den vier Wän- den herum, wovon jede durch den vorherrschenden Gedanken der Bilderfolge zu einer selbstständigen Abtheilung wird, während alle vier in ihrem durchlaufenden Friese in epischer Weise die ganze Begebenheit vor den Blick führen. So ist in der ersten Abthei- lung die betrübte Lage des christlichen Königreichs im Orient, in der zweiten der von Barbarossa unternommene Rettungszug darge- stellt. Auf der dritten Wand sind die Landung in Asien und die Vorkämpfe mit den Ungläubigen geschildert, und auf der vier+

*) Nicht in leichten Umrissen, wie es anderwärts heisst.

**) Ueber die Malereien nach Schwanthaler's Compositionen, und über diese selbst, verbreitet sich Herr von Klenze im Kunst- blatte 1841 Nro. 69 — 71 in streng wissenschaftlicher Würdi- gung, so wie er selber vom Geiste griechischer Kunst durch- drungen ist.

Digitized by Google

ten, sieht man die Schlacht von Iconium, sowie Bathärose's Beer- stellung. Der geschichtliche Hergang ist im Kunstblatte 1840 Nro. 4 abgebildet. Ueberdies gibt es noch einige andere kleinere Werke, die nach Modell-Skizzen und Zeichnungen Schwanthaler's, ausgeführt sind, deren wir unten gedenken. Es bleibt uns jetzt die Aufzählung seiner plastischen Werke, die zu den höchsten Leistungen der neueren Kunst gehören.

A. Monumentale Arbeiten in Marmor und Erz.

Unter diesen Werken nennen wir zuerst die beiden Giebel- felder der Walhalla bei Regensburg, welche in diesen ihre Hauptzierde erhielt. Der früheren Zeit gehört das südliche Gie- belfeld an, wozu ursprünglich Rauch in Berlin die Composition geliefert hatte, die aber von Schwanthaler fast ganz umgestaltet wurde; diess schon während seines zweiten Aufenthaltes in Rom, wo er, wie schon oben erwähnt, einige Figuren für dieses Giebelfeld modellirte. Die Angabe zu diesem Bilderschmucke kommt unmittel- bar vom Könige Ludwig, welcher hier in 15 allegorischen Ge- stalten den Frieden von 1816 dargestellt wissen wollte. Germania thront, ruhend in Mitte des Tympanon, und deutsche Krieger führen ihr die den Franzosen entrissenen Bundesfestungen zu. Ihr zunächst repräsentirt der Krieger mit dem Doppeladler auf dem Kamm des Helmes Oesterreich, und die weibliche Gestalt, welche er zuführt, ist am Rade im Wappen als Festung Mainz erkenntlich. Die folgende weibliche Gestalt erscheint, allegorisch als Festung Landau, welche Bayern der Germania wieder zurück- bringt. Würtemberg's Krieger ermuntert den hinter ihm sitzenden Helden, sich zur Feier des Festes zu erheben, und der mit Trauben bekränzte Rhein hält in der Ecke Ruder und Schiffsschna- bel zu seiner durch den Frieden gesicherten Fahrt. Der Germania zur Linken schwingt Preußen, mit der Colunia an der Hand, begeistert den Lorbeerkranz. Ihm folgen Hannover und Luxemburg, und dann kommen Hessen und Sachsen zur Huldig- ung herbei. Die Mosel, als Flussgott, schließt dem Rhein ge- genüber das großartige Ganze ab. Alle diese Figuren sind von höher Schönheit und von einer Meisterschaft der Vollendung in Marmor, wie sie nur die geübteste Künstlerhand zu geben im Stande ist.

Mit den Bildwerken des nördlichen Giebelfeldes der Walhalla begann Schwanthaler 1835, und 1842 standen sie vollendet in Marmor da. Wir sehen da in einem 72 F. langen Tympanon fünfzehn colossale Statuen, deren Mittelpunkt Armin bildet. Zur Rechten, auf der den Germanen geweihten Seite, führt der Künst- ler die Grundzüge der Nationalität des Volkes vor den Blick: den Kampf fürs Vaterland, durch drei ihrer Hauptheroen; die Poesie, durch den Barden; die Mystik, durch eine Seherin; den siegrei- chen Tod fürs Vaterland, durch den sterbenden Siegmar; Frauen- würde, durch die ihn für Walhalla vorbereitende Uhusnelda dar- gestellt. In der anderen Abtheilung schilderte er im Contraste dazu das heimatlose Soldatenleben der Römer mit ihrem sich ent- fernenden Feldherrn und den sterbenden Adlerträgern, auch hier in scharfer Ausprägung der Nationalität, Hermann der Cherusker, der Held Walhalla's, ragt über alle empor, eine nackte Gestalt, vom fliegenden Mantel halb verhüllt und mit dem beflügelten Helme bedeckt. Rechts neben ihm erscheinen drei historisch be-

Dann müssen wir hier auch der Bildwerke gedenken, welche nach Schwanthaler's kleinen Modellen von den Bildhauern Brug- ger, Horchler, Hänle, Herwegh u. a. für das Innere der Walhalla ausgeführt wurden; nämlich der geflügelten, mit Eichenlaub be- kränzten Schildjungfrauen (Walkyren). Diese ernsten Wesen, die nach der Sage weder des Himmels noch der Hölle, noch sterb- licher Mütter Töchter sind, erscheinen als Caryatiden,

Eine dritte Giebelgruppe von colossalen Figuren, in einer auf eigenthümliche Weise an den Geist der pompejanischen Malerei streifenden Gruppirung, sehen wir am neuen Ausstellungsgebäude in München. Es ist dies eine allegorische Darstellung auf das Wiederaufblühen der Künste in Bayern: Oben als Akrotterion der Phönix, an den Ecken die bayerischen Löwen von Schönlaub und Sanguinetti, Alles in Marmor ausgeführt, und 1840 vollendet. Bavaria, Kränze austheilend, steht in der Mitte vor einem von Löwen gebildeten Thronsessel, und zu ihren Seiten reihen sich die Künste, durch Künstler jeden Faches vorgestellt. Zur Rechten steht der Architekt mit dem Modelle einer Kirche, der Historien- und Genremaler mit Bildern, der Porzellan- und Glasmaler, jeder mit einem bezeichneten Attribute. Auf der anderen Seite bringt der Bildhauer mit seinen Gehülfen die colossale Büste des Königs her- bei, was gerade als ein höchst glückliches Motiv zu betrachten ist, da durch König Ludwig die Kunst in Bayern einen so hohen Aufschwung nahm. Wenn die Büste dennoch ohne Lorbeerkranz ist, so mag dieses als ein Zeichen gelten, dass der kunstbegeisterte König es der Nachwelt überlässt, ihm den Lorbeer um das Haupt zu winden. Hinter dieser Gruppe ist der Bronzegiesser, und ein Münzer am Prägstocke.

An den Figuren des Giebelfeldes der Glyptothek hat Schwan- thaler nur geringen Antheil. Die Modelle wurden nach Wagner's Composition von Haller gefertigt, dann aber zum Theil umge- arbeitet und von verschiedenen Künstlern *) in Marmor ausge- führt. Von Schwanthaler ist der Holzbildhauer modellirt und in

*) An diesem Werke arbeiteten Lech, Baudel, E. Mayer, Prof. Hietschel, Sanguinetti und andere.

In diese Periode gehören auch die zwei colossalen Caryatiden von Gips im Königsbau, welche unter den allegorischen Gestalten der Nike Apteros und der Nemesis auf den Wahlspruch des Königs: »Gerecht und Beharrlich,« sich beziehen.

Das grösste bis jetzt bestehende monumentale Werk Europas ist das 53 Fuss hohe Erzbild der Bavaria, welche Schwanthaler für die bayerische Ruhmeshalle auf der Anhöhe bei München aus- führte. Es ist dies eine hehre Jungfrauenfigur mit dem auf- göckelten germanischen Haar, und einem Eichenkranz darüber, in einer um die Brust geschlungenen Tunica von Pelz. Neben ihr sitzt ein 27 Fuss hoher Löwe, und eben so hoch ist das Podest, worauf diese Riesengestalten sich erheben, so dass die Höhe bis zur erhobenen Rechten 127 Fuss beträgt. Durch das Fussgestelle

langt man zu einer Wendeltreppe, welche bis in das Haupt der Bavaria führt, in welchem 20 Personen Raum finden. Im Septem- ber des Jahres 1837 war das Modell zu dieser Riesenstatue voll- endet und somit eine der grossartigsten Kunstschöpfungen unserer Zeit geschehen. Im Jahre 1842 stand das colossale Modell für den Guss fertig da, dessen Vollendung eine Zeit von sieben Jahren in Anspruch nahm. Zuerst gegossen ist der jugendliche Mädchen- kopf, dessen ideale Schönheit selbst bei einem ungeheueren Um- fange bezaubert. Im Jahre 1845 wurde das Bruststück in Erz ge- gossen, dieses von Inspektor F. Miller, dem Nachfolger des ver- storbenen Stiglmayer, der das Werk unvollendet hinterliess, aber in Miller einen Gehülfen herangebildet hatte, der jetzt mit noch grösserer Meisterschaft den Guss leitet.

Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir auch der Reliefs, welche die Metopen der noch im Bau begriffenen bayerischen Ruhmes- halle zieren werden. Sie enthalten Allusionen auf die Verdienste der Männer, deren Büsten in der Halle Platz finden, und wech- seln mit Viktorien. Religion und spekulative Philosophie bilden den Mittelpunkt der bilateralen Darstellungen, und von da aus

läuft das Band, welches hier alle umschlingt, durch die verschie- denen Zweige der Wissenschaft und Kunst zu den materiellen Interessen der Industrie und des Handels. Diese Darstellungen schliessen mit zwei Giebel, deren vier Statuen die Haupttheile des Königreichs bezeichnen: Bayern und die Pfalz, Franken und Schwaben zusammen gruppirt. An den Modellen arbeitet der Künstler gegenwärtig. Die Reliefs der Metopen wurden nach Schwanthaler's Modellen und unter dessen Leitung von jüngeren Bildhauern ausgeführt.

An diese umfangreichen Denkmale reihen wir eine Anzahl von Statuen, die in ihrer historisch-romantischen Auffassung ebenfalls zu den Werken monumentaler Art gehören. Zuerst nen- nen wir die Marmorstatue des Kaisers Rudolph von Habsburg, welche seit 1843 im Dome zu Speyer sich befindet. Der Kaiser

*) Die Statue des heil. Carolus Borromäus auf Isola Bella ist höher, aber nur Arbeit in getriebenen Eisen und mit der Bavaria nicht zu vergleichen. Auch der grosse Herkules bei Cassel ist nur getriebenes Werk in Kupfer,

**) Wir haben von dieser Bavaria auch eine Statuette in Por- zellanmasse, die in der k. Porzellan-Manufaktur zu München käuflich ist.

Ein zweites Denkmal in Marmor, 1842 vollendet, ist dem Sänger Frauenlob geweiht, eine junge trauernde Frau vorstellend, in Hindeutung auf das Begräbniss des Dichters durch die Frau. Das Bild erscheint in reicher architektonischer Einfassung. Dieses Monument ist im Kreuzgange des Domes zu Mainz, und gilt als ein Zeichen der Uneigennützigkeit des Meisters, indem er fast auf allen Lohn verzichtete.

Dann haben wir von Schwanthaler auch mehrere Statuen in Bronze, die zugleich zu seinen Hauptwerken gezählt werden müs- sen. Darunter sind zehn Fuss hohe Statuen von Ahnen des Hauses Wittelsbach, in scharfer Auffassung des Individuellen und Charakteristischen, da allerhöchsten Orts nur solche Fürsten ge- wählt wurden, deren physiognomische Treue sich ermitteln liess. Diese prachsvollen Statuen, welche durch die prachtvolle Vergoldung in vollem Glanze erscheinen, stehen im grossen Thron- saale (des Saalbaues) der k. Residenz auf Piedestallen. Die drei ersten: Friedrich der Siegreiche, Ludwig der Bayer und Maximilian I., wurden 1836 von Stigl- mayer gegossen und vergoldet, und Otto der Erlauchte schloss 1842 die Reihe. Die colossalen Gyps- modelle schenkte der Künstler mit königlicher Genehmigung seiner Vaterstadt München, wo sie jetzt bronziert die schönste Zierde des grossen Rathhaussaales ausmachen. Der Kaiser Nicolaus von Russ- land bestellte die ganze Folge der kleinen Modelle in Erz.

Nach Vollendung der colossalen Modelle der bayerischen Ahnenbilder übernahm Schwanthaler die Ausführung des Monu- mentes für den berühmten Tondichter Mozart, welches, von Stigl- mayer in Erz gegossen, in der Bildnissstatue desselben mit Bronze- Reliefs besteht, und 1842 auf dem Michaeli-Platze in Salzburg aufgestellt wurde.

Ein zweites Monument ist jenes des Grossherzogs Carl Fried- rich von Baden in Karlsruhe, wozu schon 1828 der Grundstein gelegt wurde, das aber erst 1840 zur Ausführung kam. Die colos- sale, von F. Müller in Bronze gegossene Statue steht auf einem reich verzierten Piedestal, ebenfalls von Bronze, mit vier schönen Eckstatuen, welche die vier Provinzen Badens nach der damaligen Eintheilung des Landes vorstellen *).

Auch zu Darmstadt steht seit 1843 ein Monument in Erz, welches von Müller nach Schwanthaler's Modell gegossen wurde. Es ist dies die 16 Fuss hohe Statue des Grossherzogs Ludwig von Hessen, deren Ausführung der Künstler 1853 übernahm. Das Standbild dieses Fürsten erhebt sich auf einer 50 Fuss hohen Säule, die nach Art der Colonna Trajana eine Wendeltreppe ein- schliesst, durch welche man zur Statue gelangt **).

*) Es ist unrichtig, wenn wir anderwärts lesen, diese anmuths- vollen weiblichen Figuren stellen die Religion, Gerechtigkeit, Weisheit und Stärke vor.

**) Die Säule ist nach Müller's Plan vom Hofbaumeister Arnold errichtet, und ein Meisterwerk der Technik.

Bürger Göthe ein Monument in Erz zu setzen, und wählte unsern Künstler zur Ausführung. Er stellte den Dichter stehend mit dem Lor- beerkranz in der Linken in stolzer Ruhe an einen Baum gelehnt dar, mit dem Haupte in majestätischer Haltung. Das Piedestal ist reich mit Reliefs geziert, deren Mittelpunkt die allegorischen Figuren der Wissenschaft, und der lyrischen und dramatischen Poesie bilden, welchen sich zu beiden Seiten die vorzüglichsten Gestalten der poetischen Schöpfungen Göthe's nähern. Die Ent- hüllung dieses Monumentes fand 1843 am Geburtstage des Dich- ters statt.

Das Monument, welches König Ludwig dem Ruhme Jean Paul's in Bayreuth setzen liess *), wurde 1841 von Stiglmayer in Erz ge- gossen. Wie Göthe, so erscheint auch er in einfachem Rocke, die osenknospe im Knopfloche befestigt, zur Erinnerung an eine Gewohnheit des Dichters, den man nie oder selten ohne diese, oder eine ähnliche Blume sah. In der Linken hält er das Notiz- buch und den Stift in der erhobenen Rechten, als wenn er so eben einen Gedanken niederzuschreiben beginnen würde. Die Enthüllung dieser 10 Fuss hohen Statue fiel im November des Jahres 1841.

Später fertigte der Künstler die Statue des Markgrafen Fried- rich Alexander von Brandenburg, des Stifters der Universität Er- langen, welche 1845 das Jubiläum feierte. Auch diese Statue des Markgrafen ist colossal und in Erz gegossen, jetzt eine Zierde Erlangens.

In München sieht man ebenfalls drei Erzstatuen nach Schwan- thaler's Modellen von Müller gegossen, alle in colossalen Ver- hältnissen. Zwei derselben stehen in der Feldherrenhalle, wel- che nach diesen den Namen erhalten hat. Es sind diese die Sta- tuen Tilly's und Wrede's, zweier großen Heerführer, der eine im Costüm des 17. Jahrhunderts, der andere in der Uniform aus der Zeit der deutschen Befreiungskriege, auf hohen Piedestalen mit Inschriften nach der Angabe des Königs. Diese beiden Statuen wurden 1843 aufgestellt, und 1855 die dritte, welche dem Anden- ken des Baron von Kreitmayer, des Verfassers des Codex Max. bav., gewidmet ist. Der berühmte Gesetzgeber ist im Costüme seiner Zeit dargestellt, mit dem Buche in der Hand, und zu seinen Füssen liegen andere Bände seines Codex. Diese colossale Statue wurde aus Nationalbeiträgen errichtet.

Nach Schweden kam in neuester Zeit ebenfalls eine Erzstatue nach dem Modelle Schwanthaler's von Müller gegossen, das 12 Fuss hohe Standbild des Königs Carl XIV Johan (Bernadotte) in der Uniform des Feldmarschalls, in Norrköping aufgestellt.

Andere Erzstatuen sind nach Böhmen bestimmt, werden aber erst in einer Reihe von Jahren ausgeführt. Ein reicher Privat- mann, Herr Veith auf Liboch, beabsichtigt den Bau einer böhmishen. National-Halle, in welcher Statuen berühmter Böhmen Platz finden werden. Die Statue Ottocars ist bereits in Bronze ausge- führt.

Schliesslich erwähnen wir in dieser Abtheilung monumentaler Werke noch zweier anderer, welche dem Kreise ikonischer Dar-

*) Anfangs sollte aus Privatmitteln dem Dichter ein Monument gesetzt werden, allein der König übernahm sogleich die wei- tere Sorge.

Das zweite Werk dieser Art, aber nur nach Schwanthaler's kleineren Modellen von Brugger, Saalemänn, Horchler, Häule und Herwegh in Kalkstein ausgeführt, ist ein Denkmal auf die Ausführung des Donau-Main-Canals. Es besteht in einer colos- salen Gruppe von allegorischen Figuren: wie die Donau und der Main, auf ihre Urnen gestützt, sich die Hände zum grossen Un- ternehmen reichen, und die Statuen des Handels und der Schiff- fahrt sich ihnen beigesellen,

B. Bildwerke von feinster Vollendung, sogenannte Cabinetsarbeiten.

Obwohl Schwanthaler's Hauptverdienst in den grossen monu- mentalen Werken sich kundgeben dürfte, da derselbe hierin seine meiste Beschäftigung fand, so sind doch auch die folgenden Ar- beiten, und besonders deshalb sehr interessant, weil sie mehr als andere der Hand des Meisters angehören, da bei monumenta- len Arbeiten grössere Beihülfe nothwendig ist. Die Werke die- ser zweiten Abtheilung sind aber mit grösster Liebe von ihm selbst vollendet, und geben somit auch Zeugniss von seiner hohen tech- nischen Meisterschaft, während er zu den Bildwerken der Abthei- lung C. nur Skizzen und Zeichnungen lieferte, und bisweilen die Ausführung nicht einmal überwachen konnte.

Unter den Bildwerken dieser Art nennen wir zuerst die Bas- reliefs, welche zum Theil Friese bilden, die schon weiter oben S. 101 — 102 näher erwähnt sind. Jene im Thronsaale des Kö- nigsbaues enthalten Darstellungen aus Pindar, die anderen im zweiten Stockwerke daselbst geben in ihren Bildern den Mythos der Aphrodite. Im Saalbau der Residenz ist der Kreuzzug des Kaisers Barbarossa dargestellt.

Hier müssen wir auch ein Jugendwerk des Meisters nennen, den Fries mit den Darstellungen aus dem Mythos des Bacchus im Palaste des Herzogs Maximilian in Bayern, S. 99 erwähnt.

Werke von grösster Schönheit sind ferner vier Reliefs in Gyps mit Figuren in halber Lebensgrösse im Besitze der Herren Bois- seröe, bekannter Kunstfreunde. Das eine derselben, St. Georg mit dem Drachen vor der hl. Margaretha, ist durch den Stich be- kannt. Das zweite stellt die hl. Dorothea dar, und im dritten ist St. Apollinaris geschildert, wie er einen Kranken heilt. Das vierte Relief ist das grösste von allen, da es sich bei gleicher Höhe mit den genannten bedeutend in die Länge zieht. Es stellt den heil. Egidius dar, wie er durch die Jagd in seinen heiligen Betrach- tungen gestört, mit dem Rehe aus seiner Höhle hervortritt.

Im Besitze des Prinzen Carl von Bayern ist ein ausgezeichnet schönes, mit grösstem Fleisse in carrarischem Marmor ausgeführtes kleines Bild, welches den leidenden Philoktet auf Lemnos vor- stellt,

Im herzoglichen Schlosse zu Wiesbaden sind die lebensgrossen Statuen der Venus, Diana, Vesta und Ceres, des Apollo, Amor, Bacchus und Pan, sämmtlich in Sandstein und 1840 vollendet. Ferner sieht man in diesem Schlosse auch zwei Statuen von Tän- zerinnen in Lebensgrösse in weissem Marmor ausgeführt, Werke von ausgezeichneter Schönheit.

Im Besitze des Grafen Arco zu München ist das liebliche Bild einer Nymphe in carrarischem Marmor, ebenfalls in Lebensgrösse ausgeführt. Lord Fitzwilliams in London besitzt eine Wieder- holung in Marmor und in den Museen zu Karlsruhe, Weimar und Stuttgart sind Abgüsse in Gyps.

In der Capelle des herzoglich Leuchtenberg'schen Palastes zu München ist ein dem frommen Andenken der beiden Herzoge von Leuchtenberg gewidmetes Werk von Schwanthaler. Es stellt die allegorischen Gestalten der trauernden Fürstinnen dar, wie sie die Urnen mit den Herzen der Herzoge Eugen und Don Augusto auf den Altar niedersetzen. Dieses Monument ist in Marmor aus- geführt.

Im Auftrage des Kronprinzen Maximilian von Bayern fertigte Schwanthaler zwei lebensgrosse Statuen in Gyps, jene der Melu- sina und Aslauga, welche in den Felsengrotten zu Hohenschwan- gau aufgestellt sind.

In der Sammlung des Fürsten von Schwarzenberg zu Wien ist die lebensgrosse Statue einer Donau-Nymphe in carrarischem Marmor.

Baron von Speck-Sternburg besitzt eines der früheren Gyps- Reliefs des Meisters. Es stellt den Seegott Nereus vor, wie er dem nüt auf der Helena vorbeischiffenden Paris den Untergang Trojas ver- kündet.

Der geheime Rath von Klenze in München erfreut sich zweier Reliefs in carrarischem Marmor, antike Kämpfe zu Ross vorstel- lend, und Meisterwerke ihrer Art.

An diese Werke reihen wir den Schild des Herkules, in Rom begonnen, und während sechs Jahren zusammengearbeitet. Es ist dies eine Composition in echt hellenischem Geiste, welche nach Hesiod's Dichtung in mehr als 140 Gestalten Hauptmomente der Göttermythe, des kriegerischen und friedlichen Lebens umfasst. Dieser Schild wurde in Bronze gegossen, und ist jetzt bereits sechsmal in Deutschland und England zu finden.

Von den Büsten in Marmor und Gyps ist ausser der des Kö- nigs Ludwig (in colossalen Verhältnissen) jene der Königin Caro- line vorhanden, die er für mehrere Höfe wiederholte. In der Walhalla sind die Büsten Mozart's und Walther's von Plettenberg. In der Walhallsa sind die Büsten Mozart's und Walther's von Plettenberg. Zu Fröcht im Nassau'schen ist das Bildniss des alten Ministers v. Stein, Hochrelief in Marmor. Die Büste des Ministers und

*) Ein anderes Monument, welches die Stadt Eichstädt diesen Fürsten setzen lassen wollte, kam nicht zu Stande, was hier als Zusatz zum Kunstblatt von 1837 dient.

C. Arbeiten nach Skizzen und Zeichnungen des Meisters,

In diese Abtheilung gehören zahlreiche Werke, die nach Skiz- zen, Zeichnungen und kleinen Modellen des Meisters von ande- ren Bildhauern und von Malern ausgeführt wurden, und theil- weise einen decorativen Charakter haben. Bei vielen derselben habe die Ausführung nicht in seinem Bereiche, und selbst Änderun- gen hatte man sich erlaubt, die weit übertrieben.

Von denjenigen, welche die meiste Thätigkeit des Künstlers in Anspruch nahmen, nennen wir die zahlreichen Compositionen zu Gemälden im Königs- und Saalbaue der Residenz, die uns eine reiche Fülle poetischer Anschauungen aus griechischen Dichtern bieten. Diese Darstellungen sind: aus den dem Orpheus zuge- schriebenen Dichtungen, aus Hesiod, Sophokles, Aeschylos, Aristo- phanes und Homer entlehnt, theils monochrom, theils mehrfarbig in encaustischer Manier gemalt, wie wir diess schon weiter oben S. 100 ff. ausführlicher dargethan haben. Die Zeichnungen zu den Dar- stellungen aus der Odyssee im Erdgeschosse des Saalbaues ge- hören zu den ausgeführtesten von allen und zu den bedeutendsten Leistungen Schwanthaler's in dieser Art. S. oben S. 102.

Seine Gypsfriese mit Darstellungen aus Pindar und dem My- thos der Aphrodite, sowie jener des Kreuzzuges des Kaisers Friedrich Barbarossa sind nicht in diese Reihe zu stellen, gesetzt auch dass sich der Künstler bei der Ausführung theilweise fremder Hülfe bedienen musste. Diese Werke sind von ihm selbst und unter seiner Aufsicht mit solcher Liebe gearbeitet, dass wir sie in die Abtheilung B. reihen mussten.

Anders verhält es sich mit den Metopen der bayerischen Ruhmeshalle, die wir ebenfalls S. 105 schon erwähnt haben. Die Modelle sind zwar unter Schwanthaler's Leitung gefertigt, die Aus- führung in Marmor ist aber von seinen Schülern und anderen jüngeren Bildhauern. Die sich wiederholenden Victorien haben 16 Bildhauer beschäftiget.

Die Reliefs aus der bayerischen Geschichte in der Loggia des Saalbaues sind von Schülern der Akademie.

Die Bildwerke, womit das Innere der Glyptothek in München und die neue Reitschule des Fürsten von Thurn und Taxis zu Regensburg geziert ist, sind ebenfalls grösstentheils von fremder Hand ausgeführt.

Die Walkyren in der Walhalla, jene ernsten jungfräulichen Caryatiden, sind ebenfalls nach seinen Modellen von anderen ge- fertigt. Auch diese Bilder haben wir schon oben S. 104 bei der Be- schreibung der Giebelfelder erwähnt.

Die colossalen Statuen des Erlösers und der Evangelisten in den Nischen der Facade der St. Ludwigskirche wurden 1835 nach kleinen Modellen von anderen Bildhauern in Jurakalk aus- geführt, aber sie tragen das Gepräge ächt religiöser Weihe.

Für die neue Pfarrkirche in der Vorstadt Au wurden nach seinen Skizzen ebenfalls die Statuen der vier Evangelisten, und dann nach seinem Modelle eine Madonna in Sandstein ausgeführt.

In diesen Bereich gehört auch der Auftrag des Kronprinzen Maximilian von Bayern zu einem grossen Vafelservice, wozu Schwanthaler die Aufsätze, Inspektor Ziebland Leuchter, Gefässe und das Uebrige zeichnete. Unser Meister bediente sich bei dieser Gelegenheit seiner Schüler Balbach, Gröbner, Heer, Westen, und des Bildhauers Widnmann. Diese Künstler fertigten unter seiner Aufsicht sieben Tafelaufsätze, wovon jener, dessen Bildwerke dem Kreise der Heroen der Nibelungen entnommen sind, das Centrum bildet. Ein Eichstamm trägt auf seinem Gipfel die Gestalten von Siegfried und Dietrich von Bern, von Jungen mit Emblemen der Ritterschaft umgeben. Unter ihnen sind die Nibelungen und Amelungen mit Trinkhörnern und Waffen einander rüssend, und ganz unten sieht man die Ungeheuer, Riesen und Drachen gebunden. Zwölf phantastisch geformte Leuchterarme umgeben das mittlere Geschoss. Dieses Werk ist im Kunstblatte 1843 Nro. 9 genau beschrieben.

Im Schlosse des Grafen von Schönborn zu Gaibach sind zwei frühere Gypsreliefs: Schiller von den Grazien bekränzt und dessen Aufnahme im den Olymp. Diess sind Jugendarbeiten des Meisters.

Die überlebensgrossen Statuen der berühmtesten Maler nach alteren Bildnissen und im Costüme der Zeit, auf der Attika der k. Pinakothek zu München, sind ebenfalls von verschiedenen Bildhauern nach kleinen Modellen unsers Künstlers in Kalkstein ausgeführt. Der Kaiser Nicolaus von Russland liess diese Statuen im Kleinen in Erz giessen.

Auch zu den 10 Fuss hohen Statuen der acht Kreise Bayerns auf der Attika des Portikus des Saalbaues und zu den zwei Löwen zu den Seiten derselben, lieferte Schwanthaler nur ganz kleine Modelle, nach welchen dann die grossen Bilder ausgeführt wurden. Sie nehmen seit 1857 ihren Standpunkt ein, und sind jetzt nur von historischer Seite zu betrachten, da mittlerweile das Land eine andere Eintheilung erhielt.

Die vier colossalen Statuen, welche an der äusseren Treppe der k. Bibliothek in München sitzen, sind ebenfalls nach kleinen Modellen Schwanthaler's von anderen Bildhauern im Grossen ausgeführt, wie dieses auch mit einigen anderen Statuen der Fall ist, welche königliche Gebäude zieren.

Das Donau-Main-Monument, dessen wir oben S. 108 in der Reihe monumentaler Arbeiten erwähnt haben, sollte ebenfalls erst hier seine Classification finden, weil Schwanthaler die Modelle in halber Grösse dazu lieferte, und die Ausführung im Grossen anderen Bildhauern überlassen blieb.

Diese Fülle von Arbeiten ergibt sich aus der ununterbrochenen Thätigkeit und dem gänzlich zurückgezogenen Leben des edlen Meisters während 20 Jahren, und wird durch strenge Sonderung seiner von ihm selbst ausgeführten Arbeiten und jener, die nach seinen Skizzen und Modellen entstanden, am besten erklärt. Nur dadurch, dass er Gehülfen suchte, wurde es ihm mugg

Jodius erwähnen, welches Dr. Sulp. Boisserde für seinen Freund Bertram bestellt hatte. Als letzterer zu wiederholten Malen in das Atelier des Meisters kam, um die Zeichnung zu sehen, diese aber noch im Borne von Schwanthaler's reicher Erfindungsgabe lag, so machte sich der Künstler endlich beim Eintritt Bertram's an die Arbeit, und noch war keine Viertelstunde verflossen, während wel- cher sich der genannte Kunstfreund umsah, und die Zeichnung hatte Bertram vor sich, noch mit den Spuren des die Tinte ab- sorbi renden Sandes. Ein Künstler von solchen Gaben der Natur kann allerdings viele andere beschäftigen, wenn ihn überdiess ein König beschützt, welchem wir die großartigsten Kunstschöpfun- gen der neueren Zeit zu verdanken haben.

Unter den Praktikern, welche ihm zur Seite standen, sind mehrere schon oben genannt, bei Aufzählung der Werke Schwan- thaler's, und hinzu kommen noch Kaiser, Riedmüller und andere tüchtige Künstler. Die Statuen der Maler auf der Attika der Pina- kothek, die Statuen an der Bibliothek sind von den längst bekann- ten Bildhauern Leeb, Sanguinetti, E. Mayer, Schaller u. a. ausge- führt. Die Statuen auf der Attika des Saalbaues wurden grössten- theils von Schülern der Akademie gefertigt. Aber auch noch an- dere Praktiker, die in Deutschland und in Italien Ruf haben, ar- beiteten im Atelier unsers Meisters, wie die beiden Lazzarini, Lossow, Stürmer, Granzow, Gebhard u. a. Mehrere seiner Schü- ler, früher ebenfalls unter ihm thätig, sind seitdem zu namhaften Künstlern herangereift, so Brugger, Widnmann, Puille, alle drei in München; Balbach in Karlsruhe, Müller in Meiningen, Horch- ler in Regensburg, Conrad in Hildburghausen u. a. Der rühm- lichsten Erwähnung verdient Xaver Schwanthaler, der Vetter des Meisters, der seit 28 Jahren im Atelier thätig ist, und bei den wiederholten Krankheitsfällen unsers Künstlers ordnend und leitend zur Seite stand. Zwischen ihnen waltet das freundschaftlichste Verhältniss der Treue und des redlichsten Zusammenwirkens. X. Schwanthaler modellirte mehrere Statuen und arbeitete an vielen Werken in Marmor.

J. B. Stiglmayer, Inspektor der k. Erzgiesserei, welche jetzt als die erste Anstalt dieser Art in Europa zu rühmen ist, goss mehrere Werke unsers Meisters und gab dadurch denselben un- absehbare Dauer. Ihm zur Seite stand mehrere Jahre Ferd. Mill- er, der Neffe desselben, welcher, eingeweiht in alle Geheimnisse und Vortheile des Gusses, seit dem 1844 erfolgten Tod Stiglmayer's als k. Inspektor die Anstalt leitet, und derselben noch grösseren Ruhm verlieh. Müller hatte eine bessere Schule als der Onkel, und sah sich in den berühmtesten Erzgiessereien in Frankreich und England um.

Ludwig von Schwanthaler ist Professor der Akademie der Künste in München, Mitglied mehrerer anderer Akademien, Doc- tor der Philosophie, Commandeur, Offizier und Ritter mehrerer hohen Orden, wie jenes Pour le Merite etc. etc., Ehrenbürger von Frankfurt und Salzburg.

Bildnisse L. von Schwanthaler's und Abbildungen seiner Werke, — Kaulbach, und auch Asher, haben das Bildniß dieses Künst- lers gezeichnet. Bergmann hat es lithographirt (in halber Figur). Wölcke lithographirte das Brustbild desselben. In der Urania und in der illustrirten Zeitung findet man ebenfalls Schwanthaler's Bildniß. - Mehrere Werke dieses Meisters liegen bereits in trefflichen Stichen vor. Besonders schön, ganz im Geiste des Künstlers behandelt, sind die Stiche: von Prof. Amsler und seiner Schule. Andere sind lithographirt... Es steht auch eine Gesammtausgabe in Aussicht, wovon 1830, 40. zu Düsseldorf bei Julius Buddeus die I. und II. Abtheilung erschien. Die erste Abtheilung enthält auf 12 Blättern den Mythos der Aphrodite, welcher unter Prof. Amsler's Leitung von Stäbli und Schüttzell gestochen wurde. Ein Beiblatt gibt die Erklärung, gr. roy. fol. In der zweiten Abtheilung finden wir den Kreuzzug des Kai- sers Friedrich Barbarossa, den berühmten Gipsfries. im Saalbaue der Residenz, 18 Blätter unter Amsler's Leitung gestochen. Mit hist. Erläuterung von C. Schnaase, gr. roy. fol. Die Standbilder der bayerischen Ahnen im Thronsaale; des Saalbaues der k. Residenz, 12 lithographirte. Blätter von Hellmuth nach Zeichnungen von Lehmann. Mit einem Vorworte. München 1846, Piloti und Löhle, gr. fol. In der Charitas, Festgabe für 1844, 45, 46, (von E. v. Schenk und C. Fernau), sind diese Statuen von A. Schleich sehr schön in Stahl gestochen, 8. In der illustrirten Zeitung sind einige dieser Ahnenstatuen in Holz geschnitten. (In der k. Porzellan - Mänufactur zu München sind sehr schöne Statuetten in Thon angefertiget worden.) Das Bildniß des Churfürsten Max I. ist auch einzeln für R. Marg- graffs Jahrbücher von J. Unger gestochen, 4. Die Statuen der Generale Wrede und Tilly, für die illustrirte Zeitung 1845 in Holz geschnitten. Die Statue des Kaisers Rudolph von Habsburg im Dome zu Speyer, von A. Schleich für die Charitas 1844 in Stahl ge- stochen, 8. In der illustrirten Zeitung von 1845 ist sie im Holzschnitte gegeben. Die Malerstatuen auf der Attika der k. Pinakothek, gestochen von S. Amsler, 12 Blätter nach Lehmann's Zeichnungen, fol. Für die illustrirte Zeitung wurden diese Statuen in Holz ge- schnitten. (In der Porzellan - Manufactur zu München sind sie als Statuetten in Thon zu haben.) Die Statue Shakespeare's, gest. von J. Unger für Marggraffs Jahrbücher, 4. Der heil. Georg mit dem erlegten Drachen vor Margaretha, nach dem Basrelief des Dr. Boisserde 1834 von Amsler für den Münchner Kunstverein gestochen. Die Nymphe im Besitze des Grafen von Arco, für die illustrirte Zeitung in Holz geschnitten. Ceres und Proserpina, die Gruppe des Grafen von Rederpin, für die illustrirte Zeitung in Holz geschnitten. Die Hermayp's Schlacht, Giebelfeld der Walhalla, für des Gra- fen A. von Raczynski Geschichte der neueren, deutschen Kunst Nagler's Künstler-Lex. Bd. XVI, 8

lithographirt, II. Berlin 1840. Später wurde es von A. Schleich auf zwei großen Blättern in Stahl gestochen. In der illustrirten Zeitung 1845 ist dieses Giebelfeld in Holzschnitten.

Das zweite Giebelfeld der Walhalla, Allegorie auf den Frie- den von 1816, wurde ebenfalls von A. Schleich gestochen, als Ge- genstück zur Hermannsschlacht.

Die Bavaria, lithographirt von F. Hohe nach Hiltensperger's Zeichnung.

Für die illustrirte Zeichnung wurde diese Statue 1846 sammt

dem Gerüste in Holz geschnitten.

Das Monument des Baron Kreitmayer, lith. von Bergmann für die bei der Enthüllung vertheilte Broschüre des k. App. Gerichts-

rathes Wälsch, 1845. Das Mozart-Denkmal in Salzburg, gestochen von S. Ams-

ler, gr. fol.

Das Goethe-Denkmal zu Frankfurt u. M., mit den Basreliefs, gest. v. S. Amsler, gr. fol.

Diese beiden Statuen sind in der illustrirten Zeitung 1845 auch xylographirt. In der illustrirten Zeitung werden im Verlaufe des Jahres 1846 noch mehrere andere Werke des Meisters im Holz- schnitte erscheinen.

Dann haben wir von L. v. Schwanthaler selbst ein radirtes Blatt, welches im Album deutscher Künstler, Düsseldorf 1840, vor- kommt. Es stellt Leukothea vor, wie sie den Odysseus aus dem

Sturme rettet, gr. fol. Von diesem Album gibt es Abdrücke vor und mit der Schrift,

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_LMQ-AAAAcAAJ