Schwanthaler, Franz, Bildhauer, geboren 1760, der Vater des be- rühmten Ludwig von Schwanthaler, stammt aus einer alten Land- bildhauer-Familie zu Ried, im ehemaligen Innviertel Bayerns, jetzt im Innkreis Oberösterreichs. Er ist der älteste von 3 Brüdern, die sämtlich Bildhauer waren, und solche auch unter den Vorfahren zählten, deren Lebensgeschichte aber unbekannt ist. Es müssen aber viele Künstler dieses Namens gelebt haben, da Lipowski im bayeri- schen Künstler-Lexicon sagt, dass die Schwanthaler'sche Familie schon über 300 Jahre in der Bildhauerkunst berühmt sei. Wir kennen indessen nur einen einzigen älteren Meister, der zu dieser Familie gehören könnte, nämlich den S. G. Schwandaler, von wel- chem sich in der Kunstkammer zu Berlin zwei Hochreliefs befinden, dann Thomas und Bonaventura Schwanthaler, ersterer um 1680, letz- terer der Sohn. Der eine von Franzens Brüdern hiess Anton, der andere Peter, welcher in Ried tätig war, und für viele Kirchen arbeitete, während Anton bis ans Ende bei unserm Künstler in München verblieb.
Nachdem Franz Schwanthaler schon in früher Jugend in Gmunden am Traunsee und zu Salzburg gearbeitet, kam er für eine Zeit nach München , und dann nach Augsburg , wo er lange bei dem damals berühmten Bildhauer Ingerl arbeitete, und 3 Preise auf der dortigen Academie erhielt.
Im Jahre 1785 ließ er sich endlich in München als Bürger häuslich nieder, und von diesem Zeitpunkte an verblieb er in die- ser Stadt und führte in Gemeinschaft mit seinem Bruder Anton zahlreiche Werke aus. Selbstständige Arbeiten sind daher von ihm wenig vorhanden, was sich aber der Art findet: Zeichnungen und Reliefs im antiken Style, zeigt von Geist und Geschicklichkeit. Unter den zahlreichen Arbeiten der Schwanthaler verdienen ein ehrenvollen Erwähnung: die Marmorbüsten des höchstseligen Königs Maximilian und der Königin Karoline, so wie der wohl-
Um 1709 fertigte Schwanthaler das erste Denkmal auf den Kirchhof zu München, welches, gegen den damaligen Gebrauch, nur eiserne Kreuze zu setzen, eine trauernde weibliche Gestalt bei
einer Urne darstellte. Diese Statue wurde als ein Opfer damaliger Befangenheit heimlich zerstört, die Trümmer aber von Freunden helleren Geistes gerettet, und von Westenrieder noch in seinen vaterländischen Beiträgen rühmlichst erwähnt. Allein von dieser Zeit an, nachdem die Bahn einmal gebrochen war, erfolgten Be- stellungen dieser Art von Privaten in grosser Anzahl, so dass Schwanthaler 50 Denkmale auf den Kirchhof fertigte, von welchen aber, theils wegen des damals üblichen weniger soliden Steinma- teriales (Tegernseer und Füssener Marmor zur Architektur), theils in Folge erloschener Familienrechte auf die Leichenplätze, manche nicht mehr vorhanden sind. Wir nennen von diesen Monumenten vorzüglich jene der Familien Kannabich und Freyberg, des Schott- ländischen Naturforschers Johnston, des Hofmalers Ferd. Kobell, des Baron von Kreitmayer, der Familien Krempelhuber, Le Prieur, Ritzler, Santini, Sauer, Schedl, Lungelmayr, mit einer grossen Statue von weissem Marmor in einer dorischen Colonnade von schwarzem Marmor; des alten Grafen von Tattenbach und Töring- Guttenzell, mit Marmor und Sandstein - Gruppen.
Daran reihen sich mehrere andere Monumente ausser Mün- chen: in Ansbach, Löfering, Moosburg, Passau, Rottenburg an der Tauber, u. s. w., sämmtlich mit Figurenreliefs in Marmor oder Sandstein geziert.
Da in jener Zeit geringer Beschäftigung in München Bild- hauer auch Ornamental-Arbeiten auszuführen für grosses Glück achten mussten, so erhielt auch Schwanthaler viele derartige Be- stellungen, wie die Decoratiunen und Ornamente in den Pracht- zimmern der k. Residenz, unter Direktion des königlichen Hof- baumeister Puille ausgeführt, und jene des neuen Hoftheaters nach den Zeichnungen des Prof. Fischer im römischen Style,
Schwanthaler liebte sein Vaterland über Alles, und wies daher mehrere ausländische Anerbietungen zurück; so einen Ruf nach Weimar 1705. Für München machte Schwanthaler's Kunst zu seiner Zeit Epoche; denn er trat zuerst gegen die damals herr- schende Barbarei und Charakterlosigkeit der Kunst mit Schöpfungen auf, die mehr oder minder den Geist der wiedererwachenden An-
Nagler's Künstler - Lex. Bd. XVI 7
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