Schulz, Lebrecht Wilhelm, Elfenbeinarbeiter, einer der be- rühmtesten Meister seines Faches, wurde zu Meiningen ge- boren und in seiner Jugend zum Kunstdrechsler herangebildet, Er fertigte als solcher die geschmackvollsten Arbeiten, allein bald wurde aus dem Drechsler einer der geschicktesten gravirenden Künstler . Seine früheren Arbeiten bestanden vorzüglich in Tabaks- und Waidmannsgeräthschaften, wobei sich Schulz der Kupferstiche des bekannten Riedinger bediente. Der Herzog von Wellington und Fürst Blücher erhielten von ihm Tabakspfeifen mit Bataillen- stücken von vortrefflicher Arbeit. Die Pfeife des letzteren sieht man jetzt in der k. Kunstkammer zu Berlin , neben einigen Leuch- tern, die mit mannigfachen Reliefdarstellungen geschmückt sind und der Hauptsache nach aus Hirschhorn bestehen. Von viel
größerer Bedeutung sind aber seine späteren Arbeiten, die eine
Sorgfalt und eine Feinheit der Behandlung zeigen, welche seinen Produkten einen eigenthümlichen Werth verleiht. Eine der frühe- ren Arbeiten aus der besten Zeit des Künstlers ist ein Pokal von Elfenbein mit einem erhobenen Bildwerke, welches den auf seiner Trostbank von der Jagd zurückkehrenden Großherzog von Weimar vorstellt. Dieses Kunstwerk kaufte der König von Preußen um 80 Friedrichsd'or. Diesen Gegenstand behandelte Schulz zum Zweitenmale an einem 64 Zoll hohen und im oberen Durchmesser 44 Zoll haltenden Becher von Elfenbein. Dieses bewunderns- werthe Werk kaufte die Königin von England um 100 Pf. St., um es ihrem königlichen Gemahle zum Geburtstagsgeschenke zu über- reichen. Hierauf fertigte er, unterstützt von seinen Zwillings- söhnen, verschiedene für den kirchlichen Gebrauch bestimmte Ge- fässe, deren man in der k. Kunstkammer zu Berlin findet. Da- sicht man eine Hostiendose, auf deren Deckel die Flucht nach Aegypten dargestellt ist; dann drei Kelche, wovon jeder 113 Zoll hoch ist und 5 Zoll im Durchmesser hat. Der erste Kelch zeigt auf der einen Seite die Einsetzung des Abendmahls, auf der ande- ren Christus am Oelberge mit den schlafenden Jüngern. Am Fusse des Kelches ist das Gepräge eines Silberlings eingeschnitten, und ganz unten am Kelche das Reliëtbildniss des Künstlers. Auf dem
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Neuere Arbeiten in Elfenbein sah man 1844 auf der Kunst- ausstellung in Berlin; darunter einen Ritterhumpen mit einer Dar- stellung des grossen Siegestages bei Leipzig, worauf 23 Portraits der ausgezeichnetsten Feldherren angebracht sind. Dann waren drei Ehrenpokale mit Schlachtscenen ausgestellt: Die Schlacht bei Möckern 1813, die Schlacht und Gefangennehmung des Generals van Damm bei Culm, und die Schlacht bei Belle-Alliance, wie Blü- cher und Wellington sich umarmen. Dann sah man eine Cylinder- Taschenuhr, auf welcher Fürst Blücher vorgestellt ist, wie er mit seinen beiden Adjutanten die eroberten Standarten in Empfang nimmt. Ein Bild der hl. Maria mit dem Jesuskinde und einem Engel, sehr stark erhoben, ist einem Vorbilde von Correggio entlehnt. Kleinerer Schmuckwerke, deren sich von den Meistern Schulz viele finden, wollen wir nicht gedenken. An allen diesen Arbeiten ha- ben auch die Söhne Theil, und vielleicht den grössten.
Im Jahre 1832 ernannte die Akademie zu Berlin den Hof- kunstdrechsler in Meiningen zum Mitglied der Akademie, und legte dem Diplome die grosse silberne Preismedaille bei. Als 1837 die genannten Werke der k. preussischen Kunstkammer ein- verleibt wurden, ertheilte ihm der König die goldene Medaille und das Prädikat eines Professors.
Seine Söhne arbeiten im Geiste des Vaters, und so wird die Werkstätte der Hofkunstdrechsler in Meiningen als Kunstate- lier fortbestehen. Es lebt auch noch der greise Vater.
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