Schühlein, Hans, auch Schüchlin, Schühle, Schülin und Schiele geschrieben, Maler, das Haupt einer Künstlerfamilie in Ulm , und einer der ausgezeichnetsten deutschen Meister aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Hans Schühlein erscheint in Ulmer Bürger- büchern von 1468 — 1492, die Maler Erasmus, Lucas und sein Bruder Daniel 1497, 1500 und 1510.
Dieser ausgezeichnete Meister wurde erst in neuester Zeit durch
C. v. Grüneisen bekannt, der in seinem Werke über Ulms Kunst- leben im Mittelalter, und dann im Kunstblatte 1840, Nr. 06, in- teressante Nachrichten über Schühlein und über dessen Stellung und Einfluss in der Ulmischen Schule gegeben hat. Seine Re- sultate zog er besonders aus Schühlein's herrlichem Altarblatt in der Kirche zu Tiefenbronnen. Es enthält in einem prächtigen Schrein von reicher Vergoldung sechs verschiedene biblische Darstellungen von bemaltem Schnitzwerk in zwei horizontalen Reihen, in jeder Reihe eine grössere zwischen zwei kleineren, über jeder Darstel- lung der unteren Reihe ein Spitzbogen, der oberen ein Rundbo- gen von schöner durchbrochener Arbeit in gothischer Zeichnung. In der oberen Reihe ist inmitten die Kreuzabnehmung, mit der knieenden Magdalena, links St. Katharina, rechts die heil. Elisa- beth. In Mitte der unteren Reihe sieht man den Leichnam Chri- sti im Schoosse der Mutter, daneben die beiden anderen Marien mit Salbengefässen, zu den Seiten die beiden Johannes. Dieses Schnitzwerk hat volle Gestalten, ausdrucksvolle Antlitze, schönen Gewandwurf; und besonders schön und von innigem Ausdrucke ist die Magdalena bei der Kreuzabnehmung. Ueber dem Schrein hängt Christus am Kreuze unter einem Baldachin, der sich wie ein Thürmchen erhebt, und von zwei kleineren umgeben ist. Ne- ben am Schrein an die Sockel der Pfeiler, welche die Rah- men der Darstellungen bilden, vertheilt, liest man die Jahrzahl MCCCCLXVIII. Alles Übrige ist Malerei. In der Staffel sind je sechs Apostel im Brustbild auf beiden Seiten, und bilden bewegte Gruppen. In der Mitte sieht man Gott Vater in segnender Bewe- gung, den Reichsapfel in der Linken, mit weissem Barte, mit der kaisarlichen Krone, ein herrlicher Kopf von hoher Majestät und Würde. Die Flügel des Altarschreines haben auf jeder Seite zwei Darstellungen, je 5,4 F. hoch, und 4,1 F. breit. Im Aeussern ist, links oben die Peilsündiguung, im unteren die Geburt und Anbet- ung des Kindes in einer Tempelruine mit rund bedeckten Fen- stern und rothen Säulchen. Rechts im oberen Theile ist die Heim- suchung, im unteren der Besuch der drei Könige, unter welchen
Auf der Hinterwand sind je vier Darstellungen in einer oberen und unteren Reihe, nur sind leider die zwei mittleren der unteren Reihe durch ein später angesetztes Kästchen verdeckt. Oben ist in der Mitte der Erzengel Michael und neben ihm St. Christoph; an den Seiten St. Sebastian und Antonius. Unten sieht man blos an den Seiten die heil. Margaretha und Apollonia. Auf der Staffel sind die vier lateinischen Kirchenväter in halbem Körper, jeder vor einem Pulte, in der Mitte sieht man das Schweisstuch, welches aber mit einem kleinen aufgenagelten Brett bedeckt ist. Zwischen Staffel und Schrein liest man in Absätzen:
Ano — Domini MCCCCLX — VIM Jare — ward dissestaffel vilf getzet vnd gantz — vss gemalt vff sant Stefas tag des — bapst vn ist — gemacht zue vim von Hanfs & Schüchlin malern.
Dieses Altarwerk lehrt uns nach Grüneisen einen der tüchtigsten Meister derselben Schule kennen, worin M. Schön, B. Zeitblom und M. Schaffner blühten. Der Zeit nach steht Schühlein zwischen Schön und Schaffner als ein näherer Altersgenosse von Zeitblom, Seine Zeichnung ist kräftiger und runder als bei Schön und Zeit- blom; seine Färbung theilweise nicht so sorgfältig und auch in den besseren Partien minder frisch, indem ein gelbbräunlicher Grund- ton durch seine Palette geht. In Composition und Anordnung herrscht aber bei Schühlein mehr Bewegung und Mannigfaltigkeit als bei Zeitblom, der sich einfach an die herkömmliche typische Darstellung hält. Hier ist in ihm ein eigenthümlicher Nebenbuhler Zeitblom's gefunden, und, für M. Schaffner ein Vorbild, wie wir dies in den Artikeln dieser Meister erklärt haben.
Dies scheint bisher das einzige Gemälde zu seyn, welches man von Schühlein kennt. Weyermann, Neue Nachrichten von Ulmer Künstlern, fand in einer Rechnung, dass Schühlein 1491 für zwölf Bottenbüchsen mit St. Görgenkreuz auf Kosten des schwäbischen Kreises 1 Pfund und 8 Schilling erhalten habe.
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