Schroedter, Adolph

Schroedter, Adolph, Maler und Kupferstecher, einer der geist- reichsten Humoristen, welche die Kunstgeschichte aufzuzählen hat, wurde 1805 zu Schwedt geboren, und in Berlin zum Künstler herangebildet, wo er sich anfangs der Kupferstecherkunst widmete. Es finden sich von ihm auch mehrere Blätter in Linienmanier und Radirungen, die als Arbeiten eines jungen Künstlers bereits zu den vorzüglichsten Werken ihrer Art gezählt werden müssen. Endlich aber fing Schroedter auch in Oel zu malen an, und in kurzer Zeit war sein Ruf gegründet, da schon seine ersten Gemälde entschei- denes Talent zur Auffassung naiver und humoristischer Scenen beurkundeten, und seine Bilder auch den Vorzug einer strengen Zeichnung hatten, welche beim Kupferstecher vorherrschend ist, und für das komische Pathos einer Figur überaus glücklich wirkt. Von Berlin aus begab sich Schroedter nach Düsseldorf , wo er seit mehreren Jahren das Feld des komischen Genres fast allein be- herrscht, und einen solchen Reichtum der Phantasie und der glücklichsten Laune entwickelt, wie es nur wenigen Künstlern be- schieden ist. Er bildet einen eigenen Glanzpunkt der rheinischen Schule, indem er neben ihren ernsten Bestrebungen die Parodie , neben der Tragödie das Lustspiel und den Basso einführte. Er zeigte sich gleich anfangs von den Haufen der Genremaler geschieden durch eigenthümliche humoristische Romantik, durch das Pathe-

"Seine Grotteske und Grandiose seiner Comik. Er behauptet immer eine gewisse Noblesse, auch wenn er die anmassliche Trivialität des gemeinen Lebens zur Schau trägt. In seinen Bildern aus dem Leben und Treiben des Volkes ergötzt die unerschöpfliche Laune, und sein Scherz, so wie sein komischer Ernst erregen die lustigste Stimmung. Schroedter ist der Meister des ächten Humors und der Komik der Kunst. Dies beweiset eine grosse Anzahl von vortrefflichen Bildern. Im Jahre 1835 wurde Schroedter Mitglied der Akademie in Berlin;

  1. Zu den früheren Bildern, welche den Künstler weit hin bekannt machten, gehören zunächst zwei, welche in den Besitz des Consuls Wagener in Berlin kamen. Das eine, bereits ein ausgezeichnetes Werk, stellt eine 1830 Rhein-Wein-Probe dar, und das andere ein Rheinisches Wirthshaus mit einer Scene des liebenswürdigsten Leichtsinns, 1832 gemalt. Ein anderes Bild aus dieser Zeit ist unter dem Namen des alten Abtes bekannt, und ein zweites unter jenem des Pfropfenziehers, eine höchst humorvolle und phantasievolle Composition, welche der Künstler selbst radirt hat. Noch grösseres Aufsehen erregte aber sein in Romanlektüre vertiefter Don Quixote, ein Bild von mittlerer Grösse, im Geist und Styl ganz der edle Junker des Cervantes. Dieses berühmte Bild, welches den Ruf des Künstlers vornehmlich gegründet hat, wurde 1843 aus der Reimer'schen Sammlung um 640 Thl. ersteigert. Zwei andere Gemälde, welche der Zeit nach auf die genannten folgen, stellen Jäger dar, beide von burlesker Wahrheit. Auf dem einen Gemälde ist der Jäger dem stärksten Regen ausgesetzt, das andere zeigt einen roth frierenden Waidmann. Hierauf malte er eine grössere Jagdszene, wo alle Personen Portraits sind. Dann brachte er sich auch selbst auf Gemälden an, wie auf jenem gleichzeitigen Bilde, wo er hinter einem Offizier nach der schönen Aufwärterin hinblickt. Ein weiteres Bild ist unter dem Namen Zeit Marten bekannt, wo Kinder mit Gurkenlaternen ihr Martinslied singen, 1835 im heitersten Humor aufgefasst. Die „Abendsunne" betitelt er 1836 ein Bild, welches ein kleines Mädchen, einen Jüngling und einen Greis vorstellt, in einer Bogenhalle versammelt, in welche glänzendes Abendlicht fällt. Hierauf malte er jenes Bild, welches unter dem Namen des Kunstbeförderers pr. Achse bekannt ist. Es ist diess in höchst genialer Parallele ein fidele Fuhrmann, der auf seinem Wagen Bilderkisten an den Kunstverein zu N. N. befördert, im Besitze des Dr. Lucanus zu Halberstadt. Nun kommt auch an Don Quixote wieder die Reihe, der mit Sancho Pansa auf Abentheuer auszieht, und auch Shakespeare's Heinrich IV. musste Stoff zu einem Bild voll Laune und schlagenden Witzes liefern. Es stellt Falstaff dar, wie er mit höhnischem Lächeln in der Weinlaube auf seinem Stuhle sitzt und die Recruten mustert. Dieses prächtige Bild malte Schroedter 1837, und auch folgende gehören der Conception nach dieser Zeit an. Das eine, die Skizze zu dem späteren, unten erwähnten Bilde stellt den Freiherrn von Münchhausen dar, der bei einer Bowle Punsch seine Jagdabenteuer erzählt. Ein anderes führt uns die Scene aus Göthe's Faust in Auerbachs Keller vor den Blick. Ein kleines Seestück bei Mondschein dient als Erinnerung an Helgoland, und eine andere kleine Landschaft stellt eine Haide bei Sonnenuntergang dar. Dann componirte und radirte er im Laufe des Jahres 1837 zwei Bilder zu Reinick's Liedern: Frühlings-Glocken und der neue Samson. Daran schliesst sich auch die Zeichnung zum Dedications-Exemplar des Oratorium „Paulus" von Mendelsohn-Bartholdi, den Componisten vorstellend. Ein Gemälde von 1833 stellt einen alten

lung ausgedrückt, wie jeder den anderen völlig getäuscht und über-

listet zu haben vermeint. Am Nebentische sitzt der Page und Gardulph, und der lächerlich bunt herausstaffirte Pistol brüstet sich als Hauptfigur. Ein schönes Bildchen von 1841 hat Uhland's Lied zum Gegenstande: Ich höre meinen Schatz. Im Kunstblatte von 1843 wird als eine von Schroedter's meisterlichsten Schöpfun-

gen der Frhr. von Münchhausen gerühmt, wie der alte Lugner an der Wirthsstube am Tische sitzt, und Bauern, Gensdarmen, Jäger, alle in grösstem Staunen ihm zuhören. Eine solche Scene malte, wie oben erwähnt, Schroedter schon 1837, diess ist aber eine Darstellung im Grösseren. Ein anderes Gemäölde desselben Jahres ist unter dem Namen der Beichte im Walde bekannt, und eines der neusten stellt Don Quixote's Rast unter den Ziegenhirten dar.

Doch sind diess nicht alle Werke des Meisters, nur der grösste Theil derselben. Ueberdiess nennen wir noch die betrübten Loh- gerber in der Sammlung des Professors d' Alton, die Uckermärk'- schen Bauern im Gespräche über Politik, ein humoristisches Bild, den schlafenden Knaben mit dem Hunde, eine Scene auf der Reh- jagd im Besitze des Prinzen Friedrich von Preussen, die gewiegten und zerbrochenen Flaschen, und das entfliehende Jahr, komische Neujahrswünsche, u. s. w. Auch für Simrock's deutsche Sagen., Frankfurt 1840 ff., lieferte er mit anderen Zeichnungen.

Dann fertigte Schroedter auch viele Zeichnungen zur Illustra- tion. Darunter sind solche zu einer neuen Ausgabe des Eulen- spiegel, womit er 1840 begann. Von ihm, von K. Jordan, G. Oster- wald und L. Richter sind ferner die Zeichnungen zu Musäus Volks- mährchen der Deutschen. Leipzig 1842, gr. 8. Auch die deutschen Sagen, mit deutschem und französischem Text, und die Dichtungen von C. Simrock, Frankfurt 1840 ff., sind nach seinen Zeichnungen, so wie nach solchen von Mücke, Becker, Sonderland, Plüddemann, mit Kupferstichen von X. Steifensand illustrirt, qu. Fol. Es gibt auch eine kleinere Ausgabe. Seine Zeichnungen zum Don Quixote hat er selbst radirt, 1. Heft, Leipzig 1844, gr. Fol. Diese Compositionen sind im Kunstblatte des genannten Jahres Nro 41 genau beschrieben. Dann erschien nach den Zeichnungen von

Schroedter, Stilke u. a. auch eine Gallerie zu Schiller's sämmt- lichen Werken in Stahlstich. Stuttgart 1836 f., roy. 4.

Auch mehrere von seinen Gemälden sind durch Abbildungen bekannt. Gille lithographirte das berühmte Bild des Don Quixote, und in der Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Grafen: Raczynski ist es von Thompson trefflich in Holz geschnitten. Die

Eigenhändige Stiche, Radirungen und Litho-

graphien.

Schroedter hat in seiner früheren Zeit meistens mit dem Grab- stichel und mit der Radirnadel gearbeitet, und Letztere auch später noch öfter zur Reproduktion gebraucht. Seine Blätter dieser Art gehören zu den geistreichsten Produktionen der neueren deutschen Kunst. Die wenigen Lithographien, welche wir von ihm haben, sind am Werthe jenem gleich.

Die frühesten Blätter des Meisters.

— 41) Das Bildniss des Paul Gerhard. 2) Scene in einer römischen Osteria, nach Lindau. 3) Ein liegender Räuber, nach L. Robert. A. Schroedter Aq. fort. W. Oelschig sc., gr. qu. Fol.

  1. Der schlafende Bauer, nach Teniers.

  2. Zwei Basreliefs, nach E. Rauch,

  3. Eine Landschaft nach Zingg,

  4. Die Katze am Fenster, nach R. Mind.

  5. Vignetten und Titelblätter, [nach Bendixen, Kirchhof und

Ramberg.,

Spätere malerische Radirungen,

  1. Don Quixote in seinem Studierzimmer, nach seinem eigenen berühmten Bildz für das erste Heft des Album deutscher Künstler radirt, Düsseldorf bei J. Buddeus 18530, qu. Fol.

Im Aezdruck auf chinesisches Papier 1 Th.

  1. Don Quixole's Abentheuer mit der Schaafheerde, Jaunige Arabeske, für das Album deutscher Künstler radirt. Düssel- dorf 1840, qu. Fol. !

  2. 30 Bilder zum Quixote, erfunden und radirt von A.Schroed- ter. I. Heft. Leipzig 1844, gr. Fol. '

  3. Münchhausen's Entenfang, für das 7te Heft des Album deut-

scher Künstler. Düsseldorf 1840, qu. Fol,

Die Aezdrücke sind sehr selten. Bei Weigel, 3 Th.

  1. Die wandernden Musikanten auf ebenem Felge von Regen

und Wind überfallen, 1837 radirt, qu. Fol. 14) Frühlingsglocken, Arabeske, für die Lieder eines Malers (Reinick) radirt, gr. 4.

  1. Der neue Simson, für dasselbe Werk radirt, beide nach Reinick's Liedern, und in Arabesken-Form.

  2. Das Titelblatt zum 2ten Bande von Reinick's Liedern, auch unter dem Titel: Deutsche Dichtungen mit Randzeichungen deutscher Künstler, I. Band. Düsseldorf 1843- gr. 4.

  3. Rheinweinlied von M. Claudius: stattliche Gesellsckaft in der Laube zechend und singend, tür das obige Werk radirt.

  4. Trinklied aus dem 16. Jahrhundert, für dasselbe Werk

radirt. Es finden sich von diesen geistreichen Blättern Ab- drücke, schwarze und farbige Abdrücke.

  1. Nachtmusikanten von Pater Abraham a St. Clara, radirt für den 3ten Band der Lieder und Bilder, auch unter dem Titel: Deutsche Dichtungen mit Randzeichnungen deutscher Künstler, II. Band. Düsseldorf 1844, 45, gr. 4.

  2. Maiwein von Wolf Müller, für dasselbe Werk radirt.

  3. Vier radirte Blätter mit Scenen aus Peter Schlemihl, zu Chamisso's Werken. Leipzig 1856, gr. 8.

  4. Der Traum von der Flasche. Komisch satyrische Arabeske. Mit dem Namen und der Jahrzahl 1831, verkehrt. Radi- rung, Fol.

  5. Der Neid, Radirung im Kunstbuche der Düsseldorfer Maler- schule, I. Lief. Berlin 1835, qu. Fol.

  6. Das Ständchen, für dasselbe Werk; radirt, zwei komisch- satyrische Arabesken. Mit dem Monogramm des Künstlers und der Jahrzahl 1833. Reinick's Gedicht gih die Er- zählung.

  7. Humoristische Arabeske mit Fahnenträger, welcher die Laute spielt. Radirt und farbig gedruckt, 1859, qu. Fol.

  8. Humoristische Vignette mit Figuren und Arabesken. Die (radirte) Adresse des Kunsthändlers J. Buddeus, in Düssel- dorf, 1830, qu. 8.

Es gibt Abdrücke vor und mit der Adresse.

  1. Der Brautkranz, radirtes Blatt, qu. Fol.

Es gibt Abdrücke vor der Schrift.

  1. Erinnerung aus dem Musikfest zu Düsseldorf 1836. I. Blatt: Sinfonia eroica von L. von Beethoven, Parte prima. Bei Weigel 1 Thl. 8. gr. 1/2

  2. Das Titelblatt mit Arabesken zum 8ten Hefte des Album deutscher Künstler in Orig. Radirungen. Düsseldorf 1841, qu. Fol. Die Abdrücke sind selten.

  3. Abschiedskarte: Betrübte Lohgerber u. a. Figuren. Der Maler A. Schroedter empfiehlt sich bei seiner Abreise nach Düsseldorf im Juni 1829. Seltenes radirtes Blatt, qu. 8.

  4. Die Adresskarte des Kunsthändlers Hering in London. Zwei allegorische Frauen und zwei Kunstkenner bei einem von Arabesken umgebenen Schilde, radirt. Mit Zeichen und Jahrzahl 1842. qu. 8.

Es gibt Abdrücke vor der Schrift.

Photographie 32) Rauferei von Musikanten. Tutti. Original-Lithographie, mit Zeichen und Namen, qu. Fol. 33) Programm zur Feier des Frühlingsfestes der Künstler in Gastein, figürliche Composition mit Arabesken, in zwei Blättern mit Text. Original-Lithographie, qu. roy. Fol.

Schroedter, könnte in fehlerhafter Orthographie auch einer der Schroeder und Schroeter geschrieben werden.

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