Schraudolph, Johann

Schraudolph, Johann, Historienmaler , geb. zu Obersdorf im Allgäu , 1808 verlorntel in seiner Jugend das Schreinerhandwerk

Nach Vollendung dieser Malereien verband sich Schraudolph mit Professor Heinrich Hess, welcher bei seinen grossartigen Arbeiten in der Allerheiligenkirche und in der Basilica des heil. Bonifacius an unserem Künstler einen der tüchtigsten Gehülfen fand. Die Ausschmückung der ersteren dieser beiden Prachtkirchen begann 1832, und jetzt umfasst sie in ihrem Bilderschmucke ein erhabenes religiöses Epos. Schraudolph componirte und zeichnete unter Leitung seines Meisters einige Bilder, in den Räumen der Allerheiligen Kirche, und andere sind von Joseph Binder, Max Seitz, Carl Koch , J. B. Müller und J. Moralt, welche hier alle im Geiste des Meisters arbeiteten, so dass die Malereien dieser Kirche ein grossartiges Ganze bilden. Schraudolph componirte und malte Moses mit den Gesetztafeln, Moses am Felsen, David mit der Harfe, Saul als König, Samuel, Josuah, und die Evange- listen Marcus und Lucas. Zu dem von J. B. Müller gemalten Bilde der sieben Gaben des heil. Geistes fertigte Schraudolph den Carton. Schreiner hat die Gemälde dieser Kirche lithographirt. Hierauf wurde im Auftrage des Königs Ludwig die neue, im alt- deutschen Style von Ohlmüller erbaute Pfarrkirche in der Vorstadt Au mit gemalten Fenstern geziert, und die Ausführung derselben erfolgte unter Leitung des Directors von Gärtner und des Hr.

Heinrich Hess. Die Compositionen der historischen Bilder, die jetzt in diesen Fenstern in voller Farbenpracht erscheinen, sind von Schraudolph, J. Fischer und Ch. Ruben, und später kam auch W. Röckel hinzu. Von Schraudolph allein erfunden ist das Gemälde, wo Maria in den Tempel geführt wird, an den Darstellungen der Geburt Christi, der Heimsuchung Mariä, der Kreuztragung, des Todes der Maria hat auch J. Fischer Theil, der hier als der jün- gere neben Schraudolph erscheint. Die Ornamente sind alle von Aimüller componirt, dem berühmten Inspektor der Glasmalerei- Anstalt in München, die jetzt als die erste ihrer Art bezeichnet werden muss. F. Eggert gab die bildlichen Darstellungen dieser herrlichen Fenster in lithographirter Nachbildung heraus, und lie- ferte hierin selbst ein Prachtwerk.

Dann hat Schraudolph auch an den Fenstergemälden Theil, welche später in eine Kirche nach England kamen (Kilendown), und die ebenfalls aus der genannten Anstalt hervorgingen. Er sind diess im Ganzen sieben Glasfenster, wovon jene des Chores Lucas Schraudolph gemalt hat. Sie stellen, von Johann Schrau- dolph componirt, Maria mit dem Kinde und die Apostel Petrus und Paulus dar. Die vier anderen Fenster enthalten Gestalten englischer Könige von J. Fischer's Composition. Im Jahre 1844 kamen sie an Ort und Stelle.

Dann war Schraudolph auch in der Basilica des hl. Bonifacius thätig, wo Prof. Hess einen neuen Kreis seiner Thätigkeit gewann. So wie in der Allerheiligen-Kirche, so konnte er auch hier den ganzen Reichthum der Bilder nicht allein entwickeln, und musste daher Gehülfen wählen, unter welchen Schraudolph zuerst genannt werden muss. Er componirte da mehrere Bilder und führte sie auch in Fresco aus. Sein Werk ist die Predigt des hl. Boni- facius unter den Friesen, dessen Weihe zum Bischofe, die Salbung Pipin's zum Frankenkönig, die Wodans-Eiche und der Tod des heiligen Bonifacius.

Hiernauf müssen wir mehrerer Oelgemälde gedenken, die nicht minder einen ausgezeichneten Künstler verrathen, und durch ungemeine Zartheit und Lieblichkeit ansprechen. Das grösste ist eine thronende Maria mit vier Engeln in einer Kirche bei Darm- stadt. König Ludwig erwarb 1840 ebenfalls eine Madonna mit dem Kinde, und ein liebliches Bild der heil. Agnes. Ein etwas früheres Gemälde mit Maria und dem Jesuskinde kam durch den Prinzen Carl von Bayern in den Besitz der höchstseligen Königin Caroline, und durch Vermächtniss der letzteren erhielt es 'das Fräu- lein Kellerhoven, Kammerjungfer der Entschlafenen. Dieses zarte Bild ist durch den Stahlstich bekannt, und ein zweites Madonnen- bild im Besitze des Lithographen Hohe durch die Lithographie des letzteren. Der Graf von Bellevue zu Paris erwarb in letzterer Zeit ein ausgezeichnet schönes Staffeleigemälde mit Figuren in fast halber Lebensgrösse. Sie stellen Ruth und Naomi auf der Rück- kehr nach Bethlehem dar. Der geheime Rath von Klenze besitzt die Oelskizzen zu den oben genannten Bildern in der Basilica des hl. Bonifacius. Im Jahre 1844 malte er im Auftrage des Her- zogs von Leuchtenberg für eine griechische Capelle in Serjelski fünf Bilder auf Goldgrund. Der mittlere Theil nimmt das Abend- mahl ein, und zu den Seiten sind auf einzelnen Tafein etwas unter Lebensgrösse die Bilder des Heilandes, der die Kleinen segnet, und der Maria mit dem Jesuskinde. Die beiden Seitenbilder stellen lebensgrosse Engel dar, wovon der eine als Pilger ge kleidet einen Knaben führt, der andere mit dem Rauchfasse erscheint,

sahen zu München im k. Schulbücherverlag. Die oben 'genannte Madonna aus dem Nachlasse der Königin Caroline von Bayern hat J. M. Elsing-Müller 1841 für den Münchner Kunstverein geschnitten, ein liebliches Blatt; W. Straucher hat ein Madonnen- bild lithographirt. Das Bild der heil. Agnes im Besitze des Königs Ludwig wird ebenfalls im Stiche erscheinen. Die Bilder der Aller- heiligen Kirche hat J. G. Schreiner lithographirt, 14 Hefte gr. Fol. Die Compositionen zu den Glasgemälden der Kirche in der Au sind von A. Eggert in lith. Nachbildungen herausgegeben, unter dem Titel: Abbildungen von den Glasgemälden in der Pfarr- kirche der Vorstadt Au. 7 Lieferungen. München 1843. Roy. 4°.

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