Städte, und bemühte sich überall

Städte, und bemühte sich überall, bei den berühmtesten Meistern

Zutritt zu erhalten, bei ihnen zu arbeiten und von ihnen zu ler-

nen. Wohin er kam, sah man ihn gern, alle Werkstätten gaben ihm zum Gehülfen zu haben, und belohnten ihn auf das freieste;

denn sein Fleiss und seine Kunst hielten immer gleichen Schritt.

Doch blieb er in keiner Stadt länger, als ihm für seinen Bedarf nöthig schien; denn all sein Denken und Streben war der Kunst

und seiner jungen Geliebten geweiht, und die Liebe zu beiden trieb ihn unaufhaltsam zum Ziele. Albrecht Dürer's grosser allge-

meiner Name bewog ihn endlich, auch nach Nürnberg zu ziehen. Dieser edle Meister nahm den jungen talentvollen Künstler mit Freuden in seine Werkstatt und in sein Haus auf, allein die da- mals allgemein herrschenden Streitigkeiten über Religionsmeinun- gen waren auch zwischen diesen beiden verwandten Geistern getreten. Dürer hing mit voller Hingebung an Luther und seine Lehre und sprach auch mit Worten aus, was seine Seele erfüllte; Ges- präche die Schoreel nicht ohne Schauder und Widerwillen zu

ertragen vermochte. Unwandelbare Treue war der Grundton von

Schoreel's innerstem Wesen; was er einmal für wahr hielt, woran er glaubte, was er liebte, das vermochte er nie wieder zu lassen,

es schien ihm daher frevelhaft nur zu untersuchen, ob er recht

thue, so beharrlich zu seyn. So trennte er sich lieber nach einem kürzeren Aufenthalte von dem Meister , um sich nur nicht länger

der Gefahr auszusetzen, in dem ihm ehrwürdigen Glauben seiner

Väter geirrt zu werden. Mehrere Jahre waren indessen während

seiner Wanderungen verflossen, als er ungefähr zweiundzwanzig

Jahre alt, bald nach der Trennung von Albrecht Dürer, nach Kärnthen zog. Hier fand er an einem adelichen und reichen Be- sitzer bedeutender Güter einen warmen Kunstfreund, in dessen Schlosse er vieles malte, theils für den Freiherrn selbst, theils für

dessen kunstliebende Freunde, und ward mit reichen Geschenken, mit Lob und Ehren von allen Seiten überhäuft. Doch wurde ihm auch ein Lohn in dem Herzen der Tochter des Hauses. Schoreel's Liebenswürdigkeit, sein angenehmes Äußere, sein gebildeter Geist machten auf das Fräulein einen zu tiefen und lebhaften Eindruck, als dass ihr Vater lange darüber hätte im Dunkeln bleiben können, und der hochherzige Mann ehrte die Kunst und den Künstler, den er selbst liebte, zu sehr, um hier Rang, Geburt und Vermögen zu berechnen. Er selbst bot daher dem jungen Maler die Hand der Tochter, um die, wie er wohl wusste, des Jünglings Beschei- denheit ihm nie erlauben würde zu werben. Doch das rosige Bild der Tochter des Jacob Cornelis lebte noch immer in dem treuen Gemüth, und so blieb Schoreel nichts übrig, als das gast- freie Schloss zu verlassen und von neuem den Wanderstab zu er- greifen. / Mit dem vollen Bewusstsein, noch nicht das zu seyn, was er zu werden Kraft und Muth in sich fühlte, lenkte er seine Schritte immer weiter von der Heimath ab, wo, wie er hoffte, der süßeste Lohn indessen für ihn heranblühte. Er zog nach Vene- dig. Hier fesselte ihn vor allen die Bekanntschaft eines sehr un- terrichteten und kunstverständigen Landsmannes, eines Kloster- bruders, der da auf mehrere Pilger wartete, die von dort aus mit ihm sich zu einer Wallfahrt nach Jerusalem einschiffen wollten. Dieser frommen Gesellschaft schloss sich auch Schorel an, ging mit ihnen unter Segel, und hatte so günstige Fahrt, dass er selbst auf dem Schiffe der gewohnten Übung seiner Kunst nicht ent- sagen durfte. Er malte während der Reise mehrere seiner Beglei- ter, und zeichnete alle ihm vorkommenden merkwürdigen Gegen- stände sehr sauber und treu in ein kleines Buch, welches er zu diesem Behufe stets bei sich führte. Auch auf den Inseln Candia und Cypern machte er Studien nach der Natur, und sammelte so unschätzbaren Vorrath für künftige Arbeiten in seinem Vaterlande. Endlich gelangte er nach Jerusalem, wo ihm sein frommer Freund in dem Pater Guardian des Klosters Sion eine eben so nützliche als angenehme Bekanntschaft zuführte; denn dieser nahm ihn nicht nur freundlich auf, sondern lud ihn auch zur Begleitung auf seiner Berufsreise durch die Umgebung von Jerusalem ein. Er zeichnete auch hier vieles nach der Natur, besonders die Ufer des Jordans, eine Zeichnung, die er später in den Niederlanden zu einer Darstellung des Durchganges der Israeliten durch diesen Strom benutzte. Auch zeichnete er Ansichten der Stadt Jerusalem von verschiedenen Seiten, das heil. Grab, und alle merkwürdigen Stellen jener dem heiligsten Andenken geweihten Gegenden. Nach seiner Heimkehr ins Vaterland benutzte Schoreel späterhin alle diese Studien zu herrlichen Landschaften, welche, besonders für seine Zeitgenossen, das Interesse seiner vielen Darstellungen aus der Geschichte des neuen Testaments ungemein erhöhten. Der Pater Guardian hatte Schorel während seines Aufenthaltes in Jeru- salem so lieb gewonnen, dass er ihn nur ungern von sich lassen wollte, und drang ihm noch beim Abschiede das Versprechen ab, während der Reise ein Bild für sein Kloster zu malen; Schoreel hielt Wort, und malte auf dem Schiffe den Apostel Thomas, wie er zweifelnd die Seitenwunde des Heilands berührt. Es war im Jahre 1520 und Schoreel 25 Jahre alt, da er aus dem heil. Lande zurückkehrte, und kam nach einer sehr glücklichen Reise endlich wieder in Venedig an. Seine erste Sorge war hier das Bild, das er auf dem Schiffe gemalt, zurück nach Jerusalem abzusenden. Es langte wohlbehalten an und erhielt einen sehr ehrenvollen Platz an der durch die Geburt des Heilandes geheiligten Stätte,

Viele Reisenden hatten es dort gesehen. Von Venedig aus besuchte er die bedeutendsten Städte Italiens und gelangte endlich nach Rom, wo Rafael vor wenigen Monden gestorben war, Michel An- gelio, Giulio Romano und andere berühmte Meister der römischen Schule aber noch in voller Thätigkeit waren. Schoreel studierte jetzt die Werke jener Meister mit ganzer Vorliebe, besonders jene von Rafael, und die Folge dieses Strebens war, dass die Werke seiner späteren Zeit den ersteren nicht mehr gleichen, in welchen sich der Schüler eines Floris und Mabuse kund gibt. Er ist einer der ersten von jenen holländischen Meistern, deren national Eigenthümlichkeit in der theilweisen und äusserlichen Ver- bindung mit der römischen Schule des 16. Jahrhunderts untergeht. Besonders war es Rafael, aus dessen Werken Reminiscenzen in die Seinigen übergangen. Auch brachte er von dieser Zeit an gerne römische Bauwerke in seinen Gemälden an. Was Schoreel ausserdem noch für Vorzüge errungen, vornehmlich in Modellirung, in der Färbung und in der Ausführung, geben wir unten bei Beurtheilung der erwähnten Kreuzigung an, wo wir auch auf die Mängel aufmerksam machen, welche seinen Werken ankleben, was sich aber nur auf jene seiner späteren, italianisirenden Periode bezieht. Der Meister des Todes der Maria in der Pinakothek zu München muss jetzt von diesem Schoreel unterschieden werden, Letzterer verdankte in neuerer Zeit jenem einen zu grossen Ruf, Man nannte ihn geradezu eine der lieblichsten Blüthen der nieder- ländischen Schule.

Schoreel empfand in der Ferne oft tiefe Sehnsucht nach der Heimath, und doch fand er Kraft dieselbe zu beherrschen, und weilte noch in Rom, als im Jahre 1522 Leo's X. Nachfolger, Adri- an VI. den päpstlichen Thron bestieg. Dieser war, wie Schoreel in Holland geboren, der Sohn eines Webers aus Utrecht, und ehrte den Landsmann nicht weniger als den Künstler. Er über- häufte ihn mit vielen und grossen Beweisen seiner Huld und Gnade. Viele bedeutende Arbeiten, die Schoreel mit grossem Ge- lingen für seinen hohen Beschützer ausführte, setzten ihn immer fester in dessen Gunst. Zu diesen gehörte vorzüglich «das Bildniss des Papstes, welches dieser einem von ihm in Uxwen gestifteten Collegium verehrte. Endlich trug Adrian seinem klumstreichen Landsmann auch die Aufsicht über das Belvedere auf, und schien so dessen Glück für sein ganzes künftiges Leben zu gründen; al- lein Adrian starb 1523, nachdem er nur wenige Monate über ein Jahr die päpstliche Krone getragen, und Schoreel blieb plötzlich verwaist zurück. Jetzt verliess er Rom, überstieg die Alpen, und eilte der Heimath zu. Sein Weg führte ihn nach Frankreich, wo damals, mitten im wildesten Getümmel des Krieges Franz I. durch Liebe, Kunst, Poesie und treue Pflege alles Schöne seinen Namen verewigte. Der Ruhm Schoreel's war mit seinem Meisterwerke bis zu dem Könige gedrungen und dieser machte ihm daher die vor- theilhafteren und glanzendsten Anerbietungen um ihn für seine Dienste zu gewinnen. Doch Schoreel gehörte jetzt einzig seiner lieblichen Herrin, und eilte, alle Vorschläge des Königs von sich abweisend, ununterhaltsam weiter, bis er Utrecht erreichte. In Amsterdam, ihrem Wohnorte so nahe, wagte er es zuerst nach ihr zu fragen, und — sie war verheirathet an einen Goldschmied in Amsterdam etc. Doch Schoreel vermochte das Bild, welches er in treuer Brust Jahre lang durch ferne Länder, über das Meer und über die Alpen getragen, nicht aus seinem innigst damit verfluchten Leben zu reißen; eben so wenig gewann er es über sich, ein un-

endlich schmerzliches Wiedersehen zu ertragen. Die schönste Hoff- nung seines Lebens war untergegangen, und so warf er sich mit verdoppelter Kraft der Kunst und der Freundschaft in die Arme. Letz- tere fand er in Herrn von Lockhorst, dem Dechant des alten Mün- sters in Utrecht, in dessen Hause der Künstler lebte. Er malte für diesen geistreichen Kunstfreund mehrere Bilder in Öl und mit Wasserfarben; unter andern den Einzug Christi in Jerusalem, ein großes Bild mit zwei Flügeln. Die Freunde des edlen Besitzers stellten nach seinem Tode dieses Gemälde zu seinem Gedächtniss über seinem Grabmal in der Domkirche auf. Nach Verlauf einiger Jahre, während welchen Scoreel sich fortwährend zu Utrecht auf- hielt, entstanden dort bedeutende Unruhen, so dass der Künstler vor den Gräueltaten eines Bürgerkrieges fliehen musste. Er fand aber in Harlem bei dem Komthure des Spitalmänner-Ordens, Simon Saen, offene Aufnahme, der ihm sogleich mehrere bedeutende Arbeiten auftrug. Einige befanden sich noch zu C. van Mander's Zeit zu Harlem. Dieser gedenkt mit grösstem Lobe einer Taufe des Hei- landes im Jordan. Sein Ruf verbreitete sich jetzt immer weiter und

schon waren Lehrer angegangen, dass er sich endlich entschloss zu diesem Ende ein großes Haus in Harlem zu mieten, in welchem er sich eine geräumige Werkstätte einrichten liess. Aus dieser gin- gen von nun an seine bedeutendsten Schöpfungen hervor, unter andern eine sehr berühmte Kreuzigung für den Hochaltar der al- ten Kirche in Amsterdam, die später von den Bilderstürmern ver- nichtet wurde. Um 1536 wurde Scoreel nach Utrecht berufen. Er sollte mit lebensgrossen Figuren die vier Flügelthüren schmü- cken, welche das mit künstlichem Bildwerk verzierte Innere des

Hauptaltars der von Kaiser Heinrich den IV. in jener Stadt erbau- ten Marienkirche verschlossen. Auf einen derselben malte er die heilige Jungfrau mit dem Kinde und den Joseph; auf der zweiten den Kaiser Heinrich selbst im vollen Ornate, knieend zu den Füs- sen seines ehemaligen Lehrers, des Bischofs Conrad von Utrecht, die beiden andern Thüren, welche das Opfer Abrahams darstell- ten, vollendete Scoreel einige Jahre später, und malte inzwischen zwei grosse Gemälde in Wasserfarben auf Leinwand, welche einst- weilen ihre Stelle ersetzten. Die seltene Volltrefflichkeit dieser bei- den Gemälde bewog den König Philipp, sie nach Vollendung des Ganzen, während seiner Anwesenheit in Utrecht im Jahre 1549, der Kirche abzukaufen und mit sich nach Spanien zu führen. Doch nicht allein im Süden, auch im hohen Norden ehrte man ihn. Der König von Schweden wandte sich mit der Bitte an Scoreel, ihm einen Baumeister zu empfehlen, und Scoreel benutzte diese Gelegenheit, um dem Könige durch den Architekten, welchen er ihm sandte, ein Bild der heiligen Jungfrau überreichen zu lassen. Der König nahm dieses Geschenk so hoch auf, dass er dem Meister nicht nur in einem von ihm eigenhändig unterzeichneten Schrei- ben dafür dankte, sondern ihm auch einen kostbaren Ring, einen sehr schönen Marderfuchs und seinen eigenen Eisenschlitten nebst voll- ständigem Geschirr auf ein Pferd dafür sandte. Diesem wirklich königlichen Geschenke fügte er auch noch einen riesengrossen, 200 Pfund schweren schwedischen Käse hinzu. Doch leider kam von allen diesen Herrlichkeiten nichts als der erbrochene Brief in Scoreel's Hände, alles Übrige hatte unterwegs einen andern Herrn gefunden.

Körperliche Uebel mancherlei Art trübten das spätere Alter des edlen Meisters, und machten ihn, lange vor dem gewöhnli- chen Laufe der Natur, zum frühen Greise. Zwei Jahre vor sei-

Es finden sich nur wenig beglaubigte Werke dieses Jan van Scho- reel, da zur Zeit der Bilderstürmerei die meisten zu Grunde gingen. Man schreibt ihm zwar in den Museen zu Brüssel und Amsterdam solche zu, allein sie stimmen mit den ächten Werken des Meisters nicht überein. Im Museum zu Brüssel ist ein Flügelbild, welches die Anbetung der Könige vorstellt, und in der Gallerie zu Amsterdam ein Bild der Magdalena, neben einer emblematischen Darstellung;

Die Bilder der Pinakothek in München sind ebenfalls aus der Liste der Werke Schoreel's zu streichen, da sie dem Eingangs er- wähnten unbekannten Kölner Meister angehören. Darunter ist das berühmte Bild des Todes Maria,

Folgende Bilder zählt man zu den ächten Werken des Holl- länders Jan Schoreel, allein es wird wohl noch lange dauern, bis man in den Verzeichnissen der Gemälde in dieser oder jener Gal- lerie von der stereotypen Meinung abgehen wird,

  1. Das angebliche Bildniss des Künstlers in der Gallerie des Belvedere zu Wien. Er hat einen flachen Hut auf dem Kopfe und ein mit schwarzem Pelz ausgeschlagenes Kleid an. In der rechten Hand trägt er einen Brief. Lebensgrosses Brustbild.
  2. Das Bildniss einer Frau in einem braunen, breit mit Sammt besetzten Kleide. Auf der Rückseite steht die Jahrzahl 1539. Brustbild in Lebensgrösse, in der Gallerie zu Wien.

Diese beiden Bildnisse werden schon in den ältesten Ca- talogen dem Schoreel zugeschrieben, und nach der Behaup- tung Passavant's (Kunstblatt 1841 S. 50) mit vollem Rechte; allein das Frauenbildniss kann nicht Schoreel's Frau vor- stellen, da wir durch C. van Mander wissen, dass Schoreel unbeweibt blieb. Diese beiden Portraite sind aber in glei- cher Grösse und Gegenstücke. Stellt das eine den Künstler selbst vor, so könnte er zuletzt dennoch seine frühere Ge- liebte gemalt haben.

  1. Die Bildnisse von Pilgern nach dem gelobten Lande, in der Sammlung des Stadthauses zu Utrecht. Diese Bildnisse bil- den eine Folge von 38 Brustbildern mit beigefügten Namen und den Jahrzahlen ihrer Reisen von 1508 — 1547 gehend. Zwei Tafeln mit je 12 Bildnissen, werden dem Schoreel zu- geschrieben, der als der achte auf der ersten Tafel sich selbst porträtierte. Man liest darunter: Heer Jan van Scorel uit Holland, Schilder, Vicaris t' S. Jans, 1520. Diese Bildnisse sind sehr charaktervoll und scharf bezeichnet. Die Carnation ist in den Schatten braun, die Lichter sind hell aufgesetzt. Die Zeichnung der Hände ist etwas vernachläs- siget. Der Schattenton der Carnation ist auch in den Bild- nissen der Wiener Gallerie bräunlich, die Färbung von tie- fem, warmem Tone.

  2. Ein Altarbild mit der Madonna und den Stiftern aus dem Hospital bei dem Wittwenversorgungshause zu Utrecht; jetzt in der Kunstsammlung des Stadthauses daselbst. Maria sitzt in einer Landschaft mit dem auf ihrem Schoosse stehenden Kinde, erstere an Rafael's, letzteres an Michel Angelo's Darstellungsweise erinnernd. Dabei kniet ein Chorherr, wel- chen das Christkind am Leinne streichelt, dieser in rein nie-

Hic soror et duo sunt soboles Visscheria fratres: Quos Christo et Matri regula sacra ligat.

Hos bonus expressit tanta Schorelius arte Nobilis, ut credi possit Apellis opus.

Diesem hohen Lobe entspricht zwar das Werk nicht, es ist aber ein in der niederländisch italienisirenden Weise geist- reich behandeltes Bild. Von anderer Hand, und weit ge- ringer sind die beiden Flügelbilder. Links kniet einer der Donatoren im weissen Mantel bei St. Adrian, rechts die weiss gekleidete Geberin bei St. Barbara.

Die Kreuzigung Christi, ein figurenreiches Gemälde, wel- ches um 1842 im Besitze des H. Burel in Cöln war, und unsers Wissen noch nicht in eine ständige Gallerie über- gegangen ist. H. 4 F. 6 Z., Br. 4 F. 2 Z. Dieses ist wahr- scheinlich jenes Bild, von welchem es im Kunstblatte 1840 S. 1260 Note, heisst, es stamme aus dem Kloster Steinfeld, und trage die Inschrift: Schoorle 1530. Dieses liest man am Steine im Vorgrunde des Bildes im Besitze Burel's, und zwar in unverfälschter Schrift, wie Prof. Maschmann, an welchen Hr. Burel 1842 das Gemälde zur Ausstellung nach München schickte, und dann Dr. E. Förster, derselbe im Kunstblatt 1842 Nro. 6. einer genauen Prüfung unter- zog, behaupten, während Passavant (Kunstblatt 1841 S. 126 Note) versichert, er habe vom Geistlichen der Kirche in Steinfeld gehört, dass nur die Buchstaben dorle mit der Jahrzahl 1530 alt seyen. Dem sei nun, wie ihm wolle; viel ist gewiss, dass die schadhaften Buchstaben äusserst genau nachgebessert seyn müssten, wenn das Bild aus Rein- scheid und dasjenige des Hrn. Burel, welches wir im Lokale des Kunstverein zu München ebenfalls gesehen haben, das eine und dasselbe ist, was wir nicht bezweifeln. Eine an- dere Frage wäre die, ob dieser Schoorle der Schorel des C. van Mander sei? Auch dieses lässt sich kaum bezweifeln; denn alles was dieser Schriftsteller von demselben sagt, findet volle Anwendung auf den Meister der Kreuzigung.

Christus hängt hoch am Kreuze in der Mitte des Bildes, von sieben Engeln umschwebt, von denen aber nur einer in ganzer Gestalt sichtbar ist. Die Schächer sind zwar mit beiden Armen, aber nur mit einem Bein angenagelt, und ausserdem mit Stricken befestiget. Magdalena umfasst das Kreuz, links steht Maria neben Johannes, rechts sieht man eine zweite Frau, und hinter dem Kreuze eine dritte. Ausser diesem und dem Hauptmann zu Ross zeigt noch ein altes Ehepaar im Hintergrunde Theilnahme für den Ge- kreuzigten, alle übrigen Römer und Juden sind sämmtlich auf eiliger Flucht nach der Stadt. Diese ist im Hinter- grunde, eine Zusammenstellung bekannter römischer Gebäude, die Säule des Antonin, des Pantheons, der Pyramide des Cestius etc. In der Conception verfuhr der Meister nach

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XPV. 33

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