Schongawer, Martin

Schongawer, Martin, heisst der seelenvollste deutsche Maler des 15. Jahrhunderts, durch den zuerst inneres Leben in die Gesichtszüge deutscher Bilder trat, da keinem Deut- schen vor ihm in solchem Grade der Sinn für physiognomische Schönheit aufgeschlossen war, in welcher Hinsicht nur der Mei- ster E. S. von 1465, Michael Wohlgemuth und der ältere Herlein, Zeitgenossen Schongauer's, zur Erkenntniss des Geistes gelangten und im Angesichte den Spiegel der Seele enthüllten. Dann ist Meister Martin auch der erste, welcher die neue Technik der Eyck'schen Schule in Deutschland einführte, und somit derjenige, welcher der oberdeutschen Kunst einen neuen Umschwung ver- lieh, und derselben neben der niederdeutschen und italienischen ihre höhere Stelle anwies.

Wenn wir nun den Martin Schön in solchem Zusammenhange mit der Geschichte erkannt haben, so wird auch die Erforschung seiner weiteren Lebensverhältnisse von hohem Interesse seyn. Zu- erst frägt es sich um Abstammung und Geburt; denn alte Familien des Namens Schön gab es mehrere, besonders zu Nürnberg , in

Augsburg und Ulm ; Es herrschen desswegen bei den älteren Schrift-

»Meister Martin Schongawer Maler genent Hübsch »Martin von wegen seiner Kunst geborn zu Colmar »aber von seinen Aeltern ain Augspurger bm... des »geschlechts von Her geporn zu v....rben zu Colm., »... anno 1490 ... Hornungs dem Got genad. 28. ... »sein junger Hans H. rgkmair jm jar 1480.«

Unter diesem Zettel steht von späterer Hand geschrieben: Manus Alberti Dureri.

Diese Inschrift galt dem berühmten Verfasser des Peintre-gra- veur VI. p. 104 als »l'authenticite la plus irrefragable«, die alle bis dahin obwaltenden Zweifel heben sollte. Schongauer, mit dem Bei- namen der hübsche Martin, musste von einer Augsburgischen Pa- trizier-Familie abstammen, und in Colmar geboren seyn. Dass eine Familie Schongauer in Augsburg gelebt, beweiset Wei- gel's Wappenbuch, so wie auch, dass diese mit unserm Künstler gleiches Wappen führte; denn das Wappen, welches auf dem Bilde des Martin Schongauer in München steht, ist das der Augsburger Patrizier: ein Halbmond im Schilde. Allein es lässt sich der Vater nicht bestimmen, und der Sohn erscheint obnehin nicht in der Stammreihe. Auch die alte Nürnberger Familie Schön weist kei- nen Martin auf, sie zählte aber um 1440 — 1470 (Murr's Journal 21. 31) Maler, so dass manches alte, von jenen unsers Schongauer's abweichende Bild in Nürnberg entstanden seyn dürfte. Auch die Augsburger Familie könnte Maler gezählt haben. So ist jener Maler Ludwig Schongauer, den v. Stetten in den Bürgerre- gistern unter dem Jahre 1386 erwähnt fand, kaum eine Person mit dem Bruder unsers Martin Schön*), dass aber unser Martin

*) Es scheint also, dass die Erzeugnisse der Schön und Schon-

Damit fällt nun die Autorität des genannten Zettels auf der Rückseite des Bildnisses von Schongauer; denn die Bürgerbücher Ulms sprechen den Martin Schongauer als Bürger an, und wenn daher der Zettel nicht ganz zu verwerfen ist, so könnte man noch annehmen, Martin's Vater sei von Augsburg nach Ulm übergesiedelt.

Dass Martin in Colmar war, hat seine Richtigkeit, die Zeitbestim- mung des Zettels ist aber wieder falsch, so wie auch der zweite Beweis des A. v. Bartsch, welchen H. von Heinecke für ihn füh- ren musste, der Zeit nach zu verwerfen. Heinecke besass nämlich eine Zeichnung, welche eine mit Heiligenbildern geschmückte Ca- pelle vorstellt, und auf der Rückseite folgende Schrift enthält:

»Diess hat der Hübsch Martin gerissen im 1470 jar, da er ein junger gesell was, das hab ich Albrecht »Dürer erfarn vnd Im daher geschrieben »1517 jar«

Schongauer, der im Jahre 1461 oder bald darnach als Meister in Colmar sich niederliess, und daselbst bewunderungswürdige Werke schuf, war 1470 kein junger Geselle mehr, um es wäre daher sehr auffallend, dass Dürer die Lebenszeit des Meisters nicht genauer gewusst hätte, wenn man die Schrift für ächt hielte. Dem Style nach könnte sie es seyn, geschrieben hat aber Dürer diess wahrscheinlich eben so wenig, als den Zettel auf der Rückseite des Portrastes in München, welcher überhaupt nur Verwirrung an- stiftete, da noch wenig ausgeschieden sind. Sicher gibt es zwei Familien, welche Maler zählten. Dass man dem berühmten Schongauer zuviel zugeschrieben habe, ist erwiesen.

*) Bartsch hält Schongauer für den Familiennamen und Schön für den Beinamen, was andere mit »Hübsch« gleich bedeu- tend genommen haben sollen. So scheint allerdings Sandrart die Sache angesehen zu haben, wenn er sagt: »Martin Schon- gauer, sonst der hübsche Martin genannt.« Diess haben auch spätere Autoren angenommen, wie Beatus Rhenanus u. a. Auch der ältere C. van Mander nennt ihn »Hübsche Marten und Marten Schoon,« und die Franzosen »le beau Martin« oder durch Corruption »Ipsem Martin.« Noch mehr ver- stümmelten die Italiener dieses Wort, indem sie ihn Martino Scon oder Scoto, aber richtiger: Bel Martino, Bonmartino nannten. In den ältesten italienischen Nachrichten heisst er Martino d'Anversa,

G. v. Quandt (I. c. S. 326) durch den unermüdlichen Forscher und Archivar Hugot in Colmar. Dieser Gelehrte fand das Ver- zeichnis der Bruderschaft zum Rosenkranz, die im 15. Jahrhun- derte sehr zahlreich und über ganz Elsass verbreitet war. Es wurde der Handschrift nach gegen Ende des 15. Jahrhunderts an- gefertiget, zu einer Zeit, wo Martin Schön nicht mehr lebte; denn es wird seiner nicht mehr erwähnt, nur seines Bauders Ludwig. Das Zeugniss des Raths Lerse hatte daher nie volle Gültigkeit, und auch Mannlich's Catalog der Gallerie in Schleissheim, auf welchen sich Bartsch beruft, gibt keinen Beweis, da Mannlich bekanntlich den späteren Martin Schaffner mit M. Schongauer verwechselt hat. Auch das genannte Bildniss Schongauer's in München bleibt sehr apokryphisch, da nicht nur die Jahrzahlen abweichen, und der Dargestellte selbst kaum als Martin Schön zu nehmen ist. Es ist dieses das Portrait eines Mannes von 36 — 38 Jahren. Schongauer war aber 1483, wo es gemalt seyn muss, mehr als 60 Jahre alt.

Aus diesem Briefe geht nun urkundlich hervor, welcher Schule M. Schön angehöre, und es scheint auch keinem Zweifel zu un- terliegen , dass er selbst in Belgien gewesen, sich einige Zeit in Antwerpen aufgehalten habe, weil die Italiener ihn Martino d'An- versa nannten *), Wann Schongauer in Antwerpen gewesen, ist noch nicht ermittelt. Die Angaben Lombardo's finden sich aber Angesichts der authentischen Gemälde in Colmar, namentlich bei der Maria im Rosenhag, in der St. Martin's Kirche, und auf der Stadtbibliothek bestättiget. Man weiss bisher auch noch nicht, wann Martin Schongauer von Ulm nach Colmar sich begeben habe. Wahrscheinlich verliess er Ulm bald nach 1461, weil er in diesem ' Jahre zum letztenmale in den Bürgerbüchern genannt wird. Er war damals bereits 20 Jahre im Bürgerverbande, und auch in Colmar war er noch mehr als zwei Decennien thätig.

M. Schongauer's Gemälde,

Es gibt noch eine grosse Anzahl von Bildern, welche diesem Meister zugeschrieben werden, und viele andere, die schon im früher Zeit nach Italien, Spanien, England und Frankreich gie- fen. kennt man nicht mehr. Die Zahl dieser Gemälde ist schon für einen Maler gross, der sich einzig und allein mit der Palette beschäftiget , bei Schongauer kommen aber auch noch höchst fleis- sig behandelte Kupferstiche hinzu, so dass für ihn augenscheinlich die Arbeit zu viel ist. Allein man hat von jeher diesem Meister Bilder zugeschrieben, die man keinen: anderen zuzuschreiben wuss- te, und desswegen sah man in jüngster Zeit die Nothwendigkeit einer kritischen Sichtung derselben ein. Besonders war es H. v. Quandt , der darüber Forschungen anstellte, und das Resultat der- selben im Kunstblatte 1840, Nr. 70—79 bekannt machte ") Quandt kam nach vielfacher Anschauung ächter Werke Schongauer's zu der Ueberzeugung, dass mehreren Bildern in den Finanztheken zu DE J

») Vasari nennt den Künstler Martino Tedesco, aber Bottari, der den Vasari verbessern will, begeht den Fehler, dass er ihn mit Martin von Cleef verwechselt, Condivi in der Bio-

graphie seines Meisters Michael Angelo, macht aus Martino "Anversa einen Martino Olandese,

*) Auch die schon erwähnte Schrift von Grüneisen und Mauch: Ulms Kunstleben im Mittelalter, S. 34, und der Aufsatz des ersteren im Leben des Nikolaus Manuel, S. 52, so wie ein solcher von Gassert, im Kunstblatte 1841, Nr. 7 — 15, sind von Wichtigkeit. Auch Passavant ist zu vergleichen: Beiträge zur Kenntniss der niederländischen Malerschulen, Kunstblatt S. 254, und besonders Waagen, K. u. K. in D. 11 307. über die Bilder in Colmar. Eine streng kritische Untersu- chung über die Werke Schongauer's und über seine Schule wird ohne Zweifel zu den interessantesten Resultaten führen

Das Charakteristische der einen Kunstfamilie physiognomie, welche sich bis ins 15. Jahrhundert im mittäglichen Deutschland fortpflanzte, und dem ältesten Stamme anzugehören scheint, prägt sich in kurzen, spitzen, man könnte sagen dreiseitigen, spitze- gelförmigen Nasen und einem ziemlich breiten Ovale des Gesichts aus, dem stark hervorstehende Jochbeine zum Grunde liegen. Diese Physiognomie beurkundet die reine deutsche Abstammung. Bei- spiele hiezu geben alte mit Holztafeln gedruckte Bücher, wonach genaue Abbildungen in Heinecke's Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen beigegeben sind. Bei einer anderen Familie sind längere senkrechte Nasenrücken, langgeschlitzte, aber wenig geöff- nete Augen und ein längliches Gesichtsoval bemerkbar, wobei sich eine Vermischung mit byzantinisch-italienischen Fremdlingen kund gibt. Auf der Rathsbibliothek zu Zittau ist ein Missale, dessen merkwürdige Miniaturen hieher gehören. Eine dritte Physiogno- mie, welche auf niederrheinische Verwandtschaft deutet, hat durch rundliche, weiche, freundliche Gesichter und stumpfe, kurze Na- sen etwas ganz Eigenthümliches. Die Gemälde des Meisters Wil- helm aus der Boisserteschen, jetzt k. b. Sammlung und die Li- thographien darnach, bieten einen Vergleich. Der vierten Familie ist ein längeres Oval des Gesichts, eine gerade, edle und ausgebil- dete Form der Nase, nicht eben langgeschlitzte, aber mässig ge- öffnete Augen eigen, welche wohl die Jüngste, vielleicht nur eine spätere Abart der zweiten Linie seyn möchte. Die Lithographien nach W. Wohlgemuth's Gemälden in Zwickau, welche 1840 der sächsische Alterthumsverein bekannt gemacht hat, mit einer Ab- handlung von G. v. Quandt, und M. Schongauer's Kupferstiche bieten Anhaltspunkte zu Vergleichungen. In den Bildern dieser vierten Classe gibt sich der flamändische Einfluss kund und der Ahnherr der Familie möchte nach Quandt wohl Jan van Eyck seyn. Die Aehnlichkeit, bei aller individuellen Verschiedenheit, welche sich in den Kupferstichen des M. Schongauer, den Madonnen aus Michel Wohlgemuth's schönster Zeit, und den Bildern Frie- drich Herlen's mit den Grundzügen Eyck'scher Werke auffinden lässt, berechtigte den H. v. Quandt zu der Vermuthung, dass Eyck auf seine Zeitgenossen und Nachfolger vergeistigend eingewirkt habe, er meint aber, dass die Sache nicht zur Gewissheit erhoben werden könne, indem gleichgesinnte Geister, ohne von einander zu wissen, ihr Inneres, ihre Gedanken wohl auf gleiche Art und Weise darlegen, wenn nicht von einer ewigen Nachahmung und Aneifer- ung die Rede seyn soll, wodurch die freie, selbständige Ent- wicklung einer Idee bei gleicher Gesinnung und gleicher Bildungs- stufe beeinträchtigt würde. Dieser, die Selbstständigkeit des deut- schen Geistes ehrende Ansicht theilen auf der anderen Seite wie- der mehrere nicht, indem sie den entschiedenen Einfluss der Eyck- schen Schule erkennen, wofür auch der oben erwähnte Brief des L. Lombardo an G. Vasari beweissgebend spricht.

Ueber die Kunstweise Herlen's und Wohlgemuth's wird an gehöriger Stelle verhandelt. Hier haben wir es nur mit Schön- gauer zu thun, und machen vor allen auf jene Merkmale aufmerk- sam, welche v. Quandt bei der geometrischen Messung der Bilder desselben herausfand, was aber nur für denjenigen zur vollen

Nach Maass und Berechnung können, wie v. Quandt ersah, Schongauer's Physiognomien in zwei Classen getheilt werden, wo- von die eine der höheren, die andere den niedern, unedlern Natu- ren angehört. Die erstere besteht in einer regelmässigen Gesichts- bildung, bei welcher die drei Theile des Gesichtes von fast glei- cher Grösse sind und die Länge des Auges ohngefähr den vierten Theil der Länge der Nase beträgt, und die Länge des Mundes ohngefälhr der des Auges gleich ist. Die Breite der Nase in der Faceansicht ist sehr gering und überschreitet kaum ein Fünftheil von deren Länge. Dass unendlich zarte, nicht messbare Modi- ficationen statt finden, und diese Angabe nur das Mittelmaas seyn kann, versteht sich von selbst. Das Angesicht ist ein Oval, wel- ches sich bei Kindern dem Zirkel nähert, und bei Männern weit länger als breit wird. Bei ernsten und kraftvollen Charakteren, wie bei dem Christuskopf in der Kreuztragung, dem heil. Anto- nius in der Versuchung und dem heil. Jakob in der Schlacht ge- gen die Ungläubigen, nähert sich der Umriss des Angesichts einem Viereck, welches weniger breit als hoch ist. Bei Engeln und Kin- dern bilden die zarten Augenbraunen fast einen vollen Halbzirkel. Im Profil zeigen sich die Nasen geradlinig. Die Abweichungen von diesen Idealformen, welche bis zur Kurz-, Häng- und

Stumpfnasigkeit ausarten, bezeichnen die niedern und rohern Naturen.

Es muss auch einer Eigenheit der Zeichnung gedacht werden, dass nämlich die Hände immer sehr knöchern erscheinen. Auffal- lend ist selbst bei den kräftigsten Abdrücken der Schongauer'schen Stiche, dass die Form der Physiognomien oft nur mit Linien an- gegeben, wenn auch die Schatten bei Gewändern und andern Ge- genständen sehr stark behandelt sind, was auf eine lichte und zar- te Carnation seiner Gemälde schliessen lässt. Die Gemälde dieses Meisters haben aber im Allgemeinen eine sehr lichte Haltung.

Bemerkenswerth ist es, dass keines von Schongauer's Gemäl- den sein Monogramm trägt, da er doch alle seine Kupferplatten stempelte, wie Quandt behauptet, aber nicht sein Zeichen eingrub. Das Gemälde in Wien hat zwar ein Monogramm, aber nicht Schon- auer's. Damals war es nach Quandt nur ein Goldschmids Ge- brauch, des Meisters Zeichen den Arbeiten in Metall einzuprägen, den die Maler noch nicht angenommen hatten; denn man findet aus jener Zeit wohl Jahrzahlen und bisweilen, doch selten, aus- geschriebene Namen, aber noch seltener Monogramme auf Gemälden.

Ulm.,

Die Gemälde, welche Martin Schongauer in Ulm und der Umgegend hinterliess, gehören wahrscheinlich zu den früheren des Meisters, die vor seiner Abreise nach Colmar ausgeführt sind. Im Münster zu Ulm ist ein grosses Gemälde der Kreuzabnehmung mit den heiligen Frauen und Freunden des Erlösers. Dieses Bild

war ursprünglich in der Augustinerkirche zu den Wengen. Hier sah es Churfürst Maximilian von Bayern, und wollte es von den Mönchen erwerben; allein diese machten Schwierigkeiten, indem sie vorgaben, die Holztafel könnte ohne Gefahr des Zerbrechens

nicht nach München transportirt' werden.. Kurz, das Gemälde blieb in Ulm, wurde aber nach einiger Zeit in das Münster ge- bracht, wo es bis 1700 in der Neidhart'schen Capelle hing. In dem bezeichneten Jahre restaurirte es Leonhard Kuen in Weissen- horn und 1817 wurde es von Friedrich Butziger, aus Ansbach fast ganz übermalt. Jetzt sieht man es neben dem Eingange in die Sakristei. C. Grüneisen und E. Mauch (Ulms Kunstleben etc. S. 35) erklüren dieses Gemälde als Werk Schongauer's, und auch die aus der fürstl. Wallerstein'schen Gallerie der St. Morizkapelle zu Nürnberg stammenden Bilder dienen ihnen als Beleg für den Aufenthalt und die Wirksamkeit des Künstlers in Schwaben, so

wie die Flucht nach Aegypten und die Grablegung Christi im Be-

sitze des Obertribunalprocurators Abel in Stuttgart, und eine Tafel in der Sammlung des Grafen Wilhelm von Württemberg. In der Grablegung im Ulmer Münster finden die genannten Schriftsteller mit einer dieselben Gegenstand betreffenden Composition auf der Bibliothek zu Colmar, abgesehen vom Einzelnen, die Ähnlichkeit

" einer grossartigen Anordnung und des schönen Gefühls, das in

Stellung und Bewegung der trauernden Gestalten sich ausspricht, obgleich das Bild in Ulm auf unverzeihliche Weise übermalt ist..

  • Die Kreuzigung, welche 1805 ein Bürger von Ulm aus der Augu-

stinerkirche um 13 Gulden erwarb, und als Werk Schongauer's ausgegeben wurde, ist von M. Schaffner gemalt. ;

— Stuttgart, Die Flucht nach Egypten, im Besitze des Ober-Tribunal-Procu- rators Abel, dann die Krönung Maria's und die Grablegung daselbst, an-

geblich von Schön, hält Waagen, (K. u. K. in Deutschland 11. 215) nicht für ächt. Eine andere Tafel ist in der Sammlung des Grafen

Wilhelm von Württemberg.

Nürnberg.

In der St. Morizkapelle sind einige Gemälde, welche dem M. Schongauer, oder einem M. Schön zugeschrieben werden, von Quandt aber konnte sich von der Echtheit derselben nicht über- zeugen. Diese Bilder haben nach der Ansicht des genannten Schriftstellers zwar eine sehr lichte Haltung, und eine Ahnung gei-

'stigen Lebens verleiht ihnen einigen Schimmer von Schönheit; al-

ein sie stehen nach Quandt. doch den Stichen Schongauer's weit nach, in welchen ohne grossen Aufwand durch Licht und Schatten eine entschiedene malerische Wirkung erzeugt wird, das Gefühl rei- ner innerer Harmonie zum vollsten Bewusstseyn gekommen, und jn äussere, sichtbare Schönheit aufgegangen ist. Dazu kommt nun

noch, dass die sogenannten Schongauer'schen Gemälde in Nürn-

ber

g schr mangelhaft gezeichnet und die Figuren meistens unver-

hältmässig lang sind, dagegen die Kupferstiche in der Zeichnung

eine Beobachtung natürlicher Formen, wie solche sich ihm dar- boten, und ein schönes Gefühl für Ebenmass beurkunden,

In dieser Gallerie findet man 6 Bilder unter Schön's Namen: Zebedius und Maria Salome mit zwei Kindern; Maria mit dem -Jesushinde auf dem Sclhioosse, zur Seite Josep h arbeitend; Helmeira liebkoset: ihr Kind, ihr zur Seite der Mann und dabei auch die

_ Sulfterin in violettem Gewande; Maria Cleopha und Alpheus mit

vier Kindern; Cleopha mit einem lesenden Mädchen; St. Barbara.

Auf der Burg in Nürnberg ist ein Flügelbild , angeblich von M. Schön. Das Hauptgemälde zeigt die heil, drei Könige, und auf den beiden Flügeln sieht man Darstellungen aus dem Leben Maria's,

  • Diese Bilder erklärt auch Waagen, K. u. R. in Deutschl. 11. 159.

für unächt.

In der Pinakothek sind mehrere großartige und anmutsvolle Gemälde, welche dem Meister Schongauer zugeschrieben werden, allein v. Quandt behaupte, dass sie an Schönheit den Stichen des Meisters noch weniger gleichen, als die in der St. Moritzka- pelle zu Nürnberg. Das als echt bezeichnete, 7 ½ F. große Bild stellt den Heiland vor, welcher von den Seinen betrauert wird, und ist sehr ausdrucksvoll; allein der Schmerz ist anderer Art, als der in Schön's Grablegung B. Nr. 18. In dem Gemälde ist der Schmerz selbst der Gegenstand der Darstellung, in dem Kupfer- stich aber die Aufgabe einer Handlung der Barmherzigkeit, die der Schmerz begleitet, wie eine rührende Melodie ein Gedicht.

Überdies werden daselbst dem M. Schön zugeschrieben: der Bischof Servatius und eine Frau mit dem Kinde; der Einzug Davids mit Goliaths Haupt, wie er von den Frauen empfangen wird; zwei kleine Staffeleibilder, und das Brustbild der heil. Jungfrau in einem Rund von 5 Z. 6 L. Durchmesser. Vermutlich werden diesem Meister beigelegt: Christoforus und Susanna mit zwei Kin- dern; Bischof St. Servatius mit dem offenen Buche, ebenfalls kleine Bilder,

Schleissheim.

Nach dem älteren Cataloge von C. von Mannlich müssten in der Galerie zu Schleissheim mehrere Bilder von diesem Meister zu finden seyn; allein es ist jetzt eine bekannte Sache, dass Mann- lich die Werke des Martin Schaffner unserm Künstler zugeschrie- ben hat. Die meisten dieser Bilder sind jetzt in der Pinakothek zu München, in Schleissheim sind nur noch acht Darstellungen aus dem Leben Jesu, jetzt im Cataloge von Dillis als Werke Schaff- ners bezeichnet. Dagegen erklärte Dillis zwei andere Gemälde, die von anderen ebenfalls jenem Meister zugeschrieben werden, als Arbeiten Schongauers. Das eine stellt Gott Vater mit der Krone auf dem Haupte als strafenden Richter dar, wie er ein Schwert und drei Wurfspeer in den Händen hält. Im Vorgrunde flieht Maria für den um sie koppelnden weltlichen und geistlichen Stand. Das andere dieser Bilder, welches zu dem genannten gehört, zeigt oben Christus und den heil. Geist von Engeln umgeben, unten St. Rochus und St. Sebastian. Sie sind 5 F. 2 Z. 5 ½ i.

Cohlmar.

Die Werke, welche M. Schön in dieser Stadt hinterliess, zei- gen diesen Meister in seiner vollen Eigenthümlichkeit, anmutig, lebensewig und phantasievoll. Es sind da jene Bilder, von welchen Wimpheling (Epitome rerum Germanicarum cap. 68. opp- hist. Basileae 1574 lg S. 340) sagt, dass die Maler wetteifernd zu- sammenstürmten, um sie zu sehen.

In der Priorei, dem heutigen Collegium, sind Werke von Schongauer, wovon einige früher dem Alb. Dürer beigelegt wur- den. Das eine dieser Bilder besteht aus zwei Flügeln eines grossen Altars, auf welchen die Verkündigung Mariä, und dann Maria, die mehr kindisch als jungfräulich ihr Kind lächelnd betrachtet, vor- gestellt ist. Den größten Raum dieses ehemaligen Altares füllt ein seltsam verschnörkeltes Gebäude aus, welches mit Engeln ange- füllt ist, die genau betrachtet werden müssen, um sie nicht, für buntschimmernde Insekten zu halten. Der Himmel scheint in Brand erhalten zu seyn und schimmert in allen Farben des Regenbogens; das ganze Bild ist nach v. Quandt der hitzige Fiebertraum eines geistreichen Malers, in welchem Fratzenhaftes und Zartes im grau-

Schoen oder Schongawer, Martin.

sesten Gemisch sich verwirrt. Auf der Rückseite dieser Altarturen ist der heil. Antonius in der Einöde. dargestellt, und Felsen und Bäume gaben dem wunderbaren Künstler zu den grausslichsten Formen Veranlassung, so dass die alten Fichten mit ihren langen Moosbärten und das zertrümmerte Gestein selbst zu Gespenstern und Ungeheuern werden,

Auf einem anderen Bilde erblickt man Christus am Kreuze nicht ohne Schaudern, ganz von den Geisseln zerfleischt und von Blute triefend. In dem langen Gange, der das Gebäude in der Mitte theilt, sieht man eine Grablegung, welche wahrscheinlich den unteren Theil obigen Altares bildet. Der Körper des Heilan- des ist zwar wie bei dem Gekreuzigten mit Wunden bedeckt, aber die Quellen des Blutes sind versiegt, die Ruhe des Todes hat den Schmerz gestillt, und der vollbrachte Sieg erbebt das Gefühl über die Vorstellung der grausamen Qualen. In diesem Bilde zeigt sich

nach v. Quandt der Künstler wahrhaft gross, und wenn ihn auch noch seine unbändige Phantasie über die Gränzen der Mässigung hinausführte, so verfällt er doch nicht der Verzweiflung und er- hebt das Gemüth, welches er durch die anderen Bilder erschreckt.

In dieser Priorei ist ferner auch eine Verkündigung auf den Flügeln eines Altares, der vor den Stürmen der Revolution aus Jsenheim nach Colmar gerettet wurde, die jedoch nach v. Quandt nur entfernt an ihn erinnern, aber nach Waagen, K. u. K. in D. II. 308 echt sind. Auf der Rückseite des einen Flügels ist Maria vor ihrem Kinde kniend, oben aus dem Goldgrunde des Bildes Gottvater auf diese Gruppe herabschauend, vorgestellt. Auf dem andern Flügel erblickt man den heil. Eremiten Anton und das Bildniss des Donators. Die Figuren sind fast in Lebensgrösse; der Farbenauftrag ist pastos, das Colorit des Fleisches licht und ein- fach. In geistiger Hinsicht stehen diese Gemälde nach Quandt weit unter Martin's künstlerischer Bildungsstufe. Waagen findet sie aber in Charakter und Ausdruck edel, in der Gefühlsweise dem Peru- gino verwandt.

Sehr zweifelhaft findet v. Quandt eine Reihe von Gemälden aus der Dominikaner-Kirche, welche man in der Revolution ebenfalls in das Collegium brachte. Sie stellen die Leidensgeschichte dar, wel- che mit der Folge der Kupferstiche einige Ähnlichkeit hat, stehen aber an Trefflichkeit weit unter dieser. Die Behandlung ist roh, und die Gesichtszüge sind gerade mit einer schwerfälligen, unsi- cheren Pinselführung und harten Schatten behandelt. Quandt scheint der Meinung zu seyn, dass diese Passionsdarstellungen eher von einem anderen Maler herrühren, der die Schongauer'schen Blätter benutzte, und aus eigenen Mitteln hinzuthat, wodurch die Com- position an Schönheit verloren hat. Waagen hält die Kreuzabneh- mung und Grablegung mit Sicherheit für Schön's Arbeiten,

Alle Merkmale Schongauer'scher Werke hat dagegen der Flü- gel eines kleinen Altares mit einer knienden Madonna, noch mehr aber übertrifft eine Pietas auf mattem Goldgrunde die Erwartun- gen. Um dieses Bild zu beschreiben, sagt v. Quandt, müsste man ein Wort für Heiligkeit, Liebe, Trauer und Seligkeit finden, wie Martin diess Alles in einem Ausdruck verschmolz; denn in dem angesichte Maria's werde Heiligkeit zur Liebe, Liebe zur Trauer und Trauer zur Seligkeit, und Alles Eins. Auch in malerischer Hinsicht ist dieses Bild ein Meisterwerk. Die Farbe des Fleisches ist ein zartes gelbliches Roth, und fast ohne Schatten rundet sich Alles durch eine überaus zarte Abstufung von harmonischen Tinten. Die reichlich über die Wangen roficnden Thränen sind mit

Ausser diesem Bild besitzt Colmar noch ein unbezweifelt echtes und kostbares Gemälde von Schongauer. Es befindet sich das selbe in der Stiftskirche St. Martin in dem Gaue hinter dem Hochaltar und stellt eine Madonna über Lebensgrüsse auf einer Rasenbank vor einem Rosengehege sitzend dar, wie über ihrem Haupte zwei schwebende Engeln eine Krone halten. Quandt glaubt, es sei dies eines jener Gemälde, welche Wimpheling mit so grossem Lobe er- wähnt, hält es aber für übermalt, was Waagen bezweifelt. Dies ist auch jenes Bild, welches Fiorillo in der ehemaligen Abtei zu Mün- ster gesehen haben will; allein er verwechselt diese Kirche mit dem Stifte St. Martin in Colmar.

Passavant und Waagen fanden vor den Bildern Schongauer's in Colmar vollkommene Bestätigung dessen, was L. Lombardo in seinem Briefe an Vasari sagt: dass er nämlich seinem Meister Ro- gier an Durchsichtigkeit und Wahrheit der Färbung, an Feinheit und Schmelz des Vertrages nicht gleichkomme. Doch ist seine breite, mehr zeichnende Behandlung nicht störend, und auch die Ausfüh- rung sehr sorgfältig. Manchmal erreicht seine Färbung sogar aus- serordentliche Kraft und Gluth. An Lieblichkeit der Frauen- und Kinderköpfe übertrifft er den Rogier, und erhebt sich noch höher im Ausdrucke der Milde und Adels im Kopfe Christi.

Berlin.

Im Museum ist ein Bildchen der Anbetung der Könige, früher als Werk eines Meisters der holländischen Schule erklärt. Cat. 11. Nr. 341.

Basel:

Auf der Bibliothek der Stadt erkannte Passavant vier schmale Tafeln mit einzelnen weiblichen Heiligen in dunkelgrauen Nischen stehend als Schongauer's Werke. Es sind die Heiligen Barbara, a, Margaretha und Elisabeth von Thüringen, mager in den und von geistreicher wohlverstandener Zeichnung, wenn sie in der Feinheit den Werken Rogier's nicht gleichzustellen.

gen so verhält es sich mit der Färbung, die zwar harmonisch und milde, aber nicht jene Tiefe erreicht.

Wien.

In der Gallerie des Belvedere zu Wien wurden von Ch. v. Me- chel dem Schongauer ebenfalls Bilder zugeschrieben, welche nach v. Quandt nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit dessen Werken haben. Sie gehören der Physiognomie nach dem dritten Kunst- geschlechte und einer späteren Zeit an. Der Name Martin Schön war zu Mechel's Zeit eine Ausflucht, wenn man den Meister nicht zu nennen wusste, wie man jetzt den verschiedenartigsten Gemäl- den den Namen Bart. Zeytlom gibt, was nach Quandt so viel wie unbekannt bedeutet.

2 —__ Mailand. ;

— In der Sammlung Melzi ist das Gemälde aus der Gallerie des Grafen Firmian, ein sehr schönes viertheiliges Bild. Es zeigt den Heiland in Gethsemane, dessen Gefangennehmung, die Geißlung und

— Christus am Kreuze mit Maria und Johannes. Schongauer hat die- ses Bild gestochen, aber mit bedeutenden Veränderungen. a Paris.

Im Musée royal wird diesem Meister ein Bild zugeschrieben,

welches die in der Wüste Manna sammelnden Israeliten vorstellt,

Uebrigens finden sich auch noch andere Bilder, die theils ächt seyn können, theils aber nur durch willkührliche Taufe un- ter dem Namen dieses Meisters erscheinen. Es sind überhaupt die Forschungen über Schongauer noch nicht geschlossen.

Einige seiner Bilder wurden gestochen. Dabei ist aber zu bemerken, dass früher auch Werke des M. Schaffner unserm Mei- ster zugeschrieben und unter dessen Namen nachgebildet wurden.

—So wurde das schöne Bild der Communion der heil. Jungfrau aus —der Boisserée'schen Sammlung (jetzt in der Pinakothek zu Mün- — chen) von Strixner 1812 unter Schön's Namen lithographirt. Strix- ner lithographirte auch die heil. Familie im Zimmer mit dem ar- — beitenden Joseph aus der Boisserée'schen Sammlung, welche sich jetzt in der Münchner Pinakothek befindet. Auch die fünf Heili- genbilder derselben Gallerie sind durch Lithographien bekannt, in dem Werke der Pinakothek. J. C. Krüger radirte die Beschnei- —dung Christi, nach einer Zeichnung aus dem k. preussischen Ca- binete, gr. fol. Das Bild des Erzengels mit Schwert und Waage unter einer gothischen Arcade, welches B. Schwan unter dem Na- — men Schongauer's gestochen hat, scheint nicht von ihm herzurüh- — ren. Cath. Prestel stach das Bild einer Dame in langem Kleide, welcher ein Hund folgt. Diess ist das Facsimile einer Zeichnung aus dem Praun'schen Cabinet, gr. 8. Dufresne radirte die Zeichnung Christus vor Pilatus, welche mit Nr. 11 Schongauer's Ähnlichkeit hat. fol. Von W. Hollar existiren zwei schön radirte Büsten: Die einer schönen Frau mit Eichel- kranz und jene einer Orientalin mit reichem Kopfschmuck. Die er- stere wurde in neuester Zeit im Steindrucke nachgeahmt. Meh- rere andere Blätter nach Schongauer erwähnen wir unter seinen Stichen, weil sie als Copien nach denselben zu betrachten sind.

Wenn nicht dem Martin Schön doch vielleicht seiner Schule

gehören auch die vielen geistreichen Holzschnitte an, welche in

—Seb. Brant's Navis Stultifera, in lat. trad. per Jacobum Locher cog. » Philomusum, Basil. 1, Bergman do Olpe 1497, sich finden. Diess —ist die erste lateinische Ausgabe. .

Schongauer's Kupferstiche. ; Die Blätter dieses Meisters sind von hoher Bedeutung, weil

Bartsch, P. gr. VI, p. 119 beschreibt 116 Blätter von diesem Mei- ster, und von S. 166 an 17 andere, die Schön's Monogramm tra- gen, aber nicht von ihm herrühren. Dann gibt er S. 170 einen Anhang von Blättern, welche Heinecke (Neueste Nachrichten etc. S. 402) ausser den von Bartsch genannten unserm Meister beilegt; aber alle diese Stiche existiren theilweise gar nicht, oder sie gehören ganz anderen Meistern an, die mit Schongauer nichts gemein haben. Andere sind Copien. Die Zahl der Blätter, welche aus- serdem noch übrig bleiben, ist daher gering. Diese fügen wir im Anhange bei, und was übertliss von diesen Blättern Berichtigendes zu sagen ist, findet man im Verzeichnisse der echten Blätter des Mei- sters bemerkt. *)

*) Einige nannten ihn sogar den deutschen Perugino, sie wür- den ihn aber noch viel eher den deutschen van Eyck ge- nannt haben, hätte man früher von der Schule desselben genauere Kenntniss gehabt.

  1. Der verkündende Engel. Er steht nach rechts gewendet mit einem Scepter in der Hand, der mit einer Bandrolle umwi- ckelt ist. Die Rechte erhebt er segnend. Das Zeichen in der Mitte unten. H. 6 Z. 3 L. Br.: 4 Z. 4 L. (Bei Weigel 4 Thlr. 42 gr.)

Heinecke (Nro. 2) spricht von einer solchen Figur als Gegenstück zu einer Jungfrau Maria, jede 12 Z. 6 L. hoch und 4 Z. 2 L. breit. Bartsch konnte kein Blatt von dieser Höhe finden, findet sie auch so unproportionirt, dass man üglich an einen Druckfehler denken kann.

Diess könnte dann die Copie eines alten Meisters seyn,

der einige Veränderungen anbrachte. H. 6 Z. 3 L. Br.

  1. Die heil. Jungfrau, welche die Botschaft des Engels em- pfangt. Sie steht, legt die Rechte auf die Brust und hält in

der anderen ein Buch. Links unten steht ein Blumentopf,

und in der Mitte unten ist das Monogramm. Diess ist das Gegenstück zu obigem Blatte.

Wahrscheinlich existirt auch eine Copie als Gegenstück zu der oben genannten.

  1. Die Verkündigung. Maria kniet rechts vor einem Stuhle und der Engel, links nach dem Grunde hin kniet, segnet mit der Rechten, und fasst mit der anderen den Vorhang des rechts stehenden Bettes. Das Zeichen ist mitten unten. H.

Israel von Meckenen und Wenzel von Olmütz haben dieses Blatt copirt. Die Copie des ersteren ist mit J. M. bezeichnet. 5 Z. 11 L. hoch und 4 Z. breit. Auf der zweiten Copie steht unten der Buchstabe W. H. 5 Z. 11 L. Br. 4 Z. 2 L.

  1. Die Geburt Christi, in einem überwölbten Gebäude. Maria kniet in Mitte des Blattes und betet das Kind an. Rechts sicht man Ochs und Esel hegend, und Joseph steht nach dem Grunde zu mit der Laterne. Links bemerkt man aus- ser dem Thore drei Hirten. und rechts oben schweben drei Engel mit einer Bandrolle. Das Monogramm ist links un- ten. H. 9 Z. 6 L. Br. 0 Z. 2 L. (Bei Weigel 20 Thlr.)

Heinecke nimmt die unten folgende Copie Nro. 3 für olmütz:

Copie I. Sie ist von einem alten Meister, der einige Veränderungen anbrachte. Maria kniet rechts, die Thiere sind links und Joseph steht im Grunde mit dem Stocke, Rechts vor einem Thore bemerkt man einen Hirten. H. 6 Z. 4 L. Br. 4 Z. 8 L.

Copie II. Gestochen von Wenzel von Olmütz. In der Mitte unten ist der Buchstabe W. H. 9 Z. 9 L. Br. 6 Z. 4 L.

Copie III. Gestochen von Nicolas Rosse da Modena, ohne Namen. Maria kniet in der Mitte vorn, und Joseph hält die Laterne. Die Thiere sind in die Knie gesunken. Den Hintergrund bildet ein halbverfallenes Vestibulum. H. Heinecke (Nr. 6) beschreibt dieses Blatt als das Original:

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  1. Die Geburt Christi. Maria mit auf der Brust gekreuzten Händen in Mitte des Blattes betet das auf Stroh lie- gende Kind an. Hinten sieht man den stehenden Esel und den liegenden Ochsen. Links im Grunde ist Joseph und eine Frau, und daselbst oben schweben drei Engel mit Schwalbenschwänzen, und eine Bandrolle haltend. In der Mitte unten ist das Zeichen. H. und Br. 5 Z. 10 L.

Das Blatt, welches Heinecke Nro. 7 beschreibt, ist von einem anderen Meister nach Schongauer gestochen, wel- ches wir in der Abtheilung B. aufführen.

Copie I. Von Israel von Meckelen, von der Gegenseite, Joseph rechts im Grunde. In der Mitte unten die Buch- staben J. M.

Copie II. Von einem anonymen alten Meister, aber von der Gegenseite. S. Abtheilung B.

Copie III. Gestochen von einem alten Meister von der Gegenseite. H. 5 Z. 10 L., Br. 5 Z. 9 L.

Copie IV. Eine solche vermuthet Frenzel im Cataloge der Sammlung des Grafen Sternberg. Diesem Blatt hat etwas Fremdartiges in den Taillen. Es ist alt und gut behandelt,

  1. Die Anbetung der Könige. Maria sitzt links mit dem Kinde auf dem Schoosse, und einer der Könige betet in Mitte des Blattes an. Die beiden anderen mit ihrem Gefolge sicht man im Grunde rechts. Vorn ist ein Hund, und in der Mitte unten das Zeichen. H. 9 Z. 6 L., Br. 6 Z. 2 L.

I. Alte Abdrücke vor der Retouche, II. Von der schlecht retouchirten Platte, mit der Jahrzahl 1482. (Bei Weigel 3 Thl.)

  1. Die Flucht in Aegypten. Maria sitzt mit dem Kinde auf dem Schoosse auf dem Esel, der nach rechts hin bei dem Dat- telbaume vorbeigeht, dessen Aeste Engel herabbiegen, um dem Joseph das Pflücken der Früchte zu erleichtern. In der Mitte unten das Zeichen. H. 9 Z. 5 L., Br. 0 Z. 2 L.

Es gibt eine alte anonyme Copie von der Gegenseite und ohne Monogramm.

  1. Die Taufe Christi, Johannes kniet zur Linken des Blattes am Ufer des Jordans, in welchem Jesus steht. Gegenüber steht ein Engel mit dem Tuche. In der Mitte oben erscheint die Büste des ewigen Vaters und der heil. Geist in der Luft. Das Zeichen ist in der Mitte unten. H. u. Br. 5 Z. 9 L. (Bei Weigel 7 Thl.)

Es gibt eine sehr getreue, alte Copie von der Gegenseite und im kleineren Formate. H. 4 Z. 9 L., Br. 4 Z. 6 L.?

  1. Die Passion unsers Herrn, Folge von 12 Blättern mit dem Zeichen in der Mitte unten. H. 6 Z., Br. 42. 2—3 L. Diese Folge ist öfters copirt worden, I. Von Wenzel von Olmütz, an dem Buchstaben W. kennt- lich, der unten in der Mitte steht. H. 6 Z. Br. 42. 3 L. II. Von dem Monogrammisten J. C., gewöhnlich für Joh. von Culmbach erklärt. Jedes Blatt hat dieses Zeichen. H. 6 Z. Br. 4 Z. 2—3 L. III. Von dem Monogrammist Nr. 148 und Nr. 43 bei Bartsch. IV. Eine unbekannte kleinere und moderne Copie, aber schlecht gestochen. H. 4 Z. 10 L., Br. 2 Z. 1 L.

V. Drei andere moderne Copien, mehr oder weniger getreu. Bartsch beschreibt sie nicht näher. Sie sind überhaupt leicht zu erkennen. ®

  1. Christus am Oelberge. Er kniet nach rechts gerichtet, wo vorn drei Jünger auf dem Bette schlafen.

Dieses Blatt bildet ein Oblongum, und davon ist ein rundes zu unterscheiden, welches denselben Gegenstand dar- stellt, oder vielmehr nachahmt, als Gegenstück zu der im folgenden Nr. erwähnten Gefangennehmung Christi. Es sind diess Abdrücke von einer silbernen Capsel, in welcher sich das Colmar'sche Wappen an einer Urkunde auf der Biblio- thek in Basel befindet. Diese Capsel ist wohl nicht von Schongauer selbst gefertiget, aber vermuthlich von einem seiner besten Schüler, Bartsch wusste nichts davon. Der Durchmesser 4 Z.

  1. Die Gefangennehmung Christi. Man sieht ihn in Mitte des Blattes nach rechts gerichtet, und von Juden umgeben, wo- von ihn einer am Stricke führt, welcher dem Heiland um den Hals geschlungen ist. Links hat Petrus dem Malchus das Ohr ab. Bei Weigel 4 Thl. 12 gr. . ;

  2. Die Nachahmung dieser Darstellung in runder Form s. oben Nr. 9.

Petrak hat die Original Darstellung schön copirt,

  1. Jesus Christus vor dem hohen Priester. Dieser sitzt rechts auf dem Richterstuhle mit einem Hunde zu seinen Füssen. Links vorn bemerkt man einen Juden, der den von Bewaff- neten umgebenen Heiland schlagen will.

Es gibt eine gegenseitige Copie. Dufresne hat diese Darstellung 1702 radirt, fol.

  1. Die Geisslung. Christus ist in Mitte des Blattes an den Pfeiler gebunden und wird von drei Henkern gegeisselt, wo- von jener zur Rechten und vom Rücken gesehen die Ruthe in der Linken, und die Geissel in der Rechten hält. In der Mitte vorn liegt der Mantel des Herrn,

  2. Die Dornenkrönung. Jesus sitzt in Mitte des Blattes von Henkern umringt, welche ihm die Dornenkrone aufdrücken. Links vorn bietet ihm ein Jude das Rohr.

  3. Christus vor Pilatus. Dieser, auf seinem Richterstuhle, wäscht sich die Hände, während rechts Jesus von Juden umgeben ist, wovon ihn einer am Halse fasst.

Petrak hat dieses Blatt schön copirt.

  1. Die Ausstellung Christi. Er steht links mit dem Mantel an- gehangt, welchen der hinter ihm stehende Pilatus fasst. Rechts ordnen die Juden seinen Tod am Kreuze. Links vorn zeigt ein Hund dem Volke die Zähne,

  2. Die Kreuztragung. Jesus schreitet rechts nach vorn, und ein Jude zieht ihn an einem Stricke fort, der am Gür- tel des Herrn befestiget ist. Er hält in der Rechten ein Tuch, welches ihm links vorn eine Frau gereicht, und auf welchem sich das Antlitz abdruckt.

  3. Die Kreuzigung. Jesus ist in Mitte des Blattes auf dem Kreuze erhöht. Links sieht man Maria und vier heil. Frauen, rechts steht Johannes,

Sehoen oder Schongawer, Martin. ; . 441

andere zur Rechten bei den Füssen. Johannes kniet im Vorgrunde bei Maria, die den lebhaftesten Schmerz äussert,

Der Meister b. s.8, genannt Barth. Schön hat dieses Blatt copirt.

Christus im Limbus. Er hält die Siegesfahne und tritt den Dämon mit Füssen, während er mit der Linken die Stamm- ältern und zwei Patriarchen befreit.

Die Auferstehung. Ein Engel nimmt den Stein vom Grabe und Christus geht aus demselben hervor, zum Schrecken der Wächter, worunter sich besonders rechts vorn einer mit Eile emporrafft,

Die Kreuztragung. Christus ist auf dem Wege nach Golgatha, unter Begleitung einer Menge Volks zu Fuss und zu Pferd. Der Zug geht nach links hin. In der Mitte un- ten ist das Zeichen des Meisters. Diess ist eines der be- trächtlichsten und seltensten Blätter des Meisters. H. 10 Z. 6 L., Br. 16 Z.

Copie I. Von Israel von Meckenen. In der Mitte unten die Buchstaben J. M. H.5 Z.2 L., Br. 7 Z. 4 L.

Copie II. Von Wenzel von Olmütz mit einigen Verän- derungen. In der Mitte unten der Buchstabe W. H. 10 Z. 10 L., Br. 16 Z. 6 L.

Copie III. Von dem Monogrammisten J. C., gewöhnlich Johann von Culmbach genannt. H. 10 Z. 7 L., Br. 16 Z.

Christus am Kreuze. Links desselben unterstützt Johannes die heil. Jungfrau , und rechts stützt sich Pilatus auf einen grossen Degen, während er mit der Rechten auf Christus deutet. Hinter Pilatus ist ein Soldat mit der Picke. Das Zeichen bemerkt man in der Mitte unten, H.3 Z. 11 L., Br. 2 Z. 8 L.

Ein Monogrammist S. H., Bartch Nr. 205, hat dieses Blatt copirt. H. 4 Z. 5 L., Br. 3 Z.

Christus am Kreuze, mit Johannes und Maria am Fusse des- selben. Das Zeichen ist in der Mitte unten. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z. 1 L.

Wenzel von Olmütz hat dieses Blatt copirt. Man erkennt diese Copie am Buchstaben W. unten,

Eine neuere Copie ist von Petrak,

  1. Christus am Kreuze. Am Fusse desselben liegt Maria dem

Johannes ohnmächtig in den Armen, und rechts theilen die Soldaten die Kleider. Das Zeichen ist in der Mitte unten. H.5 Z. 7 L., Br. 7 Z. 3 L.

Christus am Kreuze, Engel fangen das Blut in Kelchen auf. Links steht Maria mit auf der Brust gekreuzten Händen, und Johannes mit dem Buche, Unten in der Mitte ist das Zeichen. H. 10 Z. 8 L., Br. 7 Z. 2 L.

Christus erscheint der Magdalena als Gärtner. Er steht rechts und Magdalena kniet vor ihm. Das Zeichen in der Mitte unten. H. 6 Z., Br. 5 Z. 10 L.

Es gibt eine alte originalseitige Copie, die ohne Zeichen ist. H. 6 Z., Br. 6 Z. 2 L.

Eine andere alte anonyme Copie, mit dem Zeichen Schon- gauer's, s. Abtheilung B.

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