Schön, Heinrich

Schön, Heinrich, Architekt , einer der bedeutendsten deutschen Künstler aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der als Maler in seiner Vaterstadt ganz in Vergessenheit blieb. Angesichts seines für die damalige Zeit reichen und mächtigen Bauwesens fragt man in München die Localschriftsteller vergebens um den Bau- meister der Maximilianschen Residenz, und wenn wir auch in Söltl's neuester Geschichte von München S. 170 lesen, dass die Residenz Maximilians I. von 1600 an nach dem Plane von Peter Candido erbaut wurde, so beruht dieses auf einer irrigen Angabe. Der Bauleiter des Baues ist unser Heinrich Schön, der hier zum ersten Male in die Reihe der Künstler tritt. Seine Lebensgeschichte ist unbekannt; auch sein Geburtsjahr kennen wir nicht. So viel ist aber gewiss, dass er schon im ersten Decennium des 17. Jahrhun- derts ausübender Künstler und als solcher von Bedeutung war. Er fand auch bald Gelegenheit seine Kunst zu erproben, indem Maximilian, noch fern von den Stürmen des Krieges, die Künste des Friedens pflegte. Anfangs residirte er in der von Albert IV. er- bauten neuen Veste, die zum Unterschiede von dem alten Hofe so benannt und früher öfters mit der Maximilianischen Residenz ver- wechselt wurde. Maximilian verlebte in der neuen Veste seine Kindenjahre, und verblieb auch dann noch in seinen alten Ge- mächern, als Wilhelm V. bereits seinen neuen Palast bezogen hatte, vor welchem dann die Jesuiten ihr Collegium erbauten. Zu jener Zeit war aber die neue Veste bereits schadhaft, denn sie hatte durch Brand gelitten. Desswegen ging Herzog Maximilian schon früh mit dem Bau einer neuen Residenz um, und 1607 fasste er den definitiven Beschluss. Allein erst 1612 war es ihm

Heinrichen Schön Paumeister umb die zum neucn gepeu ge- machte Visir 120 fl., dann von für den M. Blasium gemachte Form vnd anders 76 fl. 11 kr.,

Von dieser Zeit an leitete Schön den Bau, und auch der Bild- hauer Hans Krumper und der Stuccator Blasius Fistulator waren fortan beim Baue beschäftigt. Vom 12. bis zum 17. März baute Letzterer seine Werkstätte. Diese weist die erste Ausgabe für Ar- beitslohn nach, indem nämlich den Zimmerleuten 2 fl. 36 kr. be- zahlt wurden. In den folgenden Tagen richtete Blasius seine Werk- stätte ein, und nun begann er mit Wilhelm und Paul Fistulator die Ausführung der verschiedenen Stuccoarbeiten, vielleicht nach Krumper's Zeichnungen. Letzterer richtete im April des genann- ten Jahres hinter der Neuvest (wie die frühere Residenz damals

genannt wurde) seine Werkstätte ein; und daneben wurde eine Gypsmühle gebaut. Krumper hatte viele Arbeiten auszuführen. Er modellirte Statuen, und führte deren in Stein und in Erz aus. Von ihm sind neben anderen die Erzwerke an der Hauptfacade der Maximilianischen Residenz und diejenigen des Brunnens im Hofe derselben, die er alle selbst gegossen hat. Er hatte hierin grosse Kunst bewiesen, da er schon als geübter Giesser von Weilheim nach München gekommen zu seyn scheint. Das Giesshaus des Meisters steht noch gegenwärtig ausserhalb Weilheim an der Strasse nach München, und nach einer anderen Richtung hin, ein Bau- werk von ihm, nämlich der Kirchthurm des Klosters Polling.

Beim Baue der Residenz in München waren viele Leute be- schäftigt, die durch das Geläut einer eigenen von Bartol. Wen- delin gegossenen Glocke zur Arbeit gerufen wurden. Hans Rei- chenstuhl war Werkmeister und erster Pallier ein Hans Steinmetz, der anderwärts Hans Staudacher genannt wird. Mit der Herrich- tung des Bauplatzes wurde schon 1611 begonnen. Es wurde der Thurm der neuen Veste und andere zur Residenz gehörige Gebäude ab- getragen, mit Ausnahme der Kirchen des hl. Georg und der hl. Katha- rina, die später weichen mussten. Dann ging es an einen Theil der nördlichen Stadtmauer mit ihren Thürmen. Es wurden die beiden Thür - me bei Unsers Herrn Thor abgetragen, und damit eine 406 Fuss lange, 42 Fuss hohe und 4 Steine dicke Mauer von dem genannten Tho- re an bis zur jetzigen Artillerie-Caserne abgebrochen, da wo jetzt der neue Saalbau steht. Die Hauptfacade der neuen Veste lag ge- gen die Schwabingerstrasse hin, sie hatte aber nur eine geringe Breite, und somit wurden zur Erweiterung des Platzes für den Neubau die an Unsers Herrn Thor liegenden Häuser und Gärten

angekauft, die alle geebnet wurden. Am Pfingstabend des Jahres

1612 begann man den Grund im neuen Vestgraben zu mauern. Nun ging die Arbeit ohne Unterbrechung fort, da für Bayern da- mals noch gesegnete Tage waren, welche erst später der verhäng-

Unabhängig von diesem Residenzschlosse, aber mit diesem ver- bunden, ist der an den neuen Königsbau sich anschliessende Bau, in welchem die Kapelle und weiterhin das Antiquarium sich aus- breitet. Dieser ist älter als die Residenz, und wahrscheinlich als Neubau der neuen Veste zu betrachten, der in der ersten Zeit des Regierungsantrittes Maximilians entstanden ist. Das Antiquarium wurde nach der in demselben befindlichen Inschrift im Jahre 1600 vollendet, und die sogenannte reiche Kapelle, in welcher jetzt die Kleinodien aufbewahrt werden, und wovon die grössere Hofkapel- le, die zum täglichen Gottesdienste diente, unterschied werden muss, wurde 1607 zur Ehren der heiligen Jungfrau eingeweiht, Diese Kapelle, welche ursprünglich als Oratorium für die Herzo- gi:\ bestimmt war, ist auf das reichste ausgeschmückt und verdient

daher auch ohne die darin aufbewahrten Kleinodien den Namen einer reichen Kapelle. Man findet darin folgende Aufschrift: Vir- gini et mundi monarchae hanc aedem posuit Clientum infimus

at. Cum Pal. Rhen. Bojorum Dux, Anno ab ejuslten Virginiuvis partu M. DC. VII. Ueber den Bau des Residenztheiles mit den Kapellen und dem Antiquarium suchten wir vergebens Aufschlüsse, wir vermuthen aber in H. Schön den Bauhmeister der Kapelle, dadie- ser schon vor dem Residenzbaue dem Herzoge Dienste geleistet hatte.,

Von der Residenz des grossen Churlursten Maximilian steht jetzt nur noch der Theil aus der Hauptfacgade und dem älteren Flügel derselben. Im Schwedenkriege hatte das Gebäude stark ge- litten. Die Feinde richteten 1632 im Innern grosse Verwüstungen an. Es wurden Säulen, Ornamente und Meubel zerschlagen, die kostbaren Teppiche, welche theils aus den Niederlanden kamen, theils in der von Maximilian errichteten Haupte-Manufaktur ge- fertiget waren, wurden mit den Bildern von den Wänden geris- sen, und in der Hofkapelle wurde nach Schätzen gegraben, wobei ein Mensch das Leben verlor, so dass die profanierte Kirche vom Neuen eingeweiht werden musste. Der Hof war zur Zeit der so. viel gepriesenen Mannszucht der Schweden in München in Wasserburg. Er kehrte erst im Oktober 1634 nach München zu- rück, nachdem H. Schön alles wieder in bewohnbaren Stand ge-

*) Der Bau kostete von 1611—1619 die Summe von 506,085 0,

setzte hatte. Im Jahre 1674 war in der Residenz ein bedeutender Brand, welcher zur Nachtszeit ausbrach, und mit einer solchen Gewalt um sich griff, dass z. B. das geheime Archiv nur mit Le- bensgefahr in die Gewölbe des benachbarten Frauenklosters ge- bracht werden konnte. Die sogenannten kaiserlichen Zimmer wur- den ganz ruinirt. Die Kosten der Herstellung beliefen sich auf 26.478 Gulden. Damals war Zuccali Hofarchitekt, welcher die Bau- unternehmungen leitete, ebenfalls ein mit Unrecht vergessener Mei- ster. Im Jahre 1731 wurde die alte steinerne Ballustrade vor der Residenz weggenommen, da sie baufällig war und für keine Zierde mehr angesehen wurde. Bei den Akten des königl. Reichs-Archivs- Conservatorium liegt noch eine Zeichnung dieser Ballustrade. Im Jahre 1750 war in dem Flügel, wo jetzt der grandiose Saalbau sich erhebt, eine zweite Feuersbrunst, welche den nördlichen Flügel ergriff, der von dieser Zeit an nicht mehr hergerichtet wurde.

Heinrich Schön leitete 1642 auch den Festungsbau am Neu- hauserthore. Damals wurde eine neue Einfahrt gemacht. Auch

„am Isar- und Einlassthor wurden damals neue Brücken gebaut,

wozu Schön die Pläne fertigte, so wie zum Bräuhause im alten Hofe, welches vor etlichen Jahren ebenfalls einem Neubau weichen musste. Die Kellerräume sind jedoch noch vorhanden. Ehedem war da der klassische Boden des berühmten bayrischen Bockbie- res, jetzt werden darin die Steine der lithographischen Anstalt der königl. Steuer-Cataster-Commission aufbewahrt. Im Jahre 1642 war das Sudwerk bereits im Gange. Zu dieser Zeit war H. Schön bereits im hohen Alter, denn er stand schon um 1604 im Dienste des Herzogs Maximilian. Im Jahre 1645 wurde daher Hans Con- rad Asper von Constanz angestellt. Dieser übernahm jetzt die Leitung aller churfürstlichen Bauunternehmungen des ganzen Lan- des. Damit war auch die Stelle eines Fortifications-Directors in

München verbunden. Dieser H. C. Asper setzte München in ei-

nen befestigten Stand.

Schön dürfte nach 1645 nicht lange mehr gelebt haben, da er bei seiner Quiescierung schon an Altersschwäche litt. Sein gleich- namiger Sohn war ebenfalls als Baumeister in bayerischen Diensten, fand aber keine bedeutenden Aufträge. Damals hatte man mit Re-

paraturen viel zu thun. Dieser Künstler lebte noch um 1682. Der Vater und Grossvater dieser beiden, ebenfalls Heinrich genannt, war Hof-Maurermeister,

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