SCHOLDE, Jan van

SCHOLDE, Jan van, der Name eines Malers, der, obwohl schon

An diese älteren Gemälde reihen wir jene des Meisters des Todes der Maria oder des Meisters des Johann von Melem und des Nic. de Bruyn, wie Passavant 1. c., S. 126 ihn nennt. Sie gal- ten früher alle für Schoreel's Werke, obgleich von Kunstforschern schon lange dagegen Zweifel erhoben wurden, schon aus dem Um- stande, dass die bedeutendsten dieser Bilder aus Köln stammen, wo seine Einwirkung unverkennbar ist. Es sind noch viele Bilder aus seiner Schule in Köln, worunter jene des Johann von Melem und des Nicolaus de Bruyn gehören. Die Werke dieses sogenann- ten Schoreel sind jedoch nicht alle gleich. Die früheren haben entschiedene Verwandtschaft zu jenen des oben genannten Anony- mus; in seiner späteren Zeit weicht er bedeutend von jener Be- handlungsweise ab, indem er nach Passavant in den Umrissen und in der Modellierung weicher wird, einen wärmeren Fleischton an- nimmt und überhaupt in der Färbung mehr Schmelz und Tiefe be- sitzt. Die Formen sind öfters voller, namentlich der Mund; der Bruch der Gewänder ist weniger scharf. In seinen späteren Bil- dern lässt sich der Einfluss der italienischen Kunst nicht verken- nen; im Auftrage der Farben wird er pastos. Die Blüthezeit die- ses Meisters fällt um 1515 — 1525. Er scheint aber im zuerst ge- nannten Jahre schon Mitglied der Bruderschaft des heil. Lukas in Köln gewesen zu seyn, da auf der Wiederholung des Bildes des Todes der Maria aus der Wallrafischen Sammlung das Wappen dieser Gesellschaft und die Jahrzahl 1515 vorkommt.

Folgende Bilder werden ihm von Passavant im Kunstblatte 1841 Nr. 103 zugeschrieben, in den Catalogen der Gallerien gelten sie aber noch meistens ausschliesslich als Werke des Niederländers Jan Schoreel.

  1. Das berühmte Altarbild, den Tod der Maria darstellend, ehemals in der Kirche St. Maria im Capitol zu Köln, dann in der Boisserée'schen Sammlung, jetzt in der h. Pinako- thek zu München. Die heil. Jungfrau liegt auf dem Sterbe- bette im Ausdrucke seliger Ruhe, und um sie versammelt stehen die zwölf Apostel vom tiefsten Schmerze erfüllt, aber in volliger Ergebung. Zur rechten Seite befindet sich ein Altar mit den Reliquien des Moses und Aaron. Die Figuren dieses Bildes sind nicht ganz halblebensgross. H. 3 F. 11 Z., Br. 4 F. 8 Z. 6 L. Die Composition ist auch durch eine schöne Lithographie von Strixner und Bergmann bekannt. Auf dem einen der Flügelbilder kniet der Stifter mit den Seinen vor den Heiligen Georg und Dionys. Auf dem an- deren legt St. Gudula den Kranz auf das Haupt der Tochter der im Vordergrund knienden Stifterin. Neben der Heiligen steht St. Christina,

Schorec), Jan van.

Wiederholung dieses 'Bildes. in' Kleinen,mit Aenderungen, ehedem in der Wallraf'schen. Sammlusng, 'jetzt imstädtischen Museunm zu Cöln. Dieses Bild ist im Ganzen flüchtiger be- handelt, als das obige. Es trägt das Wappen ‚des koiserli- chen Wechslers Heckeney und die Jahrzahl 1515,, dann das Wappen der Maler- Brüderschaft des,heil. Lukas, mit drei silbernen Paletten im blauen Felde.,

Die Ruhe auf der Flucht in Aegypten. Maria sitzt in eine

Landschaft im Schatten grüner Bäume, den Blick auf das ruhende Kind gerichtet. St. Joseph tritt aus dem Ge- büsche vor; seitwärts rieselt eine kleine Quelle über Felsen herab. Dieses Bild (H. 1 F. 10 Z.) befindet sich. in der Pi- nakothek zu München, ist aber da, wie der Titel der Maria dem J. Schoreel beigelegt. Bergmann hat es lithographirt.

Maria mit dem Jesuskinde auf dem Schoosse, welche einen Rosenkranz in den Händen hält. Auf dem Tische liegt ein Messer und eine Citrone. Dieses Bild ist. in der k. k. Gal- lerie zu Wien (Catalog S. 1905, Nr.20) als Werk des Meisters Dürer's aus der niederdeutschen Schule erklärt. Es trägt fälschlich Dürer's Monogramm und die Jahrzahl 1520. Kniestück, halbe Lebensgrösse.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoosse, wel- ches mit einem Rosenkranz spielt. Neben ihr auf dem Ti- sche liegt ein Apfel, ein Messer, und im Glase ist rother Wein. Dieses Bild ist in der Wiener Gallerie (S. 105, Nr. 16) fälschlich mit dem Monogramme Dürer's neben der Jahr- zahl 15318 bezeichnet. Kniestück 2 F. 3} Z. hoch.,,

Ein kleiner Altar mit Flügeln im Museum zu Neapel, mit dem Gekreuzigten in der Mitte, dabei Maria, Johannes und Magdalena. Das eine Flügelbild zeigt den Donator mit drei Söhnen und St. Markus, das andere die heil. Margaretha mit dessen Frau und zwei Töchtern. Aussen ist grau in'Grau die Verkündigung gemalt.

Das Altarblatt mit Flügeln, welches der Senator Jebelinus Schmitzgen 1525 in die Pfarrkirche S. Maria in Loreto zu Cöln (Loreto) gestiftet hat, jetzt eine Zierde des Städ- tischen Institutes zu Frankfurt a. M. Auf dem Hauptbilde sieht man den vom Kreuze abgenommenen Christus von den Seinen beweint, und darunter auch den Donator schmerz- lich verehrend in der Tracht seiner Zeit. Auf dem einen Flügel hält Verunika das Schweiss_tuch, auf dem anderen Joseph von Arimathea die Dornenkrone. Die halb lebens- grossen Figuren sind nur bis an das Knie, geschnitten. Die Aus- führung des Bildes ist eben so sorgfältig als meisterlich, die Färbung kräftig-milde und harmonisch, im Allgemeinen noch sehr niederdeutsch und fern vom direkten italienischen Ein- fluss. Dieser Umstand, und dass es 1524 gefertigt worden, zu welcher Zeit Schoreel nach Vasari und van Mander be- reits seine frühere niederländische Manier in die italienisch- rafaelische umgewandelt hatte, sind nach Passavant an sich hinlängliche Belege, dass dieses Bild, und auch die oben genannten, nicht von dem Niederländer herrühren können, wie ohne alle Beweise hierfür ist angenommen worden. Im Berliner Museum ist unter Nr. 81 eine freie Nachahmung.

Der vom Kreutze abgenommene Leichnam Christi von Ma-

ria gehalten, von zwei anderen Frauen und von Johannes

  1. Ein Madonnenbild mit Seitenflügeln, auf welchen St. Anna und der Evangelist Johannes abgebildet sind. Auf den äus- seren Seiten sieht man St. Laurentius und St. Dorothea. Dieses Bild ist in der Gallerie zu Altona Tower, dem Land- sitze des Grafen von Shrewsbury, der es von H. Bettendorf in Aachen kaufte. Waagen, K. u. K. II. 464 erkennt an den äusseren Darstellungen die Hand des N. de Bruyn.

Dann trifft man auch öfters Bilder aus der Schule dieses Meisters, die alle aus den Rheinlanden, namentlich aus Cöln und

der Gegend stammen sollen, wodurch die Annahme, dass er der

Cölner Malerschule angehöre, noch fester begründet wird,

Und somit unterscheiden wir jetzt den wirklichen Schorel von

dem angeblichen, da sich in neuester Zeit documentirte Werke

von ihm gefunden haben, nämlich das Bild einer Madonna mit den Stiftern, jetzt im Wittwenversorgungshaus zu Utrecht, und

Schorels Bildniss im Stadthause daselbst, ein liebendes Paar bei

den Freuden der Tafel, eine Kreuzigung im Besitze des Herrn Burel in Cöln. Diese Bilder sind unten näher beschrieben; hier

folgt zunächst die kurze Lebensgeschichte des Meisters.

Jan van Schorel, auch Schorel, Scoorel, und von C. van Mander Jan Schoorl genannt, und wahrscheinlich jener

Maler, der sich auf der oben erwähnten Kreuzigung Schoorle

nennt, wurde 1405 zu Schoorl bei Alkmaar geboren und als früh

verwaister Knabe von Willem Cornelis in Harlem unterrichtet, aber

unter sehr drückenden Verhältnissen, wie C. van Mander erzählt. Cornelis machte viel Einwendung, ehe er sich entschloss, den

Knaben in die Lehre zu nehmen, und willigte endlich unter der Bedingung ein, dass die Vormünder desselben sich schriftlich

verpflichteten, ihn drei Jahre in seinem Dienste zu lassen, oder im Falle er die Werkstatt früher verliesse, eine bedeutende Geld-

busse zu zahlen. Die besorgten Pflegeältern unterschrieben alles,

was er verlangte, und Schorel zog fröhlichen Muthes bei seinem

Meister ins Haus. Hier ging es ihm mitunter übel genug, aber er ertrug alles, und machte in kurzer Zeit solche Fortschritte, dass er schon im ersten Jahre im Stande war, seinem eigennützigen Lehrherrn einen Gewinn von mehr als hundert holländischen Gul- den einzubringen. Doch statt dass ihm Fleiss und Talent eine freundlichere Behandlung erworben hatten, zogen diese Eigen- schaften ihm nur Neid und Argwohn zu. Wilhelm Cornelis konnte nicht ohne innern Verdruss den Fortschritten des Lehrlings zu sehen, der ihn in kurzem zu verdunkeln drohte. Dabei neckte er

ihn beständig mit jener Verschreibung, die den armen Knaben

lang zu seinem Leibeigenen machte. Endlich aber gelang

es ihm in einer sehr stürmischen Nacht, da der Meister völlig he- trunken wie ein Todter dalag, dieser heillosen Verschreibung hab- haft zu werden, und er zerriss das Papier in tausend Stuckchen.

Keineswegs aber machte er sich von der gegen seinen Lehrherrn

eingegangenen Verbindlichkeit frei, und arbeitete redlich und

Schoregel, Jan van.

Verehrung für den Meister nach besten Kräften fort, endlich im Jahre 1512 waren die drei sauren Lehrjahre überstanden; Schoregel nahm geziemenden Abschied von dem Meister, und begab sich zu Jacob Cornelis nach Amsterdam, einem der berühmtesten Maler seiner Zeit. Meister Jakob war das Bild eines wackern Hausvaters, und sowohl seines tadellosen Wandels, als seiner Kunst wegen hoch geachtet. Zu dieser Zeit gingen schon viele gelungene Arbeiten unter des jungen Künstlers fleissigen Händen hervor und fanden

bald Liebhaber, die nicht nur Schoregel's frühen Ruhm begründeten, sondern auch gut bezahlten, was sie von ihm erkauften. Im Hause seines Meisters entspann sich zwischen Schoreel und der holdseligen Tochter seines Lehrers ein zartes Verhältniss, das in dem Jünglinge zur heissen Liebe reifte, aber ohne die Liebe zur Kunst zu verdrängen. Er beschloss hinaus zu gehen in die Welt und dann erst heimzukehren, wenn er im Stande sei, würdig und

ehrenvoll um die Hand der Tochter des Meisters zu werben. Der allge- meine Ruf, welchen Johann von Mabuse genoss, zog den lernbegieri- gen Jüngling zuerst nach Utrecht, wo jener im Dienste des tapferen

Bischofs, Philipp's von Burgund, lebte. Mabuse empfing den jun- gen Schoreel auf das freundlichste, wies ihm eine Wohnung in

seinem Hause an, öffnete ihm seine Werkstatt, und beide began- nen mit Eifer mit einander zu arbeiten. Doch das wildere Lieben

des Meisters konnte der an strenge Sitte gewöhnte Jüngling nicht lange vertragen; er nahm bei der ersten Gelegenheit höflichen Ab- schied und wanderte weiter. Jetzt wendete er sich von Utrecht

nach Cöln und von dort nach Speyer. Dann zog er weiter nach Strassburg und so während seiner Wanderschaft durch mehrere

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