Schoepf, Peter

Schoepf, Peter, Bildhauer, der jüngere Sohn des obigen Künstlers, wurde 1804 zu München geboren, und um sich für die Bildhauerkunst vorzubereiten, erhielt er schon in jungen Jahren den nöthigen Zeich- nungsunterricht bei seinem älteren Bruder Lorenz Schoepf, dem Zeich- nungslehrer an der Feiertags- und Gewerbschule in München, wäh- rend er zu Hause bei seinem Vater das Schnitzen in Holz erlernte,

Das dauernde Wohlgefallen an der Kunst bewog ihn, im Jahre

Nugler's Künstler - Lex. Bd. XV. 31

Von nun an wurden unserm Künstler auch schon einige Bestellungen zu Theil. Dahin gehört namentlich das Monument für den Bischof von Stubenberg in Eichstädt für die dortige Hauptkirche, zu welchem er dessen Büste und zwei lebensgrosse trauernde Genien in Marmor ausführte. Sodann fertigte er mehrere Reliefs in Marmor für Denkmäler auf dem Kirchhofe in München: die Auferstehung Christi, Christus im Grabe, die Religion als sitzende weibliche Figur mit der Monstranz, der sich ältere und jüngere Personen in anbetender Stellung nahen, die Erweckung des Lazarus zu dem Denkmal, welches dem Professor Mitterer, Gründer und Leiter der Münchner feiertäglichen Kunstschule, auf dem dortigen Kirchhofe aus Salzburger Marmor im Jahre 1832 errichtet wurde; sodann eine einzelne Figur von gleicher Bestimmung, die den Glauben darstellt, als bekleidete weibliche Figur mit dem Kelche in der Hand. Inzwischen hatte er sich mannigfach im Modelliren von Büsten nach dem Leben geübt. Dahin gehören ausser der Büste des Bischofs v. Stubenberg, die Büste des genannten Professors Mitterer, die im Auftrage des Münchner Magistrats 1829 kolossal im Marmor ausgeführt und zum Andenken des verdienstvollen Mannes in der Feiertagsschule aufgestellt wurde; dann die Büste Senefelder's, des Erfinders der Lithographie, die aus dem Jahre 1831 stammt und sehr ähnlich seyn soll.

Nachdem so unser Künstler eine lange Reihe von Jahren in seiner Vaterstadt der Ausübung seiner Kunst gelebt und in ver- schiedenen Zweigen der Plastik seine Kräfte versucht und erprobt hatte, duldete es ihn hier nicht mehr länger. Eine Reise nach Rom wurde für ihn Bedürfniss. Auf den Antrag der Akademie der bildenden Künste wurde ihm durch die Gnade Sr. Majestät des Königs Ludwig ein Reisestipendium zu Theil, und so sah er sich im Stande, noch im Jahre 1832 die längst ersehnte Reise nach Rom anzutreten, wohin damals auch Ludwig Schwanthaler sich begab, der berühmte Jugendfreund unsers Künstlers. In Rom an- gekommen, zeichnete er fleissig nach den antiken Originalbildwer- ken, die er dort vorfand, während er zugleich nach eigenen Er- findungen zu modelliren begann. Diess geschah unter der Leitung des grossen Meisters Thorwaldsens, der ihm mit grösster Bereit- willigkeit und Liebe mit Rath und That an die Hand ging. Die ersten Arbeiten, die er unter solchem Einfluss im Winter von 1832 bis 1833 fertigte, waren mehrere Reliefs, ein lebensgrosser Hirtenknabe mit einem Zicklein, so wie einige Skizzen in Gyps, die vortrefflich angeordnet und im guten Style aus geführt sind. Zu den Reliefs gehörte eines, welches Christus vorstellt, der die Kleinen zu sich herkommen lässt. Der Schäferknabe ist eine überaus anmuthige Figur nach Form und Ausdruck. Er ist nackt, bis auf ein Stück Gewand, das mit einem Bande über Brust und Schul- tern festgehalten, rückwärts herabhängt. Mit grosser Lust bläst er auf seiner Rohrflöte, während das Zicklein zuzuhören scheint. Thorwaldsen bezeugte sich mit den Fortschritten, die er in der kurzen Zeit seines Aufenthalts zu Rom gemacht hatte, besonders mit der Gyps-Statue des Schäferknaben, sehr zufrieden und wirkte, durch ein günstiges Zeugniss mit dahin, dass ihm sein Stipendium verlängert wurde, welches ihn in den Stand setzte, noch länger unter Thorwaldsens Leitung zu studiren. Gleich günstig lautete das Zeugniss des Bildhauers und General-Sekretärs der k. Akade- mie der bildenden Künste zu München, des berühmten Johann Martin von Wagner, welcher schon damals in Rom sich aufhielt. Ausserdem fällt in die ersten Jahre seines Aufenthalts in Rom von 1833 bis 1834 eine Reihe von Modellen in Gyps, die zwei Schuh hoch und mit viel Sorgfalt und Beobachtung der Natur durch- geführt sind. Sie dienten ihm nur zum Studium und gehören theils der alten Mythologie, theils der kirchlichen Sculptur, theils der neueren Profangeschichte an. Vorzügliche Beachtung verdie- nen darunter eine sitzende Bavaria mit zwei Löwen, ein verwun- deter Centaur, Armin mit der Siegesfahne zu Pferd, eine Maria, der Evangelist Matthäus mit dem Engel, ein Faun, der dem Amor

Auf der rechten Schulter emporhebt, einen faun und ihn nach einer Traube, die er haschen lässt, eine runde Gruppe von Sappho und Amor, endlich Oedipus mit der Sphinx und eine Venus, die sich im Spiegel besieht. Mehrere dieser trefflichen Modelle, unter welchen der Oedipus, so wie der Faun, noch mehr aber Sappho und Amor, und besonders auch die Venus sich des Beifalls der ausgezeichnetsten damals in Rom lebenden Künstler zu erfreuen hatte, wurden, wie wir sogleich sehen werden, später im Großen, zum Teil auch in Marmor ausgeführt. Eine zweite Darstellung der Sappho, welche den Amor liebkost, ward 1834 unter Leitung Thorwaldsen's in Relief vollendet, und erinnert durch das einfache Maß der gesammten Anlage, so wie durch seine fein gefühlte und doch kräftige Behandlung an die schönen Reliefs, die wir von der Hand des letztgenannten grossen Meisters besitzen. Sappho alt, mit dem Diadem (Stirnbänd) geschmückt, auf einem Felsen; an ihr Knie lehnt sich sanft der geflügelte Amor, dessen Linke in die siebenaitige Lyra greift. Dieses Relief, in Medaillonform, ist in Carrarischem Marmor ausgeführt. In demselben Jahre führte er mit nicht minderer Sorgfalt eine kleine sitzende Statue des Noah mit der Arche in der Hand in pentelischem Marmor aus, die im Besitz des Herrn Camuzzi ist. Aus dem Jahre 1834 rührt auch ein treffliches Relief her, Orpheus in der Unterwelt darstellend, wie er mit Amors Hilfe und den Tönen der Leier seine Gemahlin Eurydice, die hinter Pluto's und Proserpina's Thron steht, daraus zu befreien sucht; Auffassung, Anordnung und Formenbildung zeugen von geläutertem Geschmack und von guter Kenntnis der Bedingungen des Reliefsstyls. Dieses Relief führte er späterhin, als er in seine Vaterstadt zurückgekehrt war, noch einmal sorgfältiger in Gips aus, indem er daran in mässiger Weise das antike System polychromer Plastik in Anwendung zu bringen suchte. Einzelne Schmucksachen und Nebendinge sind in Gold gefasst und der Grund hat eine dunkelbläue Färbung von ruhiger Wirkung, von welchem sich die weißen Relieffiguren in plastischer Rundung um so lebendiger abheben.

In folgenden Jahren, 1835, modellirte er die Statue des Oedipus in Lebensgröße. Es ist diess die schöne Statue eines jugendlichen im Herden- oder Athleten-Charakter gehaltenen Mannes mit kurzem gekräuseltem Haar, in nachdenkender Stellung, als sei er darauf bedacht, das Räthsel der auf einem Felsen neben ihm sitzenden Sphinx zu lösen, eine Statue, die vortrefflich nach Stellen mit dem sorgfältigsten und freiesten Studium der Natur, mit richtigem Gefühl für ihre charakteristische Formenbildung und bis ins Einzelne mit kräftiger Bestimmtheit ausgeführt ist, überdiess von allen Seiten, vorzüglich aber vom Rücken, die geschmackvollsten Linien, wie ein schöner Körper in angemessener Stellung sie gewährt, darbietend. Oedipus hat den Zeigefinger der rechten Hand an den Mund gelegt; der Kopf ist leicht nach dieser Seite hin geneigt. Der linke Arm, über welchem die Chlamys herabhängt, hält ruhig einen Jagdspieß; kein Gewand verhüllt sonst die herrlichen Formen des jugendlich kräftigen, vom schönsten Muskelspiel belebten Körpers. Die Statue hatte in Rom bereits Aufschen erregt, und fand auch auf der Münchner Kunstausstellung im Jahre 1858 großen Beifall. Das Kunstblatt und die Allgemeine Zeitung desselben Jahres sprachen sich sehr günstig und ausführlich darüber aus.

In den Jahren 1836 und 1837 sehen wir unseren Künstler mit dem edlen Meißel in der Hand beschäftigt. Von jeher mit besonderer

Nach Vollendung dieser Marmorarbeit führte er im Laufe des Jahres 1838 die schon erwähnte Statue der Venus mit dem Spiegel in carrarischem Marmor aus, ein ausgezeichnetes Bild, das uns die Göttin fast in Lebensgrösse zeigt, in dem Augenblick, wie sie, aus dem Meere emporgestiegen, das Himation rasch um die Hüften sich gegürtet hat, so dass der Oberkörper unverbüllt sich darbietet, und nun, während ihre Linke das feuchte Haar trocknet, den Glanz ihrer Schönheit aus dem Spiegel zurückstrahlt, den ihre Rechte hält. Es ist diess ein Werk, welches nicht minder als die Statue des Oedipus darthut, dass der Künstler in den Geist der Antike eingedrungen ist, und für jeden Prachtsaal Würde es eine vorzügliche Zierde bilden.

Die letzte Arbeit, welche Schöpf bis dahin in Rom ausführte, war die Büste des Generals Alexander von Haslang, die er auf Be- fehl des Königs Ludwig modellirte und in carrarischem Marmor bildete. Diese Büste, die sich den Beifall aller Kenner erwarb, ist für die bayerische Ruhmeshalle bestimmt. Die Sehnsucht seines Vaters, seinen Sohn vor seinem Tode noch einmal zu sehen, machte es unserem Künstler zur Pflicht, auf einige Zeit Rom zu verlassen, um später wieder dahin zurückzukehren. München angekommen am Ende des Jahres 1838, erhielt er so- fort den allerhöchsten Auftrag, eine der Nischen-Statuen, für die Facade der Glyptothek zu modelliren und in Schwäbischem Mar- mor auszuführen. Es ist diess Vulkan in colossaler Grösse, dabei in der gewöhnlichen Auffassungsweise, mit kurzem Chiton und der Ermelmütze, Hammer und Zange in der Hand. Zu gleicher Zeit fertigte er zwei Valkyren-Statuen aus Donau-Marmor-Kalk- stein, für das Innere der Walhalla bestimmt, um mit anderen Sta- tuen gleicher Art, in polychromer Weise bemalt, als Caryatiden zum Tragen oberer Gebälktheile zu dienen. Hierauf fertigte er im Auftrage des Königs noch drei Büsten für die Ruhmeshalle in Marmor, nämlich die des Componisten Christoph Gluck, des Gra- fen von Rumford und jene Jean Paul's, welch letzterer, nach dem Urtheile von Angehörigen der Jean Paul'schen Familie, die den Dichter im Leben kannten, als vorzüglich gelungen und ähnlich zu betrachten ist, und desshalb wurde sie auch dem Kopfe der Statue, welche nach Schwanthaler's Modell für Bayreuth in Erz gegossen wurde, zu Grunde gelegt. Mehrere seiner Arbeiten kamen im Münchner Kunstverein zur Ausstellung. Auch wurde ein Medail- lon-Relief, Sappho mit dem Amor vorstellend, von dem Verein angekauft. Diess war in Gyps ausgeführt, und gleich dem Orpheus in der Unterwelt, polychrom behandelt. Das Original davon, in Marmor, besitzt der Baron von Lotzbeck in München. Ausserdem arbeitete er während dieses Aufenthalts in München einen Löwen in Relief aus Gyps für die Festung Germersheim, so wie eine wohlgetroffene colossale Büste des durch die Ausführung sehr vie-

Im Jahre 1841 kam der General-Sekretär M. von Wagner nach München, und reiste im Oktober desselben Jahres wieder nach Rom zurück. Mit ihm verliess auch Schöpf München wieder, um so eher, da sein grauer Vater im April vorher gestorben war, und Dankbarkeit ihn an Herrn von Wagner fesselte, der sich ihm in vielfacher Beziehung als Wohlthäter erwiesen hatte. In Rom wieder angelangt, war es sein erstes, die Büste des Astronomen Kepler für die Walhalla in Marmor auszuführen. Das Gypsmodell hatte er schon in München vollendet. Auch arbeitete er ein Relief, darstellend die Muse Erato, gleichfalls in Marmor für den Baron von Lotzbeck. Hierauf modellirte er für Martin von Wagner zwei lebensgrosse Statuen der Siegesgöttinnen, welche noch einmal so gross für den Siegesbogen am Ende der Ludwigsstrasse zu München in Marmor ausgeführt werden. Ausserdem vollendete er im Laufe des Jahres 1843 seine Gruppe Sappho und Amor, lebensgross in Gyps. Sappho, in Tunica und durchsichtigem Peplos überwurf, auf einem Felsen sitzend, hält die Leyer in der Linken, welche der zwischen ihrem Schoosse stehende geflügelte Amor mit der Spindel stimmt. Amors linke und der Dichterin rechte Seite lehnen bei umschlungenen Nacken aneinander. Man sagt, der Kopf der Sappho erinnere an den bekannten Kopf der Villa Albani, und der des Amor an jenen des flötenden Faun im Braccio nuovo des Vatican, von jedem individuellen Typus entbunden. Diese neue Gruppe rühmt man auch in Beziehung auf die gesamte Auffassung und den edlen, antiken Geist, der das Ganze belebt. Der Künstler wird jedenfalls auch in diesem Werke seiner eigenthümlichen Richtung nicht ungetreu geworden seyn; das Streben, bei strenger Masshaltung und Einfachheit der gesamten Anlage, in Bewegung und Charakteristik, mit fein fühlender Sorgfalt das Nackte wie die Gewandung stylistisch durchzuführen und auf diese Weise die Wahrheit über schönen Natur zu erreichen, nehmen wir in allen seinen bessern Werken wahr. Seinen Köpfen weiss er einen über alles individuellen Gepräge hinausgehenden und doch wahren und lebendigen Ausdruck zu geben, wobei ein gründliches Studium der Antike und eine weise Benützung trefflicher Vorbilder seine Phantasie und Hand zu leiten pflegen. Im Jahre 1844 modellirte er eine lebensgrosse Statue, vorstellend die Glycera als Blumenverkäuferin (Stephanopolis), welche sich des Beifalls aller Künstler zu erfreuen hat, und für die beste Arbeit von Schöpf anerkannt wird. Hanfstängl hat das Bildniss dieses Künstlers lithographirt.

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