Schoeninger, Leo, Maler und Galvanograph, wurde 1811 zu Wilderstadt in Württemberg geboren, und an der Kunstschule in Stuttgart unterrichtet, bis er 1828 nach München sich be- gab, um an der Akademie daselbst seine Studien fortzusetzen. Er widmete sich da der Bildniss- und Genremalerei, musste aber auch die Lithographie in sein Bereich ziehen, was ihn hinderte, in der Malertechnik frühe zum erwünschten Resultate zu gelan- gen. Schoeninger ist aber ein Mann von Talent, und namentlich in der Zeichnung wohl geübt; aber seit einiger Zeit gelingt es ihm auch vorzüglich ein Bild in Öl zu malen. Im Lokale des Kunst- vereines in München, und bei Gelegenheit der Kunstausstellungen in Stuttgart sah man mehrere Gemälde von der Hand dieses Künst- lers, der im Portraitfache sich der Anweisung des berühmten Stierl erfreute; . .
Noch zahlreicher sind aber bisher seine Portraitzeichnungen
und die Lithographien , welche ebenfalls in trefflich ausgeführten
Bildnissen bestehen. Diese Blätter zeichnen sich durch Ähnlich- keit der dargestellten Person und durch meisterhafte Behand- lung aus. . .
Dann müssen wir auch einer chemischen Erfindung gedenken, welche in neuester Zeit der Kunst eine höchst merkwürdige An- wendung verlieh.
Durch Schoeninger und Freymann machte die von Professor und Akademiker v. Kobell erfundene galvanographische Methode einen sehr merklichen Fortschritt, und bald ward ihre Bedeutung für die zeichnenden Künste klar. Als erstes Blatt dieser neuen Er- findung ist jenes mit dem Bildnisse Tizian's zu betrachten, welches auf den ersten Augenblick einem Aquatintablatt ähnlich ist, aber
mit der flüssigen Manier zugleich eine körnige verbindet, wodurch eine grössere Kraft und Klarheit erzielt wird, als bei der Aqua- tinta. Die Tonleiter geht vom höchsten Lichte bis zum tiefsten Schatten, und die zartesten Uebergänge erscheinen mit Leichtig- keit bewirkt *). Das genannte Bildniss Titian's ist schwarz ge-
*) Arbeiten nach Professor v. Kobell's galvanographischer Manier liefert auch Rottmann jun. in München. Es sind diess Ansichten von Gebäuden und Plätzen in München, braun gedruckt, nach Art der Aquatinta, ein Verfahren, welches sich für Architektur und Landschaft besonders eignet, . . .
Zu Lithographien:
- Bildniß der höchstseligen Königin Carolina von Bayern, von Stieler kurz nach ihrem Tode gezeichnet, fol.
- Maximilian Kronprinz von Bayern, nach Stieler, 1837, fol.
- Prinz Carl von Bayern als Cuirassier-Oberst, nach Stieler, fol.
- Der Herzog von Leuchtenberg, in ganzer Figur für das herz- Leuchtenb. Galleriewerk lithographirt, gr. fol.
- Köpfe nach Cornelius, J. Schnorr, H. Hess u. a., als An- hang zu G. Simmann's allgem. Zeichnungsschule. München,
- Der heil. Johannes in einer Landschaft, nach Hemling's be- rühmtem Gemälde in der Pinakothek zu München, lith. von Strizner und Schöninger 1850. Mit Ton gedruckt, Schmal voy. fol.
Galvanographische Arbeiten:
Das Bildniß Titian's, mit der Schrift: Nach von Kobeil's gal- vanographischen Methode, mit weiterer technischer Ausbildung für Figuren etc. von Schöninger und Freymann, fol.
Bildniß der Prinzessin Luitpold von Bayern, nach Stieler, fol.
Bildniß der Herzogin von Leuchtenberg, nach Stieler, kl. fol.
Bildniß der Erzherzogin Albrecht von Oesterreich, nach Stieler, kl. fol.
Bildniß des Herzogs Maximilian in Bayern, als Citherspie- ler, von Schöninger selbst gezeichnet, kl. fol.
Bildniß des Dr. S. Boisseree, anscheinend mit Anwendung der Roulette und der Aquatinta, fol.
Ecce Homo. Brustbild des leidenden Heilandes nach G. Reni. Galvanographirt von Schöninger und Freymann. Oval in viereckiger Einfassung in Liniemanier, kl. 4.
Brustbild der betenden Maria. Salvi II. Sassoferrato pinx. Schöninger et Freymann galvanogr. 8. Diese beiden Blätter sind von großer Zartheit, liebliche Erzeugnisse der reinen Galvanographie.
St. Katharina mit der Palme und dem Schwerte, nach Ra- phael, 1844. In diesem Blatte erreichten die Künstler bei ruher Kraft des Tons eine ausserordentliche Klarheit. In Zartheit ist es aber dem Bildniß Titian's nicht gleich- zustellen. Die Künstler strebten absichtlich nach erhöhter Wirkung. Das Vorbild war ein Stich von Desnoyers, kl. fol.
Die Madonna della Sedia, nach Rafael und dem Stiche von R. Morghen, ein ausserordentlich lieblihes Blatt von gröss- ter Klarheit, 4.
Christus am Kreuze, nach Tintoretto's Altarbild in der Gal- lerie zu Schleissheim, das größte Blatt, welches diese Künst- ler bisher geliefert haben. Es ist in einer Manier behan-
Der Tabakraucher, nach einem Gemälde von Ochterveldt in ; der Sammlung des Domherrn Speth, 4. .
Auch diese beiden Blätter sind viel kräftiger behandelt, als das Portrait Titian's. Sie erinnern an Stücke in Roulette- und Aquatinta-Manier, während Titian gemalt zu seyn scheint. Beide sind merkwürdig in ihrer Art. .
- Ein Seestück nach van der Neer, qu. 4. . ; Dieses Blatt ist sehr selten, da die Platte verunglückte,
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