Schnorr von Carolsfeld, Johann Veit

Schnorr von Carolsfeld, Johann Veit, gewöhnlich Veit Hans genannt, Direktor der Akademie der bildenden Künste in Leipzig , wurde 1764 zu Schneeberg geboren, wo sein Vater Rathsherr und

nach den Blättern von Hamilton's Schola Italica, und nach den Gypsabgüssen der Rost'schen Sammlung, die er auch im Umrisse radirte, copirte mehrere gute Bilder, modellirte, radirte, malte übrigens Bildnisse in Oel und Miniatur, und ertheilte Unterricht im Zeichnen, so dass also seine Zeit auf das strengste benützt war, Aus der Porträtirkunst und dem Unterrichte zog er seinen Unter- halt. Die Zeichnungen, die Vignetten und andere von Buchhänd- lern bestellten Radirungen brachten ihm ebenfalls Verdienst, da seine Compositionen schon damals Geist mit Anmuth vereinten, Allein je mehr diese Arbeiten dem Publikum gefielen, desto unzu- friedener war Schnorr damit, da er immer nach höherer Vollendüng strebte. Der nähere Umgang mit Erhard, Heydenreich, Dr. Löbel, Gehler, besonders mit Seume und anderen Freunden der schönen Künste hatte auf seine geistige Ausbildung vortheilhaf- ten Einfluss und erleichterte den schweren Druck der ökonomischen Verhältnisse des redlichen Hausvaters, der für seine zahlreiche Familie unermüdet arbeitete und auf alle erkünstelten Bedürfnisse verzichtete, nur an einen Kunstgegenstand wendete, was er hatte, »Wir können Erdäpfel essen,« sagte er, »aber ich muss etwas Schönes sehen und haben; das gibt eine Nahrung, die ich brauche, und ist auch ein Capital für meine Familie,« So kaufte er, als er einige hundert Thaler geerbt hatte, ein vortreffliches Bild des Jo- hannes von G. Reni für 300 Thaler, und hing es in seinem still verschwiegenen Kämmerlein auf, wo er mit Seume nach der Rück- kehr aus dessen Ir- und Drangsalen Butterbrod und Kartoffeln ass, und dieser die Kleinen auf dem Schoosse wiegte. In diese Zeit fallen viele Zeichnungen, sowie Bildnisse in Miniatur oder mit Silberstift, die seine schnellen und glücklichen Fortschritte bekun- deten. Durch die Zeichnungen zu den Göschen'schen Prachtaus- gaben von Wieland's Werken und Klopstock's Oden, so wie zu Iffland's Sturm etc., durch den Vorhang des Leipziger Theaters, zu dem er den Gedanken auf einer kleinen Reise im Postwagen fasste, und durch eine Empfehlung im deutschen Merkur 1800, S. 150 ff., aus Seume's Feder, wurde der Ruf des Künstlers aus- gebreiteter und er selbst angespornt, sich immer mehr zu vervoll- kommnen. Zur Feier des neuen Jahrhunderts hatte Schnorr nach Tischbein's Erfindung ein 7 Ellen hohes Transparentgemälde aus- geführt, welches 1801 den Concertsaal schmückte, und ein anderes nach Erhard's Angabe schmückte im demselben Jahre den Saal des Hôtel de Saxe. Ueberhaupt war das Talent des Künstlers bei Illu- minationen von den Behörden und Privaten oft in Anspruch ge- nommen, und er liess da und zu Plafonds und Zimmerverzierun- gen sich stets bereitwillig finden. Gegen Ende des Jahres 1801 trat Seume seinen Spaziergang nach Syrakus an, auf dem ihn Schnorr begleiten wollte; allein er kam nur bis Wien, wo ihm Füger der Gefahren wegen von der Reise abrieth. Dagegen blieb Schnorr vierzehn Wochen in Wien, und machte dann über Linz, München, Augsburg und Strassburg die Reise nach Paris. Im deutschen Merkur 1803 gibt er ausführliche Nachricht über seine Fahrt und äussert seine besondere Zufriedenheit. S. Erinnerungen aus meiner artistischen Wanderschatt, S. 6 — 353 u. 80 — 08. So verflossen noch einige Jahre, immer eifrigst mit der Kunst be- schäftigt, und es entstanden mehrere Bilder, die sich durch Ge- müthlichkeit und Innigkeit auszeichnen, besonders aus den romanti- schen Dichtungen damaliger Zeit, wie jene zu Kosegarten's Jukunde u. s. w. Im Jahre 18160 wurde Schnorr endlich als Direktor der Akademie angestellt, als welcher er überaus thätig war, so lange es seine Kräfte gestatteten. Bald nach seinem Antritte gab er

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XV. 26

einen Unterricht in der Zeichnkunst heraus, der zu Leipzig bei Göschen mit 61 Kupfern erschien. Dieses Werk war für seine Schüler von grossem Nutzen, die ihm stets Achtung und Liebe zollten. Auch in der Theorie und Geschichte der zeichnenden Künste ertheilte er ihnen erspriesslichen Unterricht. Die Beschrän- kungen, welche 1830 die Akademie im Raum und in ihren Mit- teln erfuhr, hielt er für eine der schmerzlichsten Erfahrungen, deren er viele im Leben gemacht hatte. Zu diesen gehörte auch die Scheidung von seiner ersten Gattin, der Mutter der berühmten Maler Julius und Ludwig v. Schnorr, und der Ottilia, der Gattin des Direktors Blochmann in Dresden. Endlich nahmen seine Kräfte immer sichtbarer ab, und nur die Kunst konnte sein Leben noch erheitern. Freundlich und wohlwollend stand er allen zur Seite, die seines Rathes bedurften. Die Kunst verlor 1841 an ihm

einen ihrer würdigsten Meister, und die Stadt Leipzig einen edlen

Mann. Schnorr's Werke sind sehr zahlreich. Er malte historische und andere Darstellungen, Portraite in Oel und Minıatur, modellirte in Thon, lieferte Arbeiten in Gyps, versuchte sich überhaupt in jedem Fache. Besonders schön und zahlreich sind seine Zeich- nungen in Tusch, schwarzer Kreide, Sepia, theils mit Weiss ge- hoben, und auch in Farben. Diese Zeichnungen sind jetzt in ver- schiedener Besitz, sowie auch seine Gemälde in verschiedenen Händen sind. Im Jahre 1842 wurde in Leipzig durch J. A. G. Weigel sein Kunstnachlass versteigert. Das Verzeichniss enthält ausser zahl- reichen Stichen und Radirungen auch mehrere interessante Zeich-

nungen des Meisters. In den Promenaden Leipzigs findet man

zwei Monumente, die der Erfindung nach von Schnorr herrühren. Zum Denkmale Müller's modellirte er das Portrait, und das Mo- nument Hiller's führten seine Schüler Funk und Wingrich nach seinem Entwurfe aus, In der Thömaskirche sind die lebensgrossen

Bilder Rosenmüller's und Tzschirner's, ersteres nach Tischbein, von

ihm gemalt. In der bekannten Portraitsammlung des k. sächsi- schen Hofmalers Vogel von Vogelstein ist das Bildniss dieses Künst- lers, 1823 selbst gezeichnet, J. F. Bause stach nach ihm das Bild- niss Kant's, J. Mangold jenes von Kosciusko 1794. C. Kohl stach nach ihm Büsten, romantische Scenen etc. Auch John stach nach

ihm, sehr viel W. Bochm und viele andere Meister, meistens für Buchhändler.

Dann bemerken wir noch, dass Schnorr den dritten Band von Seume's Spaziergang nach Syrakus mit Anmerkungen versah, und die

zweite Auflage von Mengs prakt. Unterrichte in der Malerei, über-

setzt von Facius, mit Anmerkungen herausgab, Lpz. 1818, 8°.

„Schnorr von Carolsfeld hat auch viele Blätter radirt, grössten- theils nach eigener Composition. Sie sind geistreich behandelt, und auch in anderer Hinsicht von Interesse. An den Fleischtheilen wendete er öfter die Punctirmanier an. Er hatte seine Blätter

numerirt, und die meisten mit dem Namen bezeichnet.

  1. Rafael Sanzio da Urbino, nach dem Bilde in der florentini- schen Gallerie. Schnorr v. K. fec., Oval, 8.

  2. Das Bildniss des Botanikers C. A. Lince, für Hedwig's Theo- ria generationis et fructificationis plantarum crypt. Linuaci, Lips. 1798, 4. Das Gesicht ist schön pointirt.

  3. Graf Ignaz Potocki, im antiken Style, 1703 pointirt, 8.

  4. J. G. Breitkopf, Buchhändler in Leipzig, Kopf nach Art

der Antike und pointirt, Oval, 8.

  1. Keyserling, Büste, Carolsfeld dcl. Schnorr sculp. 1790.

  2. Eleonora Knorr, Büste, punktirt, Oval, 8.

  3. Carolina Oelsen, Büste, punktirt, Oval, 8.

  4. Die hl. Elisabeth, nach Dürer's Gemälde in der Kirche zu Marburg, für die Biographie der Heiligen gestochen,

  5. Die hl. Cäcilia von einem Engel gekrönt, für die Breitkopf- sche Musikalienhandlung radirt, V.Schnorr fec. 1794. Oval, 4,

  6. Ein Philosoph in seiner Kammer mit einem Totenkopf auf dem Tische, 8.

  7. Ein Greis auf dem Todtenbette, dem ein Engel die Sanduhr zeigt, während ein anderer die Fackel auslöscht, 8.

  8. Die List des Amor, dabei Venus, die ihn tröstet: „Ah! je me suis confondue une épine dans la main. Auf landschaftli- chem Grunde, Eines der Hauptblätter des Meisters, kl.

  9. Es gibt Abdrücke auf braunes Papier.

  10. Amor bändigt einen Löwen. Hochzeitsgedächtniss den 10. Jänner 1795. Punktirt, nach Art eines Basrelief, in Bister gedruckt, Oval, 4.

  11. Daphne und Chloe in einer schönen Landschaft, nach Gess- ner's Idylle, 8,

  12. Der Genius mit der Fackel zeigt einem Schüler die antiken Bilder des Laokoon, Apollo, der Venus u. Cybele. Grosse Vignette, 1794.

  13. Ein sitzender Genius mit dem Lorbeerzweig, Vignette, 8.

  14. Der ruhende Mars, Allegorie auf den Waffenstillstand, ra-

  15. Allegorie auf den Tod der Königin v. Frankreich, Vignette in einem Rund, 8.

  16. Allegorie auf die Gerechtigkeit: Minerva und Themis, Vig- nette in einem Rund, 8.

  17. Das Benehmen dreier Ritter und zweier Mönche während des Sturms, Vignette in runder Form, 8.

  18. Erinnerung an eine Vermählung den 22. Mai 1792, für die Familie H. L. Punktirt, Oval, 4.

  19. Allegorie auf den Tod des Kaisers Leopold II., mit dessen Medaillon auf der Urne, 1792, gr. qu. 4.

  20. Allegorie auf den Tod des Morus. Die Tugenden schmü- cken den Grabstein mit Blumengewinden: Unserer Freunde Morus. Rost inv. S. f. Oval, 4.

  21. Familiendenkmal. Landschaft mit einem Stadtthor, in wel- ches ein Wagen fährt, ein Reiter und andere Figuren. Vorne zwei Männer in der Tracht des Alterthums unter einem Baume, qu. fol.

  22. Dorische Colonnade mit einem Giebel, Vignette, 8.

  23. Der Zauber der Liebe, nach Art eines Basrelief, 1804, u. fol.

  24. Ein satyrisches Blatt. Der Pastor zürnt seinen Söhnen. Vig- nette in einem Rund, 8.

  25. Eine junge Frau mit ihrem kleinen Mädchen auf der Pro- menade, leicht geätzt, 4.

  26. Eine junge Griechin, den Duft der Rose einathmend, Knie- stück, leicht radirt, 8.

  27. Der Kuss. Gruppe im antiken Geschmacke, schön radirt, 4.

  28. Ein junger Mann und zwei Mädchen im Costume der Zeit, Kniestück, wie obiges Blatt, und leicht radirt, 4.

  29. Ein junges Mädchen mit dem Strohhute im Freien, Kniestück, leicht radirt und der Name rückwärts geschrieben, S.

  30. Eine am Fusse des Baumes lesende Dame, Kniestück, mit dem Namen verkehrt geschrieben, und geistreich radirt, S.

  31. Zwei Mädchen vor einem am Boden liegenden Alten, S.

  32. Die Visitenkarte des Herrn und der Mme. Ochler, mit einem antiken Basrelief, S.

  33. Gallerie häuslicher Denkmäler 12 Blätter. Leipzig 1811, 4.

  34. 62 Umrisse zu Homer's Iliade und Odyssee, Copien nach Flaxman für Wolf's Ausgabe des Homer radirt, 1804, qu. 8.

  35. Umrisse nach den Gypsabgüssen von antiken Bildwerken in der Rost'schen Sammlung.

  36. Unterricht in der Zeichenkunst, als ein Gegenstand der feineren Erziehung zur Bildung des Geschmackes für die höhern Stände, nebst Darstellung der besten Muster alter und neuer Zeit. Leipzig 1810. Bllt. 61 Kupfert., theils in Umrisse, theils halb ausgeführt, qu. fol.; b. m.

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