Schnitz, Gottlieb

Schnitz, Gottlieb, Historien- und Landschaftsmaler , einer der he- deutendsten Meister aus der Zeit des Wiederaufblühens der Kunst, der sich mit E. Wächter u. a. an A. J. Carstens anschliesst, und gleich edlere und mit reinem Gefühle durchgebildete Werke schuf, als David und seine Schule. Er wurde 1770 zu Stuttgart geboren, und zeigte schon als Knabe eine unwiderstehliche Nei- gung zur Kunst, welche kein Machtspruch hemmen konnte. Der damals berühmte Hetsch erkannte aber das herrliche Talent des Knaben, und bildete es mit edler Sorgfalt zur Kunst heran, bis 1798 Schick Stuttgart verliess, um zu Paris in David's Schule nach damaliger Gewohnheit sein weiteres Heil zu suchen. Allein er konnte sich in seinem richtigen Gefühle mit den daselbst herrschen- den Kunstansichten wenig befreunden, und nur die allgemeine Au- torität, welche die Schule für sich hatte, und insbesondere David's großer Ruf konnte das in ihm rege gewordene Misstrauen einige Zeit zurückdrängen. Allein er konnte sich dennoch nicht in die Manier der französischen Schule fügen, und nahm nur so viel von derselben an, was er später in Rom wieder mit leichter Mühe abstreifen konnte. Indessen blieb sein Talent dem Meister David nicht verborgen, und dieser sprach sich selbst beifällig darüber aus, in der Meinung, dass die neue Lehre zuletzt doch mit Er- folg in ihm Besitz fassen werde. Im Jahre 1802 kehrte Schick mit Ehre und Auszeichnung in die Heimath zurück, und erfreute sich in Stuttgart noch sechs Monate des Rathes Dannecker's, worauf er die Reise nach Rom antrat, dem Ziele seines Strebens. Schick gelang es da mit wahrem Kunstsinn und mit empfänglichem Ge- müth an, und jetzt gelang es ihm bald zur Uebereinstimmung

in der Austellung in Rom, als später im Vaterlande Lob und Tadel erfuhr, letzteren aber hauptsächllich nur von denjenigen, die noch an die alte Weise hielten, und daher in diesem Werke sich nicht zurecht finden konnten. Ausführlich beschrieben, beurtheilt und im Umrisse beigegeben ist es im Tübinger Morgenblatte 1807 S. 702 f. Auch in Mensel's Archiv II. 153 ist dieses Bild Gegen- stand der Erörterung. Dann rühmte man auch zwei Gemälde, welche den Heiland zum Gegenstande haben, beide in Rom gemalt. Das eine stellt Christus den Kelch segnend mit zwei Engeln dar, etwas unter natürlicher Grösse, in einer kräftigen, reizend wahren Fär- bung, wie es im Morgenblatte 1809 S. 533 heisst. Das andere Bild ist nur als Skizze zu betrachten, und zeigt in mystischer Auf- fassung den schlummernden Christusjüngling, der nach dem flam- menden Kreuze die Arme ausstreckt, während vier Engel um ihn knieen. Ein weitere Skizze, nach dem Berichte im Morgenblatte von 1811 S. 55, ein Werk der lebendigsten inneren Anschauung, schildert den Zug des Bacchus aus Indien, wie er die von Theseus verlassene Ariadne entdeckt. In einer heroischen Landschaft stellte er den Centaur Chiron dar, der in Gegenwart anderer Centauren den jungen Achilles den Bogen spannen lehrt. Alle diese Bilder und dazu noch etliche Landschaften sind Erzeugnisse der eige- nen geistigen Kraft des Meisters, doch müssen wir auch einer schönen Copie der Rafael'schen Madonna aus dem Hause Colonna gedenken. An diese Gemälde reihen sich dann einige Bildnisse, die in Rom eben so grosses Aufsehen erregten, als seine übrigen Werke. Zu den frühesten gehört das lebensgrosse Bild der Frau von Humboldt mit dem Söhnchen auf dem Arme; ferner das le- bensgrosse Bildniss des Fräulein von Humboldt, die Laute spie- lend, ein Werk, wovon es im Morgenblatte 1800 S. 350 heisst, es mache in seiner Gattung in der Kunstgeschichte Epoche. Auch anderwärts hörte man Stimmen, dass in den genannten beiden Bildnissen sich das künftige Wiederaufleben alter ächter Kunst of- fenbare. In einem dritten Gemälde stellte Schick die zwei kleinen Schwestern des Fräuleins dar, wie sie sich liebevoll umschlingen, und dann auch einmal die Mutter in einem reizend wahren Ge- mälde. Zu den Hauptwerken des Künstlers zählte man auch die lebensgrossen Bildnisse zweier Töchter des Baron von Blanken- hagen. Dieses Bild wird im Morgenblatt von 1811 S. 54 ausführ- lich beschrieben, weil man daran alles wunderschön fand. Auch die Farben sind zu einer seltenen Höhe getrieben, und dennoch in vollkommenerster Harmonie. Weniger glücklich war Schick mit dem lebensgrossen Bildniss der Mme. Degerando, dem es an Gra- zie fehlte, vielleicht an etwas, welches der Künstler nicht vorfand. Auch Monotonie der Färbung warf man ihm vor und Mangel an Harmonie des Ganzen. Ein Bildniss der jungen Milady T. erkannte man nicht als ähnlich. Auch den Alexander von Humboldt malte der Künstler, und zwar bei nächtlicher Scene am Oronoco; Darü- ber berichten die Allgem. geogr. Ephemeriden 1807, 1 Stück.

Das letzte und vorzüglichste Werk des Meisters ist das viel bespruchene Bild des Apollo unter den Hirten, ungefähr 10 F lang,

Könige von Würtemberg, zugeignet. Funke stach dieses Bild für die Geschichte der neueren deutschen Kunst des Grafen Raczynski.

Berlin 1810, gr. qu. fol. Das Original sieht man jetzt im k. Schlosse zu Stuttgart. a

Schick hatte im Jahre 1806 in Rom mit der Tochter des Land- schaftsmalers Wallis ein eheliches Bündniss geschlossen, aus wel- chem zwei Söhne und eine Tochter hervorgingen, die bei dem Tode des Vaters noch Kinder waren. Leider unterlag der talent- volle Künstler 1812 in Stuttgart einem unheilbaren Gebel, dessen Gewalt auch nicht in der Heimath geheint werden konnte. Doch hat er bei seinem kurzen Leben lange genug gelebt, um der Ver- künder einer neuen Morgenröthe der Kunst zu seyn. Ueber Schick's

  • Laufbahn und Charakter lesen wir Ausführliches in Schlegel's deut-

— schem Museum IV. 7, Heft. S. 26 ff. Auch im Tübinger Kunst-

blatte und in der neuesten Beschreibung Roms von Bunsen, Plat- ner etc. I. 583 werden seine Verdienste gewürdiget. Jedenfalls ist es interessant den Weg kennen zu lernen, und die Verhältnisse, un-

ter welchen ein Künstler dieser Art zum Ziele gelangte.

Schick besass zwar nicht den Reichthum der Erfindung seines

Vorgängers Carstens, dessen Bahn er betrat, war aber diesem durch

vollkommenere Ausbildung des Ganzen der Malerkunst überlegen. Er hatte mehr intensives als extensives Kunstvermögen, mehr Tiefe des Gefühls als Fruchtbarkeit der Einbildungskraft; er arbeitete nicht mit besonderer Leichtigkeit, ersetzte aber diesen Mangel durch ausgezeichnete Beharrlichkeit, und sparte keinen Fleiss, um seinen Werken die ihm mögliche Vollendung zu geben. Sein Be-

strebens nicht allein auf gleiche Vollkommenheit in allen Thei- len der Kunst, sondern er wollte auch, nach dem Beispiele der Künstler der Vorzeit, kein besonderes Fach derselben aner-

kennen. Er pflegte daher ausser der Historien- und Bildnismal- lerei auch das Fach der Landschaft mit glücklichem Erfolge zu

seiner Zeit eine ziemlich ungewöhnliche Erscheinung, da hingegen nach ihm sich in Rom mehrere deutsche Künstler zeigten, die eben

so gut landschaftliche Gegenstände als Figuren zu malen verstan-

den. Vermöge seines von aller Einförmigkeit entfernten Geistes

hielt er mannigfaltige Gegenstände der Kunst würdig und ange- messen. Man fing zur damaligen Zeit bereits an, von der Mei- nung des Ungünstigen der biblischen und christlichen Gegenstände für die Kunst zurückzukommen: ein Irrthum, der aus dem Verfall lebendiger christlicher Ideen und aus einseitiger Vorliebe des clas- sischen Alterthums hervorgegangen war. Schick versuchte sich in Vorfällen der christlichen Religion, so wie in Gegenständen der alten Mythologie. Besonders anziehend zum Stoff der Kunstdar-

stellung war für ihn das in der Genesis geschilderte patriarchalische

Leben, welches die Menschheit in hoher Einfalt, in steter Verbin- dung mit der Gottheit und frei von den Beschränkungen des bür- gerlichen Lebens zeigt, und daher den Künstler zum idealen

Wie Carstens Sinn, insbesondere auf das Heroische gerichtet war, so neigte sich Schick vornehmlich zu dem Idyllischen hin, in jenem höheren und allgemeineren Sinne, in welchem es in der bil- denden Kunst am vollkommensten in Raphael's Loggien erscheint. Zwar war er auch höchst empfänglich für das, Kühne und Erha- bene, und verehrte daher keinen Künstler mehr, als Michelangelo, aber doch lag diese Region mehr ausser ihm, als Gegenstand der Verehrung, als dass sie wahrhaft mit seinem Geiste vermählt ge- wesen wäre, wodurch allein nur künstlerische Ueberzeugungen

schöpferisch werden und sich in wahren Kunstprodukten spiegeln können,

In der Zeichnung zeigte Schick, wenn nicht die Anlage zur Grösse des Styls wie Carstens, doch ebenfalls einen vorzüglich offenen Sinn und dabei mehr Vollkommenheit und Richtigkeit in einzelnen Theilen als jener Künstler. Die Schule David's, der das Wissenschaftliche der Zeichnung sehr gründlich verstand, dürfte ihm in dieser Hinsicht vortheilhafter gewesen seyn, als er selbst glaubte, obgleich er sich über das allzuhäufige Studium der Mo- delle, dass er bei diesem Meister üben musste, mit Recht bekla- gen mochte. Doch setzte er auch in Rom in den Winterabenden in Gesellschaft mehrerer deutscher Künstler diese Studien fort. Seine hinterlassenen Aktzeichnungen sind vortrefflich ausgeführt, und geben den individuellen Charakter des Vorbildes getreu wieder. Auch in seinen Compositionen begnügte er sich nicht, die Individualität nur in den Gesichtsbildungen auszudrücken, son- dern suchte dieselbe auch in der Gestalt der gesammten Figur durch- zuführen. Jedweder aber wusste er Charakter und Schönheit zu verbinden, und dem unschönen Charakteristischen war er nicht min- der abgeneigt, als der seyn sollenden Schönheit, welcher Cha- rakter fehlt,

Für Farbengebung zeigte Schick einen nicht minder richtigen Sinn als für Zeichnung. Bei dem Studium der Werke aus den grossen Zeiten der Malerei musste er bald bemerken, dass mit dem Untergange des wahren Farbensinnes, auch die wahre, tech- nische Behandlung der Oelmalerei verloren gegangen war, und dass durch den mit dem Verfall der Kunst aufgekommenen Ge- brauch der blossen Erdfarben eigentlicher Ton, Klarheit und Durch- sichtigkeit des Colorits unmöglich hervorzubringen sei. Er ver- suchte daher sich der Lasurfarben zu bedienen; da er aber die Unterlage nicht in Beziehung auf dieselben zu präpariren verstand, so konnte ihm ihre Anwendung nicht die beabsichtigte Wirkung gewähren, bis ihm der nordamerikanische Maler Alston das rechte Verfahren mitgetheilt hatte. Um das Ganze des Gemäldes in einer schönen Harmonie der Farben erscheinen zu lassen, hielt Schick auch die schillernden Gewänder für angemessen, errcgte aber durch

ihre Anwendung den Tadel des grössten Theils seiner Kunstgenossen, welche hierin einen auffallenden Verstoss gegen die Natur zu erkennen glaubten. Denn da man nach den gewöhnlichen Begriffen vom Ideal dasselbe nur auf die menschliche Gestalt beschränkte, so ward ein ideales Colorit, welches Schick in einem gewissen Sinne in der Sphäre der Kunst ansprach, für widersinnig und der Natur entgegen gehalten. Die Bildnissmalerei übte er in Rom nur, weil sie ihm leichteres Mittel zu seinem Unterhalte war. Er musste dabei oft der Laune und dem Unverstande der Leute nachgeben, was ihm am guten Gelingen der Werke hinderlich war. Vollkommene Freiheit gewährte ihm die Familie des Herrn von Humboldt und die Bildnisse der- selben sind Meisterwerke. Die wenigen von ihm hinterlassenen Landschaften sind nicht wirkliche Naturscenen, sondern ideale Compositionen, für die auch bei andern Künstlern seiner Zeit der Sinn wieder erwachte. Er verlangte von diesen Vorwürfen eben sowohl poetischen Eindruck als von historischen Gegenständen, und daher konnten ihn land- schaftliche Darstellungen, deren Verdienst nur in Nachahmung der Wirklichkeit besteht, ohne zum Geist und Gefühl des Betrachters zu sprechen, wenig befriedigen. Die von ihm erworbene Geschick- lichkeit in der Ausführung dieser Gegenstände ist, wenigstens in Beziehung auf die damalige Zeit, um so auffallender, da er nie auf dieselben ein besonderes Studium verwandte, so wenig als auf die Bildung der Thiere, die er ebenfalls mit glücklichem Erfolge dar- stellte, wenn ihm dazu Gelegenheit in seinen Werken darüberschauen ward. Mehrere Landschaften, von ihm im ächt Poussin'schen Sinne erworben, befinden sich im Nachlasse Thorwaldsen's, der Zeug- nisse neuer Kunst sammelte. Die steten Fortschritte, die er während seines Aufenthaltes in Rom zeigte, lassen mit allem Grunde vermuthen, dass er es noch viel weiter in der Kunst gebracht haben würde, wenn ihn nicht der Tod in der Blüthe seines Lebens dahin gerafft hätte. So würde er unter andern den an seinen Gemälden mit Recht getadelten Fehler sichtbarer Schraffirungen bei einem längeren Leben völlig abgelegt haben, da er ihn später selbst erkannte, und sich bereits von demselben zu entfernen bemühte. Schönmüller, Peter; Maler, arbeitete in der zweiten Hälfte des 17. Jahr- hunderts. J. Schweizer stach nach ihm die Bildnisse der Freiherren zu Sagan und Friedrich von Schwarzenberg, und J. de Vischer das Portrait von Verellius. Schicker, Christian Gottfried Emanuel, Maler, war um 1812 an der Porzellanmanufaktur in Meissen thätig. Schleuan, Hans, Steinmetz zu Dresden, war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts thätig. Er war 1527 Brückenmeister und Steinmetz der Kreuzkirche zu Dresden. Im Magazin der säch- sischen Geschichte I. 60. wird ihm muthmasslich der Bau der Hof- mühle (1520) beigelegt. Im Jahre 1534 baute er das Herzog Geor- gen-Schloss, und dann ist auch der steinerne Todtentanz sein Werk, welcher in 27 Figuren im Basrelief besteht. Schlichting, Martin, Bildhauer von Singen, ist einer der tüch- tigsten Meister der Ulmer Schule. Er war Bürger zu Herrenberg, und daselbst um 1517 thätig. Im Chor der Stiftskirche der genann- ten Stadt sind die mit schönen Flachreliefen gezierten Chorstühle

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