Schnetz, Jean Victor

Schnetz, Jean Victor, Historien- und Genremaler, einer der ausgezeichnetsten und geistreichsten Meister der neueren französi- schen Schule, wurde 1737 zu Versailles geboren. Schnetz kam in

jungen Jahren nach Paris , wo damals die Schule David's auf den

Gipfel des Ruhmes sich erhoben hatte, und daher eilten alle Tal-

ente von Bedeutung nach Paris, da hier zugleich auch fast alle

Hauptwerke der Malerei in ein Central-Museum vereinigt waren.

Auch Schnetz wurde in David's Schule aufgenommen, wo jeder

strenge in der Zeichnung geübt seyn musste, bevor er den Pinsel

zur Hand nehmen durfte. Schnetz hatte aber als Jüngling von zwanzig Jahren auch schon in der Malerei Fortschritte gemacht, die David als höchst bemerkenswert erklärte. Der Meister er- kannte damals in seinem Schüler einen eifrigen Beobachter seiner

Lehren, denen aber zuletzt wenige mehr treu blieben. Auch

Schnetz folgte später seinem eigenen Genius, und eilte auf der

ihm von diesem vorgeschriebenen Bahn zum Ruhm.

Das erste Gemälde, welches ihn 1810 öffentlich bekannt mach- te, und zu den größten Hoffnungen berechtigte, stellt den Tod des General Colbert vor, wie er die letzten Worte aushaucht, dass sein Tod eines Soldaten der grossen Armee nicht unwerth sei, da er die Engländer, die letzten und ewigen Feinde Frankreichs, flie- hen sehe: Solche Compositionen fanden damals im Allgemeinen Anklang, und wenn daher dieselben auch den Anforderungen ent- sprachen, die man an den darstellenden Maler machte, so blieb

die Mühe nie unberücksichtigt. Landon beschreibt daher dieses Bild mit Vergnügen, und gibt es im Umrisse. Von grösserer Be deutung ist ein grosses Gemälde von 1810, womit er sich bereits seinen Rang unter den besten Meistern der französischen Schule sicherte, da dieses Bild nicht nur in der Zeichnung, sondern auch in Schönheit und Kraft der Farbe Vorzüge bietet, während Schnetz im Colorite nicht immer glücklich ist. Dieses Gemälde stellt den barmherzigen Samariter dar, und befindet sich in der Cathedrale zu Valence. Ein gleichzeitiges Bild zeigt den Propheten Jeremias auf den Trümmern von Jerusalem weinend, und ist ebenfalls von

grosser Schönheit der Färbung, so wie von tüchtiger Behandlung. Darauf erhielt er vom Ministerium des königl. Hauses den Auftrag,

für den Saal der Marschälle den grossen Condé in der Schlacht _ von Senef zu malen, ein grosses Bild, welches 1822 an den Ort seiner Bestimmung kam. In demselben Jahre malte er auch im Auftrage des Ministeriums des Inneren ein Bild, welches eine Scene aus der Legende der heil. Genovefa zum Gegenstande hat, wie sie nämlich während der Belagerung von Paris Lebensmittel austheilt. Etwas später ist das grosse Gemälde in der Cathedrale zu Tours, welches auf dieselbe Veranlassung entstand. Es ist dies die Dar- stellung des heil. Martin, wie er mit dem Armen den Mantel theilt, ein Bild, wovon es im Kunstblatt von 1824 heisst, es mache durch die Wahrheit und Lebendigkeit des Ausdruckes, durch die

Harmonie aller Theile, durch das Feuer und die Meisterhaftigkeit, mit der es ausgeführt ist, einen gewaltigen Eindruck, der durch die Einfachheit der Composition nur nach verstärkt werde. Wen- iger günstig wurde auch ein etwas früheres, ebenfalls grosses Bild beurtheilt, die Schlacht von Rocroy 1645, jetzt in der historischen

Gallerie zu Versailles. Dieses Bild soll auffallend an Gerard's Einzug Heinrich's IV. erinnern, ohne jedoch so gründlich in der Zeichnung und so großartig im Style zu seyn, als jenes Werk, Indessen hat auch Schnetz's Gemälde grosse Vorzüge, und ist als Ergebniss eines tiefen Studiums zu betrachten. Es enthält eine Menge schöner und ausdrucksvoller Köpfe. Die Gruppirung, Tumul und Unordnung wie hier, kann nur ein reiches Talent in solcher Lebendigkeit geben.

Alle diese Bilder, und noch einige kleinere, malte der Künstler in Paris, ohne Italien gesehen zu haben, jetzt aber ward er auch in den Stand gesetzt, in Rom seine Studien vollenden zu können. Hier malte er in einer dem Léopold Robert verwandten Richtung ver- schiedene Genrebilder, mit welchem er aber doch nicht leicht ver- wechselt werden kann, da ihn das ihm eigene, etwas trübe Colorit verräth. Es sind aber diess Bilder, welche ein schönes Talent zur Darstellung italienischer Volksscenen verrathen. Zu den frühe- ren in Italien gemalten Bildern dieser Art gehört der alte Hirt in der Campagna di Roma, jetzt im Palais Royal zu sehen. Zu den ersteren italienischen Bildern gehört auch die Wahrsagerin, die einer jungen Italienerin ihr Schicksal prophezeit, im Palaste zu St. Cloud, und die Frau des Räubers, welche mit dem Kinde im Korbe eilig flocht, da die Räuber ins Gefecht gerathen sind, jetzt in der Gallerie des Palais Royal. Diese Bilder erinnern sehr viel an Robert. Als Gegenstück zum letzteren dient das Weib des Räu- bers schlafend, welches aber an Werth geringer ist. Einen eben so rührenden als elegischen Eindruck bringen dagegen zwei Bil- der hervor, welche unter dem Namen des Gelübdes an die Ma- donna und des Gebetes an die heil. Jungfrau bekannt sind. Das letzte dieser Bilder ist von ausserordentlicher Wahrheit und Tiefe der Darstellung, und daher zog es auf der Kunstausstellung zu Paris alle Blicke auf sich. Eine altliche Frau betet in der Ka- pelle sitzend zur Madonna um die Genesung ihrer Tochter. Eben- so trefflich ist das Gemälde in der Gallerie Luxembourg, welches den Hirtenjungen Montalto vorstellt, dem eine Zigeunerin prophe- zeit, dass er Papst werden werde. Dieses von N. Lecomte unter dem Titel: Sixte Quinte, gestochene Bild ist von ungewöhnlich kräftiger und glänzender Färbung. In den Kreis dieser Darstel- lungen auf dem Gebiete des Genres und aus der früheren Zeit des Meisters gehört auch der Eremit, welchem ein Mädchen beichtet, der Capuziner, welcher ein Weib mit ihrem Kinde aufnimmt, der verwundete Guefische Soldat, der französische Soldat, welcher um die alten Gallier zu rächen auf dem Capitol eine Gans rupft, der Pilger mit seinem Sohne schlafend, Masaniello, zwei Badende im See von Nemi. Alle diese Bilder entstanden vor 1830, grössten- theils in Rom. Da fasste der Künstler auch den Gedanken zum Bilde im Luxembourg, welches eine Ueberschwemmungsscene vor- stellt, markiger und reiner in der Färbung, als in mehreren an- deren Gemälden des Meisters. Man sieht da eine römische Familie, die beim plötzlichen Ausbruch der Tiber eilig die Flucht ergreift. Von seinen späteren Genrebildern erwähnen wir noch einer Scene, 1840 gemalt, welche einen Mönch vorstellt, der mit zwei Hirten- knaben und einem kleinen Mädchen vor der Madonna betet. In diesem Bilde spricht sich ein reines, wenn auch kein tiefes Gefühl aus, und es ist für sich ein treffliches Gemälde. Den Mönch fand ein Critiker zu dickbauchig, wie ihn der geistreiche Schnetz früher einmal in der zarter Umgehung gemalt. An dieses Bild reihen sich seit dieser Zeit wieder einige andere Bilder aus dem italienischen Volksleben, da sich der Künstler seit 1840 wieder in Italien befindet.

Er ist schon viele Jahre. Im Jahre 1828 ernannte ihn der König zum Ritter der Ehrenlegion, und 1843 trat er in die Reihe der Offiziere dieses Ordens. Schneider befindet sich noch gegenwärtig in Rom.

Die Gemälde der historischen Gallerie in Versailles sind im Stahlstiche bekannt, in dem Werke: Galeries historiques de Ver- sailles, Paris chez Ch. Gavard. Die beiden Kniestücke von Fabert und Matignon sind von Geille und A. Fontaine gestochen, die Schlacht von Rocroy von Gelee, die Schlacht von Cerisolles von Girardet, die Aufhebung der Belagerung von Paris durch Eudes von Blanchard etc. Der Abschied des Consuls Bouetius ist in Re- veil's Musée im Umrisse gestochen, und das treffliche Bild des Hirtenjungen Montalto, nachmaligen Papst Sixtus V., 1833 von N. Lecomte im größeren Formate nachgebildet. In der illustrirten Ausgabe der Corinne par la baronne de Stael-Holstein, 2 tom., Paris 1841, sind neben andern ebenfalls Compositionen von ihm Diese wurden von den besten Meistern in Lyon geschnitten.

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